Winkelspinnen

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Winkelspinnen
Große Winkelspinne (Tegenaria atrica)

Große Winkelspinne (Tegenaria atrica)

Systematik
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Teilordnung: Entelegynae
Überfamilie: Agelenoidea
Familie: Trichterspinnen (Agelenidae)
Gattung: Winkelspinnen
Wissenschaftlicher Name
Tegenaria
Latreille, 1804
Eine Westliche Schwarze Witwe (hier ein Weibchen, links ein Männchen) hat eine Winkelspinne erbeutet.

Winkelspinnen (Tegenaria) ist eine weltweit über 120 Arten umfassende Gattung der Familie der Trichterspinnen. In Europa sind mindestens 62 Arten heimisch.[1]

Merkmale[Bearbeiten]

Alle Arten dieser Gattung sind nachtaktiv, meist sehr schnell, hellbraun bis rötlich-braun oder dunkelbraun gefärbt, mit meist beborsteten, teilweise auch fein behaarten, langen Beinen. Charakteristisches Bestimmungsmerkmal innerhalb dieser Gattung ist das Brustmal (auf dem Sternum). Die Große Winkelspinne war die „Spinne des Jahres 2008“.[2]

Gefährlichkeit[Bearbeiten]

Die Arten der Gattung Tegenaria sp. sind harmlos. In den USA sollen Bisse der Feldwinkelspinne (Tegenaria agrestis) angeblich nekrotisierende, sehr schlecht heilende und äußerst schmerzhafte Wunden bewirkt haben. Die Beweislage dafür ist jedoch sehr fragwürdig[3] und es wird davon ausgegangen, dass es sich bei einigen dieser Wunden gar nicht um Spinnenbisse handelt und dass die verbleibenden Bisse stattdessen von Arten der Gattung Loxosceles, insbesondere von Loxosceles reclusa verursacht wurden, bei denen hingegen eine unter Umständen nekrotisierende Wirkung ihres Giftes als gesichert gelten kann.

Arten[Bearbeiten]

Die bekanntesten Vertreter der Gattung sind die auch in Häusern, Schuppen, Stallungen oder Scheunen lebenden „Hausspinnen“

sowie die im Freiland lebende, in Teilen Nordamerikas häufige

Weitere europäische Arten[Bearbeiten]

Tegenaria animata Kratochvíl & Miller 1940 stat. rev., T. bayeri Kratochvíl 1934 stat. rev., T. bosnica Kratochvíl & Miller 1940 stat. rev. and T. decolorata Kratochvíl & Miller 1940 stat.

Transferierte Arten[Bearbeiten]

Morphologisch kann man bei den Winkelspinnen zwei Gruppen unterscheiden. Die Männchen der einen Gruppe tragen auf ihren Pedipalpen je einen kurzen, dicken Embolus, dazu gehört die Typusart der Gattung Tegenaria, Tegenaria domestica. Die Männchen der anderen Gruppe besitzen einen langen, fadenförmigen Embolus. Ein solcher Embolus ist charakteristisch für die Gattung Malthonica. Deshalb wurden 2005 einige Arten der Gattung Tegenaria ind die Gattung Malthonica transferiert, darunter die Rostrote Winkelspinne (Malthonica ferruginea), deren Embolus so lang werden kann wie die Spinne selbst.[4] Es hat sich jedoch herausgestellt, dass dieses Merkmal nicht ausreicht, um die beiden Gattungen klar abzugrenzen. So scheint die Rostrote Winkelspinne trotz des auffälligen Embolus der Männchen phylogenetisch nahe mit der Gattung Tegenaria verwandt zu sein.[5] Die folgenden Arten wurden 2005 in die Gattung Malthonica transferiert.

Zur Gattung Histopona zugerechnet, wird die in Wäldern und unter Baumwurzeln vorkommende Waldtrichterspinne (Histopona torpida, früher: Tegenaria torpida).

2010 wurden zwei Arten von Tegenaria und zwei Arten von Malthonica in die neu beschriebene Gattung Aterigena ausgegliedert.[6] Gleichzeitig wurden die Arten der Gattung Pseudotegenaria wieder in die Gattung Tegenaria integriert. Arten der Gattung Aterigena:

  • Aterigena aculeata (Wang, 1992), in China heimisch, (Synonym: Tegenaria aculeata, seit 2010 in der Gattung Aterigena)
  • Aterigena aliquoi (Brignoli, 1971), Sizilien, (Synonym: Tegenaria aliquoi, seit 2005 in der Gattung Malthonica, seit 2010 in der Gattung Aterigena)
  • Aterigena aspromontensis Bolzern, Hänggi & Burckhardt, 2010, Norditalien
  • Aterigena ligurica (Simon, 1916), Norditalien und Südfrankreich, (Synonym: Tegenaria ligurica, seit 2010 in der Gattung Aterigena)
  • Aterigena soriculata (Simon, 1873), Sardinien und Korsika, (Synonym: Tegenaria soriculata, seit 2005 in der Gattung Malthonica, seit 2010 in der Gattung Aterigena)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Theo Blick, Robert Bosmans, Jan Buchar, Peter Gajdoš, Ambros Hänggi, Peter Van Helsdingen, Vlastimil Ružicka, Wojciech Starega & Konrad Thaler: Checkliste der Spinnen Mitteleuropas. Checklist of the spiders of Central Europe. (Arachnida: Araneae). Version 1. Dezember 2004
  2. Arachnologische Gesellschaft e. V.: Die Spinne des Jahres 2008 ist Tegenaria atrica
  3. James H. Diaz: The Global Epidemiology, Syndromic Classification, Management, and Prevention of Spider Bites „Nevertheless, T. agrestis has never been conclusively identified as the cause of necrotic araneism in the Pacific northwest of the United States because the CDC report was based on retrospective telephone reports of suspected bites without expert identification of biting spiders.“
  4. Elchin M Guseinov, Yuri M. Marusik & Seppo Koponen: Spiders (Arachnida, Aranei) of Azerbaijan 5. Faunistic review of the funnel-web spiders (Agelenidae) with the discription of new genus species. Arthropoda selecta, 14, 2, 153-177, 2005 (PDF)
  5. Norman I. Platnick: Familie Agelenidae. The World Spider Catalog, Version 12.5. The American Museum of Natural History, 2000 — 2012
  6. Angelo Bolzern, Ambros Hänggi & Daniel Burckhardt: Aterigena, a new genus of funnel-web spider, shedding some light on the Tegenaria-Malthonica problem (Araneae: Agelenidae). Journal of Arachnology, The Journal of Arachnology, 38, S. 162–182, 2010

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tegenaria – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien