Stephen Schneider

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Stephen Schneider 2009
Stephen Schneider mit Marina Silva und Thomas Lovejoy (v.r.n.l.) 2010

Stephen Henry Schneider (* 11. Februar 1945 in New York City; † 19. Juli 2010, Großbritannien[1]) war ein US-amerikanischer Plasmaphysiker und Klimatologe. Forschungsschwerpunkte waren unter anderem die Erstellung von Klimamodellen sowie die Kommunikation zum Klimawandel.[2] Schneider gehörte zu den führenden Wissenschaftlern, die sich für Maßnahmen gegen die globale Erwärmung einsetzen.[3][4]

Leben[Bearbeiten]

Schneider wuchs auf Long Island, New York auf. Seit seiner Jugend interessierte er sich für Astronomie. Er studierte an der Columbia University in New York City zunächst Maschinenbau (Bachelor-Abschluss 1966) und im Masterstudium zusätzlich Plasmaphysik (Masterabschluss 1968) und befasste sich zunächst vor allem mit Raketenantrieben. Nach den Studentenunruhen von 1968 wurde Schneider aufgrund seiner ausgewogenen Haltung zum stellvertretenden Vorsitzenden des neu etablierten studentischen Komitees im Senat der Universität gewählt.[5]

Der Earth Day 1970 weckte sein Interesse an der Globalen Erwärmung. Nach seiner Promotion im Jahr 1971 in Maschinenbau und Plasmaphysik arbeitete Schneider als Post-Doktorand am Goddard Institute for Space Studies der NASA, und befasste sich dort mit der Erstellung von Klimamodellen. In dieser Zeit waren erstmals Satellitendaten zur Klimamodellierung verfügbar. 1972 hielt er einen Vortrag auf dem jährlichen Treffen der American Association for the Advancement of Science, in dem er seine Ergebnisse vorstellte, dass Aerosole die Erde abkühlen, während Treibhausgase einen wärmenden Effekt haben – wobei unsicher wäre, welcher Effekt stärker sei. Eine humoristische Bemerkung Schneiders hierzu wurde am Folgetag von dem renommierten Wissenschaftsjournalisten Walter Sullivan in der New York Times zitiert,[6] wodurch Schneider ungewöhnlich früh in seiner Karriere öffentliche Aufmerksamkeit erhielt. Ab diesem Zeitpunkt befasste er sich damit, wie man sowohl die Dringlichkeit als auch die Unsicherheiten in Bezug auf die Globale Erwärmung der Öffentlichkeit vermitteln kann, ohne dabei zu über- oder untertreiben.[5][7] Über seine Erfahrungen hiermit berichtete er in seinem Buch Science as a Contact Sport: Inside the Battle to Save Earth's Climate.[8]

Im Jahr 1972 erhielt er ein Stipendium für Post-Doktoranden und wechselte an das National Center for Atmospheric Research (NCAR) in Boulder (Colorado), wo er von 1973 bis 1996 fest angestellt war.[8] Dort war er Mitbegründer des Climate Project und wies auf die Rolle der Wolkenbildung als klimatischem Feedbackmechanismus und die Notwendigkeit zeitlich gekoppelter Atmosphären-Ozean-Modelle bei der Untersuchung von Szenarien zu erhöhten Konzentration von Kohlenstoffdioxid in der Erdatmosphäre hin. Er begann, sich mit Risikoanalysen und der öffentlichen Wahrnehmung der Gefahren der globalen Erwärmung zu befassen, vor allem im Kontext der Unsicherheiten bei der Modellierung der Wechselwirkungen von menschlichen und natürlichen Systemen.[5] Zudem befasste er sich mit den möglichen Auswirkungen eines Atomkriegs auf das Klima und prägte den Begriff „nuklearer Herbst“ (nuclear autumn).[3][9]

Im Jahr 1975 gründete Schneider die Fachzeitschrift Climatic Change, deren Herausgeber er bis zu seinem Tode war.[4][8] Zudem war er an der Gründung der Sektion Sustainability Science der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) beteiligt.[5] Er hat über 450 wissenschaftliche Artikel, Bücher, Buchkapitel und weitere Veröffentlichungen selbst oder als Mitautor verfasst.

Seit 1992 war Schneider Professor an der Stanford University.[3] Dort gründete er gemeinsam mit 60 Kollegen das interdisziplinäre Environmental Institute.[5] Er hatte eine „Melvin and Joan Lane“ Professur für interdisziplinäre Umweltwissenschaften und eine Professur an der Abteilung für Biologie. Zudem war er „Senior Fellow“ des Woods Instituts für Umweltwissenschaften und hatte eine zusätzliche Professur an der Abteilung für zivile und Umweltingenieurwissenschaften.[3]

Schneider war langjähriger Mitarbeiter des Weltklimarats (IPCC), der im Jahr 2007 gemeinsam mit Al Gore den Friedensnobelpreis erhielt. Ab dem ersten Sachstandsbericht als Autor beteiligt, war er von 1994 bis 1996 Leitautor in der Arbeitsgruppe I für den zweiten Sachstandsbericht, sowie von 1997 bis 2001 koordinierender Leitautor der Arbeitsgruppe II für den dritten Sachstandsbericht.[5] Auch am vierten Sachstandsbericht war er als koordinierender Leitautor der Arbeitsgruppe II sowie an der Erstellung des zusammenfassenden Berichts („Synthesis Report“) beteiligt.[10]

Schneider beriet zudem US-Bundesbehörden und/oder das Weiße Haus unter den Regierungen von Richard Nixon, Gerald Ford, Jimmy Carter, Ronald Reagan, George H. W. Bush, Bill Clinton, George W. Bush und Barack Obama.[10]

Im Jahr 2001 wurde bei Schneider eine seltene Form des Non-Hodgkin-Lymphoms (Mantelzelllymphom) diagnostiziert. Über seine Erfahrungen mit der Krebsbehandlung berichtete Schneider in seinem im Jahr 2005 erschienenen Buch The Patient from Hell.[5]

Er starb im Jahr 2010 auf einem Flug von Göteborg nach London, auf der Rückreise von einer Konferenz auf der schwedischen Insel Käringön, im Alter von 65 Jahren an einem Herzinfarkt.[3][8]

Schneider war mit der Ökologin Terry Root verheiratet, mit der er auch wiederholt zusammenarbeitete und hatte einen Sohn und eine Tochter.[10]

Auszeichnungen und Mitgliedschaften[Bearbeiten]

Im Jahr 1992 erhielt er den MacArthur Fellowship-Preis für seine Beiträge zur Kommunikation der Globalen Erwärmung.[5] Von 1999 bis 2001 war er Vorsitzender der Sektion Atmosphären- und Hydrosphärenwissenschaft der American Association for the Advancement of Science. Im Jahr 2002 wurde er in die US National Academy of Sciences aufgenommen. 2003 erhielt er, gemeinsam mit seiner Frau, den National Conservation Achievement Award der National Wildlife Federation.[8]

Im Juli 2014 wurde bekannt gegeben, dass Schneider in die California Hall of Fame des California Museums aufgenommen wird.[11][12]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • mit Michael D. Mastrandrea (2010), Preparing for Climate Change, MIT Press, ISBN 0-262-01488-2
  • Stephen H. Schneider, Armin Rosencranz, Michael D. Mastrandrea und Kristin Kuntz-Duriseti (Hrsg.), Climate Change Science and Policy, Island Press, Washington, D.C. 2009
  • Science as a Contact Sport: Inside the Battle to Save the Earth’s Climate, 2009, ISBN 978-1-4262-0540-8
  • mit Janica Lane, The Patient from Hell: How I Worked with My Doctors to Get the Best of Modern Medicine and How You Can Too. Da Capo Lifelong Books 2005
  • Stephen H. Schneider, Armin Rosencranz, John O. Niles (Hrsg.), Climate Change Policy: A Survey, Island Press 2002
  • Stephen H. Schneider und Terry L. Root (Hrsg.), Wildlife Responses to Climate Change: North American Case Studies, Island Press 2001
  • Laboratory Earth: the Planetary Gamble We Can’t Afford to Lose, HarperCollins 1997
  • Stephen H. Schneider (Hrsg.), Encyclopedia of Climate and Weather, Oxford University Press 1996
  • Stephen H. Schneider, Penelope J. Boston (Hrsg.), Scientists on Gaia, MIT Press 1992
  • Global Warming: Are We Entering the Greenhouse Century?, Sierra Club Books 1989
  • mit Randi Londer, Coevolution of Climate and Life, Sierra Club Books 1984
  • mit Lynne E. Mesirow, The Genesis Strategy: Climate and Global Survival, Plenum Pub Corp. 1976

Literatur über Stephen Schneider[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Benjamin D. Santer: A Eulogy to Stephen Schneider. In: RealClimate. 19. Juli 2010. Abgerufen am 27. Juli 2014.
  2. Peter H. Gleick: Dr. Stephen Schneider, Climate Warrior. In: The Huffington Post. 19. Juli 2010. Abgerufen am 27. Juli 2014.
  3. a b c d e Douglas Martin: Stephen H. Schneider, Climatologist, Is Dead at 65. In: The New York Times. 20. Juli 2010. Abgerufen am 25. Juli 2014.
  4. a b Myles Allen: Stephen Schneider obituary. In: The Guardian. 20. Juli 2010. Abgerufen am 25. Juli 2014.
  5. a b c d e f g h Regina Nuzzo: Profile of Stephen H. Schneider. In: PNAS. 1. November 2005. Abgerufen am 25. Juli 2014.
  6. Walter Sullivan: Goals for U.S. Urged On Weather Control. In: The New York Times. 29. Dezember 1972. Abgerufen am 25. Juli 2014.
  7. Wissenschaft und Medien: Klimaforscher kritisiert vorgeblich ausgewogenen Journalismus. In: Spiegel Online. 17. Februar 2009. Abgerufen am 25. Juli 2014.
  8. a b c d e Stephen Schneider, a leading climate expert, dead at 65. Stanford University. Abgerufen am 27. Juli 2014.
  9. Andrew Revkin: The Passing of a Climate Warrior. In: The New York Times. 19. Juli 2010. Abgerufen am 27. Juli 2014.
  10. a b c Stephen H. Schneider (In Memoriam). Woods Institute for the Environment, Stanford University. Abgerufen am 25. Juli 2014.
  11. Late Stanford climate expert to be inducted into California Hall of Fame. Stanford University. 24. Juli 2014. Abgerufen am 27. Juli 2014.
  12. Stephen Schneider. California Museum. Abgerufen am 27. Juli 2014.