Vorbau

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Dieser Artikel behandelt das Bauteil; zum Begriff im Bergbau siehe Vorbau (Bergbau).
Aheadset-Vorbau (Gabelschaftklemmung von außen)

Der Vorbau ist ein Bauteil des Fahrrads. Er verbindet den Lenker mit der Gabel.

Bauformen[Bearbeiten]

klassische Innenklemmung[Bearbeiten]

Vorbauten mit klassischer Innenklemmung in verschiedenen Maßen und Ausführungen

Früher fanden ausschließlich Vorbauten mit Spreizkonus oder Schrägkonus Verwendung, die in den Gabelschaft gesteckt werden. Sie haben den Vorteil, dass sich die Höhe des Lenkers stufenlos einstellen lässt und der Vorbau demontiert werden kann, ohne den Steuersatz zu lösen. Im Profibereich waren lange Zeit Vorbauten mit versenkter Schraube vorgeschrieben, weil bei diesen die Verletzungsgefahr des Brustkorbes geringer ist. Seit Aufkommen der Aheadset-Steuersätze wurde diese Vorschrift auf Drängen der Industrie ersatzlos gestrichen.

Einbauweise[Bearbeiten]

Vorbauten bzw. Lenkerschäfte haben zumeist eine konstruktionsbedingte, auf dem Rohr markierte Mindestlänge, mit der sie im Gabelschaft eingeschoben festgeklemmt (montiert) werden müssen.[1] Diese Markierung darf also nur bei ausgebautem Lenkervorbau zu sehen sein.

Sicherheitsrisiko bei Fehlmontage[Bearbeiten]

Ist die Markierung im eingebauten Zustand zu sehen, ist der Vorbau/Lenkerschaft zu kurz eingeklemmt. Schon bei Fahrern mit „Normalgewicht“ werden dann die Hebelkräfte (Biegung) zu groß; das Material des Rohres wird überlastet, wird ermüden und kann direkt über dem Steuerlager abbrechen – mit dem Risiko eines schweren Sturzes.

Fehlt die Markierung auf dem Lenkervorbau, so kann man überschlägig davon ausgehen, dass wenigstens 65 mm des Lenkerschaftes im Gabelschaft (verborgen im Steuerrohr) eingeklemmt sein müssen.

Soll der Lenker eingestellt werden (wenn Kinder für das Kinderrad zu groß werden oder erwachsene Menschen mit großer Körperlänge „normale“ Fahrräder fahren wollen), ist dringend angeraten, nicht einfach nur durch Herausziehen des Lenkerschaftes „höher zu stellen“. Abhilfe schaffen kann man in diesen Fällen nur durch einen anderen, entsprechend länger und stärker ausgeführten Vorbau – oder besser noch durch ein anderes Fahrrad mit einem größeren Rahmenmaß (längeres Steuerrohr).

„Aheadset“-Vorbauten[Bearbeiten]

Ursprünglich für Mountainbikes wurden „Aheadset“-Vorbauten entwickelt, die von außen den Gabelschaft umfassen und durch Schrauben geklemmt werden. Sie setzen einen Gabelschaft ohne Außengewinde voraus und stellen gleichzeitig den Anlaufbund des oberen Steuersatzlagers dar. Der Steuersatz wird bei leicht gelockertem Vorbau mittels einer Einstellschraube justiert, die in eine in den Gabelschaft gepresste Kralle geschraubt wird. Die Höhenverstellbarkeit des Lenkers ist umständlicher und eingeschränkter als bei Schaftvorbauten und kann nur bei einem entsprechend langen Gabelschaft über Distanzhülsen erreicht werden. Bei einem kurzen Schaft müssen für eine nachträgliche aufrechtere Sitzhaltung Zwischenstücke montiert oder die Vorbauform selbst geändert werden.

Diese Art der Vorbauten verlangt weniger korrektes Arbeiten, ist ohne Spezialwerkzeug möglich, ein Ablängen der Gabel bei Erstmontage ist nicht notwendig. Ein detailgenaues Einstellen des Fahrrades ist jedoch nicht mehr möglich, da die vertikale Verstellmöglichkeit nicht mehr stufenlos gegeben ist.

„Direct Mount“-Vorbauten[Bearbeiten]

Dieser Vorbau ist heutzutage Standard bei Downhill Mountainbikes. Der Vorbau passt nur auf Doppelbrückenfedergabeln, da er keinen Kontakt zum Gabelschaft hat, sondern entweder auf der oberen Brücke festgeschraubt wird, oder aber in der Brücke bereits seriell enthalten ist, das heißt, Brücke und Vorbau sind ein Teil.

Vorteil dieser Bauform ist die höhere Belastbarkeit. Außerdem besteht nicht die Gefahr, dass sich der Vorbau aufgrund der hohen Kräfte löst.

Material[Bearbeiten]

Standard sind Stahl oder Aluminiumguss. Hochwertige Vorbauten sind aus kaltgeschmiedeten Aluminiumlegierungen gefertigt. Vorbauten aus Stahl werden in der Regel nur noch an sehr günstigen Fahrrädern verbaut.

Kenngrößen[Bearbeiten]

Es gibt vier Kenngrößen für einen Vorbau: Durchmesser des Gabelschafts, Durchmesser der Lenkerklemmung, Länge und Winkel/Höhe.[2]

Durchmesser des Gabelschafts[Bearbeiten]

Bei Schaftvorbauten ist der Innendurchmesser der Gabel maßgeblich, der traditionell auf das Zollmaß (25,4 mm) zurückzuführen ist. Hier gibt es neben dem vorherrschenden klassischen Maß 22,2 mm (7/8 Zoll) teilweise auch Übergrößen von 25,4 (1 Zoll) und 28,6 mm (1 1/8 Zoll). Üblicherweise sind die Rohrwände zusammengerechnet 1/8 Zoll dick, so dass sich bei den genannten Innendurchmessern die Außenmaße 25,4 (1 Zoll), 28,6 (1 1/8 Zoll) und 31,8 mm (1 1/4 Zoll) bilden, die mit einem entsprechenden Rohrgewinde für das Lenkungslager versehen sind. Dadurch entsteht in der Praxis oft Verwirrung, ob z. B. mit einer „1-Zoll-Gabel“ der Innendurchmesser für den Vorbauschaft oder der Außendurchmesser für das Steuerlager gemeint ist.

Bei Ahead-Vorbauten wird das Anschlussmaß dagegen durch den (gewindelosen) Außendurchmesser des Gabelschaftes gebildet. Hier hat sich der Standard mit 1 1/8 Zoll (28,6 mm) durchgesetzt, gelegentlich 1 1/2 Zoll (38,1 mm) oder auch 1 1/4 Zoll (31,8 mm) bei erhöhter Belastung. Das frühere Maß 1 Zoll (25,4 mm) ist nicht mehr üblich. Verbreitet sind auch konische Gabelschäfte, die unten 1 1/4 Zoll und oben 1 1/8 Zoll Durchmesser haben.

Durchmesser der Lenkerklemmung[Bearbeiten]

Bei den meisten Fahrradtypen besitzt die Lenkerbügelmitte einen Durchmesser von 25,4 mm, zur Erhöhung der Stabilität kommen aber aktuell auch Durchmesser von 31,8 mm zum Einsatz. Man spricht in diesem Fall von Oversize-Lenkern (kurz OS). Bei Rennrädern sind leicht abweichende Maße wie z. B. 25,8 oder 26,0 mm üblich, die bei der Montage die genau dazu passenden Vorbauten erfordern.

Länge[Bearbeiten]

Die Vorbaulänge ist das Maß vom Zentrum der Lenkerklemmung direkt bis zum Zentrum des Gabelschafts und somit unabhängig vom Vorbauwinkel. Sie sollte auf den Einsatzbereich des Fahrrads und die Körpergröße des Radsportlers abgestimmt sein. Die Vorbaulänge beeinflusst auch das Lenkverhalten des Fahrrads:

Ein kurzer Vorbau weist folgende Eigenschaften auf:

  • Agiles, bewegliches Lenken und
  • einfaches Heben des Frontrades möglich.

Ein solcher wird daher bei Mountainbikes bevorzugt bei Downhill- und Singletrailfahrten benutzt; ein langer Vorbau dagegen in der Regel für Touren- und Cross-Country-Räder.

Winkel/Höhe[Bearbeiten]

Der Vorbauwinkel beeinflusst die Höhe des Lenkers. Ein 0°-Vorbau steht rechtwinklig zum Gabelschaft und weist daher leicht nach oben. Viele abgewinkelte Aheadset-Vorbauten können um die Längsachse gedreht montiert werden, sodass zwei verschiedene Lenkerhöhen gewählt werden können.

Im Radrennsport wird die Höhe des Lenkers im Allgemeinen in Relation zum Sattel gemessen. Die Differenz zwischen der Höhe der Satteloberkante und dem Lenkerrohr wird dabei als „Überhöhung“ bezeichnet. Ist der Sattel höher als der Lenker, spricht man von „Sattelüberhöhung“, sonst von „Lenkerüberhöhung“.

Sehr verbreitet sind im Winkel verstellbare Vorbauten. Diese sind zwar schwerer und theoretisch weniger stabil als andere Vorbauten, erlauben aber eine genauere Anpassung der Lenkerpositionen. Ihre Verstellung erfolgt normalerweise mit Werkzeughilfe und ist nicht dafür vorgesehen, ein Rad an verschiedene Benutzer anzupassen oder die Sitzhaltung oft zu ändern. Für einen solchen Zweck gibt es spezielle, werkzeuglos verstellbare Vorbauten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Gressmann, Franz Beck, Rüdiger Bellersheim: Fachkunde Fahrradtechnik. 1. Auflage. Verlag Europa Lehrmittel, Haan-Gruiten 2006, ISBN 3-8085-2291-7.
  • Fritz Winkler, Siegfried Rauch: Fahrradtechnik Instandsetzung, Konstruktion, Fertigung. 10. Auflage. BVA Bielefelder Verlagsanstalt, Bielefeld 1999, ISBN 3-87073-131-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vergleiche zu diesem Abschnitt: van der Plas, Rob: Das Fahrrad - Technik - Wartung - Reparatur, Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH 1989, ISBN 3-473-42564-8, S. 136.
  2. Maße von Vorbauten auf fahrradmonteur.de

Weblinks[Bearbeiten]