Turmdecker (Schiffstyp)

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Die Turret Chief von 1896[1]

Der Turmdecker war ein Schiffstyp für die Massengutfahrt, der Ende des 19. Jahrhunderts in Großbritannien entstand. Der Name leitet sich von der Bauart des Schiffsrumpfes mit einem über die gesamte Laderaumlänge, aber nur einen geringen Teil der Schiffsbreite reichenden erhöhten, und in den eigentlichen Längs- sowie Querverband der Schiffshülle einbezogenen Decksaufbau (englisch Turretdeck) ab. Die Laderäume waren beim Turretdecker in der Weise in ihrer Längsrichtung dreigeteilt, dass bei diesem für die Erzfahrt und andere Schüttgüter konzipierten Schiffstyp nur der mittlere Teil, welcher senkrecht unterhalb des Turmdecks lag mit Eisenerz beladen wurde, während die beiden seitlichen Laderäume als Ballasttank für die Leerfahrt genutzt wurden. Dadurch lagerte sich die Ladung selbsttätig und musste nicht getrimmt werden. Außerdem hatte diese Bauart neben einem relativ geringen Schiffsgewicht und günstiger Schiffsvermessung einen für die Erzfahrt günstigen Beladungszustand zur Folge: eine hohe Längsfestigkeit (Knickfestigkeit in der Längsachse) bei allerdings verringerter Kentersicherheit. Viele Turmdecker gingen durch Kenterung verloren, so dass der Tiefgang begrenzt werden musste. Dadurch gingen die Vorteile dieses Schiffstyps teilweise wieder verloren.[2]

Erfunden wurde der Schiffstyp vom Schiffbauingenieur Arthur Haver der Werft William Doxford & Sons, welche damit einen dem Trunkdecker ähnlichen Schiffstyp baute. Das erste Schiff dieses Typs war die 1893 abgelieferte Turret.[3] Insgesamt entstanden 182 Doxford-Turretdecker, 176 davon bei Doxford.[4]

Schema der Laderaumaufteilung eines Turmdeckers für den Transport von Eisenerz

Einer der letzten weltweit in Betrieb befindlichen Turretdecker war die Hermann Fritzen der Reederei Johs. Fritzen & Sohn.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Turret Chief bei: Miramar Ship Index. (eingesehen 25. Mai 2009) (englisch)
  2. http://www.zeno.org/Lueger-1904/A/Schiffbau+%5B2%5D
  3. Die Turret bei: Miramar Ship Index. (eingesehen 25. Mai 2009) (englisch)
  4.  Alan McClelland: Milestones in tramp ship development. In: Roy Fenton (Hrsg.): Ships in Focus Record. Nr. 1, Ships in Focus Publications, Preston 1996, ISSN 1363-1675, S. 45–53.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Fenton, Roy (Hrsg.): Merits of the trunk. In: Ships in Focus. J. & M. Clarkson, Longton 1997, ISSN 1363-1675, S. 258.
  •  Fenton, Roy (Hrsg.): Doxford vs Ropner. In: Ships in Focus. J. & M. Clarkson, Longton 1997, ISSN 1363-1675, S. 258-260.
  • Rolf Schönknecht; Uwe Laue: Hochseefrachter der Weltschiffahrt, Band 2, transpress Verlag, Berlin 1988, ISBN 3-344-00282-1.
  • Alfred Dudszus, Alfred Köpcke: Das große Buch der Schiffstypen. Weltbild Verlag (Lizenzausgabe von transpress, Berlin), Augsburg 1995, ISBN 3-89350-831-7, S. 284.