Ströbitz

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51.763114.315Koordinaten: 51° 45′ 47″ N, 14° 18′ 54″ O

Ströbitz
Stadt Cottbus
Einwohner: 14.881
Eingemeindung: 1950
Postleitzahl: 03046
Vorwahl: 0355
Karte

Lage von Ströbitz in Cottbus

Ströbitzer Hauptstraße nach der Sanierung

Ströbitzer Hauptstraße nach der Sanierung

Ströbitz, niedersorbisch Strobice, ist ein Ortsteil der kreisfreien Stadt Cottbus in Brandenburg (Deutschland). Im Westen der Stadt gelegen, grenzt er an die Gemeinde Kolkwitz bzw. den Landkreis Spree-Neiße. Mit seinen fast 15.000[1] Einwohnern gehört Ströbitz zu den größeren Ortsteilen der Stadt. Bis zur Eingemeindung 1950 war Ströbitz ein deutsch-wendisches Dorf in der Mitte der Niederlausitz.

Geografie[Bearbeiten]

Die Eiszeit formte die Oberfläche der Niederlausitz. Hier befindet sich Ströbitz am Rand eines flachen Bergrückens. Westlich vom Cottbuser Stadtzentrum gelegen, grenzt Ströbitz im Norden an Schmellwitz und Sielow. Sachsendorf und die Spremberger Vorstadt bilden die Grenze im Süden.

Geschichte[Bearbeiten]

Ersterwähnung[Bearbeiten]

1445 fiel Cottbus an den Brandenburgischen Markgrafen. Die erste urkundliche Erwähnung von Ströbitz stammt aus dieser Zeit. Der Markgraf Friedrich II. verfügte am 7. Juni 1452: Wir Fr. verleihen u.I. getr. Heinrich unde Caspar gebrudern unde Hannusen irem vettern ir bruder son dy Wilschkowitz genant und ihren Erben güter und Zinsen im Dorfe zu Smelwitz (Schmellwitz), zu Strowitz (Ströbitz) zu rechtem Mannlehen unde gesampter hant. geben zu Cottbus am mitwoch nach Trinitatis a. d. etc. L secundo.[2] Die Bedeutung des niedersorbischen Namens von Ströbitz ist nicht endgültig geklärt. Der Sprachwissenschaftler und Slawist Reinhard E. Fischer führt den Namen Strowitz beziehungsweise Strobitz zurück auf Ort, wo Leute eines Mannes namens Strob wohnten.[3]

Erste Besiedlung[Bearbeiten]

Ströbitz ist wesentlich älter als die genannte Ersterwähnung. Eine erste Besiedlung 5000 vor unserer Zeitrechnung wurde durch Funde von bearbeiteten Feuersteinen belegt. 2007 gab es bei Ausgrabungen auf dem ehemaligen Straßenbahndepot erneut Funde von Scherben, die aus der Zeit um 1000 vor unserer Zeitrechnung stammen.[4] Im Wechsel siedelten slawische und germanische Stämme in den folgenden Jahrhunderten in diesem Gebiet.

Slawische Besiedlung[Bearbeiten]

Im 6./7. Jahrhundert errichteten die Wenden eine slawische Rundling-Siedlung. Das alte Dorf Ströbitz bestand aus mindestens 10 Häusern. Alle Giebel zeigten zur Dorfmitte. Bis heute ist diese Anordnung zu erkennen (Nevoigtplatz). Der Zugang lag wahrscheinlich im Südosten, etwa im Verlauf der Ströbitzer Hauptstraße.[5]

Beginn der deutschen Besiedlung[Bearbeiten]

Durch Eroberungszüge unter Otto I. entstand die Ostmark mit der Lausitz. Deutsche Bauern siedelten sich ab etwa 1200 in diesem Gebiet an. Das war ein friedlicher Prozess, bei dem die wendischen Dörfer bestehen blieben. Die wendische Bevölkerung wurde nur allmählich von deutschen Einwanderern durchdrungen. Die mittelalterliche Geschichte von Ströbitz bleibt unklar, da die Großfeuer von 1600 und 1671 auch ein Archiv mit Dokumenten vernichteten.[6]

Neuzeit[Bearbeiten]

Unter wechselnden Herrschern und den Auswirkungen von Kriegen und Feuern hatten die Ströbitzer in der nachfolgenden Zeit zu leiden. Seit dem Bau der Eisenbahnlinie Berlin - Görlitz 1866/1867 und im Verlauf der Industrialisierung nahm das Dorf Ströbitz vorstädtische Züge an. Im Jahr 1934 erfolgte der Goldfund von Cottbus. Nach der 1950 erfolgten Eingemeindung zu Cottbus wurden Felder und Siedler durch Neubauten zurückgedrängt.[7]

Ströbitz heute[Bearbeiten]

Die Gewerbezahl nimmt zu, neue Wohnquartiere werden erschlossen. 1992 gründete sich der Ströbitzer Bürgerverein. Die wendische Trachtentanzgruppe präsentiert sich auch international. Ein hundertjähriger Traditionsverein ist der Sportclub Wacker 09 Ströbitz.[8] Das Vereinsleben spiegelt sich auch bei jährlich stattfindenden Festen (zum Beispiel Erntefest) wider.

Literatur[Bearbeiten]

  • Geschichten aus Ströbitz. Hrsg.: Jürgen Heinrich. Cottbuser Bücher Band 07. CGA Verlag, Cottbus, 1996.
  • Helga Nattke: Neue Bilder aus Ströbitz. Teil II. Hrsg.: Jürgen Heinrich. Cottbuser Bücher. CGA-Verlag, Cottbus 2007 ISBN 978-3-937503-15-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ströbitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stadt Cottbus: Einwohner nach Ortsteilen / Bevölkerungsbewegung
  2. Zitiert aus: Geschichten aus Ströbitz. ... S. 12f.
  3. Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission, be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005 ISBN 3-937233-30-X, ISSN 1860-2436. S. 166.
  4. Helga Nattke: Neue Bilder aus Ströbitz. ... S. 6f.
  5. Geschichten aus Ströbitz. ... S. 6f.
  6. Geschichten aus Ströbitz. ... S. 10, 14.
  7. Helga Nattke: Neue Bilder aus Ströbitz. ... S. 9f.
  8. Geschichten aus Ströbitz. ... S. 136.