Typenhebelschreibmaschine

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Die Typenhebelschreibmaschine ist eine Schreibmaschine, deren Typen auf einzelnen Hebeln angebracht sind. Die erste Schreibmaschine dieses Typs wurde 1893 von John T. Underwood nach einer Erfindung von Franz Xaver Wagner gebaut. In weiterentwickelter Form wird sie bis heute verwendet.

Inhaltsverzeichnis

Wagen [Bearbeiten]

Bei Typenhebelschreibmaschinen bewegt sich die Schreibwalze auf einem Schlitten, dem sogenannten Wagen. Das Segment mit den darin eingehängten Typenhebeln steht fest. Mit jedem angeschlagenen Zeichen bewegt sich der Wagen einen Schritt nach links. Dieser Antrieb wird von einem starken Uhrfederwerk hergestellt, das sich aufzieht, wenn man den Wagen nach rechts schiebt.

Detail des Wagens mit Gummischreibwalze, Zeilenabstandseinstellung (1-2-3), Zeilenschalthebel vorn, Stechwalze jedoch zum Herausziehen und Papierlösehebel (hinten),
um 1923

Schreibwalze [Bearbeiten]

Die Schreibwalze besteht aus einem Stahlzylinder mit einem dicken Gummiüberzug. Bei gewöhnlichen Typenhebelschreibmaschinen passt eine DIN-A4-Seite längs hinein und kann in ganzer Breite vom linken bis zum rechten Rand beschrieben werden. Bei Maschinen mit Breitwagen passt Papier auch im Format A4-Quer (entspricht A3 längs). Dies war die Bedingung für eine Schreibmaschine, um als Büroschreibmaschine zu gelten.

Gummischreibwalzen verschleißen mit der Zeit. Das Gummi wird hart und es entstehen, bedingt dadurch, dass bei Maschinen mit einer festen Schriftbreite die Typen immer wieder an derselben Stelle der Schreibwalze aufschlagen, mit der Zeit rillenartige Vertiefungen. Mit geeigneten Lösemitteln (seinerzeit Trichlorethylen und Perchlorethylen, nach deren Verbot später auch andere hochgiftige halogenhaltige Verbindungen) oder Brennspiritus werden die Schreibwalzen bei der Wartung gereinigt und aufgeraut. In ganz schlimmen Fällen kann die Walze auf einer Drehbank um ein paar Zehntelmillimeter abgeschliffen werden. Wenn auch dies nichts mehr nutzt, muss der Gummibelag erneuert werden. Viele Autoreifenhersteller hatten in der Blütezeit der Schreibmaschine als Fachbetriebe für Gummi-Vulkanisation einen solchen Schreibwalzen-Service im Programm, so zum Beispiel die Continental AG.

Stechwalze [Bearbeiten]

Die Stechwalze ist eine Schreibwalze mit einem sogenannten Walzenstechknopf an der linken Seite des linken Walzendrehknopfs. Drückt man diesen hinein, wird die Schreibwalze vom Zeilenschaltzahnrad getrennt und man kann das Papier in der Höhe stufenlos ausrichten. Dies wird vor allem beim Ausfüllen von Formularen gebraucht. Lässt man den Stechknopf los, so schnappt er durch eine Feder zurück und koppelt die Schreibwalze wieder mit dem Zeilenschaltzahnrad. Wurde das Formular zum Ausfüllen mit einer Schreibmaschine erstellt, erreicht man nach dieser Grundeinstellung alle weiteren Eingabefelder innerhalb der Zeilenrastung, z.B. mit der normalen Zeilenschaltung, ohne die Stechwalze erneut betätigen zu müssen.

Mechanik in der Seitenansicht

Typenhebelmechanik [Bearbeiten]

Typenhebelschreibmaschinen besitzen ein sogenanntes Wagnergetriebe mit Schwinghebeln, die die Energie des Tastenanschlages mit den entsprechenden Typen auf die Schreibwalze bzw. das Papier übertragen. Besonderes Merkmal beim Wagnergetriebe ist der Zwischenhebel, welcher die Bewegung der Taste in eine Schwingbewegung des Typenhebels über drei Elemente (Tastenhebel-Zwischenhebel-Typenhebel) übersetzt. Das Wagnergetriebe wurde von Edward Hess erneut verbessert und mit Zugdrähten zwischen den Hebelelementen ergänzt (Tastenhebel-Zugdraht-Zwischenhebel-Zugdraht-Typenhebel). Diese Konstruktion ist bis heute von allen Herstellern beibehalten worden.

Auf jedem Typenhebel befinden sich in der Regel zwei Typen übereinander, eine in Kleinschrift unten und darüber der entsprechende Großbuchstabe. Die Umschaltung zwischen den beiden Typen wird über die Umschalttaste ausgelöst.

Umschaltung [Bearbeiten]

Smith Premier No. 3, 1901 – mit Volltastatur für Groß- und Kleinbuchstaben, 84 Tasten

Zwischen Groß- und Kleinschrift kann über die Umschalttasten umgeschaltet werden. Umgeschaltet wird entweder durch Absenken des Segments (Segmentumschaltung) oder durch Anheben des Wagens (Wagenumschaltung). Für das Zehnfingersystem werden zwei Umschalttasten auf der Tastatur benötigt, eine links und eine rechts im Tastenfeld. Über der linken Umschalttaste liegt der Umschaltfeststeller zum Arretieren der Großschreibung. Wird sie betätigt, ermöglicht dies das Schreiben mehrerer Großbuchstaben nacheinander (Dauergroßschreibung), ohne die Umschalttaste dafür ständig gedrückt zu halten.

Frühere Maschinen mit getrennter Groß-/Kleinschreibung bzw. Volltastatur benötigten keinen Umschalter, da sie ein „doppeltes“ Tastenfeld besaßen. Diese hatten dann auch nur eine Type auf jedem Typenhebel.

Zeilenschaltung [Bearbeiten]

Der Wagen wird zu Beginn einer neuen Zeile mit dem Zeilenschalthebel von Hand zurückgeschoben. Dabei wird auch das Papier um die vorher am Wagen einzustellenden Rastpositionen weitertransportiert. Gebräuchlich sind der einfache Zeilenabstand (DIN 5008) und 1,5 Zeilen. Bei vielen Maschinen kann man jedoch auch bis zu 2,5 Zeilen weiterschalten. Beim Zurückziehen des Wagens wird eine Uhrfeder aufgezogen, die den späteren Schreibschritt des Wagens ermöglicht, wenn die Schaltnase des Typenhebels beim Anschlag gegen den hinter dem Segment liegenden Schaltbügel drückt.

Leertaste [Bearbeiten]

Die Leertaste bewegt den Wagen einen Schreibschritt weiter, ohne dass ein Anschlag eines Zeichens dabei ausgeführt wird.

Tottaste [Bearbeiten]

Tottasten sind besondere Tasten, die keine Schrittschaltung auslösen. Um die Schrittschaltung zu unterdrücken, fehlt bei mechanischen Typenhebelschreibmaschinen an dem betreffenden Typenhebel die Schaltnase, sodass der hinter dem Segment liegende Schaltbügel nicht bewegt wird. Gebraucht wird eine Tottaste für Akzentuierungen (Accent aigu, Accent grave, Accent circonflexe). Dazu schlägt man zunächst die Akzent- bzw. Tottaste an und als Nächstes den zu akzentuierenden Buchstaben, der wie gewohnt eine Schrittschaltung auslöst. Um auf der Schreibmaschine den Accent circonflexe zu bilden bzw. aus Accent aigu und Accent grave zusammenzusetzen, ist die Tottaste nacheinander ohne und mit Umschaltung für Großschreibung anzuschlagen. Schweizer Tastaturen besitzen außer der Akzent- eine weitere Tottaste, um über a, e, i, o, u und y ein Trema (zwei Punkte) darzustellen und die Umlaute zu bilden.

Randeinstellungen (oben)
Tasten für die Dezimaltabulatoren (unten)

Linker und rechter Rand [Bearbeiten]

Zum Einrichten der Ränder können über jeweils einen Schieber die Randmarkierungen gesetzt werden. Der linke Rand ist Zeilenanfang und Anschlag für den Wagenrückzug, der rechte Rand Markierung für das Zeilenende. Zirka zehn Zeichen vor dem Zeilenende wird mechanisch eine Glocke ausgelöst, die das nahende Ende der Zeile signalisiert. Direkt am Ende der Zeile werden weitere Typenanschläge blockiert. Über die Randlösetaste kann die Randsperre gelöst und weitergeschrieben bzw. vor dem linken Rand begonnen werden.

Schrittschaltung [Bearbeiten]

Bei jedem Anschlag wird der Wagen um eine Schrittposition weiterbewegt. Der Wagen macht (bei den meisten Modellen) einen Halbschritt beim Anschlagen der Taste und einen weiteren beim Loslassen der Taste. Tatsächlich bewegt sich der Wagen beim normalen Schreiben nicht vor dem Aufschlag der Type, da er trotz Auslösung des ersten Halbschritts noch kurz durch Massenträgheit verharrt. Die Schrittweite ist bei der Typenhebelschreibmaschine normalerweise konstruktionsbedingt fest definiert. Es gibt Modelle mit 10, 12 und 15 Zeichen pro Zoll (CPI). Manche Maschinen verfügen über eine zuschaltbare Sperrschriftfunktion, mit der jedes Zeichen zwei Schritte auslöst. Selten und mechanisch recht aufwendig ist die Schrittschaltung bei Maschinen mit einer Proportionalschrift. Dabei wird nicht mit Halbschritten, sondern mit feinerer Abstufung gearbeitet, und jedes Zeichen löst eine individuelle Menge von Teilschritten aus.

Tabulator [Bearbeiten]

Manche Schreibmaschinen besitzen eine Tabulatoreinrichtung (Tabulatortaste). Diese dient der zeitsparenden Anordnung von Schriftzeichen in Spalten, z. B. in Listen und Tabellen. Über verschiedene Tasten kann an einer beliebigen Position einer Zeile ein sogenannter Tabulatorstopp gesetzt und auch wieder gelöscht werden. Hierzu werden kleine Schieber an der Wagenrückseite in Arbeits- oder wieder in Ruhestellung geschoben. Für jede Schreibposition gibt es einen eigenen Schieber. Über eine separate Einrichtung können meist auch alle gesetzten Tabulatorstopps gleichzeitig gelöscht, also zurückgesetzt werden. Wird nun die Tabulatortaste betätigt, wird die Schrittschaltung ausgekuppelt und der Wagen fährt bis zur nächsten gesetzten Tabulatorposition. Ist kein Tabstopp gesetzt, fährt der Wagen bis an den rechten Rand. Um bei den schweren Wagen der Büroschreibmaschinen eine zu große Geräuschentwicklung oder gar Beschädigungen zu vermeiden, wird dort beim Auskuppeln der Schrittschaltung meist eine Fliehkraftbremse eingekuppelt und somit einem zu schnellen Wagentransport entgegengewirkt.

Dezimaltabulator [Bearbeiten]

Der Dezimaltabulator ist eine Weiterentwicklung des Tabulators (s. o.). Hiermit wird es ermöglicht, Dezimalzahlen buchhalterisch korrekt untereinanderzuschreiben, also mit dem Dezimaltrennzeichen (z. B. im Deutschen ein Komma, im Englischen ein Punkt) in derselben Spalte untereinander. Die Schreibmaschine verfügt dazu über die Tabulatortaste hinaus über sogenannte spezielle Dezimaltabulatortasten für 10er-, 100er-, 1.000er-, 10.000er-, und 100.000er-Stellen. Will man zum Beispiel die Zahl 12.345,67 unter die Zahl 678,90 schreiben, so setzt man den Tabstopp üblicherweise auf die Position der Einerstelle und fährt die Position für 678,90 mit dem 100er-Tabulator an. Der Wagen kommt nun genau an der Position für die 6 zum Stehen. In der zweiten Zeile betätigt man dann folglich den 10.000er-Tabulator, womit der Wagen auf der Position der 10.000er-Stelle stehen bleibt.

Elektronische Schreibmaschinen fahren hingegen die Position des Dezimaltrenners an und bewegen den Wagen dann bei der Eingabe der Ziffern rückwärts, erst bei der Eingabe des Kommas werden die zwischengespeicherten Ziffern ausgedruckt.

Mechanik für den Farbbandtransport

Farbbandtransport, -hub und -umschaltung [Bearbeiten]

Damit ein Buchstabe überhaupt auf dem Papier zu sehen ist, wird die Type über das Farbband, ein mit Tinte getränktes Band aus Naturseide, Baumwolle oder Nylon, angeschlagen. Das Farbband selber befindet sich auf zwei Spulen und wird ständig von einer Seite auf die andere aufgewickelt. Ist die eine Seite am Ende, erkennt der Farbbandantrieb dies an der Spannung des Bandes und schaltet die Wickelrichtung selbst über einen Hebel entsprechend um.

Damit das gerade Geschriebene auch zu lesen ist, hebt die Farbbandgabel das Farbband unmittelbar vor dem Aufschlagen der Type kurz an. Modernere Maschinen können schon zweifarbig getränkte Bänder benutzen. Dazu ist das Farbband in der Mitte in zwei Zonen unterteilt, meistens oben schwarz und unten rot oder seit den 1980er-Jahren verbreitet Schwarz und Korrekturweiß (zum Überdecken falscher Zeichen). Es gibt allerdings auch alle anderen nur erdenklichen Farbkombinationen wie zum Beispiel grün/rot oder auch nur einfarbige rein schwarze oder blaue Farbbänder. Über einen Hebel kann der Benutzer den Hub der Farbbandgabel so einstellen, dass diese entweder bis zum schwarzen Bereich, zum roten Bereich oder gar nicht angehoben wird. In letzterem Fall schreibt man dann gänzlich ohne Nutzung eines Farbbandes, etwa zur Beschriftung von Dauerschablonen (sogenannten Wachsmatrizen).

Papiereinzugshebel [Bearbeiten]

Die meisten Büroschreibmaschinen verfügen am Wagen über einen speziellen Hebel, um ein Blatt Papier ganz einfach und schnell in die Maschine einzuziehen. Über ein Einstellrad kann man oft auch vorwählen, bis zu welcher Position das Blatt bei vollem Hub des Papiereinzugshebels eingezogen werden soll.

Papierlösehebel [Bearbeiten]

Der Papierlösehebel löst die Andruckfedern, die die Papierwanne mit ihren Andruckrollen gegen die Schreibwalze drückt. Dies dient dem schonenden Herausnehmen eines fertig beschriebenen Blattes Papier. Oft wird in Spielfilmen dargestellt, dass der Verfasser eines maschinengeschriebenen Schriftstückes einfach am Papier zieht und so das Blatt mit einem ratschenden Geräusch aus der Maschine entfernt. Dieses ratschende Geräusch wird von der Zeilenrastung verursacht. Diese Art der Papierentfernung „dankt“ jede Schreibmaschine dem Benutzer auf längere Sicht mit einer durch Verschleiß defekten Zeilenschaltung. Außerdem dient der Papierlösehebel dazu ein versehentlich schief eingespanntes Blatt Papier sauber ausrichten zu können.

Quellen [Bearbeiten]

  • Otto Lueger: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 7 Stuttgart, Leipzig 1909, Seite 808-813
  • Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, Band 2. Leipzig 1911, S. 655