Unthinkable

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Filmdaten
Deutscher Titel Unthinkable
Originaltitel Unthinkable
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2010
Länge ca. 93 (DVD) Minuten
Altersfreigabe FSK Keine Jugendfreigabe[1]
Stab
Regie Gregor Jordan
Drehbuch Oren Moverman,
Peter Woodward
Produktion Vanessa Coifman,
Caldecot Chubb,
Marco Weber
Musik Graeme Revell
Kamera Oliver Stapleton
Schnitt Scott Chestnut
Besetzung

Unthinkable (engl., auf Deutsch: unvorstellbar, undenkbar, oder das Undenkbare) ist ein US-amerikanischer Thriller aus dem Jahr 2010. Regie führte Gregor Jordan, in den Hauptrollen sind Samuel L. Jackson, Carrie-Anne Moss und Michael Sheen zu sehen. Trotz Starbesetzung lief der Film nicht in den US-Kinos, sondern erschien nur auf DVD und Blu-ray. In Deutschland wurde er am 3. Mai 2014 in der ARD ausgestrahlt.

Der Film handelt vom amerikanischen Ex-Soldat Younger, der zum Islam konvertiert ist und laut eigener Aussage drei Atombomben in amerikanischen Städten deponiert hat. Er verlangt, dass die USA ihre seiner Meinung nach schädliche Militärpräsenz und Unterstützung für Diktatoren in der arabischen Welt beenden sollen, sonst würden die Bomben explodieren. Younger wird schnell verhaftet, und ein Geheimdienst-Verhörspezialist beginnt, ihn zu foltern, um die Standorte der Bomben herauszufinden. Weil der Erfolg zunächst ausbleibt, greift er zu zunehmend grausameren und unmoralischen (=undenkbaren) Foltermethoden.

Der Film greift die seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 vor allem in den USA geführte Debatte um die Rechtfertigung von Folter auf (siehe auch Folter durch die USA, Extraordinary rendition und Black site) und zeigt drastisch, was dies in der Realität bedeuten kann - ohne letztlich eine einfache Lösung anzubieten.

Handlung[Bearbeiten]

Steven Arthur Younger, ein ehemaliger US-Soldat und Nuklearexperte konvertierte zum Islam und nennt sich Yusuf Atta Mohammed. Er verschickt ein Video, in dem er droht, in drei Tagen drei Atombomben in drei amerikanischen Großstädten explodieren zu lassen. Neben diversen Ermittlern und Angehörigen des Militärs wird auch die FBI-Agentin Brody auf den Fall angesetzt und in eine zum Einsatzzentrum umfunktionierte Schule gebracht, in der die Ermittlungen durchgeführt werden. Hier erfährt sie, dass Younger sich bereits in Gewahrsam befindet (nachdem er sich freiwillig gestellt hatte) und vom Militär verhört wird. Ebenfalls im Einsatzzentrum befindet sich der Verhörspezialist „H“, ein Spezialist für „Black Ops“ (deutsch Schwarze Operationen) der beauftragt wird, das weitere Verhör zu führen. Younger bietet an, den Standort der Bomben freiwillig zu nennen, stellt aber Bedingungen: Er verlangt, dass der US-Präsident öffentlich erklären soll, dass die Regierung die Unterstützung für Diktatoren und Marionettenregime des Westens in der arabischen Welt einstellt, und dass sich alle US-Truppen aus muslimischen Ländern zurückziehen. Nur so könne die in seinen Augen seit langem verletzte Ehre der Bewohner dieser Länder wieder hergestellt werden. Die Militärs lehnen mit dem Hinweis kategorisch ab, dass die USA grundsätzlich nicht mit Terroristen verhandeln würden.

H geht schnell dazu über, körperliche Folter an Younger auszuüben, was Agent Brody zunächst massiv widerstrebt. Als eine der ersten Handlungen und als „Machtdemonstration“ schneidet H einen von Youngers Fingern ab. Brody versucht in den Folterpausen, Younger davon zu überzeugen, den Standort der Bomben zu verraten. Nach einem schmerzhaften Verhör verrät Younger dann tatsächlich eine Adresse. Es stellt sich heraus, dass dies nur eine Falle war, um Zeit zu gewinnen - die Soldaten lösen dort unbeabsichtigt durch einen versteckten Schalter eine Sprengstoff-Explosion in einem nahen Einkaufszentrum aus, bei der 53 Menschen sterben. Als Brody zurückkehrt und Younger außer sich vor Wut zur Rede stellt, meint dieser, dass die USA jeden Tag genau so viele Menschen in der arabischen Welt töten würden, und niemand würde sich darüber aufregen. Die Foltermethoden (u.a. Waterboarding) werden nun immer brutaler und inzwischen auch von Brody unterstützt, dennoch verrät Younger den Standort der Bomben nicht. Es zeichnet sich immer mehr ab, dass der gesamte Ablauf inklusive der Folter von ihm geplant bzw. vorhergesehen wurde.

Als weiteres Druckmittel wird schließlich Youngers Frau in den Verhörraum gebracht, jedoch lässt sich Younger wieder nicht zu einer Aussage über den Standort der Atombomben hinreißen. H plant, die Frau vor Youngers Augen foltern, wird aber von Brody und den Militärs abgehalten. Daraufhin tötet H vor den Augen von Younger, der entsetzten Soldaten und Brody die Frau. Die Zeit läuft immer weiter ab, obwohl zumindest eine Bombe durch Zufall gefunden werden konnte. Schließlich entscheidet sich H, auch die beiden Kinder Youngers zu foltern, während der Terrorist dabei zusehen muss. Kurz bevor er mit der Folter beginnen kann, nennt Younger die drei Standorte der Bomben. H fährt mit den Vorbereitungen für die Folter fort und begründet dies mit der Vermutung, es existiere eine vierte Atombombe. Im letzten Moment kann Younger jedoch einem Soldat eine Pistole entreißen und erschießt sich damit.

In einer Version des Films bleibt die Frage offen, ob es tatsächlich, wie von H vermutet, eine vierte Bombe gab, die dann explodieren wird. In einer anderen Fassung ist kurz vor dem Abspann zu erkennen, dass eine vierte Bombe tatsächlich existierte.

Rezension[Bearbeiten]

Samuel L. Jackson erhielt in Deutschland für seine eindringliche Darstellung des Folterers „H“ überwiegend Lob. Viele Kritiker lobten auch die Art und Weise, wie sich der Film dem geschilderten moralischen Dilemma nähert – vor allem, dass er keine eindeutigen Antworten gebe und dadurch den Zuschauer zum Nachdenken anrege. Fast durchgehend erwähnt wurde, dass der Film stellenweise durch die Folterdarstellungen schwer zu ertragen und eher etwas für starke Nerven sei.

„Seit dem 11. September 2001 ist die Angst vor dem Terror ständiger Berater der US-Politik. In seinem intelligenten Thriller ‚Unthinkable‘ (2010) verwischt Regisseur Gregor Jordan die Grenzen zwischen ‚Gut‘ und ‚Böse‘ und zeigt eine fragile Weltmacht, die angesichts einer bevorstehenden Katastrophe zu unmenschlichen und radikalen Mitteln greift. Die gelungene, teils bestialische Terrorismus-Parabel schaffte es leider nicht in die deutschen Kinos, feiert nun aber auf DVD und Blu-ray Disc Premiere.“

video-magazin.de[2]

„‚Unthinkable‘ überführt die Frage nach dem Richtigen oder Falschen in eine Frage nach den Bedingungen der Frage selbst. Das Setting funktioniert als eine Art Mikrokosmos, in dem Vorzeichen neu gemischt werden. Jordans Kunstgriff ist es, sämtliche Perspektiven über die Zeit zu relativieren und mit dem Schlussakkord nebeneinander stehen zu lassen. Dadurch gelingt ihm eine Zurschaustellung der immanenten Logik von Moral. Diese funktioniert als Rechtfertigung für gnadenlose Folter ebenso wie für ihre radikale Ablehnung. Jordans Drama forciert diese Unauflösbarkeit in einer Art Dialektik des Erlebens. Das Undenkbare ist deshalb nicht nur die Grenzüberschreitung als solche, sondern auch die Unentscheidbarkeit des moralischen Widerspruchs in der Praxis. Mehr noch: ‚Unthinkable‘ lässt den Zuschauer diese Ambivalenz [Anm.: Mehrdeutigkeit, Unentscheidbarkeit] an sich selbst erleben – eine Leistung, die den Film trotz verhaltenen Beginns unbedingt sehenswert macht!“

Florian Schulz, filmstarts.de [3]

In den USA erhielt der Film gemischte Kritiken[4], von harscher Ablehnung bis zu hohem Lob. Einige Kritiker monierten ungelenke und hölzerne Dialoge sowie weitere Schwächen in der filmtechnischen Umsetzung. Zudem waren sich US-Kritiker und das Publikum[4] uneinig, was die Botschaft des Films sei – einerseits wurde kritisiert, dass er platte Stereotype ohne Tiefgang und einfache Antworten biete, andere lobten gerade umgekehrt, dass der Film sich einfachen Deutungen entziehen und bei näherer Betrachtung ein sehr differenziertes Bild bieten würde. Ebenso sahen manche die Botschaft des Films klar als „Pro-Folter“, während andere ein starkes Plädoyer gegen die Anwendung der Folter sahen. Andere meinten, der Film bemühe sich zuweilen zu offensichtlich darum, ja nicht für die eine oder andere Seite Partei zu ergreifen:

“Throughout ‘Unthinkable’, the filmmakers strive mightily -- and at times, much too obviously -- for balance and perspective. The give-and-take between opposing characters is passionately played, but the actual dialogue often sounds like excerpts from op-ed essays constructed from talking points. Worse, there is a distractingly bumpy, start-and-stop quality to the narrative as the heated arguments (and the bloody torture sessions) continue.”

Joe Leydon, Variety.com[5]

Gründe für den Direct-to-Video-Vertrieb[Bearbeiten]

Teilweise wurde darauf hingewiesen, dass der Film angesichts der Starbesetzung und seiner hohen Qualität eigentlich in den US-Kinos hätte laufen müssen. Als möglicher Grund für die Tatsache, dass er nur auf DVD und Blu-ray (Direct-to-Video) erschien, wurde genannt, dass sein kritischer, nachdenklich machender Plot möglicherweise ein Hindernis gewesen sei. So seien andere kritische Filme zum Thema US-Militär, wie etwa Green Zone und Tödliches Kommando – The Hurt Locker, an den US-Kinokassen gefloppt. Dies sei möglicherweise bei Unthinkable ebenfalls befürchtet worden.[6]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Keine Jugendfreigabe
  2. Kritik zu Unthinkable. Video-Magazin.de, 18. Februar 2011
  3. Kritik zu Unthinkable von Florian Schulz, filmstarts.de
  4. a b Professionelle und Zuschauerkritiken bei Rotten Tomatoes
  5. Joe Leydon: Kritik zu Unthinkable bei Variety.com, 26. Juni 2012
  6. Kritik zu Unthinkable. movie-censorship.com