Walter Leslie

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Walter Leslie

Walter Leslie (* 1607 in Fetternaer House, Aberdeenshire, Schottland; † 4. März 1667 in Wien) war ein kaiserlicher Feldmarschall, der 1637 zum Reichsgrafen ernannt wurde.

Herkunft und Familie[Bearbeiten]

Walter Leslie entstammte einem bedeutenden schottischen Adelsgeschlecht. Sein Vater William war 10. Baron of Balquhain, seine Mutter Joan war eine Tochter des John Baron of Gogar. 1647 vermählte sich Walter mit Anna Franziska von Dietrichstein, einer Tochter des Fürsten Maximilian von Dietrichstein. Da die Ehe kinderlos blieb, wurde der Grafentitel 1662 auf Walters Bruder Alexander von Leslie und dessen Nachkommen übertragen.

Militärische Laufbahn[Bearbeiten]

1631 trat Walter Leslie in das Heer von Albrecht von Wallenstein ein und wurde im Infanterieregiment des Generals Adam Erdmann von Trčka, einem Schwager Wallensteins, Obristwachtmeister. Zusammen mit seinem Landsmann John Gordon nahm Leslie an der Schlacht bei Lützen teil. Da ihn Wallenstein in der Folgezeit mit der Organisation des Munitionsnachschubs beauftragte, reiste er u. a. nach Prag, Krems, Pilsen und Wien, wo er militärische Informationen sammeln und Verbindungen zum Kaiserhof knüpfen konnte. Dort erhielt er vermutlich auch Hinweise auf die bestehenden Spannungen zwischen dem Hof und dem Hauptquartier Wallensteins. Nachdem Wallenstein bei einem militärischen Vorhaben bei Prag gescheitert war, zog er Richtung Eger, um zu fliehen. Leslie war persönlich anwesend, als Wallenstein in Pilsen das kaiserliche Patent vom 24. Januar d. J. erhielt, welches Wallensteins Absetzung befahl. Bei einer Lagebesprechung wurde Leslie Zeuge, wie Wallenstein seine Offiziere für eine militärische Verbindung mit dem Feind gewinnen wollte.

Nachfolgend soll Leslie die Offiziere John Gordon und Walter Butler von der Notwendigkeit überzeugt haben, Wallenstein zu töten. Bei einem Gespräch mit Wallenstein, Adam Erdmann Trčka und Christian von Ilow zeigte sich Leslie zum Schein aufgeschlossen gegenüber Wallensteins Plänen. Gleichzeitig bereitete er mit Butler die Tötung Wallensteins vor. Für den Abend des 25. Februar lud der Egerer Stadtkommandant Gordon zu einem Festbankett in das Haus des Bürgermeisters am Unteren Marktplatz ein. Dort fanden in der sogenannten Mordnacht von Eger Wallenstein, Trčka, Ilow und Wilhelm Graf Kinsky den Tod. Leslie wurde verwundet.

Schon im April 1634 belohnte Kaiser Ferdinand II. Leslie für seine Beteiligung an der Verschwörung mit der Ernennung zum Obersten eines Regiments. Weitere Hofämter und Würden eines Kämmerers und Hauptmanns der K.u.k. Trabantenleibgarde folgten. Zudem schenkte ihm der Kaiser die Herrschaft Neustadt an der Mettau in Ostböhmen, die zuvor Trčka gehörte. Vermutlich aus Dankbarkeit trat er zum katholischen Glauben über.

Im Sommer 1634 beteiligte sich Leslie an der Belagerung Regensburgs und nahm am 5. September 1634 an der Schlacht bei Nördlingen teil. Seit 1636 hielt er sich ständig bei Hofe auf, von dem er gelegentlich mit militärdiplomatischen Missionen beauftragt wurde. Im selben Jahr erlangte er die böhmische Landstandschaft und 1637 den Titel eines Reichsgrafen. 1646 wurde er zum Feldzeugmeister und 1650 zum Feldmarschall befördert sowie zum Vizepräsidenten des Hofkriegsrates ernannt.

Nach dem Frieden von Eisenburg wurde er 1665 zum Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies ernannt und leitete 1665/66 die „Großbotschaft zur Hohen Pforte“. Nach seiner Rückkehr nach Wien erlag er der Malaria quartana.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Walter Leslie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien