Siegfried Tschierschky

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Siegfried Tschierschky (* 1872; † nach 1944) war ein deutscher Jurist, Wirtschaftswissenschaftler, Kartellsachverständiger, Verbandsfunktionär und Publizist.

Beruflicher Werdegang[Bearbeiten]

Siegfried Tschierschky studierte Ende des 19. Jh. Rechtswissenschaften und promovierte.

Tschierschky arbeitete seit Anfang des 20. Jh. als Wirtschaftsjurist im preußischen Rheinland. Er baute sich in Düsseldorf eine zunehmend gutgehende Kanzlei auf, indem er sich auf die Anliegen von Unternehmen spezialisierte, die in Kartellen zusammenarbeiten wollten oder in solchen bereits organisiert waren. 1902 übte er nachweislich das Amt eines ‚Sekretärs‘ des ‚Vereins der Deutschen Textilveredlungsindustrie‘, aus, für welchen er auch publizierte. Bis spätestens 1912 war Tschierschky Geschäftsführer von sechs Kartellen bzw. Wirtschaftsvereinigungen gleichzeitig sowie ab 1904 (bis 1936) der Herausgeber der Monatszeitschrift Kartell-Rundschau und außerdem einiger kleinerer Verbandszeitschriften. Tschierschky betreute überwiegend Unternehmenszusammenschlüsse der Textilindustrie. Diese „erstreckten sich vom Fachverband über Konditionen-Kartelle bis zum hochausgebildeten Preis-Kartell und sogar zum Arbeitgeber-Verband.“ [1] Das Geschäft lief so gut, dass Tschierschky zu seiner Entlastung 1912 den frisch absolvierten Nationalökonomen Max Metzner einstellte. Dieser blieb – mit einer längeren Unterbrechung durch den Ersten Weltkrieg – bis 1922, als er in die ‚Kartellstelle‘ des Reichsverbands der Deutschen Industrie berufen wurde. [2]

1937 gab Tschierschky die Redaktion der ‚Kartell-Rundschau‘ ab, 1944 wurde diese Zeitschrift ganz eingestellt.[3] Danach publizierte Tschierschky nicht mehr und trat auch anderweitig nicht in Erscheinung. In der Festschrift für seinen Schüler und Kollegen Max Metzner 1963 findet sich nur ein Beitrag aus dem Jahr 1921 von ihm, der als postum gekennzeichnet ist.

Wirkung[Bearbeiten]

Tschierschky war ein führender Vertreter der deutschen Kartellbewegung des 20. Jh.. Er hatte diese Organisationsweise und Wirtschaftsform während seiner Tätigkeit als Berater, Justiziar und Publizist immer gefördert. Im Zuge der von den Alliierten angeordneten Dekartellierung stand seine wirtschaftspolitische Ausrichtung nach 1945 auf verlorenem Posten.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Roland Risse: Lebensweg und Lebenswerk von Dr. Max Metzner, in: Kartelle in der Wirklichkeit. Festschrift für Max Metzner, Köln 1963, S. 12.
  2. Roland Risse: Lebensweg und Lebenswerk von Dr. Max Metzner, in: Kartelle in der Wirklichkeit. Festschrift für Max Metzner, Köln 1963, S. 13.
  3. Kartell-Rundschau, Jg. 1936, 1937 und 1944

Schriften von Siegfried Tschierschky[Bearbeiten]

  • Die zollpolitischen Interessen der Deutschen Textilveredlungsindustrie, Berlin 1902.
  • Kartell und Trust, Leipzig 1911.
  • Die Lieferungs- und Zahlungsbedingungen im Webwarengeschäft, Berlin 1922.
  • Kartellverordnung : (Verordnung gegen Mißbrauch wirtschaftlicher Machtstellungen), Mannheim 1925.
  • Kartellorganisation, Berlin 1928.
  • Kartellpolitik, Berlin 1930.
  • Internationale Kartelle in der Europäischen Wirtschaftspolitik, in: Der internationale Kapitalismus und die Krise, Stuttgart 1932, S. 306-314.
  • Étude sur le nouveau régime juridique des ententes économiques (cartels etc.) en Allemagne et en Hongrie : Préparée pour le Comité économique ; Section des Relations économiques, Geneve 1932
  • Die begrifflichen Grundlagen der Sperre und der Nachteile von ähnlicher Bedeutung (§ 9 Kart. V. O.), Berlin 1933.
  • System und Entwicklung des neuen Kartellrechts (bearbeitet zusammen mit Georg Breslauer), als: Beilage der Kartell-Rundschau, 42 (1944).
  • Die Aufgaben der Kartelle für die Wirtschaftsordnung (postum), in Kartelle in der Wirklichkeit. Festschrift für Max Metzner, 1963, S. 111-116.