Vereinsmeierei

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Als Vereinsmeier werden pejorativ Menschen bezeichnet, denen die Mitgliedschaft und Mitarbeit in einem oder mehreren Vereinen außerordentlich wichtig ist. Abgeleitet hiervon bezeichnet Vereinsmeierei eine Haltung, in der der Betätigung in einem Verein und dem Wirken von Vereinen übertriebener Wert beigemessen wird.[1] Oft wird damit auch eine Bürokratie innerhalb eines Vereins kritisiert, wenn zuviel Wert auf Formalien anstatt auf die inhaltliche Vereinsarbeit gemäß der Satzung (CH: Statuten) des Vereins gelegt wird.

Ursprung[Bearbeiten]

Als Grund für Vereinsmeierei können physiologische Mechanismen der sozialen Erfolgskonditionierung gesehen werden. Die Vereinsmeierei im weiteren Sinn d.h. das Engagement in Gruppen und Vereinen und die Einordnung in hierarchische Gruppenstrukturen hat Einfluss auf den sozialen Status. So könnte eine Person, die im Berufsleben nicht hoch angesehen ist, beispielsweise in einem Sportverein soziale Erfolge erleben, die sie im Berufsalltag nicht erreicht. Ein sozialer Erfolg hier hat auch Auswirkungen auf die Rangposition in allen anderen Gruppen.[2] Vereinsmeier gelten als "typisch deutsch".[3]

DDR[Bearbeiten]

Das private Vereinswesen war der politischen Führung in der SBZ und DDR suspekt. Die Aufgaben der Vereine sollten durch staatliche Stellen und Massenorganisationen abgedeckt werden. Mit dem Schlagwort "Vereinsmeierei" wurden von Seiten der SED diejenigen belegt, die sich dennoch in Form privater Vereine organisierten.[4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Vereinsmeierei ... und andere Schweinereien: Über Gruppendynamik und den Zerfall sozialer Grundelemente unserer Gesellschaft [Taschenbuch], Ilia Faye ISBN 978-3-939935-26-1

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. DWDS
  2. Bernhart Ruso, Klaus Atzwanger: Motive für hierarchisches Sozialverhalten - Vereinsmeierei als evolutionspsychologisches Relikt. In: Heller, H. (Hrsg.) Hierarchien. Vehling Verlag, Graz, 2005, online (PDF; 358 kB)
  3. Hermann Bausinger: Typisch deutsch: wie deutsch sind die Deutschen?, Ausgabe 5, 2009, ISBN 3406599788, Seite 71, online
  4. Isolde Dietrich: Hammer, Zirkel, Gartenzaun: Die Politik der SED gegenüber den Kleingärtnern, 2003, ISBN 9783831146604, S. 49, online