Wolfgang Fürstner

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Geschäftsführer des VDZ siehe Wolfgang Fürstner (VDZ).
Wolfgang Fürstner (1935)

Wolfgang Fürstner (* 4. April 1896 in Posen[1]; † 19. August 1936 in Döberitz[2]) war ein deutscher Hauptmann. 1936 war Fürstner zuerst Kommandant, dann Vizekommandant des Olympischen Dorfes der Olympischen Sommerspiele in Berlin 1936.

Leben[Bearbeiten]

Fürstner (links) mit Rudolf Heß (Mitte) und dessen Adjutanten Alfred Leitgen (rechts) im Olympischen Dorf (1936), Aufnahme von Heinrich Hoffmann

Fürstner war ein Neffe des Hirnforschers Carl Fürstner. Er nahm als Leutnant am Ersten Weltkrieg teil, 1921 führte er bei den Aufständen in Oberschlesien ein Freikorps. Fürstner gehört dem Deutschen Offizier-Bund, als Beisitzer des Bundesvorstandes gründete er 1928 in Berlin die erste Sportvereinigung (SV) des DOB, und vermutlich schon vor 1933 der NSDAP an. Im April 1933 wurde er durch Karl Ritter von Halt zum Vorsitzenden des Verbandes der Brandenburger Athletik-Vereine (VBAV) bestimmt. Fürstner galt als aktiver Nationalsozialist, im Mai 1933 wurde er zudem in die Reichswehr übernommen und Anfang 1935 in das OK für die Olympischen Spiele berufen.

Von 1934 bis 1936 war Wolfgang Fürstner verantwortlich für den in Wehrmacht-Regie erfolgenden Bau des Olympischen Dorfes für die XI. Sommerspiele in Berlin. Bis zu seiner Ablösung am 27. Mai 1936 war er überdies erster Kommandant des Sportlerquartiers.[1]

Als Kommandant wurde nun Oberstleutnant Werner Albrecht Frhr. v. Gilsa eingesetzt. Fürstner hatte als Platzmajor nur noch die Stellung des Vizekommandanten inne. Offiziell hieß es, Fürstner hätte „nicht mit der nötigen Energie durchgegriffen“, als ca. 370.000 Besucher in den Tagen der offenen Tür vom 1. Mai bis 15. Juni durch das Dorf strömten und dabei auch Schäden anrichteten. Wahrscheinlich wurde dies nur zum Vorwand genommen, Fürstner zu degradieren, der in nationalsozialistischer Diktion als „Halbjude“ eingeordnet wurde. Drei Tage nach Ende der Spiele beging Fürstner Selbstmord – nachdem er vorher mit der Olympia-Medaille erster Klasse ausgezeichnet worden war. Fürstner hatte erfahren, dass er aufgrund der Nürnberger Gesetze als Jude eingestuft und aus der Wehrmacht entlassen werden sollte. Um Schaden für das internationale Ansehen Deutschlands abzuwenden, wurde der Tod als Unglücksfall hingestellt, und der Tote erhielt eine Bestattung auf dem Invalidenfriedhof. Das Grab wurde auch in den Friedhofsführer Der Invalidenfriedhof in Berlin – Ein Ehrenhain preußisch-deutscher Geschichte aufgenommen, der zwischen 1936 und 1940 in mehreren Auflagen erschien.

Grabstelle von Wolfgang Fürstner, Restitutionsstein von 2002

Auf dem Berliner Invalidenfriedhof befindet sich ein Erinnerungsstein für Hauptmann a.D. Wolfgang Fürstner. Der Stein wurde vom Nationalen Olympischen Komitee (NOK) gestiftet und im Juni 2002 durch den damaligen NOK-Präsidenten Walther Tröger eingeweiht.

Literatur[Bearbeiten]

  • Susanne Dost: Das Olympische Dorf 1936 im Wandel der Zeit. Neddermeyer, Berlin 2003, ISBN 3-933254-12-4.
  • Roland Kopp: Wolfgang Fürstner (1896–1936). Der erste Kommandant des Olympischen Dorfes von 1936. Peter Lang, Frankfurt am Main u.a. 2009, ISBN 978-3-631-59216-8.
  • Roland Kopp: Der "Unglücksfall" des Hauptmanns Wolfgang Fürstner. Ein Lehrstück zum Janusgesicht der Olympischen Spiele von 1936, in: Diethelm Blecking/ Lorenz Pfeiffer (Hg.): Sportler im „Jahrhundert“ der Lager – Profiteure, Widerständler und Opfer, Göttingen 2012, S. 248–254.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wolfgang Fürstner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Roland Kopp: Der "Unglücksfall" des Hauptmanns Wolfgang Fürstner. Ein Lehrstück zum Janusgesicht der Olympischen Spiele von 1936, in: Diethelm Blecking/ Lorenz Pfeiffer (Hg.): Sportler im „Jahrhundert“ der Lager – Profiteure, Widerständler und Opfer. Göttingen 2012, S. 248.
  2. Ebd., S. 250.