Wolfgang Voigt

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Dieser Artikel behandelt den deutschen Musiker. Für den Chemiker siehe Wolfgang Voigt (Chemiker).
Wolfgang Voigt (2012)

Wolfgang Voigt (* 1961 in Köln) ist ein auch unter Pseudonymen wie Mike Ink und Gas bekannter deutscher Musiker und Labelbetreiber im Bereich der elektronischen Musik.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Zusammen mit seinem Bruder Reinhard Voigt (bekannt unter Pseudonymen wie Sweet Reinhard, Kron und Pentax) gilt Wolfgang Voigt als Begründer des Minimal Techno in Deutschland und als einer der wichtigsten Vertreter der Kölner Techno-Szene.[1] Mit dem Musiker Jörg Burger (The Bionaut, The Modernist) wurde er während eines Aufenthaltes in London im Jahr 1988 vom einsetzenden Acid-House-Boom beeinflusst. Voigt und Burger gründeten daraufhin in Belgien das Label Trance Atlantic. Zu seinen ersten Veröffentlichungen zählt die unter dem Alias Mike Ink veröffentlichte Acid-Platte The Dialogue EP. Viele seiner Platten aus dieser frühen Zeit, wie z.B. Trans Atlantic Excess, Rosenkranz, New Jack City und R.E.S.P.E.C.T. gelten in der Techno-Szene heute als Klassiker. Zusammen mit Burger sowie Ingmar Koch und Cem Oral, den Mitgliedern der Band Air Liquide, gründete Voigt 1991 das Acid-Techno-Label Structure[2].

1993 gründete Voigt mit seinem Bruder sowie Jörg Burger und Jürgen Paape in Köln den Plattenladen Delirium, der später in Kompakt umbenannt wurde und damit den Grundstein für das gleichnamige Label legte.

Ebenfalls 1993 gründete Voigt das Label Profan. In der Folgezeit erscheinen viele seiner Veröffentlichungen bei in- und ausländischen Labels. Stilbildend für den deutschen Minimal Techno und richtungsweisend für seine eigene musikalische Entwicklung waren dabei insbesondere die ab 1995 auf Profan veröffentlichten Studio 1-Platten. Die musikalischen Elemente wurden dabei in avantgardistischer Weise stark reduziert, wobei vor allem Bassdrum und Bassline sowie Percussionelemente zum Einsatz kamen, insbesondere die mittlerweile zum festen Repertoire des Minimal Techno gehörenden „Klick“-Sounds. Auch Einflüsse des Reggae Dub waren hörbar. Die Studio 1-Veröffentlichungen waren thematisch nach Farben sortiert und bildeten eine in sich abgeschlossene Serie. Eine optisch ähnliche konzipierte Serie von Minimal-Techno-Veröffentlichungen, musikalisch nun fast gänzlich auf die Ebene von Bass und „Sub-Bass“ reduziert, war die Freiland-Reihe, die Voigt auf einem eigens gegründeten gleichnamigen Label von 1998 bis 1999 veröffentlichte.

1996 produzierte Voigt unter dem Pseudonym Love Inc. das Album Life's A Gas, das auf dem Frankfurter Label Force Inc. Music Works erschien und durch zahllose Samples von den Bee Gees über T. Rex bis zu Queen die Wurzeln seines Schaffens dokumentiert. Im gleichen Jahr veröffentlichte er auf dem Label Mille Plateaux das erste Album seines vielbeachteten Projekts Gas, das vor allem mit Ambient-Klängen und Klangflächenkompositionen experimentierte. Da Voigt für die Plattencover der Gas-Alben Bilder deutscher Wälder benutzte und auch in der Namensgebung der Platten sehr „deutsche“ Begriffe wie „Königsforst“ oder „Zauberberg“ verwendet, wird er mitunter als Verfechter einer deutschnationalen Gesinnung kritisiert und löste damit nicht nur innerhalb der Technoszene einen Vorboten der Patriotismus-Debatte aus.[3] Voigt selbst betont in diesem Zusammenhang, dass es ihm nicht um die Förderung deutschnationaler Gefühle gehe, sondern darum, „abseits der gängigen Klischees so etwas wie eine ‚genuin deutsche Popmusik‘ zu kreieren“.

Für das 2010 erschienene Album Freiland Klaviermusik reaktivierte Voigt sein Label Profan, auf dem er seit 10 Jahren keine Platten mehr veröffentlicht hatte.[4] Zur Produktion des Albums, auf dem Voigt Pianola-Klänge und minimale Techno-Rhythmen kombiniert, ließ er sich durch den mexikanischen Komponisten Conlon Nancarrow inspirieren.[5]

Neben seiner Tätigkeit als Musiker und DJ ist Voigt heute vor allem im Umfeld des Kölner Plattenladens Kompakt tätig, wo er seine Musik auf zahlreichen von ihm gegründeten Labels wie Kompakt, Kreisel 99 oder Auftrieb veröffentlicht.[6]

Wolfgang Voigt hat seit Mitte der 1990er Jahre über 160 Alben, EPs und Singles sowie zahllose Remixes unter mehr als 30 verschiedenen Pseudonymen veröffentlicht.

Pseudonyme und Kooperationen[Bearbeiten]

Voigt ist dafür bekannt, seine Musik unter immer neuen Namen zu veröffentlichen. Dabei nutzt er die verschiedenen Pseudonyme zur Gestaltung und Veröffentlichung unterschiedlicher Spielarten elektronischer Musik. Verschiedentlich arbeitet er dabei mit anderen Musikern – überwiegend aus dem Kölner Umfeld – zusammen. Zu seinen wichtigsten Projekten zählen:

  • All (Ambient-Projekt)
  • Auftrieb (Kompakt-Sublabel für brachialen „Sägezahntechno“)
  • burger/ink (später Burger/Voigt; Trance-Projekt in Zusammenarbeit mit Jörg Burger)
  • Freiland (Serie von Minimal-Techno-Veröffentlichungen)
  • Gas (Kombination von Ambient-Klängen und minimalen Rhythmuselementen, siehe Zauberberg)
  • Grungerman (Kombination von Schlager-Samples und Minimal Techno Rhythmen)
  • Love Inc. (poppige Interpretationen von Minimal-Techno-Tracks)
  • M:I:5 (Abstrakter Minimal Techno)
  • Mike Ink (Acid und Minimal Techno)
  • Mohn (Slowmotion-Techno mit und ohne Bassdrum, in Zusammenarbeit mit Jörg Burger)
  • Popacid (Acid und House mit Disco-Affinität vor allem auf dem Hamburger Label Ladomat 2000)
  • Studio 1 (Serie von Minimal-Techno-Veröffentlichungen)
  • Wassermann (Kombination von Rave-Elementen und minimaler Produktionsweise)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. mono-kultur.com; www.musicline.de
  2. Structure Discography bei Discogs.com, abgerufen am 9. Januar 2010
  3. Vgl. das Interview bei Telepolis.
  4. Wolfgang Voigt - Freiland Klaviermusik bei discogs.com, abgerufen am 30. Juni 2010.
  5. De:Bug 144, Jul./Aug. 2010, S. 80
  6. www.koeln.de