Zenit (Richtungsangabe)

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Die Zeichnung zeigt die Beziehungen zwischen Zenit, Nadir und Horizonten: Nadir und Zenit sind Gegenpole.

Der Zenit eines Punktes der Erdoberfläche ist die nach oben verlängerte Lotrichtung, die Senkrechte auf der Horizontebene. Es ist der Punkt des Himmels, der sich genau über dem Beobachter befindet. Der Fußpunkt nennt sich Nadir.

Der Name kommt vom arabischen ‏سمت‎ / samt / ‚Weg, Straße, Richtung‘ oder genauer von ‏سمت الرأس‎ / samt ar-raʾs / ‚Richtung des Kopfes, Scheitelpunkt‘. Durch Schreibfehler und falsche Lesarten wurde in mittelalterlichen Texten aus samt die Schreibweise cemt oder zemt und daraus cenit beziehungsweise zenit.

Auf einer gedachten kugelförmigen Erde wäre der Zenit der Strahl, der ausgehend vom Erdmittelpunkt (senkrecht zur Erdoberfläche) nach oben verläuft. Da die Erde aber keine ideale Kugel ist, ist eine genauere Definition notwendig. Auf dem Referenzellipsoid der Geodäsie ist es die Ellipsoidnormale. In der Astronomie hingegen definiert man ihn als Verlängerung des örtlichen Gravitationsvektors. Die Misweisungen zwischen terrestrischer und astronomischer Geodäsie sind heute weltweit bestens erfasst.

Tatsächlich hat, weil der ideale, mathematische Horizont nicht dem visuellen entspricht, der Horizont also nicht unmittelbar ermessbar ist, der Zenit die zentrale Stellung überhaupt: Präzise ist die Horizontebene definiert als die Vertikalebene auf den Vektor vom Beobachter zum Zenit im Punkt des Beobachters. man ermittelt zuerst den Zenit, und dann den (idealisiertenen) Horizont. Zusammen mit den Himmelspolen und dem Südpunkt kommt ihm daher eine zentrale Bedeutung für das topozentrische horizontale Koordinatensystem (mit Azimut und Höhe) zu. Zusammen mit den Himmelspolen definiert der Zenit die Meridianebene. Der Schnittpunkt von Horizont- und Meridianebene definiert Südpunkt und Nordpunkt, und mit dem Vektortripel von Beobachter zum Zenit, zum Nord- (oder Süd-)punkt und entsprechend zum Ost- oder Westpunkt ist das Koordinatensystem aufgespannt (es gibt für das Azimut Zählweisen von ab Norden, und ab Süden, im oder gegen den Uhrzeigersinn).

Der Winkelabstand eines Gestirns zum Zenit ist die Zenitdistanz und ist damit der Komplementärwinkel der astronomischen Höhe. Alle Gestirne, die im Tageslauf den höchsten Punkt ihrer scheinbaren Bahn im Zenit erreichen, haben eine Deklination, die der geographischen Breite des Beobachters entspricht.

Literatur[Bearbeiten]

  • Walter Stein: „Astronomische Navigation.“ Eine Einführung in die astronomische Navigation für Sportschiffer und Sternfreunde. S. 20 und folgende. 2. Auflage, 208 S., Verlag Klasing & Co., Bielefeld, 1972, ISBN 3-87412-019-8.