Afghan

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Dieser Artikel behandelt mehrere Verwendungen des persischen Ausdrucks „Afghan“; zu anderen Bedeutungen siehe Afghan (Begriffsklärung).
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Das Wort afghān (persisch افغان) wird ursprünglich im Persischen sowohl als Bezeichnung für die Paschtunen gebraucht wie auch in allgemeinerer Bedeutung im Neupersischen u. a. für „Wehklagen“; zudem gibt es die Bezeichnungen „Afghan“ und im Russischen „Afghanetz“ für lokale trockene staubige Winde.

„afghān“ und „feghān“ in allgemeinem Gebrauch im Neupersischen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Begriffe afghān (persisch افغان) und feghān (persisch فغان) sind Wörter der neupersischen Sprache bzw. des Dari und werden z. B. im Deutschen wiedergegeben mit ‚Schrei, Wehklagen, Jammern, Wehtöne, Wehe‘ und ‚Stöhnen‘.[1] In der persischen Dichtung z. B. des 12.–14. Jahrhunderts findet sich ein solcher Wortgebrauch z. B. bei Saadi[2], Rumi[3] oder Hafez.[4][5]

Afghan als Bezeichnung für die Paschtunen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Begriffe Afghan (persisch افغان) oder Paschtun (paschtunisch پښتون) wurden und werden oftmals synonym gebraucht. Der Begriff Pathan (Urdu: پٹھان) bzw. (hindi: पठान / Paṭhān) bzw. Pathanen[6] ist ebenfalls ein Synonym für Paschtunen in Indien, seit der Teilung 1947 auch in Pakistan, vorwiegend außer Khyber Pakhtunkhwa, gebräuchlich.[7][8][9] Beide, Afghan und Paschtun, waren bis 1936 offizielle Bezeichnungen für Paschtunen in Afghanistan. Dabei ist Paschtun die Eigenbezeichnung und Afghan (persisch افغان) die Fremdbezeichnung aus dem Persischen, die wohl historisch primär für Stämme aus dem Westen gebraucht wurde, was erklärt, warum bisweilen ein terminologischer Unterschied dergestalt vorgeschlagen wurde, dass Afghan sich auf die Durrani (den westlichsten Stamm) und deren Verbündete beziehe.[10] Die Bezeichnung Afghan als Staatsangehörige Afghanistans wurde 1965 in der Verfassung verankert.

Eine erste Erwähnung findet sich in der Enzyklopädie Bṛhat Saṃhitā des indischen Astronomen und Mathematikers Varāhamihira aus dem frühen 6. Jahrhundert. Dort ist von Avagāṇa die Rede. In der wenig später entstandenen Biographie des buddhistischen Pilgers und Übersetzers Xuanzang, verfasst durch seine Schüler Huili und Yencong, wird von chinesisch A-p’o-kien gesprochen als einem Stamm im Norden des Suleiman-Gebirges.[11]

Im persischen geographischen Handbuch Hudūd al-ʿĀlam (982, persisch حدود العالم ‚Grenzen der Welt‘) ist von „Qabila ha e Afghanan“ (‚Stämme der Afghanen‘) die Rede.[12]

Al Biruni, ein Wissenschaftler des 11. Jahrhunderts, der Sultan Mahmud von Ghazni nach Indien begleitete, beschreibt in seinen Werken Kitab Tarich al-Hind (persisch تحقیق ماللهند, ‚Indienforschung‘; persisch التفهیم لاوایل صناعة التنجیم, Kitab al-Tafhim li-Awa’il Sina`at al-Tandjim, verfasst 1029)[13] die „Gebiete der Afghanen“ zwischen Multan bis zu der Suleiman-Gebirgskette südlich vom Hindukusch.

Auch im Kitāb al-Yamīnī (Büch über Yamin) von Abū Naṣr al-ʿUtbī, einer 1020 fertiggestellten Biographie von Mahmud von Ghazni (dessen Beiname Yamīn ad-Daula, rechte Hand des Reiches, lautete)[14] wurde die Bezeichnung Afghan in Zusammenhang mit dem ursprünglichen Siedlungsgebiet der Paschtunen z. B. im heutigen Wazirestan und Khyber Pakhtunkhwa, heute Provinz von Pakistan, gebraucht.

Dschamal ad-Din al-Afghani liefert in seinem auf Arabisch verfassten Tatimmat al-Bayān fi Tarikh al Afghan (تتمة البيان في تاريخ الأفغان; dt. Einige Folgeaussagen über die Geschichte der Afghanen) eine Erklärung, warum die Paschtunen als Afghan bezeichnet wurde.[15]

Hamidullah Qeyam übersetzte einige Sätze von Al Afghani ins Englische folgendermaßen:

„In addition, Sayed Jamaluddin Afghani (1897), a great Afghan scholar, historian and political activist, in his book “Tetimmetu’l Beyan fi Tarikhi Afghan” discusses the history and the meaning of the term „Afghan“. He says, „Persians used to call them ’Afghan‘ and the reason was they were shouting and whining when they were captured by ’Bakht Nasr‘“. In Persian, ’Afghan‘ means to shout or to whine, and ordinary Persian (Farsiwans) call them „Awghan” (Afghani, 1901. p.13). In another place of this book, Afghani states that the language of the Afghans is called Pashto (Afghani, 1901. p.19).[16]

Al Afghani schreibt weiter über die Stämme der Afghanen bzw. Paschtunen in seinem Werk:

„Indians call them “Pathan”, some pashtun tribes who live in Kandahar call themselves “Pashtun” or “Pashtan”… and Afghans who live in Khowst, Karam and Bajour call themselves “Pakhu” or “Pakhtan”. […] these people are a combination of different tribes which are “Ghiljai”, “Abdul”, “Kakar”, “Duzbri”, “Yousufzai”, “Mohmand”, “Afridi”, “Bangash” and other branches who call themselves after the place they live in, like “Khosti”, “Karami” and “Bajouri”.“[17]

Afghan und Afghanetz als Bezeichnungen für Staubstürme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Afghan findet sich als Bezeichnung für einen heißen, staubigen Wind u. a. synonym zur russischen Bezeichnung russisch sukhovei (im Plural). Dabei handelt es sich um einen Ostwind besonders in den Steppen Südrusslands, den Halbwüsten und Wüsten in Kasachstan und der Aralo-Kaspischen Niederung. Dieses Windphänomen ähnelt dem ägyptischen Khamsin und dem nordafrikanischen und sizilianischen Scirocco.[18]

Des Weiteren ist Afghanetz eine russische Bezeichnung für ein lokales Windphänomen. Diesem Afghanetz entspricht der ‚Drei-Monate-Wind‘ (weil von Mai/Juni bis August/September dauernd) bzw. ‚120 Tage-Wind‘, pers. Bad-i-sad-o-bistroz (persisch باد صد و بیست روزه). Dabei handelt es sich um einen heißen, kontinentalen Wind aus den Steppen Turkmenistans, der nach Afghanistan zieht und starke Staubstürme mit sich führt. Beim Aufstieg an den iranisch-afghanischen Gebirgen kühlt er etwas ab und erwärmt sich dann wieder auf seinem Weg gen Süden. In den südwestlichen Beckenlandschaften sorgt er schließlich für Höchsttemperaturen von über 50 °C.[19]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(über Afghan, Paschtun, Pathan)

  • Said Jamaludin Al Afghani: Tatimmat al-bayan fi tarikh al-Afghan. Ägypten 1901.
  • Barbara A. West: Encyclopedia of the Peoples of Asia and Oceania. New York, 1967.
  • C. Heather Bleaney: María Ángeles Gallego, Afghanistan: A Bibliography. Leiden/Niederlande, 2006.
  • Juan Eduardo Campo: Encyclopedia of Islam. Erstausgabe NY/USA 1950, 2. Aufl. NY/USA 2009.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. z. B. Francis Joseph Steingass: A comprehensive persian-english dictionary. Routledge & Kegan Paul, London 5. A. 1963, S. 84 s.v. افغان: “lamentation, groaning, cries for help”. Manoochehr Aryanpur-Kashani: The concise persian-english dictionary, Amir Kabir Publication, Teheran 1996, 29 s.v. افغان: “groan. groaning. wail(ing). lamentation”.
  2. Suchergebnis auf http://ganjoor.net/saadi/.
  3. Suchergebnis auf http://ganjoor.net/moulavi/.
  4. Suchergebnis auf http://ganjoor.net/hafez/.
  5. Die Begriffe afghān (persisch افغان) und feghān (persisch فغان) wurden von Friedrich Rückert und hier von Joseph von Hammer-Purgstall ebenfalls mit ‚Wehklage, Jammer‘ usw. übersetzt, vgl. Gedichte in Der Diwan of Hafis.
  6. Said Jamaludin Al Afghani: Tatimmat al-bayan fi tarikh al-Afghan. Ägypten 1901, S. 13.
  7. Barbara A. West: Encyclopedia of the Peoples of Asia and Oceania. New York, 1967, S. 646.
  8. Juan Eduardo Campo: Encyclopedia of Islam. Erstausgabe NY/USA, 1950; 2. Aufl. NY/USA 2009, S. 15.
  9. C. Heather Bleaney,María Ángeles Gallego: Afghanistan: A Bibliography. Leiden Niederlande, 2006.
  10. Vgl. Georg Valentin von Munthe af Morgenstierne: Artikel Afghān. In: Encyclopaedia of Islam, 2. A., Bd. 2 (1986), 216-221, hier 216.
  11. Vgl. G. Morgenstierne: Artikel Afghān, hier 217.
  12. V. Minorsky (Hrsg.): Hudud al-Alam. In: The regions of the world: a Persian geography, 372 A.H. – 982 A.D. übers. ud. komm. V. Minorsky, London 1937; ‚Stämme von Afghanen‘ wurde vom englischen Übersetzer “the nation of the Afghans” übersetzt.
  13. http://digitaloccultmanuscripts.blogspot.com/2008/12/al-tafhim-li-awa-sina-al-tanjim.html.
  14. Vgl. zu Werk und Autor: Ali Anooshahr: ʿOTBI, Abu Naṣr Moḥammad b. ʿAbd-al-Jabbār. in: Encyclopædia Iranica. Das Werk liegt auch vor in englischer Übertragung der persischen Übersetzung des arabischen Ursprungstextes: The Kitab al-Yamini: Historical Memoirs of the Amir Sabaktagin, and the Sultan Mahmud of Ghazna, W.H. Allen, London 1858, Digitalisat bei archive.org.
  15. Said Jamaludin Al Afghani: Tatimmat al-bayan fi tarikh al-Afghan. Ägypten 1901, S. 13 ff; siehe auch Digitalisat bei archive.org.
  16. Hamidullah Qeyam: Ethnicization of Politics in Afghanistan. Degree for the Master of Arts in Sociology, University of Texas at Arlington, 2012, S. 15–16, 19.
  17. Afghani, 1901, S. 14.
  18. Vgl. dazu William A. Dando: Asia, Climates of Siberia, Central and East Asia. In: John E. Oliver (Hg.): Encyclopedia of world climatology. Springer, Dordrecht 2005, S. 102–115, hier 109 (einsehbar bei Google Books);
    Boris Lvovich Dzerdzeeskii (Hg.): Sukhoveis and drought control, engl. Übers. aus dem Russischen (Sukhovei ikh proiskhozhdenie i borba s nim, Moskau 1957), Israel Program for Scientific Translations, Jerusalem 1963, 101;
    Paul E. Lydolph: The russian sukhovey. In: Annals of the Association of American Geographers 54/3 (1964), 291–309 (Digitalisat bei jstor, auch einsehbar bei Google Books).
  19. Vgl. S.R. Hossenzadeh: One hundred and twenty days winds of Sistan. In: The Iranian Journal of Research in Geography 46 (1997), S. 103–127 (online, mondorf-wetter.de).