Wolfgang Schuster

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Dieser Artikel bezieht sich auf den Stuttgarter Oberbürgermeister Wolfgang Schuster. Für den Landrat des Lahn-Dill-Kreises siehe Wolfgang Schuster (Landrat)
Wolfgang Schuster (2011)
Wolfgang Schuster (2008)

Wolfgang Schuster (* 5. September 1949 in Ulm) war von Januar 1997 bis Januar 2013 Stuttgarter Oberbürgermeister (CDU). Er war der Nachfolger von Manfred Rommel und der Vorgänger von Fritz Kuhn in diesem Amt.

Leben[Bearbeiten]

Schuster leistete 1968/1969 seinen Wehrdienst beim Gebirgsjägerbataillon 221 in Mittenwald. Er schied aus als Reserveoffiziersanwärter. Danach studierte er von 1969 bis 1973 an der Eberhard Karls Universität Tübingen, in Genf und Freiburg im Breisgau Rechts- und Staatswissenschaften. Während seines Studiums wurde er Mitglied der A.V. Guestfalia Tübingen im CV. Von 1974 bis 1976 verbrachte er seine Referendarzeit in Ulm und promovierte im Zivilrecht. Von 1976 bis 1977 studierte er an der Pariser École nationale d’administration (ENA). Von 1975 bis 1980 war er für die CDU im Ulmer Gemeinderat. Von 1978 bis 1980 war er Referent im Staatsministerium Baden-Württemberg unter den Ministerpräsidenten Hans Filbinger und Lothar Späth. 1980 wurde er Leiter des Persönlichen Referats des Stuttgarter Oberbürgermeisters Manfred Rommel. 1986–1993 war er Oberbürgermeister von Schwäbisch Gmünd, danach bis Januar 1997 Bürgermeister für Kultur, Bildung und Sport der Landeshauptstadt Stuttgart. Von Januar 1997 bis Januar 2013 war Schuster Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Stuttgart. Aktuell ist er Direktor des Instituts für Nachhaltige Stadtentwicklung (I-NSE) in Stuttgart. Schuster ist seit 1979 verheiratet, hat drei Kinder und drei Enkelkinder.[1]

Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Stuttgart[Bearbeiten]

Amtszeit I[Bearbeiten]

In der Wahl zum Oberbürgermeister Stuttgarts konnte Schuster sich im zweiten Wahlgang am 10. November 1996 mit 43,1 % gegen den Kandidaten der Grünen, Rezzo Schlauch (39,3 %) durchsetzen.[2]

Amtszeit II[Bearbeiten]

Am 24. Oktober 2004 wurde Schuster im zweiten Wahlgang mit 53,3 % im Amt bestätigt. Seine Mitbewerber waren Boris Palmer (Bündnis 90/Die Grünen), der seine Kandidatur nach dem ersten Wahlgang zurückzog und sich dann indirekt für Schuster aussprach, sowie Ute Kumpf (SPD) mit 45,2 % im zweiten Wahlgang.

Politische Arbeit[Bearbeiten]

Schuster hat seine politischen Schwerpunkte in den Bereichen der Bildung, Demografie, Bauwirtschaft und Industrieförderung gesetzt. Neben den Themen Sicherheit und Mobilität macht sich Schuster stets für die Kinderfreundlichkeit in seiner Stadt stark.[3] Darüber hinaus gilt seine Migranten- und Integrationspolitik als vorbildlich. So spricht er von der Notwendigkeit einer „wertschätzenden Willkommenskultur“ gegenüber Ausländern und hält gleichzeitig Formalien wie die Staatsangehörigkeit für irrelevant beim urbanen Zusammenleben.[4] Mit der Einrichtung eines Runden Tischs der Religionen setzte er auch für den interreligiösen Dialog in der Landeshauptstadt Zeichen.

Stuttgart 21[Bearbeiten]

Ein weiterer Schwerpunkt seiner Tätigkeit ist das Vorantreiben des Bahn- und Städtebauprojekts Stuttgart 21, das den Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofes zu einem unterirdischen Durchgangsbahnhof und die Gestaltung des neuen Innenstadtquartiers Rosenstein vorsieht. Im Wahlkampf 2004 hatte Schuster zugesagt, einen Bürgerentscheid über das Projekt dann zu unterstützen, wenn sich die Landeshauptstadt Stuttgart "in erheblichem Umfang" finanziell beteiligen müsste. Genau dies ist aber nach Ansicht Schusters bisher nie der Fall gewesen. Schuster rechtfertigte seine Entscheidung damit, dass die Mehrkosten für die Stadt Stuttgart voraussichtlich nur 84 Mio. Euro betragen und er sich mit Boris Palmer im damaligen OB-Wahlkampf einig gewesen sei, dass Mehrkosten „deutlich im dreistelligen Millionenbereich“ gemeint waren.[5] Schuster war einer der sieben Befürworter des Projekts Stuttgart 21, die bei den von Heiner Geißler moderierten Schlichtungsgesprächen für Stuttgart 21 sprachen.[6][7]. Darüber hinaus nahm er auch am Stresstest zur Leistungsfähigkeit des Durchgangsbahnhofes teil. Bei dieser Veranstaltung gab OB Schuster die Gründung des "BürgerFORUMs Stuttgart 21" bekannt [8].

Verzicht auf dritte Amtszeit[Bearbeiten]

Am 9. Januar 2012 gab Schuster bekannt, dass er nicht für eine dritte Amtszeit als Oberbürgermeister in Stuttgart kandidieren werde.[9] Als Begründung führte er an, dass Stuttgart im Vergleich mit anderen Großstädten hervorragend dastehe und das Projekt Stuttgart 21 acht Jahre lang begleitet werden müsse. Aus Altersgründen hätte Schuster nur einen Teil der dritten Amtszeit ausführen dürfen.[9][10] Mit dem 6. Januar 2013 endete Wolfgang Schusters Amtszeit als Stuttgarter Oberbürgermeister.

Mitgliedschaften und Funktionen[Bearbeiten]

Schuster wurde im Oktober 2008 Mitglied im Rat der Weisen zur Zukunft Europas der EU, welcher bis zum 8. Mai 2010 langfristige Perspektiven für Europa erarbeitete.[11][12]

Schuster ist Vorsitzender zahlreicher internationaler Netzwerke wie Cities for Mobility und Cities for Children, Vizepräsident des kommunalen Weltverbandes „Vereinigte Städte und Lokale Gebietskörperschaften“ (UCLG – CGLU) sowie seit 2010 Präsident des Council of European Municipalities and Regions. Zudem ist er ebenfalls Präsident der deutschen Sektion des Rates der Gemeinden und Regionen Europas (RGRE).[13][14] [15]

Nationale Funktionen und Ämter bis Januar 2013[Bearbeiten]

  • Aufsichtsratsvorsitzender der Stuttgarter Straßenbahnen AG
  • Aufsichtsratsvorsitzender des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart GmbH
  • Stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafen Stuttgart GmbH
  • Vorsitzender des Zweckverbands Landeswasserversorgung
  • Vorsitzender des Zweckverbands Bodensee-Wasserversorgung
  • Stellvertretender Vorsitzender der Gewährträgerversammlung und des Verwaltungsrats der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW)
  • Vorsitzender des Kreditausschusses der LBBW
  • Mitglied im Rundfunkrat des SWR
  • Mitglied in der Verbandsversammlung der Region Stuttgart
  • Mitglied im Vorstand des Städtetages Baden-Württemberg
  • Stellvertretender Präsident des Deutschen Städtetags

Europäische und Internationale[Bearbeiten]

  • Mitglied im Kongress der Gemeinden und Regionen Europas des Europarats (KGRE), Strassburg
  • Präsident des Rats der Gemeinden und Regionen Europas (RGRE), Deutsche Sektion, Köln
  • Präsident des Rats der Gemeinden und Regionen Europas (RGRE), Brüssel
  • Vize-Präsident und Vorsitzender der Europäischen Sektion des kommunalen Weltverbandes
  • Vorsitzender der UCLG-Kommission für urbane Mobilität
  • Mitglied der Reflexionsgruppe Europa 2020 - 2030 (ernannt durch den Europäischen Rat der 27 Staats- und Regierungschefs)
  • Vorsitzender Cities for Mobility
  • Vorsitzender Cities for Children
  • Vizepräsident des kommunalen Weltverbandes „Vereinigte Städte und Lokale Gebietskörperschaften“ (UCLG - CGLU) sowie
  • seit 2010 Präsident des Rates der Gemeinden und Regionen Europas (RGRE)[16]

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

2004 wurde Schuster von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft als zweitbester Bürgermeister Deutschlands und Stuttgart als reformfreudigste unter 50 deutschen Großstädten ausgezeichnet.[13] Wolfgang Schuster wurde 2005 die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg verliehen.[17] Er erhielt am 5. September 2009 die Staufermedaille des Landes Baden-Württemberg in Gold.[13] Wolfgang Schuster erhielt am 2. Juni 2010 den Verdienstorden der Republik Italien für eine vor drei Jahren von ihm gestartete „vorbildliche Initiative, um die Bildungschancen italienischer Schüler zu verbessern“.[18] Zudem wurde ihm von Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Ehrenprofessorwürde zuerkannt.[19] Der Gemeinderat der Landeshauptstadt Stuttgart hat in seiner Sitzung am 20. Dezember beschlossen, Schuster zum Ehrenbürger zu ernennen. Die Ehrenbürgerwürde wurde ihm am 5. Januar im Rahmen der offiziellen Verabschiedung verliehen[20]. 2013 wird Schuster vom Deutsch-Türkischen Forum Stuttgart für seine Verdienste um eine moderne Integrationspolitik und eine internationale Stadtgesellschaft mit dem undotierten Ehrenpreis des Manfred-Rommel-Preises ausgezeichnet [21]. Am 13. November 2013 wurde Wolfgang Schuster für seine Verdienste als Oberbürgermeister der Stadt Stuttgart um die Transkulturalität von der Gesellschaft für Dialog Baden-Württemberg mit der Medaille für Transkulturalität geehrt.[22]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wolfgang Schuster – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikinews: Wolfgang Schuster – in den Nachrichten

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Biographie Prof. Dr. Schuster.
  2. Die Wahl von 1996 wird ausführlich dargestellt in: Markus Hoecker: Die Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart 1996. Parteipolitik und Wahlkampfstrategie: Die kommunale Persönlichkeitswahl im Spannungsfeld der modernen Parteiendemokratie. Eine Einzelfallstudie. Dissertation. Stuttgart 2005. Digitalisat – abgerufen am 11. Mai 2009 (PDF; 662 kB)
  3. Website Stadt Stuttgart: Kinderfreundliches Stuttgart.
  4. Max Hägler: Der Pass interessiert mich nicht. In: taz, die tageszeitung. 24. Mai 2007.
  5. Stuttgart 21 – Frage nach einem Bürgerentscheid: OB Schuster stellt Fakten klar, Pressemitteilung der Stadt Stuttgart vom 23. Juli 2007.
  6. Faktencheck im Rathaus, fr-online, 25. Oktober 2010
  7. die sechs anderen Befürworter waren Bernhard Bauer (Ministerialdirektor), Thomas Bopp (Verband Region Stuttgart), Pfarrer Johannes Bräuchle (Initiative Pro Stuttgart 21), Tanja Gönner (Umweltministerin), Stefan Mappus (Ministerpräsident) und Volker Kefer (DB-Vorstand)
  8. Video-Mitschnitt: Statement OB Schuster Stresstest 2011.
  9. a b Wolfgang Schuster will nicht kandidieren www.stuttgarter-zeitung.de 9. Januar 2012
  10. Der Überflieger und seine Bürger www.stuttgarter-zeitung.de 3. Januar 2012
  11. EU setzt "Rat der Weisen" ein – Stuttgarts OB Schuster dabei. In: Stuttgarter Zeitung. 16. Oktober 2008.
  12. euractiv.de: Rat der Weisen: EU droht Irrelevanz. 7. Mai 2010, Zugriff am 27. August 2011
  13. a b c Laudatio (Auszug) zur Verleihung der Staufer-Medaille
  14. Verband RGRE: Schuster neuer Präsident. In: Stuttgarter Zeitung. 7. Dezember 2010.
  15. Europäische Bewegung Deutschland: Neuer Präsident des Rats der Gemeinden und Regionen Europas: Wolfgang Schuster. 7. Dezember 2010.
  16. Biographie Prof. Dr. Schuster
  17. Staatsministerium Baden-Württemberg: Liste der Ordensträger 1975–2014. 3. Mai 2014, S. 51, abgerufen am 9. Juni 2014 (PDF; 145 kB).
  18. Stuttgart Journal: OB Schuster erhält Verdienstorden der Republik Italien, Beitrag vom 13. Juni 2010, abgerufen am 13. August 2010
  19. Stuttgarter Zeitung vom 7. Jan. 2013, abgerufen am Tage, mit dem Titel: Politiker verabschieden OB Schuster: „Glückwunsch, Herr Professor“
  20. Website I-NSE. Ehrenbürgerwürde für Dr. Schuster
  21. Manfred-Rommel-Preis 2013: Preisträger 2013, Website DTF Stuttgart.
  22. Landtag von Baden-Württemberg: Oberbürgermeister a.D. Wolfgang Schuster für Verdienste um Transkulturalität geehrt“, abgerufen am 14. Januar 2014.