Spich

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50.8277333333337.117980555555656Koordinaten: 50° 49′ 40″ N, 7° 7′ 5″ O

Spich
Stadt Troisdorf
Höhe: 56 m ü. NN
Einwohner: 12.817 (30. Jun. 2010)[1]
Eingemeindung: 1. April 1927
Eingemeindet nach: Sieglar
Postleitzahl: 53842
Vorwahl: 02241
Herrenhaus des Adelshauses Broich, erbaut 1620
Neugotische Pfarrkirche „St. Mariä Himmelfahrt“

Spich ist eine der zwölf Ortschaften von Troisdorf im nordrhein-westfälischen Rhein-Sieg-Kreis. Am 30. Juni 2010 hatte er 12.817 Einwohner[1] und ist damit nach Troisdorf-Mitte der bevölkerungsmäßig zweitgrößte Stadtteil von Troisdorf. Die Bundesstraße 8 bildet die Hauptstraße des Stadtteils. Des Weiteren befinden sich hier mehrere Gewerbegebiete sowie eine Anschlussstelle der Bundesautobahn 59 und ein S-Bahn-Haltepunkt mit direkter Anbindung an den Köln/Bonner Flughafen. Der Stadtteil ist geprägt durch Mehr- und Einfamilienhäuser. Die Industriegebiete liegen in den Randregionen. Im Spicher Wald befindet sich eine Sondermülldeponie.[2] Sehenswert ist das Naturdenkmal Spicher Hohlstein.

Geschichte[Bearbeiten]

Der freiadelige Hof Haus Spich wurde 1297 erstmals urkundlich erwähnt. In einer Urkunde der Abtei Michaelsberg ist von einer Mechthild de Spico die Rede'.[3] 1555 gehörte die Honschaft Spich zum Kirchspiel und Landgericht Sieglar im bergischen Amt Löwenburg.[4] 1815 wurde in Spich eine Alaunhütte in Betrieb genommen. Am 7. August 1826 fielen einem Brand acht Häuser in der Burgstraße und der Brückenstraße zum Opfer[3].

Die Gemeinde Spich gehörte zur Bürgermeisterei Sieglar. 1885 hatte sie 737 ha Fläche, davon 439 ha Acker-, 14 ha Wiesen- und 212 ha Waldfläche. Spich war der einzige Ort der Kommune.[5] Die Gemeinde hatte 1885 192 Haushalte und ein unbewohntes Wohnhaus mit 976 Einwohnern (468 Männer und 508 Frauen).

Spich war bis 1927 selbständige Gemeinde und wurde am 1. April 1927 in die Gemeinde Sieglar eingegliedert. Im Zuge der Gemeindereform wurde am 1. August 1969 die Gemeinde Sieglar nach Troisdorf eingemeindet.[6] Auf dem Gelände des Rittergutes Rott wurde ein Telegrafenhaus des Preußischen optischen Telegrafs gebaut, welcher nach Aufkommen der elektrischen Telegrafie als Forsthaus des Freiherrn Spies von Büllesheim genutzt wurde und heute Gaststätte ist.

Einwohnerentwicklung[7][Bearbeiten]

Jahr Einwohner
1816 610
1843 851
1871 946
1905 1.517
1961 5.656
2010 12.817

Religion[Bearbeiten]

Bis auf drei Bürger evangelischen Glaubens und zwölf Bürger jüdischen Glaubens war die Gemeinde im 19. Jahrhundert katholisch (961 Personen). Die evangelischen Bürger wurden von Siegburg betreut. 1966 wurde die evangelische Lukaskirche ursprünglich als Notkirchenbau in Zeltform erbaut, später dann renoviert und um einen Vorbau mit Empore für den Posaunenchor erweitert. Ein Glockenturm mit 3-stimmigen Geläut ist in Planung. Zur evangelischen Konfession bekennen sich heute ca. 25 % der Einwohner. Die in die katholische Pfarreiengemeinschaft Troisdorf eingegliederte Gemeinde Sankt Mariä Himmelfahrt umfasst ca. 5000 Katholiken. Die ehemalige Kapelle der belgischen Streitkräfte im Camp Spich wurde 2004 dem heiligen Dimitrios geweiht und dient als Gotteshaus für die rund 1600 Mitglieder zählende Gemeinde der griechisch-orthodoxen Christen im Rhein-Sieg-Kreis.

Politik[Bearbeiten]

Seit der Kommunalwahl im Jahre 2004 stellt die CDU in Spich alle vier direkt gewählten Stadtverordneten, sowie zusätzlich einen fünften über die Reserveliste gewählten Ratsherren. Ortsvorsteher von Spich war 1999–2013 Hans-Willi Schwartz (CDU); seit März 2013 bekleidet Werner Zander dieses Amt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Haus Broich[Bearbeiten]

Der Rittersitz Haus Broich wurde erstmals im 12. Jahrhundert erwähnt. Der Name Broich deutet dabei auf eine Lage in einer Sumpf- oder Moorgegend hin. Udo de Bruche (von Broich) wurde ehedem vom Grafen von Berg zum Ritter geschlagen und in den Adelsstand erhoben. Seine Nachfahren waren über Jahrhunderte Vasallen der Grafen und später der Herzöge von Berg. Das Renaissance-Herrenhaus wurde 1620 erbaut.

Haus Heep[Bearbeiten]

Das Haus Heep (Schreuer) ist bereits auf einer Karte über die Rottzehntverhältnisse im bergischen Amt Löwenberg aus dem Jahre 1755 als nichtadeliger Gutshof eingezeichnet, der dann nach zwischenzeitlichen Eigentümern benannt wurde. Die Sterbeurkunde eines späteren Besitzers des Hauses bezeichnet diesen 1842 als Bauer, Wirt und Barriereempfänger. Als Barriereempfänger hatte er das Chausseegeld einzuziehen. Damit die Einzelpersonen, Pferdefuhrwerke und Viehtreiber auch tatsächlich bezahlten, war in Höhe des Hauses eine Barriere aufgestellt. Das Geld musste bei Tag und Nacht kassiert werden. Die nächste Zahlstelle befand sich an der Aggerbrücke in Troisdorf. Am 31. Dezember 1874 wurden in Preußen die staatlichen Chausseegebühren abgeschafft, so dass die Chausseehäuser als solche ihre Funktion verloren und die Bewohner meist auszogen. Es folgten verschiedene Besitzer, die das Haus als Wohnhaus und später auch wieder als Gaststätte benutzten, Teile abrissen und im Fachwerkstil wieder aufbauten, bis dann schließlich Ostern 1999 das Haus fast vollständig niederbrannte. Mit Hilfe des Heimat- und Geschichtsvereins Troisdorf wurde der vollständige Abriss der Ruine verhindert und das Haus in seiner alten Gestalt, allerdings nun mit Dachgauben, im Jahr 2000 wieder aufgebaut. Heute ist am „Wirtshaus Heep“ eine Tafel angebracht, die an seine wechselhafte Geschichte erinnert.

Haus Spich[Bearbeiten]

Das „Haus Spich“ in der Hauptstrasse 183 ist ein Herrenhaus mit straßenseitigem Anbau und vorgelagertem Gewölbekeller. Es wurde 1866 neu errichtet.

Et Hüsje[Bearbeiten]

„Et Hüsje“ ist ein dem „Haus Heep“ gegenüber gelegenes Fachwerkhaus.

Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt[Bearbeiten]

Im Jahr 1694 wurde in Spich eine erste katholische Kapelle erbaut, die der rasch wachsenden Gemeinde jedoch schon bald nicht mehr genügte. So wurde am 4. September 1858 der Grundstein zu einer Kirche gelegt, die in nur zwei Jahren entstand und den Namen St. Mariä Himmelfahrt erhielt. Im Jahr 2008 wurde die Kirche grundlegend renoviert. Das 150. Jubiläum der Pfarrerhebung konnte am 29. Mai 2011 mit einem von Joachim Kardinal Meisner zelebrierten Pontifikalamt begangen werden.

Historische Klais-Orgel[Bearbeiten]

Die Orgel der Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt wurde im Jahr 1908 von der Orgelbaufirma Johannes Klais aus Bonn erbaut. Damit ist sie die mit Abstand älteste auf Troisdorfer Stadtgebiet erhaltene Orgel.

Das heute im Turmzimmer stehende und durch ein Gitter verdeckte Instrument besaß ursprünglich einen neugotischen, verzierten Prospekt. Die Traktur der ursprünglichen Orgel in St. Mariä Himmelfahrt wurde mit pneumatischen Kegelladen über einen angebauten Spieltisch gesteuert. Das ursprüngliche Instrument besaß 15 Register, davon eine Transmission im Pedal. Die ursprüngliche Gestalt der Orgel wurde im Jahre 1969 gemäß den Vorstellungen dieser Zeit verändert, wobei massiv in ihre Gestalt eingegriffen, der ursprüngliche Prospekt entfernt und das Instrument in das Turmzimmer der Kirche versetzt wurde.

Derzeit stellt sich die Disposition des Instrumentes wie folgt dar:

I Hauptwerk C–g3 
Principal 8'
Flauto 8'
Oktave 4'
Traversflöte 4'
Nasard 22/3
Mixtur 3fach
Trompete 8'
II Oberwerk C–g3 
Viola di Gamba 8'
Lieblich Gedackt 8'
Prestant 4'
Sesquialter 1-3fach
Superoktav 2'
Tremulant
Pedalwerk C–d1 
Subbass 16'
Offenbass 8'

Koppel I-II Ped-I, Ped-II, Handregister, 1 Freie Kombination, Plenum – Festkombination, Zungenabsteller

Elektropneumatische Traktur

Vereine[Bearbeiten]

Sportvereine sind der Fußball-Bezirksligist 1.FC Spich 1911 e. V. mit dem Lauftreff Spich, gegründet 1983, der Tennisverein TV Tie Break Troisdorf (gegründet 1978, zur Zeit rund 250 Mitglieder), sowie der Tennisverein TC Spich (gegründet 1973) der Radsportverein Blitz Spich 1908 und das Tanzcorps Burggarde Spich e.V.

Die Tanzgruppe „12 Karat“ unter der Leitung von Inge Engels wurde 1977 gegründet und gehört zu den ältesten noch unter gleicher Leitung bestehenden Sportgruppen des 1. FC Spich, Abteilung Turnen und Volleyball.

Der älteste Verein von Spich ist der Männergesangverein 1874 e.V., der sich aus einem kirchlichen Gesangverein entwickelte. Als weiterer eigenständiger Zweig dieses Vereines entstand 1908 der Kirchenchor St. Gregorius. Außerdem wird der Chorgesang im Ensemble Nova Cantica sowie dem Troisdorfer Vokalensemble gepflegt, die wie der Kirchenchor auch als Chöre in der katholischen Pfarreiengemeinschaft Troisdorf organisiert sind.

Seit dem 6. Februar 1911 hat Spich auch eine eigene Löschgruppe, die heute der Freiwilligen Feuerwehr Troisdorf angehört. Die Löschgruppe Spich ist ebenfalls ein eingetragener Ortsverein.

Im Jahr 2007 wurde der Junggesellenverein (JGV) Spich neu gegründet.

Im Oktober 2009 gründeten Spicher Bürger den Orgelbauverein an St. Mariä Himmelfahrt, der sich die sachkundige Restaurierung der historischen Klais-Orgel der katholischen Pfarrkirche zur Aufgabe gemacht hat.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter des Stadtteils[Bearbeiten]

Mit dem Stadtteil verbundene Personen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b Infobroschüre Stadt Troisdorf, Seite 15
  2. http://www.ksta.de/html/artikel/1256137109763.shtml
  3. a b Geschichtsverein Troisdorf e.V.: Geschichtsinformationen in Kurzform
  4. W. Harleß: Die Erkundigung über die Gerichtsverfassung im Herzogtum Berg vom Jahr 1555. In: Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins, 20. Band, Jahrgang 1884, Bonn 1885, S. 123.
  5. Gemeindelexikon für das Königreich Preußen von 1885
  6.  Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 85.
  7. Volkszählungsergebnisse von 1816 bis 1970 der Städte und Gemeinden. Beiträge zur Statistik des Rhein-Sieg-Kreises, Bd. 17/ Siegburg 1980, S. 166–167.