Tigerkatze

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Dieser Artikel behandelt die amerikanische Raubtierart. Umgangssprachlich bezeichnet man mit Tigerkatze manchmal auch eine Hauskatze mit getigerter Fellzeichnung oder die Hauskatzenrasse Toyger.
Tigerkatze
Tigerkatze (Leopardus tigrinus)

Tigerkatze (Leopardus tigrinus)

Systematik
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Katzenartige (Feloidea)
Familie: Katzen (Felidae)
Unterfamilie: Kleinkatzen (Felinae)
Gattung: Pardelkatzen (Leopardus)
Art: Tigerkatze
Wissenschaftlicher Name
Leopardus tigrinus
Schreber, 1775
Verbreitungskarte

Die Tigerkatze oder Ozelotkatze (Leopardus tigrinus) ist eine südamerikanische Art aus der Familie der Katzen. In ihrer Heimat wird sie als Tigrillo oder Oncilla bezeichnet. Sie ist eine der kleinsten südamerikanischen Katzen und nahe mit dem Ozelot und der Langschwanzkatze verwandt. Die geographische Verbreitung aller drei Arten überlappt sich gleichfalls sehr stark.

DNA-Untersuchungen ergaben 2013, dass es eine nördliche und eine südliche Population der Tigerkatze gibt, zwischen denen seit 100.000 Jahren kein Genaustausch mehr stattfindet. Es wurde daher vorgeschlagen, dass es sich um zwei unterschiedliche Arten handelt und die südliche Population den Artnamen Leopardus guttulus erhält.[1]

Von der IUCN wird die Tigerkatze als „gefährdet“ (vulnerable) eingestuft.

Erscheinungsbild[Bearbeiten]

Die Tigerkatze misst etwa 40 bis 50 Zentimeter vom Kopf bis zum Rumpfende, dazu kommt noch ein 30 bis 40 Zentimeter langer Schwanz. Die Tigerkatze ist also etwas größer als die Hauskatze, bringt aber mit 1,5 bis 3 Kilogramm etwas weniger Gewicht auf die Waage.[2] In Gestalt und Fellzeichnung gleicht sie dem Ozelot und der Langschwanzkatze so sehr, dass diese drei Arten kaum auseinanderzuhalten sind. Der Schwanz ist bei der Tigerkatze relativ kürzer, die Augen liegen weiter auseinander, die Ohren sind etwas größer. Die Tigerkatze hat außerdem einen etwas zierlicheren Schädel. Bei der Tigerkatze kommt es häufig zu Melanismus, das heißt zu Geburten vollständig schwarzer Katzen.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Katzenarten weist die Ozelotkatze nur 36 Chromosomen auf.[3]

Verbreitungsgebiet und Lebensraum[Bearbeiten]

Beheimatet ist die Tigerkatze in Costa Rica sowie Südamerika bis zum äußersten Norden Argentiniens. Es gibt bislang keine Beobachtungen in Panama, und auch für Bolivien stehen Sichtungen bislang aus. Die Höhenverbreitung der Tigerkatze reicht vom Meeresniveau bis in Höhenlagen von 3.200 Metern.[4]

Traditionell wird die Tigerkatze als ein Bewohner tropischer Regen- und Nebelwälder beschrieben. Zum Lebensraum der Tigerkatzen gehören jedoch auch subtropische Wälder, die Cerrado, eine südamerikanische Savannenlandschaft mit halbtrockenem Klima und zwei deutlich getrennten Jahreszeiten, feuchte Savannen und semiaride Regionen, die mit Dornenbüschen bestanden sind. Sie sind in zahlreichen Gebieten der Savanne Brasiliens die zweithäufigste Katze nach dem Jaguarundi.[5]

Rodungen von Wäldern führen dazu, dass Tigerkatzen zunehmend weniger Lebensraum zur Verfügung steht. Sowohl in Brasilien und Kolumbien wurden große Gebiete subtropischer Wälder und Nebelwälder gerodet, um dort Kaffeeplantagen anzulegen. In Costa Rica verschwanden zwischen 1940 und 1977 über die Hälfte der Wälder, in der Tigerkatzen zu Hause sind.[6] Tigerkatzen tolerieren bis zu einem gewissen Grad jedoch die Nähe des Menschen. In Brasilien wurden Tigerkatzen bereits in den Randbezirken von São Paulo sowie Porto Alegre beobachtet.[7]

Nahrung und Nahrungserwerb[Bearbeiten]

Das Nahrungsverhalten der Tigerkatze in freier Wildbahn ist bislang nur unzureichend beschrieben. Der Mageninhalt eines in Costa Rica untersuchten Weibchens enthielt zwei Weißfußmäuse, eine Taschenmaus und eine Spitzmaus. Der Magen eines anderen Weibchens enthielt einen Fink. Die Mägen von zwei Weibchen, die in der brasilianischen Caatinga lebten, enthielten überwiegend Eidechsen. Auch die Kotproben von Katzen, die in der semiariden Caatinga beheimatet waren, bestätigten ein Überwiegen von Eidechsen, daneben konnte man Heuschrecken, Tausendfüßler, Käfer und Vögel nachweisen. In dieser Region stellen Nagetiere offenbar einen nur geringen Anteil am Nahrungsspektrum dar, weil hier die Bestandszahlen an diesen kleinen Säugetieren verhältnismäßig gering sind. In der Caatinga sind Tigerkatzen tagaktiver als in anderen Regionen ihres Verbreitungsgebietes, was den verhältnismäßig hohen Anteil tagaktiver Eidechsen an ihrer Beute erklärt.[8]

Grundsätzlich schlagen Tigerkatzen verhältnismäßig kleine Beutetiere, die überwiegend am Boden leben. Die Tigerkatze ist zwar in der Lage zu klettern, hält sich aber überwiegend am Boden auf.

Fortpflanzung[Bearbeiten]

Die meisten Informationen über das Fortpflanzungsverhalten von Tigerkatzen stammt von in Gefangenschaft gehaltenen Tieren. Bei diesen währte der Östrus drei bis neun Tage, wobei ältere Katzen einen kürzeren Östrus haben. Die Tragezeit beträgt 75 Tage, was für eine Katze dieser Größe eine ungewöhnlich lange Zeit ist. Gewöhnlich werfen Tigerkatzen nur ein Junges. Diese wogen bei Geburt zwischen 92 und 134 Gramm. Trotz der langen Tragezeit und der geringen Größe eines Wurfes entwickeln sich die Jungtiere von Tigerkatzen im Vergleich zu anderen Katzen nur sehr langsam. Die Jungtiere öffnen ihre Augen erst zwischen dem achten und dem 17. Tag. Die Milchzähne brechen erst am 15. bis 21. Lebenstag durch, und feste Nahrung fressen sie erstmals zwischen dem 38. und 56. Tag. Im Vergleich dazu sind Jungtiere von Hauskatzen in diesem Alter bereits in der Lage, Mäuse zu jagen.[9] Junge Tigerkatzen werden erst ab einem Alter von etwa drei Monaten nicht mehr vom Muttertier gesäugt, und erst mit elf Monaten haben sie die Körpergröße eines adulten Tieres erreicht.

Es ist nicht bekannt, ab welchem Alter Tigerkatzen ihre Geschlechtsreife erreichen. Beobachtungen an gefangenen Tieren weisen jedoch darauf hin, dass diese verhältnismäßig spät eintritt.

Lebenserwartung[Bearbeiten]

In menschlicher Obhut gehaltene Tigerkatzen erreichten bereits ein Alter von 17 Jahren.

Tigerkatze und Mensch[Bearbeiten]

Felle der Tigerkatze

Tigerkatzen wurden sehr stark wegen ihres Fells bejagt. Eindeutige statistische Daten für den Handel mit Tigerkatzenfellen stehen nicht zur Verfügung, weil das Fell sehr leicht mit dem der Langschwanzkatze verwechselt werden kann. Zwischen 1976 und 1982 zählten Tigerkatzenfelle jedoch zu den vier kleinen Katzenarten, deren Pelz am häufigsten in den Handel kam. Allein im Jahr 1982 wurden 69.613 Felle dieser Art gehandelt, deutlich mehr als von der Kleinfleckkatze, deren gleichfalls geflecktes Fell bis dahin häufiger gekauft wurde. 1983 stieg die Zahl der verkauften Felle auf 84.493 und nahm dann rasch ab. 1985 waren nur noch 2.052 Felle im Handel.[10] Bis 1983 war Paraguay der Hauptexporteur von Tigerkatzenfellen. Dabei dürfte es sich überwiegend um illegale Importe aus benachbarten südamerikanischen Ländern gehandelt haben, die über Paraguay weiterverkauft wurden. 1984 war dagegen das Land Bolivien der Hauptexporteur. Für Bolivien steht bislang der Beleg aus, dass auf dem Gebiet Boliviens Tigerkatzen überhaupt vorkommen.[11]

1986 verbot die Europäische Union den Import aller Tigerkatzenfelle. 1989 wurde die Tigerkatze auf Initiative der Bundesrepublik Deutschland in den Anhang 1 des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES) aufgenommen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Mel Sunquist und Fiona Sunquist: Wild Cats of the World. The University of Chicago Press, Chicago 2002, ISBN 0-226-77999-8

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Leopardus tigrinus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tatiane C. Trigo, Alexsandra Schneider, Tadeu G. de Oliveira, Livia M. Lehugeur, Leandro Silveira, Thales R.O. Freitas & Eduardo Eizirik: Molecular Data Reveal Complex Hybridization and a Cryptic Species of Neotropical Wild Cat. Current Biology (2013), doi:10.1016/j.cub.2013.10.046
  2. Sunquist, S. 131
  3. Die zahmen Wilden und die wilden Zahmen, Maria Falkena-Röhrle, ISBN 3-8391-0383-5
  4. Sunquist, S. 131
  5. Sunquist, S. 131
  6. Sunquist, S. 32
  7. Sunquist, S. 131
  8. sunquist, S. 132
  9. Sunquist, S. 132
  10. Sunquist, S. 132
  11. Sunquist, S. 132