Das erste Jahrzehnt der Weltsprache Volapük

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Autor: Rupert Kniele
Titel: Das erste Jahrzehnt der Weltsprache Volapük
Untertitel: Entstehung und Entwicklung von Volapük in den einzelnen Jahren, nebst Uebersicht über den heutigen Stand der Weltsprache, Weltspracheklubs u.s.w.
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Erscheinungsdatum: 1889
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Erscheinungsort: Überlingen
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Quelle: Photokopie der Originalausgabe (Scans auf Commons)
Kurzbeschreibung: Eine Übersicht der Geschichte und der Situation der Plansprache Volapük, zehn Jahre nach ihrer Entstehung (der Autor war einer der aktivsten deutschen Volapükisten am Ende des 19. Jahrhunderts).
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[1]

Yebalsüp balid volapüka.

Das erste Jahrzehnt
der
Weltsprache Volapük.

Entstehung und Entwicklung von Volapük
in den einzelnen Jahren, nebst Uebersicht über den heutigen
Stand der Weltsprache, Weltspracheklubs u. s. w.

               

Als
Jubiläumsgabe
ausgearbeitet von
Rupert Kniele,
kademal volapüka, senätan, plofed e l.; cifel plo Vürtän.

               

1889.
Verlag von A. Schoy, Buchhandlung, Ueberlingen a. B.

[2]

Alle Rechte vorbehalten.


[3]

Einer Menschheit eine Sprache!“
„Unam unui generi humano linguam!“
Schleyer.


Einleitung.

     Bekanntlich hat Herr Pfarrer Johann Martin Schleyer, als er sein Weltsprachesystem aufstellte, welches er Volapük nannte, keine Ahnung davon gehabt, daß schon seit mehr als 200 Jahren Männer von hervorragender Geistesgröße, an ihrer Spitze der große Leibnitz, Versuche in dieser Richtung angestellt hatten, freilich mit negativem Erfolge. In Schleyer dämmerte der Gedanke, es solle für den Verkehr aller Völker auf der Erde miteinander nur eine Schrift und vielleicht auch eine Korrespondenzsprache bestehen, gegen die Mitte der siebziger Jahre erstmals auf, als ein Nachbar von ihm in seiner Pfarrei Krumbach ihm klagte, daß die Briefe, welche er an seinen Sohn in Amerika geschrieben, dort nicht an ihre Adresse gelangten, und der Herr Pfarrer dann entdeckte, daß hieran die unrichtige Schreibung, welche von der englischen Orthographie abwich, Schuld sei.

     Die erste Frucht dieser Erfahrung war der Versuch, eine gemischte Sprache zu konstruieren aus der deutschen, englischen, französischen, italienischen, spanischen und russischen, also den 6 Hauptkultursprachen, welche er mit dem Namen „Völkerdolmetsch“ bezeichnen wollte. Weil aber eine gemeinsame Verständigung unter den verschiedenen Völkern eine gemeinsame Schreibung voraussetzt, so versuchte es Schleyer zunächst mit der Aufstellung eines „Weltalfabets“ (18. Januar 1878). Dieses Weltalfabet schickte er am 23. Februar 1878 an die Dekane der philologischen Fakultäten der europäischen Universitäten, am 6. Mai e. a. an den Postkongreß in Paris und an das internationale Bureau des Weltpostvereins in Bern (14. Juni 1878); auch fand es den Weg in verschiedene Fachblätter, z. B. in der zu [4] Königsberg erscheinenden Wochenschrift „Tonkunst“ fand dieses Alfabet sehr beifällige Kritik, und die Idee Schleyer's wurde „eine praktisch eminent wichtige“ und seine geplante „Völkerakademie“ ein „rechtes Friedenswerk des Geistes“ genannt. Auch im „Archiv für Post und Telegraphie“ fand das Weltalfabet Aufnahme.

     Von dieser Zeit an verlies Schleyer der Gedanke der Schaffung einer „Weltsprache“ nicht mehr, und fand durch eine im nämlichen Jahre (1878) gemachte Reise durch die österreichischen Länder mit ihrer Vielsprachigkeit neue Nahrung, so daß der Wunsch, diesem Übel durch eine gemeinsame Verkehrssprache abzuhelfen, seinen Geist bis zum Frühjahre 1879 beschäftigte, wo ihm urplötzlich in einer schlaflosen Märznacht im Pfarrhaus von Litzelstetten bei Konstanz am Bodensee die Lösung dieses Problems wie eine höhere Eingebung vor seinen Augen schwebte. Aus den Notizen, die er sogleich in sein Schreibbüchlein skizzierte, fieng [sic] er sodann am 31. März 1879 an, den Entwurf einer Grammatik der Weltsprache niederzuschreiben. So haben wir also obiges Datum als den Geburtstag und das Geburtsjahr von Volapük anzusehen.

     Im folgenden soll nun an der Hand der mit verfügbaren Quellen in chronologischer Reihenfolge gezeigt werden, wie die neue Weltsprache sich entwickelt und allmählich herangewachsen ist, wobei ich mich aber beschränke, die Thatsachen nur kurz zu referieren, soweit sie mir bekannt sind, indem ich hoffe, bei einer anderen Gelegenheit den Anfang und das Wachstum von Volapük in den einzelnen Ländern ausführlich zu behandeln.


Erstes Jahr, 1879.

Die Weltsprache trat in die Welt ein als Frühlingskind, wie wir gesehen, aber als ein Kindlein hilflos und elend; niemand war der ihm seine schützende Hand geboten, niemand hörte auf seine schwache Stimme, es war noch nicht in das Gewand einer - Grammatik eingehüllt, ja es hatte noch nicht [5]einmal die Taufe erhalten, denn Schleyer benannte sein Geisteskind damals nur mit dem allgemeinen Namen „Weltsprache“. Die ersten schüchternen Versuche, es in die Oeffentlichkeit einzuführen, finden wir in der „Sionsharfe“, Monatsblätter für katholische Poesie, welche Schleyer seit seinem Aufenthalte in Litzelstetten bei Konstanz(1875) herausgab. Zuerst gab er darin Proben seines Weltalfabets; in Nr. 33 (März 1879) erschien zum esten Male ein „Silbenrätsel“ in weltalfabetischer Schreibung, sodann ebenso das Magnificat. Erst mit der Nummer 35 (Mai) erschien als Beilage ein „Entwurf einer Weltsprache und Weltgrammatik für die Gebildeten aller Völker der Erde“. Dieser Entwurf brachte die Grundsätze und grammatischen Formenendungen, wie sie in der Hauptsache noch heute bestehen, und die ersten Wörter, die aber später zum Teil abgeändert wurden und die wegen dem Einblick, den man dadurch einigermaßen in die Formation derselben bekommt, einiges Interesse bieten. So hieß damals der „Hahn = kok,“ welcher aber später den Amerikanern zulieb in „gok“ verwandelt wurde. „Sie kleiden sich“ ist mit „dlessomsok“ übersetzt; „sie sind gelesen worden“ mit „pelildoms“; „schildern“ heißt „pentön;“ „nützlich = pofitik“. Der erste Probesatz lautete: Ko God beginobsöd dinis valik!

Von dieser Zeit an diente die „Sionsharfe“ als Organ für Mitteilungen der grammatikalischen Fortschritte der Weltsprache und so finden wir in Nr. 36 (Juni) die „Ersten Verse in unserer Weltsprache“, wovon einige hier citiert werden sollen. „If zesid gletikün: Goda yuf nilikün;“ ferner: „O kim falön - kanom mekön - sanikün kilgi (Kirche) - Goda kindomi (Reich)?“ Solche Weltspracheverse finden sich auch in den folgenden Nummern. Aus den Antworten im „Sionstelefon“ ist ersichtlich, daß sich bereits mehrere Personen mit dem Studium dieser Weltsprache befaßten, zunächst waren es freilich nur Abonnenten der „Sionsharfe“, darunter einige Bekannte, die heute noch im Dienste von Volapük thätig sind: herr Oberlehrer Peitz in Büren [6] (Westphalen); Frau Kronanwalt Wolter in Osnabrück, und namentlich Fräulein Angelika Wirsching, damals in Kreuzlingen bei Konstanz, später in Hall (Tyrol), jetzt in Konstanz, welche schon im folgenden Jahrgang der „Sionsharfe“ das schöne Gedicht „Log cila“ in Volapük herausgab.

Ich erwähne hier nebenbei, daß Schleyer in dieser Zeit, am 28. Juli 1879 zum estenmal die hohe Ehre hatte, an die kaiserliche Tafel auf der Insel Mainau gezogen zu werden, wegen eines Gedichtes über das Kaiserjubiläum.

Die neue Weltsprache erweckte aber allmählich Aufsehen auch in anderen Kreisen, namentlich brachten mehrere Schulorgane günstige Kritiken, so wurde z. 23. in der „Badischen Schulzeitung“ 1879 Nr. 28-31 das Weltalfabet und die Weltsprache von Schleyer empfehlend besprochen, ebenso in der „Allg. deutsch. Lehrerzeitung“ 1879, Nr. 35, 31. Aug., namentlich in letzterem Blatt mit großem Beifall. Durch eben diesen Artikel wurde u. a. Herr G. Banfi, Grundbuchführer in Oedenburg, Ungarn (damals in Kapuvar), welcher selbst auch mit der Herstellung einer Weltsprache sich beschäftigte, auf Schleyers Weltsprache aufmerksam gemacht; er schrieb an Schleyer am 18. November den ersten Brief und überschickte ihm seine Arbeit, auf welche er von dieser Zeit an verzichtete und ein eifriger und treuer Anhänger Schleyers wurde. Banfi erhielt schon am 29. Mai des folgenden Jahres das Diplom als zweiter „Weltsprachelehrer“.

In dieser Zeit wurde auch Herr Karl Lenze, Stenograph in Eisleben, jetzt Redakteur in Leipzig, Schleyers Schüler und zwar mit solchem Erfolg, dass er das erste diplom als Weltsprachelehrer erhielt.

Schleyer arbeitete indessen unaufhaltsam an der Vollendung seiner Grammatik und der Aufstellung des Wörterbuches, welches bereits einen ansehnlichen Schatz von Wörtern enthielt, wie aus den Uebersetzungen in der „Sionsharfe“ ersichtlich, wo z. B. das Magnificat in weltsprachlicher Uebersetzung erschien. Die Wörter darin sind bis auf ganz wenige Abweichungen die nämlichen, wie sie heute noch in Geltung sind.

[7]So gedich also die junge Weltsprache erfreulich und hatte am Ende des ersten Jahres schon eine respektable Anzahl von Bewunderern und Anhängern nicht nur in Deutschland, sondern auch in Oesterreich, Ungarn, Amerika etc. Jetzt durfte sie schon etwas kecker in der Oeffentlichkeit auftreten.


Zweites Jahr, 1880.

Das Jahr 1880 ist eigentlich als die Zeit anzugeben, von welcher an die neue Weltsprache als existenzberechtigt erscheint, denn in diesem Jahre erschien die erste Grammatik mit Wörterbuch und die neue Sprache erhielt jetzt erst ihren Namen „Volapük“. In der Februarnummer (Nr. 44) der Sionsharfe, welche auch in diesem Jahre noch als Organ für die weltsprachlichen Publikationen diente, erschienen die weltsprachlichen Verse zum ersten Male unter der Ueberschrift: Volapük (Weltsprache), und als erster Vers steht darunter die weltbekannte Devise:

Menade bal
Püki bal!

In Nr. 46 dieses Blattes (April) kommt ein größeres Gedicht in Volapük: „Rom nach Isaias 37,35“ mit lateinischem Text daneben, wo die Wörter: Prophet = pofed, Knecht = selif, Diener = selev und Liebling = löfin heißen.

Als die eifrigsten Weltspracheschüler finden wir wieder Frl. Ang. Wirsching und Frau Kronanwalt Wolter. Eine Antworter an letztere in Nr. 47 (Mai) lautete: „Ihr Weltsprachebriefchen hat uns sehr erfreut; nur mehr schreiben!“

Endlich, ein Jahr nach ihrer Erfindung, erschien die längst erwartete Grammatik der Weltsprache unter dem Titel: „Volapük, die Weltsprache, Entwurf einer Universalsprache für alle Gebildete der ganzen Erde. Verfasser: J. M. Schleyer, Redakteur der „Sionsharfe“. Dieses Büchlein erschien bei C. Tappen in Sigmaringen, wo auch die [8] „Sionsharfe“ gedruckt wurde, und enthielt außer der Grammatik auch ein Wörterbuch mit 2780 Wörtern. Der Verfasser hatte die Ehre, dieses Büchlein dem ältesten Sohne des Großherzogs, Kronzrinz Friedrich von Baden zu seinem Geburtstage (9. Juli) persönlich überreichen zu dürfen. Das Erscheinen dieses Werkes machte überall gerechtes Aufsehen und viele einflußreiche Zeitungen widmeten diesem Büchlein empfehlende Artikel. Wir nennen hier einen Artikel im „Luxemburger Wort“, in welchem „ein gründlicher Kenner der Weltsprache“ meint, dieselbe dürfte für die ganze Menschheit zum mindesten die gleiche Bedeutung und Wichtigkeit erlangen, wie die Weltpost, und mit der Ermahnung schließt: „Möge die gesamte civilisirte Menschenwelt es als eine ihrer wichtigsten, vernünftigsten und großartigsten Aufgaben, ja als eine ihrer schönsten Ehrensachen betrachten, Schleyers Weltsprache ungesäumt sich anzueignen, sie allgemein zu verbreiten und einzuführen!“ Andere Blätter, welche für Volapük schrieben, sind: die „Tribüne“ in Berlin, „Schwäbische Kronik“, „Frankfurter Volkszeitung“, „Neueste Nachrichten für Elberfeld, Barmen und Umgegend“ etc. Durch diese die Weltsprache sehr empfehlenden Artikel wurde die Aufmerksamkeit vieler Leser auf Volapük gerichtet und die neue Sprache fand immer mehr Anhänger, so daß dieselbe schon in diesem Jahre Gönner und Freunde, ja selbst begeisterte Schüler nicht nur in Deutschland, sondern auch in Oesterreich, (wo Herr Dr. M. Obhlidal, prakt. Arzt in Meidling bei Wien, Volapük bereits in diesem Jahre kennen lernte und alsbald ein eifriger Schüler Schleyers wurde), England, Schweden, Italien, Amerika, Asien (auf dem Berge Libanon) . . . gefunden hatte. Der Anfang war also gewiß ein günstiger zu nennen und konnte den Erfinder bloß ermutigen, das einmal begonnene Werk fortzusetzen.[1] Dazu [9]brauchte er aber ein eigenes Organ, denn die „Sionsharfe“ konnte hiezu nicht mehr dienen, und so entschloß er sich zur Herausgabe eines eigenen Weltspracheblattes für das neue Jahr.


Drittes Jahr, 1881.

Nachdem Volapük nun einen vielverheißenden Anfang genommen, durfte es mit der festen Hoffnung in das neue Jahr eintreten, daß es auch in diesem Jahre weitere Ausbreitung finden werde. Die Nachfrage nach der Grammatik war eine so große, daß die erste Auflage schon am Anfange dieses Jahres, 6 Monate nach ihrem Erscheinen, vergriffen war, und die Ausarbeitung einer zweiten Auflage notwendig wurde, welche aber ziemlich lange Zeit erforderte. Diese neue Auflage wurde bei Aug. Feyel in Ueberlingen gedruckt. Doch konnte Volapük an der Hand des „Weltspracheblattes Volapükabled“, welches vom 1. Januar ab ebenfalls bei Feyel in Ueberlingen als Monatsblatt ersschien, ungehindert fortschreiten. Wir können durch die Betrachtung der einzelnen Nummern dieses Blattes am besten die Fortschritte von Volapük verfolgen. Die erste Nummer erschien am 1. Januar 1881 und enthielt: Grammatikalisches, einen Brief, eine Anzahl von Firmen, Gewerben, Anstalten . . ., welche empfohlen wurden; dann vergleichende Sätze in 20 verschiedenen Sprachen mit weltsprachlichem Text daneben, endlich Humoristisches etc. Dann enthält diese Nummer die ersten „Weltsprachelehrer“, diese sind: Herr Stenograph Karl Lenze; Herr Grundbuchführer Georg Bauer (nachher Banfi); Fräulein Angelika Wirsching und Herr Redakteur W. Emmert in Elberfeld, denen in der 2. Nummer noch Herr Oberlehrer Peitz in Büren, Herr Eduard Oelschig, Berlin und Fräulein Alma Loos in Ueberlingen folgten.

In Schweden hatte Volapük auch bereits einen Verehrer gefunden; nämlich Herr Ingenieur A. Nilson, in Gefle hatte Volapük durch einen Artikel in „Maschinenbauer“ kennen gelernt, und nachdem er die Grammatik studiert, [10] schrieb er einen längeren Artikel über Volapük, welcher in der schwedischen Zeitung „Nya Dagligt Allehanda“ vom 13. Januar 1881 erschien. Auch in Norwegen hatte Volapük schon einen Jünger gefunden in Herrn H. C. Rönne in Drontheim.

Einer der begeistersten Anhänger fand Volapük zuerst in Württemberg. Herr Professor Otto Büchler in Oehringen lernte Volapük schon frühzeitig kennen und fand an dessen Studium so großes Interesse, daß er in einer humanistischen Lehrerversammlung in Heilbronn einen Vortrag über die Schleyer'sche Weltsprache hielt (wohl der erste Vortrag der über Volapük gehalten worden), den er mit dem Ausdruck der Freude schloß, daß ein Deutscher es sei, der den Anstoß zu einer Weltsprache gegeben, und dem Wunsche, daß Herr Schleyer in seinen Bestrebungen kräftig unterstützt werde.

In Nr. 6 des Weltspracheblattes wird ferner als Weltsprachelehrer empfohlen: Frau Kronanwalt H. Wolter in Osnabrück.

Durch die vielen günstigen Artikel über Volapük und die Empfehlungen von Personen, selbst aus dem Gelehrtenstand, veranlaßt, fühlte auch ich endlich Lust, der Sache, die ich als Abonnent und Mitarbeiter der „Sionsharfe“ längst kannte, näher zu treten, und ich beabsichtigte am 18. Juli d. J. wo Herr Schleyer sein 25jähriges Priesterjubiläum und seinen 50. Geburtstag feierte, und an welchem Tage die Mitarbeiter der „Sionsharfe“ dem Redakteur eine prächtige Harfe überreichten, selbst nach Litzelstetten zu gehen, aber der Todesfall meiner seligen Frau verhinderte mich an der Abreise und so wurde auch meine Absicht, Volapük zu studieren, wieder vereitelt.

In Nr. 9 (September) des Weltspracheblattes finden wir als Weltsprachelehrer folgende Herren: Paul Domicke in Berlin; Fr. W. Jacobs in Sundhausen (Elsaß); H. Bräunig in Sulz (Elsaß); Rektor Schultes in Düsseldorf.

In diesem Jahre hatte auch Herr Dr. M. Obhlidal, prakt. Arzt in Meidling bei Wien das Studium von Volapük begonnen. [11]Er erhielt das Diplom als Weltsprachelehrer im November und wurde in Nr. 11 des Volapükabled als tidel Nr. 13 aufgeführt. In der Dezembernummer findet sich ein Brief von einem Ingenieur in Paris, der sich als Schleyers Schüler anbietet.

In diesem Jahre waren viele günstige Zeitungsartikel über Volapük erschienen, von welchen ich erwähne einen Artikel in der „Neuen Arader Zeitung“ (19. März 1881), welcher die Bedeutung einer Allsprache für die österreichischen Länder hervorhob; ferner einen schönen Artikel in der „Essener Zeitung“ (17. November 1881).

So konnte also Schleyer am Schlusse des Jahres mit Recht sagen, daß seine Weltsprache in diesem Jahre ungeahnte Fortschritte gemacht habe, da sie in Amerika bereits in öffentlichen Blättern („Ohio Waisenfreund“) gelehrt wurde. Die Grammatik 2. Auflage war aber immer noch nicht erschienen, und die Besteller, darunter auch ich, wurden auf das nächste Jahr vertröstet. Uebrigens verschickte Schleyer die einzelnen Bogen gleich nach ihrem Erscheinen. Damals hatte Lenze auch eine Weltsprachestenographie herausgegeben.

Am Schlusse des Jahres zählte die Weltsprache bereits 13 diplomierte Lehrer, Volapükatidels.


Viertes Jahr, 1882.

Es kam dies als dasjenige Jahr bezeichnet werden, in welchem Volapük ernstlich Fuß zu fassen begonnen. Die Grammatik 2. Auflage (aber ohne Wörterbuch) erschien anfangs April. Herr Rektor J. Fieweger in Breslau, welcher in Nr. 15 des Weltspracheblattes als 16. Weltsprachelehrer empfohlen wurde und mit ihm noch die Herren: Lehrer P. Korff zu Hesborn (Westphalen) und Redakteur J. Jessing in Columbus, Ohio (Nord-Amerika), begann Beilagen zu seinem „Stenographischen Sonntagsblatt“ herauszugeben, betitelt „Volapük“, welche die Grammatik von Volapük in Kürze brachten. [12] In Nr. 16 und 17 des Volapükabled sind ferner als Weltsprachelehrer empfohlen die Herren: Theodor Richter in Rogau (Schlesien); Franz Zorell, studios. in Ravensburg (Württ.), Dichter der Volapük-Hymne (ist im Herbst 1884 in den Jesuitenorden eingetreten), und als 19. Weltsprachelehrer der Schreiber dieser Zeilen (damals in Schemmerberg). Von den übrigen Weltsprachelehrern, welche in diesem Jahre ebenfalls das Diplom erhalten, nenne ich nur die bekannten Herren: Rektor Dr. Müller in Calw (Württ.), welche durch den Büchler'schen Vortrag (siehe Jahr 1881) Volapük kennen gelernt und ein Schüler Schleyers geworden; Redakteur Meier in München; Bernhard Ruffert in Breslau (jetzt Hamburg) und Bahnexpeditor Wunder in Hörlkofen (Bayern). Im April d. J. hatte Herr Kamerer J. Hyberg in Ankarsrum (Schweden) angefangen, Volapük zu studieren. Er gründete dann am 10. Dezember einen Verein unter dem Namen: Första svenska verldsspråkkluben „Volapükaflens svedik“ mit 9 Mitgliedern, welcher aber keine weiteren Fortschritte machte, obgleich Herr Hyberg sich viele Mühe gab, Volapük in Schweden einzuführen.

Die erste Weltspracheverein wurde übrigens in Württemberg von mir gegründet. Nachdem ich Volapük ernstlich zu studieren angefangen und den Wert der Sache alsbald erkannt hatte, beschloß ich mit einigen Freudnden praktische Förderung dieser großartigen Erfindung und gründete zu diesem Zwecke in dem stillen Dörfchen Alberweiler bei Biberach in unserem Gesellschaftspavillon im „Oelsee“ am 11. Mai 1882 einen Weltspracheverein mit 15 Mitgliedern. Dieser Gründung folgte der „Schlesische Weltspracheverein“, welchen Herr Rektor Fieweger in Breslau ins Leben gerufen am 1. Oktober 1882.

Am 12. Juni hatte Schleyer die Ehre, ein Prachtexemplar seiner Grammatik 2. Auflage dem 2. Sohne des Großherzogs von Baden, dem Prinzen Ludwig auf der Insel Mainau zi seinem Geburtstage zu überreichen, und am 16. Juli hatte er zum 2. male die hohe Ehre zur kaiserlichen [13]Tafel auf der Insel Mainau beigezogen zu werden, wo sich Herr Obersthofmarschall Graf Perponcher sehr eingehend mit ihm über die Weltsprache besprach, worauf Herr Schleyer dem hohen Herrn ein Prachtexemplar seiner Grammatik überreichte.

In Nr. 20 des Weltspracheblattes begegnen wir einem neuen Titel in Volapük, nämlich „Vorstand cif“ (heutzutage cifel), als erster Leiter von Volapüksachen in einem Lande. Als erster cif wurde Herr Dr. M. Obhlidal für Oesterreich ernannt; diesem folgten für Württemberg: R. Kniele; für Norddeutschland: Frau Wolter in Osnabrück; für Berlin und die Provinz Brandenburg: Paul Domicke in Berlin; für Breslau und Schlesien: Rektor J. Fieweger in Breslau.

Im Juni erschien eine kurze zweisprachige Grammatik schwedisch und weltsprachlich von J. M. Schleyer.

Im Monat Juli machte Schleyer eine größere Reise nach Italien. Von da zurückgekehrt leistete er einer vom württembergischen Weltspracheverein an ihn ergangenen Einladung Folge und reiste nach Schemmerberg zu einer auf den 12. September anberaumten öffentlichen Weltspracheversammlung, der ersten, die überhaupt stattgefunden. In dieser Versammlung, welche von circa 70 Anwesenden besucht war, trat Schleyer zum erstenmale öffentlich in einem längeren Vortrage über seine Weltsprache auf, welcher Vortrag sehr begeisterten Beifall fand und dem Vereine einen namhaften Zuwachs von neun Mitgliedern brachte, wie überhaupt Volapük in Württemberg schon festen Fuß gefaßt hatte. Auf dieser Versammlung wurde der Wunsch ausgesprochen und von Schleyer acceptiert, baldmöglichst das Wörterbuch der Weltsprache herauszugeben. Schleyer nahm dann dasselbe auch alsbald in Angriff und die einzelnen Bogen wurden von der Presse weg schon im Herbst und den Winter über versendet, doch ließ das vollständige Erscheinen des Werkes noch längere Zeit auf sich warten.

Aus einem Artikel im „Vorwärts“, Fachblatt für Buchdrucker, ersehen wir, daß schon am 25. April in Berlin [14] Herr Resnerowski, Kammerstenograph, einen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag über Volapük gehalten hat. Bemerkenswerte Artikel erschienen in diesem Jahre ferner im „Prager Lloyd“ (8. Septb. 1882), und in der „Schlesischen Volkszeitung“ (30. Nov. 1882), ferner im „Rigaer Tageblatt“. Volapük wurde in diesem Jahre auch schon zu Kaifa am Berge Karmel von den Missionären gepflegt.

Bemerkenswert ist, daß am Schlusse dieses Jahres auch schon die Konkurrenz sich regte, indem in Berlin ein Werk erschien: Die Weltsprache, entworfen auf Grundlage des Lateinischen. Von A. Dolk und R. Fuchs.

Wie weit der Name von Volapük damals schon gedrungen, ersehe ich aus Briefen von Schleyer; so schrieb er mir z. B. am 14. Oktober: „Aus Amerika erhalte ich sehr schöne Briefe. Heute erhielt ich einen Brief von einem Herrn in Buenos Aires;“ ferner am 22. Dezember: „Aus Amerika (New-York) und Kalifornien, Schweden und aus Asien (Beiruth) erhalte ich immer die schönsten Briefe.“ Am Schlussse des Jahres hatte nämlich Herr J. Bernahupt, k. k. Postdirektor in Beiruth, Syrien, Schleyers Weltsprache kennen gelernt, nachdem er selbst auch an der Herstellung einer Weltsprache gearbeitet, seine Arbeit aber nach Bekanntwerden mit Volapük Herrn Schleyer mit der Bitte übersante, dieselbe ins Feuer zu werfen.

Für Volapük war jetzt eine feste Grundlage geschaffen, es zählte bereits 29 Weltsprachelehrer, 16 mehr als am Schlusse des letzten Jahres, und 5 Nationalvorstände, cifs.


Fünftes Jahr, 1883.

Die Signature dieses Jahres bildet der mächtige Vorstoß, den der württembergische Verein unternommen, um dem Volapük seine berechtigte Stellung in der Welt zu erobern. Da schon durch die Weltspracheversammlung in Schemmerberg eine gute Grundlage gelegt worden, fuhren wir fort auf dieser aufzubauen und den dort errungenen Erfolg auszunützen. [15]Da der in Alberweiler gegründete Weltspracheverein täglich neuen Zuwachs erhielt, wurde beschlossen, diesen örtlichen Verein in einen Landesverein umzubilden. Die konstituierende Versammlung geschah zu Ulm am 23. April unter Anwesenheit des Erfinders. Nicht unerwähnt will ich hier lassen, daß mehrere Telegramme an die Versammlung geschickt wurden, darunter eines in Volapük von Dr. M. Obhlidal in Meidling-Wien.

Bei der am Nachmittag an diese Versammlung sich anschließenden öffentlichen Volapük-Versammlung hielt Schleyer wieder vor einem distinguierten Publikum, darunter hohe Militärpersonen, einen mit größtem Beifall aufgenommenen Vortrag über seine Weltsprache; ich erklärte die Grammatik, deren Einfachheit alle frappierte. Mehrere anerkennende Reden wurden noch gehalten. Die Wirkung dieses „Tages von Ulm“ war großartig und gab namentlich auch den Anstoß zum Bekanntwerden des Volapük in Bayern.

Das Weltspracheblatt, welches heuer in den 3. Jahrgang eintrat, nahm von Neujahr an für den deutschen Text die weltsprachliche Schreibung an. Fieweger in Breslau begann mit der Herausgabe seiner „Weltsprache-Dialoge“, welche er mir zur Durchsicht zuschickte. Das er dieselben in Gemeinschaft mit Hyberg herausgegeben, wie schon behauptet worden, ist unrichtig. Auch erschien mit dem 1. Januar seien Monatsschrift „Weltspracheklubs“, das einzige Organ für die Weltsprache neben Schleyers Weltspracheblatt, nachdem er schon vorher einige Nummern „Schlesischer Weltspracheklub“ als Vereinsblätter herausgegeben hatte.

In der Januar-Nummer des Weltspracheblattes wurde Herr Kamerer Jakob Huberg in Ankarsrum als Vorstand für Schweden bestimmt, welcher sich sehr viele Mühe gab, Volapük in Schweden einzuführen, was ihm aber vorerst noch nicht gelang; sodann in der Februar-Nummer Herr Redakteur L. E. Meier in München als Vorstand für Bayern. Herr Meier, der sich anfangs viel bemühte, für Volapük zu wirken, fand sich später veranlaßt, zurückzutreten. [16] Uebrigens wurde in Bayern durch die Ulmer Versammlung, hauptsächlich aber infolge eines sehr schönen und ausführlichen Artikels über Volapük von einem Mitbegründer des württemb. Vereins, Herrn Dr. Sauter, Stadtpfarrer in Laupheim, welcher in einer Beilage zur Augsburger Postzeitung (30. Mai 1883) erschien, die Aufmerksamkeit in Bayern vielfach auf Volapük gerichtet und ich mußte damals etliche 20 Weltsprachegrammatiken an verschiedene Orte in Bayern schicken. Ich hoffe einmal in einer besonderen Schrift genau nachzuweisen, wer diejenigen sind, welche die Grundlage für Volapük auf bayerischem Boden gelegt haben, infolge davon es anderen später leicht wurde, darauf aufzubauen.

Von den Weltsprachelehrern, die damals ernannt wurden, sind zu erwähnen die Herren: Otto Groß in Stuttgart (jetzt in Ulm); Joseph Bernhaupt in Beiruth (32. Weltsprache-Lehrer), und Gebhard Treß, Lehrer in Ravensburg (jetzt in Bremelau auf der Alb). Herr Bernhaupt, welcher durch seine fulminanten Artikel in der „Post“, Fachorgan für das österreichisch-ungarische Post- und Telegraphenwesen, und im „Sprechsaal des Beamtentages“, Organ für die Vertretung der Interessen der Beamten und geistigen Arbeiter (Wien), welche Artikel in Tausenden von Separatabdrücken (die bekannten gelben Blätter) in der ganzen Welt verbreitet und auch ins Holländische und Italienische übersetzt wurden, für die Förderung des Volapük unschätzbare Dienste leistete, schickte am 17. April einen größeren Aufsatz über Schleyers Weltsprache, welchen Herr Bernhaupt als Vortrag vor Arabern in französischer Sprache gesprochen hatte, an mich mit der Bitte, denselben in irgend einer deutschen Zeitung zu veröffentlichen, weil er, wie er mir schreib, bis jetzt noch keinen genau wissenschaftlichen Artikel über Volapük gefunden habe. Nachdem ich bei mehreren größeren Zeitungen den vergeblichen Versuch gemacht, diesen Artikel anzubringen, entschloß sich unser Verein, denselben als Broschüre drucken zu lassen. Diese Broschüre, welche bei Feyel in Ueberlingen im Druck erschien, fand überall den [17]größten Beifall und leistete viel Gutes für Volapük. In Nr. 27 des Weltspracheblattes wurde Bernhaupt als Vorstand für Syrien ernannt.

Am 5. März gelang es auch Herrn Dr. M. Obhlidal in Meidling den „ersten österreichischen Weltspracheverein“ mit 39 Mitgliedern zu gründen, dessen Statuten vom k. k. Ministerium des Innern genehmigt wurden.

Als weitere Vorstände wurden ernannt im Monat Mai: Herr Joseph Reisdorff in Cottleville für Nord-Amerika, im Monat August: Herr Dr. August Wienecke in Bischweiler für Elsaß, und im Dezember: Herr Lehrer Starck in Bischweiler für Lothringen.

Am Pfingstfeste dieses Jahres (13. Mai) besuchte ich Herrn Schleyer zum erstenmal in Litzelstetten, um am anderen Tage dem Deklamationsfeste in St. Katharina beizuwohnen, wo Jünglinge von Litzelstetten und der Umgegend auf einer öffentlichen Tribüne Gedichte, meist aus Schleyers Sionsharfe und unter Schleyers Leitung, vortrugen. Es war ein herrlicher, sehr vergnügter Nachmittag, eine große Schaar von Zuhörern war herbeigeströmt, namentlich aus dem nahen Konstanz. In der Nacht wurde Herr Schleyer bei Mondschein und mit Musikbegleitung bis vor sein Pfarrhaus begleitet, wo noch Reden gehalten wurden.

Die Weltsprachegrammatik 2. Auflage war inzwischen innerhalb eines Jahres wieder vergriffen, und Herr Schleyer begann gerade an diesem Tage mit der 3. Auflage. Im Mai erschien auch endlich der 1. Teil des Wörterbuches 2. Auflage (deutsch-weltsprachlich), gedruckt bei Feyel in Ueberlingen, der 2. Teil wurde erst gegen Ende des Jahres fertig.

Durch die bisherigen Resultate der Weltsprachebewegung, namentlich in Württemberg, und die vielen Anerkennungen, die dieselbe auch anderweits schon gefunden, ermuntert, sahen sich mehrere Herren in Konstanz veranlaßt, den Herrn Pfarrer Schleyer einzuladen, auch in Konstanz einen Vortrag über seine Weltsprache zu halten. Dieser Vortrag fand dann auch [18] statt am 7. Juni d. J. im Museumssaale daselbst vor einem sehr zahlreichen und ausgewählten Publikum (mehrere Militärpersonen und viele Damen waren anwesend). Der Vortrag wurde mit sehr großem Beifall aufgenommen. Ich hatte, wie gewöhnlich, wieder die Rolle übernommen, den grammatikalischen Teil zu behandeln und zur Bildung eines Vereines aufzumuntern. Einen direkten Erfolg hatte indes diese Versammlung noch nicht nach sich, obgleich die beiden Konstanzer Blätter anerkennende Artikel darüber brachten.

Von den im Sommer 1883 ernannten Weltsprachelehrern nenne ich blos Herrn Oberstabsarzt Göser in Ulm, einer der eifrigsten Vorkämpfer für Volapük in W., und Herrn K. F. Müller, Wund- und Geburtsarzt in Dächingen bei Ehingen (Württ.). Aus Anlaß eines Vortrages, den ich am 9. September d. J. in meinem Heimatsorte Betzenweiler über Volapük gehalten, und welchem mehrere Herren aus Buchau und Riedlingen anwohnten, kam am 7. Oktober eine große Weltspracheversammlung in Buchau a. F. zustande, auf welcher wieder Herr Schleyer einen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag hielt, während ich die Grammatik explizierte. Die Versammlung war sehr gut besucht, auch von Auswärtigen, darunter Herr Oberpräzeptor Heintzeler von Böblingen (jetzt Stuttgart), welcher bereits im Juli einen Weltspracheverein für Böblingen-Sindelfingen gebildet hatte; auch Herr Zorell und Treß aus Ravensburg waren anwesend. Andern Tages reiste ich mit Schleyer an den „Oelsee“, wo sehr begeisteter Empfang stattfand, und am 9. Oktober erschien Herr Schleyer in einem auserwählten Kreise von Weltsprachefreunden in Biberach, wo er ebenfalls sprechen mußte, und wo dann vom Vorstande des kaufmännischen Vereins das Ersuchen an ihn gestellt wurde, in Bälde einen größeren Vortrag in diesem Vereine halten zu wollen, was Schleyer bereitwilligst zusagte. Zufolge dieser Vorträge und Versammlungen erhielt der württembergische Weltsprachverein jedesmal bedeutenden Zuwachs.

[19]Unter den Weltsprachelehrern dieser Zeit finden wir folgende bekannte: Herrn Emanuel Tilsch in Prag (schon gestorben), Herrn Lehrer H. Starck in Bischweiler, Unt.-Elsaß, Herrn Lehrer Johann Meyersberg in Strälen bei Düsseldorf, Herrn Advokat Karl Wolf in Pfarrkirchen (Bayern), Herrn Telegraphist Karl Henkel in Augsburg und Herrn W. Kreichgauer, Jurist in Würzburg.

Im Dezember erschien die Grammatik 3. Auflage. Obhlidal gab eine schöne Broschüre über Volapük heraus; derselbe hielt am 28. November in Wien einen anderthalbstündigen Vortrag über Volapük vor einem zahlreichen Publikum. Auch in Bayern machte Volapük Fortschritte. In Sommer d. J. lernte Herr Lehrer E. Gutensohn in München Volapük kennen und hielt im Herbst einen Vortrag über Volapük im Lehrerverein, wohl der erste Vortrag, der in München über Volapük gehalten wurde. Im Oktober des gleichen Jahres wurde Herr Schriftsteller L. Einstein in Nürnberg mit Volapük bekannt, welcher durch seine zahlreichen und schneidigen Artikel über die Weltsprache ein tüchtiger Vorkämpfer für Volapük in Bayern und auch über die Grenzen dieses Landes hinaus wurde. Ueberhaupt brachten in dieser Zeit sehr viele Zeitungen günstige Artikel über Volapük; bemerkenswert ist ein solcher im „Allgemeinen Briefmarken-Anzeiger“ in Wien, welcher sich begeistert für eine Weltsprache ausspricht; ferner ein Artikel in der „Täglichen Rundschau“ von Prof. Dr. v. Soden in Reutlingen (gestorb. 24. Nov. 1885), in welchem der Satz vorkommt: „Jeder Einsichtige und Sachverständige, der sich die Sprache Schleyers ansieht, muß zugeben, daß durch sie das Problem der Weltsprache gelöst ist.“ Ein schöner Artikel mit Erläuterung der Grammatik erschien auch in der „Rostocker Zeitung“, ferner in „Bote für den Weltreis des Herzogthums S. Altenburg“. Andere Zeitungen, welche für Volapük schrieben, sind: „Ulmer Tagblatt“, „Ulmer Schnellpost“, „Württembergische Landeszeitung“, „Böblinger Bote“, [20] „Anzeiger vom Oberland“, „Schwarzwälder Bote“, „Wacht von Oberschwaben“, „Konstanzer Zeitung“, „Konstanzer Tagblatt“ etc.

Am Schlusse dieses Jahres zählte Volapük schon 52 Weltsprachelehrer (Zuwachs 22) und 11 Vorstände. Schleyers Weltsprache war jetzt in folgenden Ländern bekannt, respekt. hatte bereits ihre Vertreter in Deutschland, Oesterreich, Ungarn, Böhmen, Rußland, England, Frankreich (Marseille), Amerika, Asien. Angesichts dieser fortschreitenden Verbreitung von Volapük machte ich Herrn Schleyer den Vorschlag, die bisherige Freunde auf ihren Bestand und die ganze Bewegung auf ihre Lebensfähigkeit zu prüfen durch eine im nächsten Jahre anzuberaumende Generalversammlung, womit sich der Erfinder einverstanden erklärte.


Sechstes Jahr, 1884.

Dieses Jahr begann unter sehr günstigen Auspizien für die Weltsprache. Das Wörterbuch 2. Auflage mit über 10,000 Wörtern und die Grammatik 3. Auflage lagen nun fertig da. Sehr thätige und mutige Vorkämpfer waren jetzt allerorts auf dem Plane, welche mit der Feder und mit dem Worte energisch Propaganda für Volapük machten, so daß dasselbe schon damals in den fernsten Ländern bekannt war; so mußte Herr Schleyer z. B. im Januar seine Grammatik nach Odessa schicken.

Dieses Jahr könnte man das Jahr der Versammlungen nennen, da nicht weniger als ein Dutzend größerer Versammlungen (darunter die erste Generalversammlung) in Württemberg, Bayern und Baden abgehalten wurden. Auch wurde in diesem Jahre schon Unterricht in Volapük erteilt. Man kann keklich sagen, daß Volapük in diesem Jahre die größten und bedeutendsten Eroberungen machte. Der erste württembergische Weltspracheverein erstarkte durch stetigen Zuwachs zu einer Garde von 400 größtenteils sehr [21]begeisterten Mitgliedern, gründete mehrere Zweigvereine, veranstaltete Versammlungen, wirkte durch Artikel, Korrespondenzen etc. In Bayern entfaltete Gutensohn in München seine Thätigkeit nach Kräften; er ließ im Januar in 4 Münchener Blättern einen Aufruf zum Beitritt für Volapük erscheinen und bot Auskunft über das Nähere an, zwar meldeten sich nur wenige, aber doch war einmal ein Anfang gemacht. In Nürnberg focht Einstein mutig und rastlos mit der Feder und stürzte manches Bollwerck gelehrten Vorurteils gegen die Weltsprache. Ich erinnere nur an seine ständigen Artikel in der „Nürnberger Presse“. In Österreich arbeitete Obhlidal unermüdet an der Verbreitung von Volapük, durch Vorträge, Kurse, Zeitungsartikel, Korrespondenzen etc. In Breslau wirkte Fieweger durch seine „Weltspracheklubs“ und „Weltsprachedialoge“ Zeitungsartikel, Vergrößerung seines Klubs. In Asien stand der eifrige Vorkämpfer Bernhaupt in Beiruth unermüdlich auf dem Plane, indem er Zeitungsartikel schrieb un eifrige Korrespondenz pflegte. Zahlreiche Zeitungsartikel in den verschiedensten Blättern des In- und Auslandes erschienen über die neue Weltsprache, und Tausende von Korrespondenzen, Flugblättern etc. durchflogen die Welt.

Der Erfinder der Weltsprache war im Frühjahr wieder schwer erkrankt, die Arbeitslast und die übergroße Anstrengung hatten seine Nerven zu sehr in Anspruch genommen, und ein Brustleiden hatte sich eingestellt. Aus eine kleine Episode bei meinem damaligen Besuche in Litzelstetten will ich erwähnen, daß Herr Schleyer mir damals verschiedene Klagen vortrug. Ich bemerkte, daß eben der Neid bei vielen eine große Rolle zu spielen scheine und daß es deshalb an der Zeit wäre, ein Volapükwort für „Neid“, das damals noch nicht bestan, zu schaffen. „Ach davon mag ich gar nichts wissen, wollte Gott, wir brauchten gar kein solches Wort; ich bilde dasselbe nicht, machen Sie es.“ Und so entstand am 24. Februar nachts das schwarze Wort „glöt“, dessen Abstammung manchem Forscher wohl mehr [22] Zwicken verursachen dürfte, als das bekannte „jim“. Seit dieser Zeit unterstützte ich Schleyer öfter in der Bildung neuer Wörter.

In der Januarnummer des Weltspracheblattes erschien mein Aufruf zu einer Generalversammlung sämtlicher Weltsprachefreunde, welcher die allgemeine Zustimmung erhielt. Von den Weltsprachelehrern, welche anfangs dieses Jahres diplomiert wurden, sind als bekannte zu erwähnen die Herren: Eduard Gutensohn, Lehrer in München als 53ter tidel (wurde in Nr. 39 Vpableda als cif für Bayern aufgestellt an Stelle des zurückgetretenen Herrn Meier; als weiterer cif wurde Herr Peitz in Büren für Westphalen ernannt); Eugen Ott, stud. in Konstanz; Leopold Einstein, Schriftsteller in Nürnberg, 55ter tidel; M. v. Welden, Baron in Hürbel b. Ochsenhaufen (Württ.); Arthur Näther in Oschatz (Sachsen); Dr. v. Weckbeker-Sternefeld, prakt. Arzt in Prien am Chiemsee (jetzt in München); Joseph Fischer, Telegraphist in Augsburg (schon gestorben); Joseph Grunau in Mill-Hill bei London; Friedr. Hayer, Präzeptor in Sindelfingen und Eugen Heintzeler, Präzeptor in Böblingen (beide in Württemberg).

In Nr. 38 vom Vpabled machte Herr Sprague in New-York bereits den Vorschlag, statt der Monatsnamen yanul, febul... zu sagen balul, telul...

Den Anfang der Versammlungen machte Württemberg. Am 8. Januar hielt Schleyer einen Vortrag über Volapük im dichtbesetzten Kronensaale in Biberach, auf Veranstaltung des kaufmännischen Vereins; großer Beifall folgte diesem Vortrage, viele Herren, die bis dahin sich indifferent oder feindselig verhalten, wurden bekehrt und ich mußte bald darauf Volapükunterricht in Biberach erteilen. Am 9. Januar war sodann Vortrag in Geislingen im Saale zur Sonne vor dem Gewerbeverein, endlich am 15. Januar in Kempten (Bayern). Bei alle ndiesen Versammlungen wurden Schleyers Ausführungen sehr beifällig auf[23]genommen, cih begleitete ihn jedesmal und sprach über die Grammatik. In Kempten bildete sich infolge dieser Versammlung sogleich ein Verein, der erste bayerische Verein, dessen Dauer sich aber leider nicht über Jahresfrist erstreckte.

In England fieng in dieser Zeit das Interesse für Volapük ebenfalls sich zu regen an. Herr Grunau in Mill-Hill bei London erbot sich in Nr. 39 des Weltspracheblattes, Auskunft über Volapük erteilen und Anträge zur Bildung eines Klubs entgegen nehmen zu wollen.

Zur Weltsprachegrammatik 3. Auflage war jetzt ein Schlüssel erschienen. In der April-Nummer des Weltspracheblattes wurden die Tage vom 26.-27. August für die Generalversammlung in Friedrichshafen bekannt gegeben, und in Nr. 41 wurde das Programm derselben näherhin bekannt gemacht.

In seinen „Weltspracheklubs“ brachte Fieweger „Uebungen in der Weltsprache“ und Obhlidal schrieb Artikel in dem Wiener Blatt „Allgemeiner Briefmarkenanzeiger“, worin er die Grammatik erläuterte. Anfangs Februar hielt der Direktor des livländischen litterarischen Vereins, Dr. Franz Waldmann in Ferbin einen Vortrag über Volapük mit großem Beifall. Anfangs Mai erschien mein Büchlein: Weltsprachliche Humoristika (Cogikos vpik), das erste Volapükwerk für Unterhaltung und Uebung in der Weltsprache, im Verlage von Aug. Feyel in Ueberlingen.

Am 12. Mai mußte Herr Schleyer auf Veranlassung des kaufmännischen Vereins in Ravensburg einen Vortrag halten, wobei ich ihm wieder secundierte, und am andern Tage (13. Mai) fand die 2. Generalversammlung des württemb. Weltsprachevereins statt. Nachmittags war eine große Volapükversammlung mit freiem Zutritt mit Vorträgen von Schleyer und mir. Diese Versammlung brachte dem württemb. Verein einen ansehnlichen Zuwachs und hatte die Bildung eines Vereins in Ravensburg zur Folge, welche am 5. Juni in einer Versammlung geschah [24] nachdem ich einen Vortrag gehalten. In diesem Verein erteilte ich im Sommer schon Volapük-Unterricht. Ueber diese Versammlung in Ravensburg brachte ein amerikanisches Blatt „New-Jersey deutsche Zeitung“ einen sonst günstigen Bericht, den aber der Redakteur mit folgenden Worten einzuleiten für gut fand: „Die Weltsprache in Württemberg. Die Schwaben sind ernstlich an der Arbeit, um die von einem Blitzschwaben [!] erfundene Weltsprache einzuführen, wie folgender Bericht zeigt.“ In Ulm hatte sich schon im Frühjahre ein größerer Verein gebildet in einer Versammlung, in welcher ich einen Vortrag gehalten. Herr Oberstabsarzt Göser leitete denselben und erteilte auch Unterricht. Am 10. Juni wurde ich zu einer in Laupheim stattgehabten Schullehrerkonferenz geladen, um über die neue Weltsprache Vortrag zu halten.

In Nr. 44 des Weltspracheblattes erschien die offizielle Einladung zur ersten Generalversammlung aller Weltsprachefreunde der Erde. In eben dieser Nummer machte Bernhaupt den Vorschlag, statt soldel, mundel... zu sagen balüdel, telüdel... Von Weltsprachelehrern, die ferner diplomiert wurden, bemerken wir: arabischer Lehrer B. Gasantschian in Beiruth und k. k. Oberlieutenant Karl Nosek in Mährisch-Weißkirchen, welcher im Frühjahr dem Erfinder einen Besuch abgestattet hat, welchen er sehr amüsant in mehrerern Artikeln beschrieb.

Die Tage vom 25.-28. August brachten die erste Generalversammlung sämtlicher Weltsprachefreunde der Erde in dem prächtigen und geräumigen Lokale des Kursaales in der herrlich gelegenen Bodenseestadt Friedrichshafen (Württ.). Das Präsidium der Versammlung bestand aus den Herren: Dr. M. Obhlidal, erster Präsident; H. Starck, Lehrer in Bischweiler (Elsaß), 2. Präsident; Baron v. Welden in Hürbel (Württemb.), 3. Präsident; Schriftführer die Herren: Karl Lenz aus Leipzig, Heintzeler (Böblingen) und Lehrer Ils (Alberweiler). Redner waren: Schleyer, Kniele, Obhlidal, Lenze, Gutensohn, Starck. Die Versamm[25]lung war, dem damaligen Stande der Ausbreitung von Volapük entsprechend, zwar von Ausländern mäßig, aber stark von Inländern besucht. Zuschriften und Telegramme liefen zahlreich ein, ein Glückwunsch für die Versammlung von Ph. Heinsberger in New-York langte verspätet an. Das Wort „Volapük“ wurde von dieser Versammlung als sächlich erklärt, während man bisher „die Volapük“ sagte. Das Hauptergebnis dieser Versammlung war, daß das Bedürfnis eines einheitlichen Zusammenwirkens aller Volapükisten anerkannt und beschlossen wurde, daß Volapük hier zum ersten male seine Kräfte maß und sich der Welt als eine ernstlich gerüstete Bewegung für Erreichung eines allgemeinen Sprachmittels zeigte, und so die Aufmerksamkeit hoher und niederer Kreise auf sich zog. Man kann sagen: Volapük kam von jetzt an ernstlich ins Rollen. Bemerkenswert ist, daß sich auf dieser Versammlung auch die Konkurrenz blicken ließ. An die Mitglieder gelangte dieser Tage die erste Kundgebung von „Pasilingua“. „Ansprache zur Förderung einer Universalsprache von St. Pierre.“ Ferner war ein Herr von Baranovsky selbst erschienen, welcher für seine „L'Idéographie, une Lange pour toutes les nations“ Propaganda machen wollte.

Schon einige Zeit vor diesem Kongreß hatte Herr Dr. August Kerkhoffs, Professor an der „École des Hautes Études Commerciales“ in Paris Kenntnis von Volapük erhalten und sich alsbald energisch dem Studium desselben gewidmet. In einem Briefe in Nr. 45 des Weltspracheblattes (Sept.) bedauerte er, nicht zu der Versammlung in Friedrichshafen kommen zu können. Zugleich zeigte er an, daß er eine Notiz über Volapük für das neue Dictionnaire Encyclopédique geschrieben habe und daß er im nächsten Semester ein paar öffentliche Vorträge über Volapük halten werde. Dieser eben genannte Artikel Kerkhoffs wurde im November als Separatabdruck überallhin verbreitet und Herr Einstein leitete denselben in der „Nürnberger Presse“ mit den Worten ein: „Einen großen Triumph hat die Schleyer'sche [26] Weltsprache in Frankreich zu verzeichnen“. Herr Kerkhoffs hat mich ende des Jahres um Zusendung meiner „Weltsprachlichen Humoristika“ ersucht und in einem der darauffolgenden Briefe mir bereits Vorschläge zu Abänderungen gemacht mit der Bemerkung: „Ich mache Sie hierauf aufmerksam, weil Sie mir dazu berufen scheinen, den größten Einfluß auf die weitere Entwicklung der Sprache auszuüben.“

In dieser Zeit trat auch Holland in die Weltsprachebewegung ein. Das kam so: Durch die verdienstvollen Artikel in der „Nürnberger Presse“ wurde der Privatgelehrte W. Stephanus, welcher sich schon in früheren Jahren in Gemeinschaft mit Bachmeier mit pasigraphischen Studien beschäftigte, auf Schleyers Weltsprache aufmerksam gemacht, und interessierte sich so sehr für die Sache, daß er Artikel über Volapük in holländische Zeitungen schreib, durch welche es ihm in verhältnismäßig sehr kurzer Zeit gelungen war, Volapük in den Niederlanden zu verbreiten in einer Weise, „wie ich es kaum zu ahnen gewagt.“ „In keinem Lande scheint Volapük bis jetzt auf so fruchtbaren Boden gefallen zu sein, als in dem seeumgürteten Holland“, sagt er selbst. „Täglich las ich Notizen“ (während seines Aufenthalb in Holland), fährt er fort, „sogar in den Schulen wird schon Unterricht in Volapük erteilt.“ Und in der That machte Volapük in Holland reißende Fortschritte, Lehrer um Lehrer erhielten das Weltsprachelehrerdiplom (der erste war Herr Professor E. F. S. Haastert in Rotterdam in Nr. 48 des Weltspracheblattes als 75. Weltsprachelehrer, welcher dann in Nr. 46 als cif für Holland ernannt worden war), so daß Schleyer schon am 3. Dezember melden konnte: Volapük aimostepom in Nedän gloliko; tidels 96.

Der Herbst des thatenreichen Jahres 1884 brachte noch ein paar Versammlungen. Am 6. Oktober war nämlich in Ueberlingen am Bodensee eine große Volapük-Versammlung, die sehr zahlreich besucht war. Als Redner traten auf: Gewerbeschulvorstand Schwab von dort, Schleyer und Kniele. [27]In die zur Bildung eines Klubs aufgelegte Liste zeichneten sich sogleich 72 Anwesende.

Eine andere Versammlung fand in Saulgau (Württ.) statt, wo ich einen Vortrag über Volapük hielt und Herr Hummler, der eifrige plofed volapüka, zu einem Verein aufforderte, dessen Bildung ihm auch gelang.

In dieser Zeit machte ein Antwortschreiben des Herrn Generalpostmeisters Dr. Stephan viel von sich reden, welches Herr Einstein in Nürnberg auf seine Zuschrift wegen Volapük erhalten hatte, und worin sich jener günstiger für das Walter'sche Chiffrirsystem aussprach. Dieses Schreiben wurde natürlich von allen jenen Bl"ttern sattsam ausgebeutet, welche sonst Volapük tot zu schweigen suchten. Dieses gab mir Veranlassung mit Herrn Einstein in Korrespondenz zu treten, die dann mehrere Jahre sehr eifrig fortgesetzt wurde. Trotz dieser nicht ermunternden Antwort des Herrn Dr. Stephan, welche nur durch den Uebereifer des Redakteurs in die Öffentlichkeit gelangt war, arbeitete aber Herr Einstein unverdrossen weiter. So hielt er am 11. November im Nürnberger Lehrerverein einen Vortrag über die „weltsprachlichen Versuche von Leibnitz bis auf die Gegenwart“, welcher später als Separatabdruck weite Verbreitung fand. Auf Vollständigkeit kann übrigens diese Arbeit, welche sonst gut ist, keinen Anspruch machen.

Auch Herr Gutensohn in München arbeitete ruhig weiter. Derselbe hielt am 5. Dezember im kaufmännischen Verein einen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag über Volapük, über welchen die Münchener Blätter, wie „Münchener Fremdenblatt“, „Süddeutsche Presse“ etc. sehr günstige Berichte brachten. Infolge dieses Vortrags zeichneten sich sogleich Mitgleider für einen Weltspracheverein, wenn auch die Zahl noch eine bescheidene war, so war doch damit der Grund gelegt für die Volapükbewegung in Bayerns Metropole. Einen zweiten Vortrag hielt Gutensohn am 30. Dezbr. im kaufmännischen Verein „Hansa“.

Auch in Österreich machte Volapük zwar langsame aber stetige Fortschritte, wovon als größter zu verzeichnen [28] ist, das Obhlidal im Herbste die erste öffentliche Volapükschule eröffnen konnte.

Im November erschien der vom württembergischen Weltspracheverein als Broschüre herausgegebene vorzügliche Aufsatz über Volapük von Bernhaupt, welcher überall die beste Wirkung that.

In Holland schritt Volapük immer mehr voran; am Ende des Jahres gab es in diesem Lande schon über 100 Weltsprachelehrer und gegen 20 Vereine. Herr Prof. Haastert in Rotterdam, dessen Verein allein über 100 Mitglieder zählte, gab ein eigenes Weltspracheblatt heraus, betiteld: „Volapükabled. In en over de Wereldtaal.“

Die letzte Weltsrpache-Versammlung in diesem Jahre fand in Heilbronn am 29. November statt, welche überaus zahlreich besucht war, wo ich einen sehr begeistert aufgenommenen Vortrag über Volapük hielt, infolge dessen sich ein Weltspracheverein bildete.

Von den Weltsprachelehrern, welche in diesem Jahre ferner das Diplom erhielten, erwähne ich die Herren: Charles E. Sprague in New-York; Wilh. Göbel, Ingenieur in Sonthofen (jetzt in Reutlingen); Pfarrer Silbereisen in Neu-Oetting; J. Günzl in Währing bei Wien. Somit waren es am Schlusse des Jahres 90 Weltsprachelehrer, 36 mehr als im Vorjahre.

Unterricht ist erteilt worden in Biberach (Württ.) und Ravensburg (Württ.) durch Kniele; in Meidling bei Wien (im Obergymnasium) durch Dr. Obhlidal; in Straßburg durch Frl. Vollmer; in Unter-Günzburg (Bayern) durch Frl. Stüber; in Ueberlingen (Baden) durch Schwab, Banholzer und Liedel; in Rotterdam durch Haastert.

Zeitungen, welche anerkennende Artikel über Volapük brachten, waren es wohl gegen 100, im Weltspracheblatt sind 45 namentlich aufgeführt. Wie weit Schleyers Name schon bekannt war, beweist ein Breif von einem Herrn Ernst Hoppe aus San Francisco (Kalifornien), welcher Volapük aus einem Artikel über die Ravensburger Versammlung im „California [29]Democrat“ kennen gelernt hatte, weßhalb er den Brief auch nach Ravensburg adressiert hatte.

Schleyers Gefunsheit wurde durch die aufregenden Arbeiten immer mehr geschwächt und er fühlte sich am Ende des Jahres krank.


Siebentes Jahr, 1885.

Durch die Vorarbeiten der früheren und hauptsächlich des letzten Jahres, namentlich aber durch die Generalversammlung im vorigen Jahre hatte Volapük schon überall in der Welt Ausbreitung genommen, so daß es von gänzlicher Unkenntnis der Thatsachen zeugt, oder eine absichtliche Verkennung derselben dazu gehört, wenn man behaupten will, erst mit dem Eintreten Frankreichs für Volapük habe dieses die Möglichkeit erlangt, in den andern Ländern Eingang und Verbreitung zu finden. Diese Behauptung ist schon darum unrichtig, weil Volapük in anderen Ländern gleichzeitig mit Frankreich, nicht durch Frankreich, aufzublühen begann, eher könnte man das Beispiel Hollands als Spron für die Volapükbewegung in den andern Ländern sich denken. Der Same war eben überall schon gelegt, aber aus der Entwickelung des Volapük in den ersten Jahren sehen wir, daß das Wachstum ein natürlich langsames war, wie das bei allen soliden Institutionen der Fall ist. Also der Same war, wie gesagt, gestreut, freilich nicht überall sogleich auf das rechte Erdreich gefallen, und so geschah das Wurzelfassen und Aufwachsen oft ganz verschieden, wie wir es heutigen Tages noch beobachten können. Auch hatte Volapük schon jetzt seine Lebensfähigkeit vollständig bewiesen, so daß die Wiener Zeitschrift „Vorwärts“ am Anfange dieses Jahres mit Recht schreiben konnte: „Die Weltsprache machte seit 4 Jahren so erstchliche Fortschritte, daß an ihrem Durchdringen kaum noch gezweifelt werden kann. Sie wird in vielen Teilen der Erde schon kultiviert, besonders in Holland. In Frankreich haben viele hohe [30] Persönlichkeiten ihren Beitritt erklärt. Es steht als Maxime fest, daß Volapük den Schlußstein von all den bisherigen Erfindungen internationaler Verständigungsmittel bildet.“

In Holland machte Volapük auch in diesem Jahre wieder schöne Fortschritte, es waren schon mehr als 20 Vereine gebildet, darunter solche mit über 100 Mitgliedern, wie in Rotterdam, Amsterdam, wo 2 Vereine waren, auch erschien, wie schon erwähnt, ein eigenes Blatt. Mehr als die Hälfte der in diesem Jahre ernannten Weltsprachelehrer sind Holländer.

Für den Herrn Erfinder der Weltsprache und für diese selbst drohte am Anfange dieses Jahres ein Wendepunkt einzutreten, der von weit eingreifender Bedeutung für die Sache hätte werden können. Herr Buchdruckereibesitzer Dasbach in Trier beabsichtigte nämlich, Schleyers Literatur, namentlich die weltsprachliche, abkaufen zu wollen um den Preis von 100 000 Mark. Der Handel zerschlug sich aber, namentlich auf mein Abraten hin, sich zu verkaufen und Volapük in Fesseln zu schlagen. Auch war Schleyer immer kränklich, so daß er sich genötigt sah, behufs Erlangung von Dispens sich an seinen Erzbischof zu wenden. Im März erhielt er auch wirklich den gewünschten Urlaub auf 3 Monate und am 13. März verließ er mit den Seinigen Litzelstetten, welche in Konstanz Wohnung nahmen, während Schleyer selbst in die Schweiz reiste und seinen Urlaub in dem reizenden (aber damals fühlen) Kurorte Heiden zubrachte, wo ich ihn im Mai besuchte.

Das wichtigste Ereignis in diesem Jahre ist das Aufblühen von Volapük in Spanien, Rußland, Schweiz und Frankreich. Namentlich in letzterem Lande machte Volapük dank den Bemühungen des Herrn Professors A. Kerkhoffs in Paris mächtige Fortschritte, so daß er am Anfang dieses Jahres schon einen Volapükkurs an der École des Hautes Études Commerciales mit Genehmigung der Pariser Handelskammer eröffnen konnte. Kerkhoffs eröffnete diesen Kursus mit einem Vortrage über Volapük, welcher in der „Revue-Gazette [31]maritime commerciale“ erschien und als Flugblatt vom Nürnberger Weltspracheverin in 7000 Exemplaren verbreitet wurde. In dieser Zeit hatte Volapük auch in Schottland einen Verehrer gefunden, den Ingenieur W. Seret in Glasgow, welcher die Volapükgrammatik ins Englische übersetzte, leider sehr fehlerhaft, so daß sie nicht geeignet war, zugunsten von Volapük zu wirken. Im Januar erschien auch in der englischen Zeitung „Saturday Rewiew“ ein sehr schöner Artikel über Volapük.

Das Wörterbuch 2. Auflage war schon im Januar beinahe vergriffen und die 3. Auflage bereits unter der Presse. Unter den im Januar diplomierten 22 Weltsprachelehrern begegnen wir beinahe lauter Holländern, von welchen ich nur Herrn Lehrer J. A. Aadriaanse in's Heerenhoek nenne, ferner die Herren: Gewerbeschulvorstand Schwab in Ueberlignen, WIlh. Fischbach stud. in Montabaur (Nassau), welch letzterer alsbald einen Weltspracheverein gründete.

In Bayern arbeiteten die Herren Gutensohn in München und Einstein in Nürnberg mutig weiter. Beide, namentlich aber Ersterer, hatten mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, sein Verein zählte im Januar erst 15 Mitglieder. Er begann einzusehen, daß er ohne Hilfe der Presse nicht vorwärts komme, daher richtete er sein Augenmerk auf Gewinnung einiger Blätter und es gelang ihm auch wirklich, Artikel im „Bayrischen Kurier“ und im „Fremdenblatt“ unterzubringen. Im Mai zählte sein Verein 22 Mitglieder, von denen sich aber nur etwa die Hälfte an den regelmäßigen Vereinsabenden beteiligte. An Pfingsten sprach Gutensohn in einer Gauversammlung der oberbayrischen Lehrerschaft in Wolnzach.

Einstein in Nürnberg arbeitete schon seit Ende vorigen Jahres an der Bildung eines Weltspracheklubs, was ihm aber erst am 18. Februar gelang mit der schönen Anzahl von 42 Mitgliedern. Am 4. März hielt Einstein vor einem großen auserlesenen Publikum einen Vortrag über Volapük, welcher die Sache sehr förderte. Auch hatte er in dieser Zeit schon einen Volapük-Kurs eingeleitet. [32] Weitere Vorträge wurden von ihm gehalten in Regensburg, Schwandorf und Schwabach, infolge deren sich an diesen Orten Klubs vorbereiteten, in Regensburg kam aber ein solcher erst im Dezember zustande nach einem nochmaligen Vortrag Einsteins. Dabei war derselbe fortwährend mit der Feder thätig, Artikel um Artikel erschienen in der „Nürnberger Presse“, aber auch in größeren Blättern, wie „Ueber Land und Meer“, „Illustrierte Welt“ erschienen Artikel von ihm. Herr Einstein hatte auch an den berühmten Sprachforscher Max Müller in Oxford wegen Volapük geschrieben und am 17. Februar eine Antwort von ihm erhalten, worin die bekannten Worte vorkommen: „Die Schleyer'sche Weltsprache ist mir bekannt und stimme ich den Prinzipien, auf welchen sie beruht, vollkommen bei. Alles was ich sagen kann, ist: fiat experimentum...“ In diesem Jahre lernte auch Herr Präfekt (jetzt Professor) Schnepper in München Volapük kennen und erteilte Volapük-Unterricht an der katholischen Erziehungsanstalt für Studierende. Unterricht in Volapük wurde aber bereits schon an vielen Orten erteilt: in Nürnberg an 150 Schüler, in Kitzbüchl (Tirol) durch Herrn Dr Jos. Fellner (prakt. Arzt), in Heilbronn, Montabaur u. s. w.

Als bekannte Volapükisten, welche im Monat Februar das Diplom erhielten, nenne ich die Herren: Arthur Heyligers, Redakteur in Gertruidenburg (jetzt in Antwerpen), Holland; Jos. Hagmann, Sakristan in Degersheim (Schweiz); J. Stettner, Postinspektor a.D. in Wangen (jetzt Cannstatt); J. Hummler, Kaufmann in Saulgau; E. M. E. Keyzer, Oberlehrerin in Rotterdam; Aug. Ochsenreither, Kaufmann in Haidhof bei Regensburg (jetzt Schwandorf). Aus Amerika wird in dieser Zeit berichtet: Voolapük macht die Reise um die Welt in Gesellschaft von Zeitungen und Zirkularen aus New-York. Vom Wörterbuch 3. Aufl. waren nun zwei Bogen erschienen. Ferner erschien eine kurze Volapük-Grammatik für die Hottentotten.

Indessen ruhte auch der württembergische Weltspracheverein nicht, indem er neue Vereinigungen bildete und stets neue Mitglieder gewann, so daß dieser Verein damals der [33]größte war. Herr Schleyer konnte aber jetzt nicht mehr mithelfen in der Agitation, er war krank. Ende Febraur besuchte ich ihn noch das letztemal in Litzelstetten. Um diese Zeit gab ich mir Mühe, Volapük auch in Italien bekannt zu machen. Ich setzte mich deshalb mit einem jungen Studiosus, Herrn Angelo Scribanti di Paolo in Vercelli, wohl dem ersten italienischen Volapükisten, welcher Volapük im Sommer 1884 in München kennen gelernt hatte, wo er sich aufhielt um Deutsch zu lernen, in Verbindung. Herr Scribanti übersetzte die Bernhaupt'sche Broschüre ins Italienische, welche unser Verein auf meinen Antrag drucken lassen wollte. Behufs Verschleiß derselben in Italien wandte ich mich an die Buckhandlung von Ermanno Loescher in Turin, allein diese antwortete mir: in Italien finde so etwas keinen Anklang, das sehe man an dem Werke, welches sie bereits in Verlag genommen, das auch diesen Zweck verfolge, aber keinen Absatz finde; ich bat um Zusendung genannten Werkes und so wurde ich mit der „Blaia Zimondal“ von Dr. Cesare Meriggi bekannt. Herr Scribanti, mit dem ich im Sommer persönlich in Ulm zusammentraf, riet mir nun, mich an die Buchhandlung von Ulrico Hoepli in Milano zu wenden, allein ich stand in der Folge von weitern Versuchen ab, weil im Herbst dieses Jahres das Interesse für Volapük in Italien sich ohnedies zu regen begann. In dieser Zeit trug ich mich auch mit der Absicht, Wandervorträge für Volapük zu halten, und ich hatte mich deswegen nach Lindau und St. Gallen gewendet, allein verschieden Umstände zwangen mich, davon abzustehen. Auch arbeitete ich seit Neujahr an der Herausgabe meiner Handelskorrespondenz, wovon damals schon vereinzelte Briefe in der „Nürnberger Presse“ erschienen. Am 4. Mai fand die 3. Generalversammlung des württembergischen Weltsprachevereins im Kursaale in Cannstatt statt, mit einer öffentlichen Versammlung nachmittags, wobei ich und die Herren Stettner und Dr. Müller Vorträge hielten. Dadurch erhielt der Verein wieder Zuwachs.

Bemerkenswert ist, daß der Erfinder bereits im März [34] d. J. sich gegen die sogen. „Verbesserer“ wenden mußte, wie überhaupt in diesem Jahre die Quelle zu suchen ist für alle die leidigen Differenzen, die zum Schaden der Sache sich immer weiter fortspannen. Bisher hatte Volapük ruhige und stete Fortschritte gemacht und sich schon in allen Ländern Eingang verschafft trotz seiner „Mängel“, jetzt hielt man dies nicht mehr für möglich. So ergab sich auch die Notwendigkeit, in Nr. 53 des Weltspracheblattes (Mai) „Sechs Merkpunkte zur Wahrung der nötigen Einheit in der Weltsprache“ zu veröffentlichen.

Unter den Weltsprachelehrern, welche in den Monaten März, April und Mai das Diplom erhielten, findet man wieder fast lauter Holländer, darunter auch Frl. M. J. Verbrugh in Middelburg, welche die Volapük-Grammatik ins Französische übersetzte, und einen Herrn aus London (Fritz Bölian). Im April erschien Fiewegers Uebersetzung von „Minna v. Barnhelm“ ins Volapük, und im März Obhlidals Unterrichtsbriefe als Separatausgabe. Ein neuer Verein wurde gegründet in Neu-Oetting (Bayern) durch Herrn Silbereisen. Weltsprachlicher Unterricht wurde erteilt außer in Paris, wo bereits 5 Negerjünglinge Volapük studierten, in Innsbruck durch Herrn volapükatidel Richard Bacher, in Wurzen (Sachsen) durch Herrn Oberlehrer Krumbach; dann in Holland an vielen Orten, und in Wien im Hotel „Englischer Hof“ durch Herrn Obhlidal. Damals fieng Volapük an, auch in Rußland schon Fuß zu fassen, nämlich in Riga, und Herr Schleyer konnte mir schon im September schreiben: jetzt schreitet Volapük in Rußland vorwärts. (Im Oktober wurden Wörterbuch und Grammatik nach Tiflis verlangt.) Gegen Ende des Jahres zählte Rußland bereits tüchtige Volapük-kenner, z. B. Herrn Iwan Cholin (leider schon gestorben am 28. Jan. 1889, erst 28 Jahre alt), mit welchem ich schon im Dezember korrespondierte.

Im Juni erschien Schleyers Wörterbuch 3. Auflage mit etwa 13,000 Wörtern. Am 6. Juni verließ Schleyer seinen bisherigen Aufenthaltsort Heiden, um sich nach einem weiteren [35]Aufenthalte von 11 Tagen in Hall (Tirol) an seinem neuen Wohnsitze in Konstanz anzusiedeln. Am 7. Juli besuchte ich Berrn Schleyer in seinem neuen Heim in Begleitung von Herrn Einstein (auch Herr Scribanti stellte sich nachher ein). Am 27. August erhielt Schleyer endlich seine wiederholt erbetene Pension. Mit dem 1. Juli d. J. hatte er sein „Zentralbureau der Weltsprache“ eröffnet. Von Weltsprachelehrern, welche im Sommer d. J. diplomiert wurden, sind zu erwähnen die Herren: k. k. Oberleutnant Julius Mally in Wien; Prof. Dr. T. C. Winkler in Haarlem; Henri Nonné in Paris; Präfekt Schnepper in München (174. tidel); die übrigen sind wiederum Holländer.

Indessen fand Volapük immer mehr Anhänger in den verschiedensten Ländern. Die New-Yorker Staatszeitung brachte im Juli mehrere große Artikel über Volapük, welche mit den Worten schließen, daß Volapük die größte Erfindung des 19. Jahrhunderts genannt werden müsse. Herr Professor Bauer in Agram hatte einen großen Vortrag über Volapük in slavonischer Sprache gehalten. Herr Campaolo Carminati in Fiume bereitete die Bildung eines Klubs vor (er bestellte sich von mir die Statuten unseres Vereins) und in Rumänien beschäftigte sich bereits ein Professor in Jassy mit Volapük. Namentlich aber machte Volapük in Frankreich die schönsten Fortschritte, wo Blätter mit einer Million Abonnenten, wie „Petit Journal“, ferner „Le Temps“, „La Liberté“, „Le Rappel“ etc. begeisterte Artikel für Volapük brachten. Im Juli erschien Kerkhoffs Vortrag über die Weltsprache nebst Grammatik, welche von anerkennenden Dankschreiben von Herrn DIetz-Monnin, Präsident der Pariser Handelskammer und Frédéric Passy, Deputirter derselben, begleitet war. Am Schlusse war eine Uebersetzung des 1. Verses der Marseillaise von mir, welchen die Schüler der Handelsakademie bereits gesungen hatten. In dieser Grammatik hatte Kerkhoffs es schon damals nach seinen eigenen Worten „für unerläßlich erachtet, einige kleine Aenderungen an den Regeln der Grammatik vorzunehmen.“ Mit diesen „kleinen Abänderungen“ hätte [36] man am Ende sich können abfinden, aber l'appétit vient en mangeant. Trotzdem schenkte der Erfinder Herrn Kerkhoffs alles Zutrauen und schloß sogar am 10. Oktober einen Vertrag ab, wornach Kerkhoffs das alleinige Recht bekam, die Grammatik und das Wörterbuch der Weltsprache in alle Sprachen Europas zu übersetzen. Mitte Dezember kam in Paris die Association française pour la propagation du Volapük zustande, an deren Spitze lauter hochangesehene Männer des Handels und der Wissenschaft stehen, wie Herr Lourdelet, Präsident der Syndikatskammer der Handelskommissionäre, Herr Dr. Nicolas, Redakteur der „Liberté“, Herr Kerkhoffs als Generalsekretär, Herr Dormoy, Generalingenieur der Bergwerke, Herr Le Soudier, Verlagsbuchhandlung, als Schatzmeister; außerdem finden wir darunter Fabrikanten, Aerzte, Professoren höherer Lehranstalten, Deputierte der Handelskammer, Financiers, Ingenieure, Direktoren und unter den Publizisten Herrn Francisque Sarcey ,der bedeutendste Schriftsteller von ganz Frankreich. Daß diese Fortschritte des Volapük in Frankreich die günstige Wirkung auch auf andere Länder machte, braucht nicht erst gesagt zu werden, namentlich wurde Volapük jetzt auch nach Spanien verpflanzt, wo am 15. November Herr Dr. Letamendi in Madrid einen Vortrag über Volapük in den Räumen der philologischen Gesellschaft hielt, welcher die Bildung eines Vereins zufolge hatte, und welchem die Eröffnung eines Lehrstuhles für Volapük folgte. Ebenso trat Herr Professor Iparraguirre in Guadalajara, Neukastilien, für die Verbreitung von Volapük ein. Auch in Rußland fand Volapük jetzt immer mehr Eingang. Sehr günstig wirkte ein russisch geschriebener Artikel von Iwan Cholin, welcher am 14. November in der Petersburger Zeitung „Novojo Vrjämja“ erschien, und noch wichtiger für die Verbreitung von Volapük war seine Broschüre: „Volapük“, herausgegeben in St. Petersburg im Anfang des folgenden Jahres.

Auch in der Schweiz faßte Volapük allmählich Fuß, wo auch die Zeitungen anfiengen günstige Artikel über [37]Volapük zu bringen, wie der „Schweizer Volksfreund“. Anhänger waren bereits in Herisau, Lausanne, Genf...

In Schweden lernte schon im April Herr G. Liedbeck in Finspong Volapük kennen und er bemühte sich um die Verbreitung desselben, aber noch ohne Erfolg, wie seine Vorgänger Nilson und Hyberg.

Am 22. Oktober hielt ich in Stuttgart im Lokale des kaufmännischen Vereins einen VOrtrag über Volapük. - Im Oktober erschien die 5. Auflage von Schleyers Weltsprache-Grammatik und am Schlusse des Jahres mein „Weltsprachekalender für 1886“ mit einer ausfürlichen Biographie des Erfinders.

Von den Weltsprachelehrern, welche in den Monaten Oktober, November und Dezember das Diplom erhalten, sind zu nennen die Herren: Joseph Schmidjörg in Wien; Professor Juraj Bauer in Agram; Professor Dr. Aug. Kerkhoffs in Paris (185 tidel); Emil Sonderegger in Herisau (Schweiz); Ernesto Biglia, Bankbeamter in Vercelli (jetzt Novara); Philipp Schmitt in München; Heinrich Huber, Kaufmann in Nürnberg; Christian Schmidt, Lehrer in Nürnberg; Gustav Liedbeck in Finspong (Schweden). Im ganzen waren es jetzt 229 Weltsprachelehrer, 139 mehr als im vorigen Jahr.

Im Winter war Schleyer wieder erkrankt, ja im Dezember war er sogar dem Sterben nahe.


Achtes Jahr, 1886.

Hatte das Jahr 1885 mit einem Resultate abgeschlossen, wie es günstiger nicht leicht hätte gedacht werden können, so waren die Fortschritte in diesem Jahre wiederum so große, wie zuvor nie. Volapük wurde jetzt überall mit vollem Ernste aufgefaßt, die Zeit des Zweifelns und des Verspottens war überwunden. Ueberall suchte man der Weltsprache praktische Bedeutung zu verschaffen, namentlich durch Einführung von Unterrichtskursen. [38] Nachdem Holland, welches jetzt 30 Weltsprachevereine zählte, schon im vorigen Jahre sein eigenes Blatt gehabt, wie bekannt, erschien von Neujahr an auch für Spanien ein Weltspracheblatt „El Volapük“, herausgegeben von Herrn Prof. Iparraguirre in Guadalajara, welcher auch die Grammatik und das Wörterbuch der Weltsprache ins Spanische übersetzte. Volapük machte in Spanien immer mehr Fortschritte, so bildete Herr Diaz Gußmann in Figueras einen Weltspracheverein, ein 3. Klub war in Bildung begriffen in Bilbao durch herrn Zubiria.

Schleyers Weltspracheblatt erschien von Neujahr an in vergrößerten Formate und wurde schon seit Sommer vorigen Jahres nicht mehr in Ueberlingen, sondern am Sitze des Erfinders, in Konstanz gedruckt. Am Anfange dieses Jahres erschien meine „Deutsch-weltsprachliche Handelskorrespondenz“ im Verlag von A. Schoy in Ueberlingen, das erste Werk zur praktischen Verwertung der Weltsprache für Kaufleute, auch erschien bei Aug. Feyel in Ueberlingen: Volapük, Aperçu de la Langue Commerciale Universelle de Schleyer von H. Starck.

Volapük machte in den Ländern, wo es bereits Fuß gefaßt, immer weitere Fortschritte, namentlich in Holland und Frankreich. In Bordeaux hielt am 26. Januar Herr Ingenieur Juclier einen Vortrag vor 600-700 Zuhörern, welchem die Bildung eines Weltsprachevereins folgte. Aber auch andere Länder, die bisher der Bewegung ferngeblieben, traten neu ein. In der Schweiz schien bisher für Volapük kein Boden zu sein. Zwar war auf der Generalversammlung in Friedrichshafen ein Herr aus der Schweiz anwesend, welcher der Hoffnung Ausdruck verlieh, daß sein Vaterland bei dem nächsten Kongresse auch vertreten sein werde, aber von einer Thätigkeit für Volapük wurde erst im Herbste vorigen Jahres gehört, wo am 24. Dezember der 71jährige Herr Weltsprachelehrer Geser in Bichweil einen Vortrag über Volapük hielt. Im Januar dieses Jahres zählte die Schweiz aber bereits 4 Weltsprachelehrer. Herr Geser erteilte in Flawil [39]und Toggenburg bereits Unterricht in der neuen Sprache. In Rußland machte Volapük ebenfalls Fortschritte. Am 15. Februar hielt Herr Staatsrat Bieck in Moskau einen Vortrag vor 600 Personen. Aber schon am 9. Februar hatte Herr Kreislehrer WIlh. Maaß in Criwa-Semgallen (Kurland) einen Vortrag über Volapük gehalten und später am 3. April hielt eben dieser Herr in Dünaburg einen Vortrag. Außerdem wurden Vorträge gehalten von den Herren W. Rosenberger, Henry Harrison und Bulyakow in St. Petersburg. Herr Bieck in Moskau übersetzte auch zuerst die Grammatik und das Wörterbuch des Volapük ins Russische. Ferner hielt Herr Karl Arnold ebenfalls in MOskau einen Vortrag am 16. Mai. In dieser Stadt wurde auch der erste Weltspracheverein (aber noch der einzige bis jetzt) in Rußland gebildet.

Am 21. Februar fand in Paris die Eröffnung der öffentlichen Volapük-Kurse, organisiert durch die „Association française“ in der „École des Hautes Études Commerciales“ vor mehr als 500 Personen, darunter Universitätsprofessoren, Literaten, Journalisten etc. statt. Es gab in Paris vom 21. Februar bis 2. Mai 13 Lehrkurse in den verschiedensten Arrondissements der Stadt. Einige derselben hatten mehr als 300 Teilnehmer. Der Lehrkurs in Bordeaux zählte regelmäßig 50 Teilnehmer. Das berühmte Geschäftshaus Grands Magasins du Printemps hatte einen eigenen Kurs für 121 Angestellte veranstaltet. Auch hatte es an seine Verkaufsfenster die Inschrift anbringen lassen: Volapükön (Hier spricht man Weltsprache)

Volapük-Unterricht wurde anfangs dieses Jahres außer den genannten Orten erteilt in Regensburg durch Herrn I. Fischer und A. Ochsenreither in Schwandorf, welch letzterer auch durch verschiedene Volapük-Artikel für die Sache wirkte; ferner in Kornthal (Würtl.) durch Herrn Stettner, der auch mit der Feder unermüdlich kämpfte; in Calw (Württ.) durch Herrn Dr. Müller. Von den im Januar und Februar diplomierten Weltsprachelehrern erwähne ich als [40] bekannte die Herren: Vicenzo Amoretti in Turin, Hugo v. Dieskau, Dreden, Paul Kleeberger in Trentwood (England), Rudolf Lange in Konstanz (jetzt in Göttingen), Direktor van de Stadt in Arnheim (Holland), A. Demonget in Paris, Julius Lott in Wien, Iwan Cholin in Koslow bei Trambow, Rußland, Joseph Holden in Busby House bei Preston (England). In dieser Zeit wurde auch Herr Direktor K. Dornbusch in London mit Volapük bekannt, welcher durch zahlreiche Vorträge und Veranstaltung von Volapük-Kursen ein eifrigen Agitator und der eigentliche Begründer der Volapükbewegung in England wurde. Leider hat auch diesen eifrigen Kämpen der Tod schon frühzeitig hinweggerafft, er starb erst 30 Jahre alt am 24. Oktober 1888 auf der Insel Malta.

In Österreich fand Volapük immer mehr Anhänger. Am 23. April hielt Herr Jos. Schmidjörg von Wien einen Vortrag in Linz a. D. Auch in Ungarn arbeitete Herr Banfi in Kapuvar rastlos für Volapük, obgleich die Erfolge keine so mittelbaren waren, wie in anderen Ländern, wovon die Schuld zumeist an der Charaktereigentümlichkeit des Volkes liegen mag. Er schrieb mehrere Artikel in verschiedene Zeitungen. Einen ausführlichen Aufsatz über Volapük nebst der Schleyer'schen Grammatik und mehreren Drucksachen übergab er dem Vorstande der ungarischen philologischen Gesellschaft, Herrn Emil Thewrewk v. Ponori mit der Bitte zu prüfen und Bericht darüber zu erstatten. Diese Angelegenheit wurde dann Herrn Karl Pozder, Professor in Budapest übergeben, und dieser erstattete in einer Versammlung dieses philologischen Vereins am 3. Febr. d. J. wirklich genauen Bericht über Volapük. Trotz heftiger Anfeindungen erschien dieser Bericht in seinem Vereinsblatt. Herr Professor Juraj Bauer in Agram hatte schon im vorigen Jahre eine kurze Volapük-Grammatik in kroatischem und serbischem Idiom herausgegeben. Im März hielt Lieutenant Stanislaus Kowacz einen Vortrag über Volapük [41]in Peterwardein, und Herr Professor Ujvari Bela einen solchen am 30. Mai in Oedenburg.

Von Holland aus fand Volapük in diesem Jahre seinen Weg auch nach Belgien. Herr Professor Arthur Heyligers hatte Volapük kennen gelernt und gründete am 8. Februar in Antwerpen den ersten belgischen Weltspracheverein. Anfangs Mai errichtete er einen öffentlichen Volapükkursus mit 60 Schülern. Einige Firmen in Antwerpen nahmen die Sache gleich so ernst, daß sie sich Korrespondenten für Volapük hielten.

Da die Volapükbewegung schon mit dem letzten Jahre so großen Aufschwung genommen und die Zahl der Volapükisten eine enorme geworden, dadurch aber auch die Einheit und Einigkeit unter denselben, hauptsächlich infolge willkürlicher Auffassung und Auslegung der Grammatik not zu leiden und Zwiespalt in der Gesellschaft einzureißen drohte, schien es an der Zeit, eine festere Organisation herzustellen und zu diesem Zweck an die Einberufung einer 2. Generalversammlung zu denken. Die erste Versammlung in Friedrichshafen hatte ein vorbereitendes Komite gewählt und mich zum Präsidenten desselben bestimmt. Dieses Komite sollte über Zeit und Ort der nächsten Generalversammlung entscheiden. Nachdem ich mich mit den Mitgliedern verständigt, trat ich mit Nürnberg in Korrespondenz, welches anfangs als Ort der Versammlung ausersehen war, später aber mit München, welches im Juli definitiv als Versammlungsort bestimmt wurde. Denn in dieser Stadt hatte unterdessen Volapük ungeahnte Fortschritte gemacht. Als Gutensohn anfangs des Jahres, zu welcher Zeit in Bayern bereits 6 Vereine bestanden (in Regensburg 2), einen neuen Kursus in vier Münchener Blättern ausgeschrieben, meldeten sich Herren, welche später einen großen Einfluß ausübten und Volapük rasch empor brachten, wie Herold, Schnepper, Kubics, Groß. Herr Schnepper, ein guter Redner, hielt am 14. und 21. April Vorträge vor 500 und 400 Zuhörern, wodurch der Verein großen Zuwachs erhielt, so daß derselbe bald [42] über 100 Mitglieder zählte, darunter auch 4 Italiener, 2 Russen, 2 Polen und 1 Japaner. Im April kündigte Herr Herold durch große Plakate neue Kurse in Volapük an. Am 23. Mai wurde ein Vortrag gehalten in Pfaffenhofen (Bayern) durch Heern Alexander Stengl von Schweitenkirchen. Auch Einstein in Nürnberg arbeitete fortwährend eifrig, namentlich durch Zeitungsartikel, er machte damals auch den Versuch bei großen Blättern, wie „Gartenlaube“, „Illustrierte Zeitung“, freilich vorerst noch vergebens. Herr Lehrer Schmidt daselbst hatte einen Kurs für 18 junge Leute organisiert. Zu erwähnen ist hier das Erscheinen einer sehr nützlichen Broschüre von Wilh. Fischbach, herausgegeben vom österreichischen Weltspracheverein. Auch soll nicht unerwähnt bleiben, daß Herr Einstein sich damals viele Mühe gab, Volap{ük in dem kaufmännischen Verein in Nürnberg Eingang zu verschaffen. Weil er mit Vernunftsgründen nichts ausrichtete, nahm er seine Zuflucht zur List. Er ließ auswärtige Volapükisten an den kaufmännischen Verein Briefe in Volapük schreiben mit der Aufforderung, mit ihnen in Korrespondenz zu treten, welche sie dann wohl oder über übersetzen lassen mußten. Dadurch brachte es Herr Einstein doch so weit, daß der kaufmännische Verein im Juli den Beschluß faßte, für nächsten Herbst versuchsweise einen Kursus für Volapük zu veranstalten. Der Herbst kam, wo ein Kursus mit 80 Schülern eröffnet wurde, aber der kaufmännische Verein - hielt nicht Wort. In der Pfalz hatte Herr A. Colling in Ludwigshafen es unternommen, Volapük einzuführen. Am 20. März hielt er in Ludwigshafen einen zweistündigen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag, und am 31. März gründete er daselbst den 1. Weltspracheverein in der Pfalz. Am 28. Mai gründete er einen solchen in Mannheim. Auch in Schweden, wo Volapük schon ein paar Mal einen Anlauf genommen, begann jetzt die Bewegung in Fluß zu geraten. Herr Nilson, ermuntert durch die Erfolge in Paris, hielt im Oktober in Gefle einen Vortrag über Volapük und arbeitete seither in Gemein[43]schaft mit Herrn F. Ahlgren an der Verbreitung von Volapük in Schweden. Aber auch Herr Liedbeck in Finspong gab sich viele Mühe, Volapük in Schweden zu verbreiten.

Der württembergische Weltspracheverein hielt am 29. April seine 4. Generalversammlung in Ehingen ab, verbunden mit einer öffentlichen Versammlung mit Vorträgen. Herr Schleyer hatte diesesmal wieder die Versammlung mit seiner Gegenwart beehrt. Redner waren die Herren Dr. Müller, Heintzeler, Kniele. Der Vortrag Müllers erschien im Druck.

Volapük war bereits an den verschiedensten Punkten der Erde bekannt, z. B. in Ponte Delgada auf der Azoreninsel St. Miguel, ebenso in Pointe à Pitre, Guadelope, auch in Zara, Dalmatien, hatte es Verehrer. Herr Schleyer erhielt damals Briefe aus den verschiedensten Orten und Ländern, so schrieb er mir anfangs Mai, daß er Briefe erhalte aus Paris, Havre, New-York, Moskau, Minsk (Rußland), Mataro (Spanien), Oesterreich, Holland, Italien, Torino, Verny und russisch Turkestan. Anerkennende Zeitungsartikel erschienen in den Blättern aller Länder, in deutschen, österreichischen, ungarischen, russischen, holländischen, spanischen, portugiesischen, französischen, schwedischen, dänischen, afrikanischen (Tunis-Journal), italienischen, schweizerischen, griechischen und amerikanischen Zeitungen.

Volapükkurse wurden in dieser Zewit gegeben: in Altstädten (Kloster Mariahilf) bei St. Gallen, durch Herrn Jos. Bättig; in Appenzell durch Herrn Architekt und Badbesitzer Emil Sutter in Gonten; in Havre wurde Unterricht an der École supérieure de Commerce erteilt; in Antwerpen durch Herrn Heyligers. In Bordeaux, dessen Klub im Mai schon 150 Mitglieder hatte und 43 Lernende, wurde Unterricht erteilt „à la chambre syndicale des Employés de commerce“; in Châteauneuf durch Herrn M. Arnodin; ferner in Rouen, Rochefort, Tunis. In La Rochelle eröffnete Rubino de Barazia [44] einen öffentlichen unentgelltilchen Kurs. In Rouen fand am 6. Mai ein Bankett von Volapükisten statt, bei welchem die Speisekarte in Volapük aufgesetzt war. In diesem Monate erschien die französische Volapük-Grammatik: „Cours Complet de Volapük“ von Prof. A. Kerkhoffs. Auch in Spanien wurde Volapük gelehrt in Barcelona, dann in Rußland (Moskau, Wiatka, Kostroma). Andere Orte, wo Volapük gelehrt wurde, sind: Stuttgart durch Herrn Heintzeler; Wien durch Herrn Schmidjörg und Obhlidal; München durch Herrn Herold im Kolosseum (242 Schüler), Konstanz (auch Kursus für Damen). Am 13. Mai wurde auch in Konstanz eine Weltspracheverein gegründet auf Veranlassung des Vorstandes des kaufmännischen Vereins, Herrn Kaufmann Sauter. Dieser Verein zählte im Sommer schon 85 Mitglieder und 30 Schüler und im Herbste 100. Unterricht in Volapük wurde noch ferner erteilt: in San Francisco (Kalifornien), in Pamplona, Spanien, durch Herrn Nicolas Ugarte, Kommandant der Ingenieure; endlich in Mannehim durch Herrn Colling, welcher dasselbst im Herbst einen Verein gebildet hatte mit 75 Mitglieder, und in München in 3 Kursen: (Gutensohn, Schnepper, Herold).

Von den Weltsprachelehrern dieser Zeit sind zu erwähnen die Herren: Jos. Anton Geser in Bichwil, Schweiz; Alexander Grusinzeff in Kostroma, Rußland; Anton Colling, Telegrafist in Ludwigshafen (jetzt in Nürnberg); Prof. Dr. Fernandez Iparraguirre in Guadalajara, Neukastilien, Spanien; Mathurin Fabin in Bordeaux; Hofrat Karl Arnold in Moskau und (etwas später) J. Juclier, Ingenieur in Bordeaux.

Am 1. Juni erschien das französische Weltspracheblatt „Le Volapük“, redigiert von A. Kerkhoffs.

Vorträge wurden im Frühjahr gehalten in Paris von Herrn Professor Henri Nonné im Verein der Professoren de l'Association Polytechnique, und in München von [45]Herrn Herold „im christlichen Verein junger Männer“; sodann in Neustadt a. d. Haardt von Herrn Colling und in Teinach (Württ.) durch Herrn Ansel in Calw. Im Juni wurde ein Weltspracheverein in Genf gegründet durch Herrn Morin. Auch treffen wir Volapük in dieser Zeit in Helsingfors (Finnland) an. Auch in Aegypten hatte Volapük sich schon festgesetzt, nämlich in Alexandrien, wo Pater Ladislaus Schneider sich die Verbreitung der Weltsprache angelegen sein ließ, ebenso war Volapük nach Kairo gelangt. Auch in Amerika breitete es sich immer mehr aus. In Montreal, Canada, wurde Volapük in einer Lehranstalt als Unterrichtsgegenstand aufgenommen.

Das Weltsprachelehrerdiplom erhielten von Juli bis Oktober u. a. die Herren: Al. Giulini in Linz a. D.; A. Rudeitzky (Rudy) in San Francisco, Kalifornien; Ingenieurkommandant Nicolas de Ugarte in Pamplona, Spanien; Ingenieur Woldemar Rosenberger in St. Petersburg; Henri Rubio de Barazia in La Rochelle; Prof. C. Schwartz in Stuttgart. In dieser Zeit erschienen Volapükgrammatiken in spanischer und russischer Uebersetzung, und in San Juan auf der Insel Porto Rico erschien im August ein neues Weltspracheblatt „Timabled volapükik“, herausgegeben von Prof. Rodeck. Im September erschien Schleyers Weltsprachegrammatik in 6. Auflage und eine holländische Grammatik von Heyligers. Vorträge wurden im Herbst gehalten in Wangen (Württ.) durch Herrn Stettner, in Kapuvar bei Oedenburg duch Herrn Alexander Dominkowics, dann in Nürnberg, München und Augsburg durch Herrn Schnepper, in Haidhausen durch Herrn Jakob in Herisau durch Herrn Emil Sonderegger, in Kopenhagen 2 mal durch Herrn Kapitän Wolff (vor 200 und 300 Zuhörern), in Konstantinopel durch Herrn Dompierre und in St. Gallen durch Herrn Geser. Unterricht wurde erteilt: in Salonichi (Türkei) an der Handelschule durch Herrn M. Djemaleddin, welcher auch eine Grammatik für Türken herausgab, in [46] Moskau durch Herrn Karl Arnold, in Andwill bei St. Gallen durch Herrn Wehrle, in Haidhausen durch Herrn Jakob, in Reichsstatt, Böhmen, durch Herrn Hauptmann, in Wangen (Württ.) durch Herrn Stettner, in Schwarzenfeld durch Herrn Ochsenreither. In Wien wurden im November 2 Kurse eröffnet: für Anfänger durch Herrn Schmidjörg (17. öffentlicher Kurs) und für Fortgeschrittene durch Herrn Dr. Obhlidal. Am 8. Oktober wurde in Stuttgart ein Kursus eröffnet durch Herrn Oberpräzeptor Heintzeler. Ferner wurde Unterricht erteilt in Herbst: in Konstanz durch die Herren Lange und Ott, in Herisau durch die Herren Sonderegger und Schefer, in Nürnberg durch Herrn Brügel, in Ludwigshafen durch Herrn Colling, in Houdeng (Belgien), durch Herrn Professor Uytterhoeven, in Turin im „Circolo filologico“ durch Herrn Amoretti, und in Porto (Portugal) durch Herrn Prof. Da Silva Teixeira.

Neue Vereine wurden im Herbst gegründet in Kirchheimbolanden, 2. Klub in der Pfalz, in Rohdalben, 3. pfälzischer Verein; ferner in Augsburg, Haidhausen, Schwarzenfeld bei Schwandorf (Bayern), Pirmasens, Tölz, Calw (Württ.), dann in Piadena, Italien. In dieser Zeit begann Volapük sich auch in Dänemark zu verbreiten. Im Dezember wurde in Terndrup ein Weltspracheverein gegründet durch Herrn Nielsen, sodann in Kopenhagen durch Herrn Kapitän A. Wolff, einen sehr eifrigen Vorkämpfer für Volapük, welcher aber schon am 21. Dezember 1886 gestorben ist. In Aalborg kam ein Verein zustande durch Herrn Aaen. Der Münchener Volapükaklub erhielt in Dezember den Namen „Zentralklub für Bayern“. Im Oktober erschien das Volapük-Wörterbuch van A. Kerkhoffs. In Rumänien war für Volapük ein Verbreiter gefunden in Herrn Licherdopol, Professor an der Handelschule in Bukarest, welcher in der Zeitung „Romania“, dem Hauptblatte in Rumänien, interessante Artikel über Volapük veröffentlichte. In Gefle, Schweden [47]schickte Herr Aug. Nilson sich an, einen Klub zu gründen. Auch in England vermehrten sich die Freunde von Volapük täglich mehr.

Von den Weltsprachelehrern, welche gegen Schluß des Jahres diplomiert wurden, sind zu nennen: Herr Dr. Karl Pozder in Budapest, Herr Karl Groß, Ingenieur in München; Herr Arthur Renier in Antwerpen; Herr Hippolyte Guiges in Paris; Herr Herrmann Rodeck in San Juan, Portoriko; Herr K. Dornbrusch, Direktor in London; Frau Elsa, Baronesse von Schneider Arno in Peterwardein; Herr Rudolph Kubicz, Kaufmann in München; Herr Dr. Rudolf Böger, Mathematiker in Hamburg (324., tidel); Herr Staatsrat und Lektor Eugen Bieck in Moskau.

Am Schlusse des Jahres erteilte der Herr erfinder neue Diplome für Löpitidels (Oberlehrer). Im Herbst dieses Jahres lernte der Universitätsprofessor Herr Dr. A. Kirchhoff im Halle a. S. Volapük kennen und wurde ein sehr eifriger Jünger desselben. Dieser Gelehrte erblickt in Volapük die internationale Gelehrtensprache der Zukunft. Von Vorträgen, welche gegen Ende des Jahres gehalten wurden, sind noch zu erwähnen: München (Schnepper), Nürnberg (Herold), Würzburg (Schmitt), Hamburg (Böger), gleichzeitig wurde daselbst auch ein Klub gebildet, Pirmasens (Colling), Stuttgart (Heintzeler), Turin (Amoretti), La Rochelle (Barazia), Ansbach (Walther), Fiume (Carminati), Wien (Lott).

Bereits hatte sich auch die Industrie des Volapük bemächtigt. Man fabrizierte Volapük-Champagne (Paris, Belgien, Konstanz), Volapük-Busen- und Cravattennadeln (Paris, München), Volapük-Krüge (München), Volapük-Bleistifte (Nürnberg), Volapük-Lampen, -Hüte, -Cigarren, -Liqueure, und konnte bereits nach Volapük-Walzern tanzen.

Am Schlusse des Jahres 1886 waren es im ganzen 328 Weltsprachelehrer, 99 mehr als im Vorjahre. Volapük hatte in diesem Jahre sich wieder so ausgebreitet, daß die [48] „Wochenschrift des österreichischen Ingenieur- und Architektenvereins“ in Wien mit Recht schreiben durfte: „Soweit die menschliche Civilisation reicht, kennt man heute schon den Namen Schleyer“ [und auch seine Sprache].


Neuntes Jahr, 1887.

Wer die bisherigen Fortschritte von Volapük aufmerksam verfolgt hat, wird keinen Anstand nehmen, den kühnen Satz zu unterschreiben, den der „Düsseldorfer Anzeiger“ anfangs dieses Jahres in einem Artikel über Volapük gebracht: „Wenn Schleyer selbst jetzt der Volapükbewegung Einhalt gebieten wollte, so würde es erfolglos sein. Denn Hunderttausende haben den Gedanken in sich aufgenommen und treten für ihn ein, wie für ihre eigene Sache.“ Ueber den Wert von Volapük als Weltsprache konnte man jetzt auch nicht mehr im Unklaren sein, nachdem Autoritäten in der Wissenschaft, wie Max Müller, Alfred Kirchhoff und T. Winkler sich für dasselbe ausgesprochen und für dasselbe eingetreten, und so konnte das französische Blatt „Le Temps“ am 16. Januar d. J. mit Recht schreiben: „Si jamais langue universlle a quelque chance de s'imposer au monde commerciale, c'est assurément celle-là“ (volapük). Und so wird auch zutreffend sein, was die „Kölnische Volkszeitung“ am 11. Februar schrieb: „Wir erfahren, daß an leitenden Stellen in Deutschland der weltsprachlichen Bewegung mit Ernst und Teilnahme gefolgt wird.“

In der Januar-Nummer des Weltspracheblattes (73) erschien der Aufruf zu der 2. Generalversammlung in diesem Jahre, für deren Abhaltung das vorbereitende Komite sich einstimmig ausgesprochen und als Versammlungsort München gewählt hatte. Die Vorbereitungen hierfür kamen alsbald in Fluß, obwohl man vom Auslande her dem Unternehmen Opposition machen zu müssen glaubte.

[49]In der gleichen Nummer erschienen die Namen von 22 Weltsprachelehrern, welche das neue Diplom als löpitidel erhalten hatten. Wegen Mangel an Raum werde ich die Namen derselben nicht aufführen, zumal die meisten schon als Weltsprachelehrer aufgeführt worden sind.

Für die große Verbreitung von Volapük spricht schon der Umstand, daß in diesem Jahre nicht weniger als 8 neue Blätter erschienen, und zwar 4 vom 1. Januar an, nämliche das „Cogabled“ (Witzblatt), herausgegeben von Professor Schnepper in München, das dänische Weltspracheblatt „Fälles Organ for danske Volapükisten“, herausgegeben von Aaen in Aabybro, das österreichische Weltspracheblatt „Volapükagased“, herausgegeben von Dr. Obhlidal in Meidling - Wien, und das italienische Weltspracheblatt „Il Volapük“, herausgegeben von Cassio in Milano.

Dieses Jahr ist reich an Veranstaltungen von Lehrkursen und an vielen und bedeutenden Vorträgen, die allenthalben gehalten wurden, dieses Jahr hat deshalb so recht den Stempel des wirksamen Schaffens an sich. Auch wurden wioeder viele neue Vereine gebildet. Herr Schleyer erhielt Briefe aus allen Enden der Welt, z. B. aus Jeniseisk in Sibirien. Volapük-Unterricht wurde anfangs dieses Jahres an folgenden Orten gegeben: in Paris vom Januar an bis Ostern in den verschiedensten Arondissements dieser Stadt, veranstaltet durch die „Association française“; Herr Guigues erteilte separaten Unterricht, öffentlich und unentgeltlich an mehr als 50 Schüler; ferner wurde Unterricht erteilt in Aalborg, Dänemark, Antwerpen, Belgien, Mannheim (schon seit Oktober v. J.), Peterwardein, Ungarn, Turin, Italien, Rorschach, Schweiz. In Konstanz wurde ein neuer Kurs für Damen veranstaltet von Frl. Schnell. Vorträge wurden im Januar gehalten in Wien (Lott), Hamburg (Böger), Kopenhagen (Enna), Turin (Appiani), London (Dornbusch), Weinsberg (Württ.) durch Herrn Hirzel, Professor in Tübingen. [50] Der Centralklub für Bayern in München hatte bereits 4 Nebenklubs (Haidhausen, Augsburg, Würzburg, Tölz), die andern Klubs wuchsen zusehends, so zählte der Klub in Pirmasens (Pfalz) bereits 80 Mitglieder. Neue Vereine entstanden in Belleville, Illinois, Nordamerika; in Liefering bei Salzburg; in Halle a. S. durch Herrn Professor Kirchhoff; in Herisau durch Herrn Geser (zählte im Mai schon 97 Mitglieder und 47 Schüler); in Moskau durch Herrn Bieck; in Trondhjem (Norwegen) durch Hern Könne und in Torino „Associazione por la propagazione del Volapük“. Der Klub in Tölz (Vorstand Pfarrer Rausch) hatte im März schon 58 Mitglieder und hatte 3 Kurse veranstaltet mit 75 Schülern. Der Klub in Kopenhagen zählte im März 97 und im Mai schon 150 Mitglieder. Volapük-Unterricht wurde ferner gegeben in Konstanz (Lange und Ott), Appenzell (Sutter), Ludwigshafen (Colling), Stuttgart (Heintzeler), auch im Handelsverein daselbst, und in Fiume (Carminati).

Vorträge wurden im Februar gehalten in Altona (Böger), Düsseldorf (Sprachlehrer Heinrichs) und in St. Petersburg durch Herrn Rosenberger im „Polytechnischen Verein“, und Herrn Harrison (mehrere Vorträge).

Auf dem Rhein fuhr seit Neujahr ein Schraubendampfer mit dem Namen „Volapük“. Die Französische Revue „L'étincelle électrique“ und die englische Zeitung „The English Mechanic“ haben Briefkästen für ihre Korrespondenz in Volapük eröffnet.

Das Diplom als Weltsprachelehrer erhielten in den Monaten Januar und Februar u. a. die Herren: ‚August Nilson‛, Ingenieur in Gefle, Schweden; J. Braakmann in Hillegom, Holland; Professor Joaquin de Arce Bodega in Madrid; Oskar Kausch in Dresden; Giampaolo Carminati in Fiume, Ungarn; Henri Dierckx in Antwerpen. Bereits fieng auch die Weltspracheliteratur bedeutend zu wachsen an, wobei freilich auch manche verfehlte Ware mitunter lief, so daß Schleyer [51]in der März-Nummer seines Blattes sich genötigt sah, vor den „Pfuschwerken“ zu warnen. Wer nicht betrogen werden will, wende sich einfach an das Zentralbureau der Schleyerschen Weltsprache in Konstanz.

Im Monat März wurde Volapük-Unterricht erteilt in Brage, Portugal durch Herrn Lindorpho, in Drontheim, Norwegen (Rönne), in Turin, 3. Lehrkurs (Amoretti), in Würzburg, Naumburg, San José, Costerica (Juan Ferraz), in Steele a. d. Ruhr, Rheinpreußen, durch Herrn Lehrer Friedrich Kondring. In Wien waren in diesem Frühjahr vom Febraur an 7 Parallelkurse eröffnet, welche von mehr als 2000 Personen aus allen Ständen besucht waren, überhaupt hatte in Wien die Vlapükbewegung großartige Dimensionen angenommen, namentlich seitdem Herr Hofkunsthändler, Kaiserlicher Rat, Oskar Kramer für Volapük eingetreten war, dann durch die Wirksamkeit des Eisenbahnbeamten Lott und Herrn Dr. Obhlidal. Mit Beginn des Schuljahres 1887/88 hatte Herr Direktor Robert Pöschl in Wien Volapük als Lehrgegenstand an seiner Handelschule eingeführt und auch an der Direktor Singer'schen Handelslehranstalt wurde gleichzeitig von Herrn Spielmann ein solcher Kurs eröffnet. Auch in Böhmen, Mähren und Schlesien fand Volapük jetzt Anhänger. Herr Joh. M. Bakalarz in Lundenburg gab die erste Grammatik in Volapük heraus in böhmischer Sprache, welche schon die 2. Auflage erlebt hat.

Vorträge wurden im März gehalten in Dornbirn, Vorarlberg (Aug. Rhomberg), in Düsseldorf (Th. Heinrichs), in Luxemburg (Jos. Weber), in München durch Herrn Schnepper im „Polytechnischen Verein“ und am 18. März im „bayerischen Verkehrsklub“; in Wien durch Herrn Obhlidal (3 Vorträge), in Erfurt und Weimar durch Herrn Prof. Kirchhoff; im Wernamo, Schweden, durch Ingenieur Pihlgren. Diplome als Weltsprachelehrer erhielten in diesem Monate: Herr José da Silva Teixeira in Porto, Portugal; Herr Wilh. [52] Hansen in Kopenhagen und Herr Sprachlehrer Henry J. Harrison in St. Petersburg. Aus Rußland kam im April die wichtige Nachricht, daß in diesem Lande Volapük-Depeschen mit gleicher Bezahlung wie für andere Sprachen angenommen werden, während bei uns Volapük-Depeschen immer noch als chiffrierte Schrift behandelt werden. Eine Erfurter Gärtnerfirma (Platz & Sohn) erhielt in diesem Monate eine Volapük-Depesche aus Peking (China). Neue Vereine wurden in diesem Monate gegründet in San José, Costa Rica, Zentral-Amterika, durch Herrn Juan F. Ferraz, Direktor „del Instituto Universit,“ in Stein a. Rh., Schweiz, in Fiume, Ungarn, in Wien, „Weltspracheverein Volapük“, und in Pausa durch Herrn Direktor Robert Hiller. Volapük-Unterricht wurde in diesem Monate noch ferner erteilt in Ansbach, Bayern, Belleville, Amerika und in Düsseldorf.

Vorträge wurden im April gehalten in St. Pierre, auf der Antilleninsel Martinique durch Herrn Prof. P. Catel (im Theater von mehr als 400 Zuhörern), in Düsseldorf (Heinrichs), in Ludwigsburg von Herrn Heintzeler im kaufmännischen Verein, in Bremgarten, Schweiz, durch Herrn Rechtsagent Waltisbühl. Vom 30. April an hatte auch Schweden sein eigenes Weltspracheblatt, betitelt „Volapükisten“, herausgegeben von Herrn G. Säterstrand in Stockholm. In Schweden fand nämlich Volapük auch immer mehr Anhänger. Herr G. Liedbeck hatte im Februar angefangen, das Wörterbuch ins Schwedische zu übersetzen, welches im August erschien. In eben diesem Monate gründete Herr Liedbeck auch einen Weltspracheverein in Finspong. Anfangs dieses Jahres begann auch Herr John Runström in Stockholm mit dem Studium des Volapük, gleichzeitig mit Herrn Säterstrand, und beide gründeten gemeinsam den 1. Weltsprache in Stockholm und veranstalteten im Sommer Unterrichtskurse in Volapük. Im Herbst gab Herr Runström eine schwedische Weltsprachegrammatik heraus.

[53]Am 2. Mai hatte der württemb. Weltspracheverein seine 5. Generalversammlung in Stuttgart. Am Abend zuvor war eine öffentliche Volapükversammlung, bei welcher auch der Erfinder erschienen war, der eine kurze Ansprache hielt. Redner waren Herr Dr. Müller in Calw und Kniele über „die Fortschritte des Volapük“, welcher Vortrag im Druck erschienen. Vorträge wurden in diesem Monate gehalten in Halle (Kirchhoff), Lundenburg, Mähren (Kaplan Bakalarz), Mannheim (Colling), Lispitz, Mähren (Postmeister Plotzek). Volapük-Unterricht wurde erteilt in Vercelli (durch Herrn (Pietro Masoero), in Halle (durch Schumm und Aue), in Erfurt (Schmelz), in Weimar (Dr. Markscheffel), in Pausa (Hiller), in Nürnberg durch Herrn Chr. Schmidt: bei der Eröffnung seines Kurses fanden sich so viele Interessenten ein, daß kaum die Hälfte der Erschienenen Platz finden konnte. Neue Klubs wurden in diesem Monate gegründet: in Guadalajara am 8. Mai, der Zenodaklub volapükik Späna, spanischer Centralklub für Verbreitung von Volapük; in Weimar und Erfurt, beide infolge von Vorträgen des Herrn Prof. Kirchhoff; in Simbach, Bayern. Von den Weltsprachelehrern in den Monaten April und Mai sind zu erwähnen die Herren: Prof. Alfons, Ritter von Rylski in Wien (386, tidel), Prof. Dr. Alfred Kirchhoff in Halle a. S. (390, tidel), Fr. Seraph. Rausch, Pfarrer in Tölz, Ernst Enna in Kopenhagen, Theodor Heinrichs in Düsseldorf, Harald Christian Rönne, Dampfschiffahrtsbeamter in Drontheim, Norwegen, Kaplan J. M. Bakalarz in Lundenburg, Mähren, Robert Hiller, Schuldirektor in Pausa, Sachsen.

Ende Mai eröffnete die „Association française“ internationale Prüfungen, an welchen sich über 300 Personen aus allen Teilen der Erde beteiligten. Der erste, welchem infolge dessen von dieser Gesellschaft das Diplom als plofed (Professor der Weltsprache) zuerkannt wurde, war Herr [54] Licherdopol, Direktor der Handelschule in Bukarest. Bei dieser Gelegenheit zeigte es sich auch, wie weit Volapük schon verbreitet war. Fast aus allen Ländern meldeten sich Vertreter dieser Sprache. In dieser Zeit gelangten aus Amerika wieder günstige Berichte an, so z. B. wurde aus Montreal über große Fortschritte berichtet. Buenos Ayres, die Hauptstadt der argentinischen Republik, hatte damals schon einen Volapükverein. Auch in Drontheim, dem bekannten Meereshafen in Norwegen, wurde ein Weltspracheverein gebildet. Weitere Vereine, welche den Sommer über entstanden, sind: Bremgarten, Schweiz, Leipzig-Gohlis, Löbau, Westpreußen, Vercelli („Pakamaklub volapüka Jleyera“), Zürich, St. Gallen, (74 Mitglieder und 50 Schüler), Jönköping, Schweden, Pforzheim, Baden, Petronell a. D. (Nieder-Oesterr.). Unterricht wurde in dieser Zeit erteilt in Askersund, Schweden, durch Herrn Sternborg, in Nürnberg, München (Zahl der Schüler 400), Petersburg (Rosenberger), Lispitz, Mähren (Plotzek), London (Dornbusch), Wels, San Francisco und Finspong, Schweden. Als bekannte Weltsprachelehrer, die während des Sommers diplomiert wurden, erwähne ich folgende Herren: Thaddäus Devidé in Wien, Prof. Champ-Rigot in St. Maurice, Prof. Dr. Siegfried Lederer in Wien, Dr. J. E. Weiß, Privatdozent an der k. Universität in München, John Runström in Stockholm, J. C. Aaen in Aaby, Dänemark, G. Schmid, Lehrer in St. Gallen und Fräulein Enderneitt in St. Petersburg. Vorträge wurden gehalten in Wien (Schmidjörg am Lehrerpädagogium), München (Schnepper vor 500 Zuhörern), London (Dornbusch), Wels, Oberösterr. (Ed. Binder, Handelslehrer), in Gossau, Schweiz (Lehrer Schmid in St. Gallen), infolge dessen ein Verein sich bildete, Lispitz (Plotzek), New-York (Sprague), dann in Koburg, Lauscha, Bamberg, Neustadt bei Koburg und Sonneberg durch Herrn Voit (Föht) in Koburg (jetzt in Gotha).

In dieser Zeit begann Volapük wieder einen bedeutenden [55]Schritt vorwärts zu machen auf seine Reife um die Welt und zwar nach China. Herr Professor Pietro Poletti aus Mailand, welcher Volapük studiert hatte, unterhielt nämlich einen lebhaften Verkehr mit China und betrieb die Agitation für Volapük in China selbst, als er in das Bureau des Zollhauses in Amoy versetzt wurde.

Anfangs August erschien ein neues Weltspracheblatt in Antwerpen, „Nogan volapükik plo Beljän e Nedän“, herausgegeben von A. Heyligers. Das Holländische Weltspracheblatt war nämlich in der Zwischenzeit eingegangen, auch die weltsprachliche Bewegung war ein wenig ins Stocken geraten, vermutlich weil es an einer einheitlichen Organisation fehlte. Auch erschien in dieser Zeit: „Volapükatid, Weltspracheunterricht in 2 Kursen“ von A. Colling und die 2. Auflage von „Weltsprachliche Humoristika“ von R. Kniele, im Verlage von Aug. Feyel in Ueberlingen.