Tschurjumow-Gerassimenko

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67P/Tschurjumow-Gerassimenko
Comet 67P on 19 September 2014 NavCam mosaic.jpg
Komet von der Raumsonde Rosetta aus gesehen
Eigenschaften des Orbits (Animation)
Epoche: 20. November 2014 (JD 2.456.981,5)
Orbittyp kurzperiodisch
Numerische Exzentrizität 0,6410
Perihel 1,2432 AE
Aphel 5,6824 AE
Große Halbachse 3,4628 AE
Siderische Umlaufzeit 6,44 a
Neigung der Bahnebene 7,0402°
Periheldurchgang 28. Februar 2009[1]
Bahngeschwindigkeit im Perihel 33,51 km/s
Physikalische Eigenschaften des Kerns
Abmessungen ca. 4 km × 3,5 km × 3,5 km
Masse ≈ 1013 kg
Mittlere Dichte 0,4 g/cm³
Rotationsperiode 12,7614 h
Geschichte
Entdecker Klym Tschurjumow,

Swetlana Gerassimenko

Datum der Entdeckung 11. September 1969
Ältere Bezeichnung 1969 IV
Quelle: Wenn nicht einzeln anders angegeben, stammen die Daten von JPL Small-Body Database Browser. Bitte auch den Hinweis zu Kometenartikeln beachten.

Tschurjumow-Gerassimenko (dt.), offizieller Name 67P/Churyumov-Gerasimenko (engl. Transkription von russisch Чурюмов-Герасименко)[2], abgekürzt 67P/C-G, von Forschern und seit Mitte 2014 auch von den Medien oft Tschuri (englisch Chury) genannt, ist ein kurzperiodischer Komet, der seit August 2014 von der Raumsonde Rosetta begleitet wird. Am 12. November 2014 konnte der Lander Philae abgesetzt werden, eine Premiere für einen Kometen. Der geplante Landeplatz wurde am 4. November 2014, nach einer öffentlichen Ausschreibung, in Anlehnung an eine gleichnamige Nilinsel auf den Namen Agilkia getauft. Dieser wurde zwar zuerst getroffen, der Lander kam jedoch nach zweifachem Abprallen anderswo zur Ruhe.[3]

Entdeckung[Bearbeiten]

Der Komet wurde 1969 am Institut für Astrophysik von Alma-Ata von Klym Tschurjumow entdeckt, als er eine Fotoplatte des Kometen Comas Solà untersuchte, die von Swetlana Gerassimenko am 11. September 1969 belichtet worden war. Er fand am Rand der Platte ein kometenähnliches Objekt und nahm an, dass es sich um Comas Solà handele. Nach seiner Rückkehr nach Kiew wurden alle Fotoplatten genau untersucht. Am 22. Oktober entdeckte man, dass das Objekt nicht der fragliche Komet sein konnte, da seine Position um mehr als 1,8° von der erwarteten abwich. Eine genauere Untersuchung deckte ein schwaches Abbild von Comas Solà an der richtigen Stelle auf, was bewies, dass das von Tschurjumow erkannte Objekt ein neu entdeckter Komet war.

Umlaufbahn[Bearbeiten]

Die Umlaufbahn von Tschurjumow-Gerassimenko hat eine wechselhafte Geschichte. Wie bei vielen anderen ursprünglich längerperiodischen Kometen wurde seine Bahn durch die Annäherung an einen der großen Planeten – hier Jupiter – gestört. Er wurde „eingefangen“ und dadurch zu einem kurzperiodischen Kometen und Mitglied der Jupiter-Familie. Berechnungen zufolge war es auch nach diesem Einfangen vor 1840 völlig unmöglich, ihn zu beobachten: Selbst im Perihel betrug seine Entfernung ungefähr 4 AE. In dieser Entfernung ist die Einstrahlung der Sonne zu gering, als dass sich um den kleinen Kometenkern eine Koma oder ein Schweif ausbilden könnte. Danach veränderte Jupiter durch seine Schwerkraft die Umlaufbahn des Kometen erneut, so dass seine Entfernung im Perihel zunächst etwa 3 AE betrug. Später, im Jahr 1959, brachte ihn eine erneute Annäherung an Jupiter auf seine aktuelle Umlaufbahn. Seine Periheldistanz beträgt heute rund 1,3 AE.

Beobachtung mit Hubble[Bearbeiten]

In Vorbereitung für die Rosetta-Mission wurden am 11. und 12. März 2003 mit dem Hubble Space Telescope über 21 Stunden 61 Bilder des Kometen aufgenommen. Es ergab sich eine Rotationsperiode von etwa 12 Stunden und eine längliche, unregelmäßige Form mit Durchmessern von etwa 3 km bzw. 5 km. Zuvor wurde ein Durchmesser von bis zu 6 km befürchtet, was eine sanfte Landung auf dem Kometen erschwert hätte. Er ist etwa dreimal größer als das ursprüngliche, nicht mehr erreichbare Rosetta-Missionziel 46P/Wirtanen.[4]

Beobachtung mit Rosetta[Bearbeiten]

Mit einer Albedo von etwa 5% würde der Komet dem menschlichen Auge so schwarz wie Holzkohle erscheinen. Der Kontrast der Bilder wird so aufgehellt, dass die hellsten Pixel weiß sind. NAVCAM-Mosaic von Ende September aus 28,5 km Entfernung.[5]
Zerklüftete Landschaft

Eine am 11. Juli 2014 mit der OSIRIS-Kamera an Bord der Raumsonde aufgenommene Bildsequenz führte zu der Annahme, dass Tschurjumow-Gerassimenko aus zwei sich berührenden, unterschiedlich großen Körpern bestehen könnte.[6] Die Aufnahme ergab dass der Komet etwas kleiner ist als zuvor angenommen.[7] Die Masse wurde hingegen um den Faktor drei auf 1·1013 kg ±10 % nach oben korrigiert.[8] Seit Anfang August 2014 zeigen Bilder[9] viele Details der Oberfläche, bis hin zu einzelnen Gesteinsbrocken.[10]

Landung von Philae[Bearbeiten]

Out of date clock icon.svg Dieser Abschnitt beschreibt ein aktuelles Ereignis. Die Informationen können sich deshalb rasch ändern.

Am 12. November 2014 um 17:03 Uhr MEZ[11] wurde das Bestätigungssignal zur Landung von Philae auf dem Kometen empfangen. Die Signallaufzeit betrug bei 500 Millionen Kilometern Entfernung zur Erde 28 Minuten und 20 Sekunden.[12] Der 100 kg schwere Lander Philae wurde zuvor von Rosetta abgetrennt und dadurch von der kleinen Gravitationskraft des Kometen in Richtung Abstieg bewegt.

Die Sonde Rosetta fungiert mit einer 2,2-Meter-Parabolantenne als Repeater für die Kommunikation von Philae mit dem Deep Space Network auf der Erde. [13][14]

Die Gravitationsbeschleunigung auf der Oberfläche des Kometen beträgt ca. 1/100.000 der Erdbeschleunigung (0,1 mm/s²). Philae hat 100 kg Masse mit entsprechend großer Trägheit, auf den Lander wirkt jedoch nur eine Gewichtskraft, die der von 1 Gramm auf der Erde entspricht.[15]

Der Lander prallte zwei Mal ab, bevor er außerhalb der Zielregion „J“ zum Stillstand kam. Ein Teil der Anpress-Gasdüse hat nicht funktioniert, Harpunen und Eisschrauben wurden nicht aktiv, weshalb der Lander beim ersten Kontakt – an der angepeilten Stelle – gedämpft einfederte, doch wieder hochsprang. Nach dem zweiten Sprung kam er auf zwei Beinen stehend zum Stillstand. An dieser Stelle beträgt die Sonneneinstrahlung jedoch nur 1,5 Stunden je 13 Stunden Kometentag, anstatt sechs Stunden wie geplant. Dies ist für die Energieversorgung des Landers durch Solarzellen in dieser Entfernung von der Sonne nicht ausreichend und könnte zirka 20 Prozent der Mission gefährden. Bevor die Batterien erschöpft waren und sich der Lander in einen Schlafmodus schaltete, konnte die größte Solarzelle noch um 35 Grad in eine etwas bessere Position gedreht werden. Bereits am 14. November waren 80 Prozent der wissenschaftlichen Ziele erreicht, mit dem dann noch laufenden Cosac-Experiment wären 90 Prozent erreicht.[16]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tschurjumow-Gerassimenko – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 67P/Churyumov-Gerasimenko. In: Gary W. Kronk's Cometography. 21. November 2014, abgerufen am 21. November 2014.
  2. IAU MPC, abgerufen 10. August 2014
  3. http://www.esa.int/Our_Activities/Space_Science/Rosetta/Farewell_J_hello_Agilkia
  4. ESA: Hubble leistet Hilfestellung für Kometenmission Rosetta, 8. September 2003
  5. NAVCAM’S SHADES OF GREY, rosetta blog am 17. Oktober 2014
  6. The dual personality of comet 67P/C-G. In: ESA, OSIRIS-Team. 17. Juli 2014, abgerufen am 18. Juli 2014.
  7. Tilmann Althaus: Rosetta: Der Zielkomet 67P ist ein Doppelkörper. In: Spektrum der Wissenschaft. 15. Juli 2014, abgerufen am 15. Juli 2014.
  8. ESA: Determining the mass of comet 67P/C-G, 21. August 2014 (basierend auf one-way-Doppler-Messungen während des ersten CAT-Bogens, 6. bis 9. August 2014).
  9. Comet from 1000 km. 2. August 2014, abgerufen am 4. August 2014.
  10. Cheops – ein großer Brocken auf Komet 67P@spektrum.de, abgerufen 12. Oktober 2014
  11. Landebestätigung der ESA für Philae. ESA, 12. November 2014, abgerufen am 12. November 2014.
  12. Rosetta and Philae Go for separation. ESA, 12. November 2014, abgerufen am 13. November 2014 (englisch).
  13. Gelandet - "Philae" ist auf dem Kometen "Rosetta"_Liveticker, science.orf.at, 12. November 2014, abgerufen um 18h30
  14. Deep Space Network Now. NASA, abgerufen am 12. November 2014 (englisch).
  15. Podiumsdiskussion vom 14. November 2014
  16. Philae ist verstummt - Alle wissenschaftlichen Daten übertragen, NZZ, 15. November 2014 - sowie Printversion der NZZ vom 15. November, Seite 26: "Philaes Batterien lahmen" mit den 80 /90 Prozent, "egal ob sich die Batterien aufladen oder nicht"