Tanggans

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Tanggans
Tanggans, Männchen

Tanggans, Männchen

Systematik
Ordnung: Gänsevögel (Anseriformes)
Familie: Entenvögel (Anatidae)
Unterfamilie: Halbgänse (Tadorninae)
Tribus: Eigentliche Halbgänse (Tadornini)
Gattung: Chloephaga
Art: Tanggans
Wissenschaftlicher Name
Chloephaga hybrida
(Molina, 1782)
Weibchen

Die Tanggans (Chloephaga hybrida), auch Kelpgans genannt, ist ein Mitglied der Familie der Entenvögel (Anatidae), zu denen Enten, Gänse und Schwäne gehören und steht in der Unterfamilie der Halbgänse (Tadorninae). Es ist eine kräftig gebaute, mittelgroße Gans und die einzige Art in der Familie der Entenvögel, bei der das adulte Männchen ein vollständig weißes Körpergefieder aufweist. Die Weibchen dagegen ähneln den weiblichen Magellangänsen.

Aussehen[Bearbeiten]

Tanggänse erreichen eine Körperlänge von 55 bis 65 Zentimeter.[1] Männchen zeigen ein weißes Gefieder mit schwarzem Schnabel, einen weißen Fleck um die Nasenöffnungen und gelbe Füße. Die Weibchen sind auf der Körperoberseite dunkelbraun gefärbt, haben einen weißen Ring um die Augen, graue Linien quer über die Brust und über die Flanken, rosa Schnäbel und ebenfalls gelbe Füße. Ihr Rücken ist braun, Bauch und Schwanz weiß. Die Oberseite der Flügel der Weibchen ist weiß, die Großen Armdecken sind grün, die Handschwingen schwarz.

Noch nicht geschlechtsreife Jungvögel ähneln weitgehend den Weibchen, haben jedoch eine weiße Stirn. Die Schwingen sind noch vollständig dunkel und die beim Weibchen so auffällige Querzeichnung ist bei den Jungvögeln deutlich weniger ausgeprägt. Männliche Jungvögel wechseln allmählich in das weiße Gefiederkleid.[2]

An ihren Lebensraum sind Tanggänse dadurch angepasst, dass sie für eine Halbgansart verhältnismäßig kurze Beine haben und die Füße scharfe Krallen aufweisen. Sie sind dadurch in der Lage, sich auch auf durch Algen glitschigen Gestein sicher fortzubewegen. Diese scharfen Krallen weisen bereits die Dunenküken auf.

Noch nicht vollständig ausgefärbte Männchen können mit den Männchen der Magellangans verwechselt werden, weil sie zeitweise ähnlich wie diese ein überwiegend weißes Gefieder mit einer quergestreiften Unterseite aufweisen. Magellangänse sind jedoch weniger kompakt gebaut und haben längere und vor allem schwärzliche Beine.[3]

Verbreitung, Lebensraum und Bestand[Bearbeiten]

Tanggänse leben im südlichen Chile, an den Küsten Patagoniens, Feuerlands und auf den Falklandinseln. Ihr Brutareal liegt etwa zwischen der 50. und 42. südlichen Breite. Dort sind sie vor allem an felsigen Küsten zu finden, in der Nähe ihrer namensgebenden Hauptnahrung, die aus Braunalgen (Kelp) besteht. Weideflächen und kleinere Seen in Strandnähe werden nur sehr selten von den Tanggänsen aufgesucht. Der bevorzugte Lebensraum der Tanggans ist Steil- und Felsenküste mit einem ausgeprägtem Tidenhub. Während der Flut ruhen die Gänse am Ufer. Bei Ebbe suchen sie die ausgedehnten Kelpfelder auf, die mit dem zurücklaufendem Wasser freigelegt werden.

Momentan gibt es weltweit etwa 15.000 Brutpaare. Die Art gilt als nicht gefährdet. Tanggänse leben an ausgesprochen unwirtlichen Küstengebieten, wo sie verhältnismäßig selten Kontakt mit dem Menschen haben. Ihr Lebensraum unterliegt wegen seiner Unwirtlichkeit auch keiner Veränderung durch den Menschen. Anders als die Magellangans wird die Tanggans auch nicht als Nahrungskonkurrent von Haustieren gesehen. Sie ist auch keinem Jagddruck ausgesetzt, da das Fleisch als wenig schmackhaft und auch die Eier als unangenehm schmeckend empfunden werden.[4]

Lebensweise[Bearbeiten]

Tanggänse sind überwiegend paarweise oder in kleinen Familientruppen zu beobachten. Lediglich nichtbrütende und mausernde Vögel bilden auch kleinere Trupps, die bis zu 50 Tiere umfassen können.

Die Fortpflanzungszeit der Tanggänse fällt in den Sommer der südlichen Halbkugel. Die Eiablage fällt in den Zeitraum Oktober bis November. Die Nester finden sich in der Regel direkt in Küstennähe und werden meist unmittelbar an der Abbruchkante der Steilküste angelegt. Tanggänse legen in der Regel 2-7 Eier pro Gelege. Das Gelege wird bevorzugt in hohem Gras versteckt, um es vor Prädatoren versteckt zu halten. Die Nistmulde ist mit Daunen ausgelegt.[5] Es brütet nur das Weibchen. Das Männchen hält sich in der Nähe des Nestes auf. Nach etwa einem Monat Brutzeit schlüpfen die jungen Gänse.

Tanggänse ernähren sich vor allem von Wasserpflanzen (u.a. Kelp) und speziell von Algen der Gattung Ulva. Um diese Nahrung stets vorzufinden, werden auch Wanderungen entlang der Küste von Südamerika unternommen. Sie fressen außerdem Gras und während des Herbstes auch Beeren.

Innere Systematik[Bearbeiten]

Es werden zwei Unterarten unterschieden. Die Nominatform Chloephaga hybrida hybrida kommt in Südamerika vor. Die Unterart Cloephaga hybrida malvinarum ist in ihrer Verbreitung auf die Falklandinseln begrenzt. Die Männchen der beiden Unterarten sind sich sehr ähnlich. Die Weibchen der auf Falkland beheimateten Unterart haben jedoch eine breitere und auffällig weißere Brust. Auch die Zeichnung an den Flanken ist heller.[6]

Sonstiges[Bearbeiten]

Auf den Falklandinseln und in Argentinien gibt es Poststempel, die die Tanggans abbilden.

Belege[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Janet Kear (Hrsg): Ducks, Geese and Swans. Oxford University Press, 2005, ISBN 0-19-854645-9
  • Hartmut Kolbe; Die Entenvögel der Welt, Ulmer Verlag 1999, ISBN 3-8001-7442-1
  • Hadoram Shirihai: A Complete Guide to Antarctic Wildlife - The Birds and Marine Mammals of the Antarctic Continent and Southern Ocean, Alula Press, Degerby 2002, ISBN 951-98947-0-5
  • Robin und Anne Woods: Atlas of Breeding Birds of the Falkland Islands, Anthony Nelson, Shorpshire 1997, ISBN 0-904614-60-3

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kear, S. 415
  2. Shirihai, S. 241
  3. Shirihai, S. 241
  4. Kear, S. 416
  5. Wood, S: 78
  6. Shirihai, S. 242