Stylolith

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Stylolithische Struktur im slowakischen Zarnov-Marmor (Kalkstein), sie kreuzt eine tektonische Ader mit Calcitfüllung
Stylolithen (rotviolett) im ungarischen Siklos-Marmor (Kalkstein)

Stylolithen sind feinlineare und wellig-zackige Strukturen in Sedimentgesteinen, überwiegend in Karbonatgesteinen, die sich oft in rötlicher, violetter, gelblicher oder grauer Farbe aderförmig abzeichnen. Sie sind ein Phänomen von geophysikalisch bedingten Drucklösungsvorgängen in Gesteinskörpern.

Begriff[Bearbeiten]

Die Bezeichnung für dieses Gesteinsmerkmal leitet sich vom griechischen Wort στυ̃λος für Pfeiler ab.

Fremdsprachige Bezeichnungen[Bearbeiten]

englisch: stylolite; französisch: stylolithe, stylolite; russisch: стилолит; italienisch: stilolite; polnisch: stylolit; portugiesisch: estilólito; rumänisch: Stilolite

Entstehungsweise[Bearbeiten]

Stylolithen bilden sich in Sedimentgesteinen, wenn erhöhter Druck (Auflast) zu partiellen Auflösungserscheinungen von Mineralien im Gestein führen. Typischerweise verlaufen sie entlang von Schichtfugen, Kluftflächen und Laminationen. Durch die Druckwirkungen seitlicher Kräfte (tektonische Beanspruchung) treten sie auch senkrecht, schrägwinklig oder netzartig zu den Sedimentationsebenen auf.
Stylolithen bilden deshalb oft eine Verzahnung von Grenzflächen benachbarter Schichten. Sie sind von feinen Frakturen dann schwer zu unterschieden, wenn sie wenig zackige Formen ausgebildet haben. Frakturell verursachte Adern weisen aber in ihrem Verlauf oft eine divergierende Breite auf.

Erscheinungsformen[Bearbeiten]

Stylolithen finden sich häufig in chemisch relativ reinen und homogenen Gesteinen. Ihr charakteristisches Bild sind sägezahnförmige zackige Adern.
Hauptsächlich treten sie in karbonatischen Sedimentgesteinen auf. In seltenen Fällen wurden Stylolithen auch in Quarziten, Sandsteinen und Tonsteinen (Argillite) beobachtet.[1]
Dem Betrachter fallen besonders jene mit roter, violetter oder schwarzer Farbe auf. Stylolithen in grauen und beigen Tönen sind weniger augenscheinlich. Die Farben stammen meist von Eisen- oder Manganoxidimprägnationen, ähnlich den Dendriten in Sedimentgesteinen. Andere Sedimentgesteine enthalten entlang der stylolithischen Strukturen tonige Schichten und Malachiteinlagerungen.[2]

Die farbigen Mineraleinlagerungen sind die Lösungsrückstände der Druckbeanspruchungen. In manchen Fällen begleitet Calcit und Quarz die unregelmäßige Oberfläche stylolithischer Strukturen.

An den Korngrenzen von Oolithen oder knolligen Gesteinsstrukturen können Mikrostylolithen auftreten. Sie werden bei manchen oolithischen Kalksteinen und Knollenkalken beobachtet.

Eine andere Form stellen bündelartige Erscheinungsformen von Stylolithen im Dezimeterbereich in Sedimentgesteinen dar.

Technische und optische Auswirkungen[Bearbeiten]

Sie sind in Werksteinen häufig als attraktives Linienbild dann wahrnehmbar, wenn der Rohblock senkrecht zur Sedimentationsebene aufgesägt wurde. Lässt sich das Gestein aus technischen Gründen nur parallel zur Schichtenebene sägen, markieren sich Stylolithen als fleckig-wolkige Feinstrukturen und bewirken einen farbigen Gesamteinfluss in der Fläche oder fleckenartige Ausbildungen, was zu einer deutlichen Farbschwankung in den produzierten Chargen führen kann.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. А. Н. Криштофовича: Геологический словарь, том II. Москва 1960, S. 290
  2. Raymond Perrier: Les roches ornementales. Ternay 2004, S. 301

Literatur[Bearbeiten]

  • А. Н. Криштофовича: Геологический словарь, том II. Москва 1960
  • Hans Murawski: Beringer Geologisches Wörterbuch. Stuttgart 1957
  • Raymond Perrier: Les roches ornementales. Ternay 2004, ISBN 2-9508992-6-9
  • Johannes H. Schroeder: Naturwerksteine in Architektur und Baugeschichte von Berlin. Berlin 2006, ISBN 978-3-928651-12-7
  • Roland Vinx: Gesteinsbestimmung im Gelände. München 2005, ISBN 3-8274-1513-6