Wanzleben

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52.06055555555611.445277777778104Koordinaten: 52° 3′ 38″ N, 11° 26′ 43″ O

Wanzleben
Höhe: 104 m
Fläche: 44,64 km²
Einwohner: 5208 (31. Dez. 2008)
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 39164
Vorwahl: 039209
Rathaus und Marktplatz
Ortsschild des Ortsteils Stadt Frankfurt

Wanzleben ist ein Ortsteil der Stadt Wanzleben-Börde im Landkreis Börde in Sachsen-Anhalt.

Geographie[Bearbeiten]

Wanzleben in der Magdeburger Börde liegt am Bode-Nebenfluss Sarre.

Als Ortsteile der ehemaligen Stadt waren ausgewiesen:

Geschichte[Bearbeiten]

Die Stadt wurde 889 erstmals erwähnt. Anfangs ein Haufendorf, erhielt sie 1376 durch den Magdeburger Erzbischof Peter das Stadtrecht. Wanzleben wächst mit vier Stadtvierteln, vier Stadttoren und einer Stadtmauer, von der noch Reste vorhanden sind. 1438 errichtete die Stadt die „Blaue Warte“ im Westen und die „Weiße Warte“ im Südwesten der Stadt, die noch erhalten sind. Herzog Georg von Mecklenburg belagerte 1550 erfolglos die Burg, die Stadt wurde jedoch zerstört. Seit 1680 gehörte die Stadt zum brandenburg-preußischen Herzogtum Magdeburg und lag im damaligen Holzkreis. Im Siebenjährigen Krieg (1756–63) logierten und fouragierten französische Truppen im Dezember 1757 in Wanzleben, nahmen Geiseln und gaben sie nach Loskauf Ende Dezember frei. Am 29. Dezember 1757 schlug Herzog Ferdinand von Braunschweig sein Hauptquartier auf Schloss Wanzleben auf. Wieder mussten die Bürger für den Unterhalt sorgen.

Von 1816 bis 1994 war die Stadt Sitz des Landkreises Wanzleben. 1994 fusionierte der Landkreis Wanzleben mit dem Landkreis Oschersleben zum Bördekreis, der am 1. Juli 2007 im Landkreis Börde aufging. Mitte des 19. Jahrhunderts begann die Mechanisierung der Landwirtschaft. Der Wanzleber Pflug ermöglicht das Tiefpflügen im Zuckerrübenanbau. Die Drillmaschine ersetzt die Aussaat per Hand.

Am 1. Januar 2010 schloss sich die bis dahin selbstständige Stadt Wanzleben mit den Gemeinden Bottmersdorf, Domersleben, Dreileben, Eggenstedt, Groß Rodensleben, Hohendodeleben, Klein Rodensleben und der Stadt Seehausen zur neuen Stadt Wanzleben-Börde zusammen.[1]

Politik[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Wappen des Ortsteils Wanzleben

Das Wappen wurde am 14. Mai 1992 durch das Regierungspräsidium Magdeburg genehmigt. Es hat die Besonderheit, einen roten Schildrand zu führen.

Blasonierung: „In Silber eine rote silberbefugte Burg mit einem breiteren mittleren und zwei schmaleren seitlichen spitzbedachten und kugelbekrönten Türmen, der mittlere Turm mit zwei Rundbogenöffnungen im oberen Stockwerk und offenem Tor, darin schwebend der in Rot über Silber geteilte Schild des Erzstifts Magdeburg, die seitlicheren Türme mit je einer Rundbogenöffnung im Ober- und Untergeschoss.“

Die Farben des Ortsteils sind Rot-Weiß.

Historisches Wappen[Bearbeiten]

Flagge[Bearbeiten]

Die Flagge wurde 1996 genehmigt und ist rot-weiß längsgestreift mit dem mittig aufgesetzten Wappen.

Partnerschaften[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Burg Wanzleben

Bauwerke[Bearbeiten]

Burg, Schloss und Amt

Die Burg Wanzleben (Das Amt) ist eine große Niederungsburg, die durch Gräben, Wälle, versumpfte Teiche und durch den kleinen Fluss Sarre natürliche Hindernisse zur Verteidigung aufwies. Den Handelsweg von Magdeburg nach Halberstadt schützte und kontrollierte diese Rundburg. 896 wird Wanzleben als Burgward erstmals urkundlich erwähnt. Der über 30 m hohe Bergfried ist ein fünfgeschossiger Wohnturm, dessen unterer Teil aus dem 10., der Oberbau aus dem 11.–12. Jahrhundert stammen. Der Tor- oder Taubenturm ist in die gleiche Zeit zu datieren. Vom 12.–14. Jahrhundert wirkten die Herren von Wanzleben als Lehnsleute (Ministeriale) des Klosters Gandersheim. Im 14. Jahrhundert erwarben die Erzbischöfe von Magdeburg diese Burg. Mehrfachen Stürmen widerstand diese Feste 1351 und 1550. Bei dem Umbau zum Wohnschloss wurde 1583 eine neue Zufahrt geschaffen. Im Herzogtum Magdeburg wurde die Burg Sitz der Amtshauptleute. Im Dreißigjährigen Krieg waren Tilly mit den kaiserlichen und General Barner mit den schwedischen Truppen im wechselnden Besitz der Burg. Im Dezember 1757 schlug Herzog Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel sein Winterquartier auf. Nach dem Frieden von Tilsit (1807) übernachtete Königin Luise von Mecklenburg-Strelitz in Wanzleben, und Major Ferdinand von Schill wurde für die Nacht vom 9./10. Mai 1809 nach der Schlacht bei Dodendorf von Maire Kühne beherbergt. Anfang des 18. Jahrhunderts war die preußische Domäne Wanzleben entstanden. Nach zwei Generationen der Familie Johann Georg und Heinrich Cuno (1725-1778)[2] pachteten fünf Generationen der Familie Kühne von 1778 bis 1945 diese Domäne - Letztere mit großem wirtschaftlichem Erfolg. Dem drohenden Verfall der Burg setzte 1990 Dr. F. W. Kühne, ein Enkel des letzten Amtsrates, durch Erwerb dieser historischen Bausubstanz ein Ende. Seitdem wird schrittweise die Restaurierung der Gebäude vorgenommen, was deutlich sichtbar ist. Als Teil der „Straße der Romanik“ wurde die Burg Wanzleben im März 2008 anerkannt.

Rathaus

Am Ostersonnabend 1376 wurden Wanzleben die Rechte einer Stadt verliehen, unter denen auch die Errichtung und Erhaltung öffentlicher Gebäude enthalten sind. So wurde am 13. Juli 1446 (Margereten-Tag) die Fertigstellung des Rathauses vollzogen, was aus einer Tafel am Rathaus ersichtlich ist. Am 17. September 1550 wurde dieses Rathaus im Interimskrieg zerstört und 1556 wieder aufgebaut. Auch dieses Datum wurde in einer Tafel am Rathaus belegt: „Das Wort Gottes bleibt in Ewigkeit. Jesaja 40. Kein Heil im Kriege. 1556.“ Im Rathaus folgten umbauten 1600 mit Anbringung eines Reliefbildes (Bürgermeister Matth. Seger?). Ein großer Stadtbrand vernichtete am 8. Juli 1684 u. a. das Rathaus. Der Wiederaufbau dauerte bis 1705, auch dieses Datum wird auf einer Tafel belegt. So entstand ein zweigeschossiger Bau mit rechteckigen, zum Teil paarigen Fenster. Eine doppelläufige Freitreppe führt zu einem spitzbogigen Portal, dem Eingang zum Bürgersaal. Dort befindet sich an der Holzbalkendecke die Jahreszahl 1687, die wahrscheinlich den schrittweise erfolgten Wiederaufbau dokumentiert. Im Untergeschoss befand sich der Ratskeller, der bis 1849 als Ausschank für die durstigen Bürger diente. Der Marktplatz hat eine trompetenartige Form.

1917 bekundete der Magistrat seinen Friedenswillen, was auf einer weiteren Tafel am Rathaus belegt wird. Nach Abriss des benachbarten Bürgerhauses erfolgte 1984 ein Anbau zum Rathaus. In den Jahren 1993–95 wurde das Rathaus restauriert. Auf dem Marktplatz fand 1999 die Aufstellung eines mehrarmigen Kandelaberleuchters statt.

Stadtkirche St. Jacobi

Eine dem heiligen Jacob gewidmete Kirche war bereits 1263 im Sprengel (Archidiakonat) Wanzleben vorhanden. Nach der Stadtgründung erfolgte der Bau einer spätromanischen Basilika, die 1550 zerstört wurde. Der mit einem Kredit von 1100 Gulden finanzierte Wiederaufbau wurde unter Verwendung der verbliebenen Umfassungsmauern und bei Erhaltung des romanischen Taufsteines vollzogen.

An einem Pfeiler im Altarraum deutet die Jahreszahl 1551 wahrscheinlich auf die beendete Eindeckung hin. 1589 hatte der Magistrat eine Taufschale für den romanischen Taufstein gestiftet. 1712 wurde der gotische Anbau zur dreischiffigen Hallenkirche (zwischen Altarraum und romanischem Turm) beendet. Eine Orgel mit 2120 Pfeifen baute Matthias Hartmann ein. Den reichgeschnitzten Orgelprospekt schuf der in Wanzleben geborene preußische Hofbildhauer Johann Georg Glume. Bis 1997 wurde die Orgel fünfmal restauriert, wobei 1860 von Ernst Röver eine neue Orgel errichtet wurde. Die vorhandene Glocke stammt aus dem Jahre 1782, weitere sind in den Kriegen eingeschmolzen worden.

Im 19. Jahrhundert, besonders 1893–95 fanden umfassende, radikale Umbauten im Innenraum statt. Dabei wurde eine Ausmalung in Anlehnung an den Jugendstil vorgenommen, die stark nachdunkelte. Die von 1983–1994 durchgeführte Renovierung ließ die Kirche im neuen Glanz erscheinen. 1997 konnten sieben Altarfenster wiederhergestellt werden.

Stadtbefestigung

Von der Stadtmauer aus dem 14. Jh. sind nur noch Reste erhalten. Ebenfalls zu den Verteidigungsanlagen der Stadt gehörten die weit vor der Stadt gelegenen erhaltenen mittelalterlichen Warttürme Weiße Warte im Westen und Blaue Warte im Südwesten, erbaut 1438.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Durch die Bundesstraße 246a ist Wanzleben an die Bundesautobahn 2 angeschlossen. Über die Abfahrt „Wanzleben“ hat die Stadt unmittelbar Anschluss an die neue Bundesautobahn 14. Darüber hinaus ist Wanzleben direkt über die Bundesstraße 180 und die Bundesstraße 246 zu erreichen.

Der Ort Blumenberg verfügt über einen Bahnhof an der Bahnstrecke Magdeburg–Thale, der vom Harz-Elbe-Express im Zwei-Stunden-Takt bedient wird. Die Bahnstrecke Blumenberg–Eilsleben mit einem Bahnhof in Wanzleben sowie die Bahnstrecken Schönebeck–Blumenberg und Staßfurt–Blumenberg sind stillgelegt.


Bildung[Bearbeiten]

  • Grundschule an der Burg Wanzleben
  • Sekundarschule Wanzleben
  • Börde-Gymnasium Wanzleben

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Modell des 1852 von Christian Behrendt vorgestellten „Wanzleber Pflugs“ (Tiefkulturpflug für den Zuckerrübenanbau), Zucker-Museum Berlin

Mit der Stadt verbundene Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Gerd Gerdes (1922-2014), Prof. für Agrarwissenschaften und Heimatforscher

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wanzleben – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2010.
  2. Cuno, Johannes: Nachricht von dem Geschlecht und Herkommen der Cunoen (1672–1957), erg. u. hrsg. v. Reiner Stephany, Monsenstein & Vannerdat, Münster 2012, S. 317–328.