Alte Herren (Fußball)

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Alte Herren, kurz AH, bezeichnet die fortgeschrittene Altersklasse beim Fußball.

Der Begriff ist dem Sprachgebrauch bei Studentenverbindungen entlehnt, bei denen mit Alten Herren die Philister bezeichnet wurden. In der deutschen Frühzeit des Fußballsports, der insbesondere an den technischen Universitäten begann, wandten einige der Fußballanhänger korporationsstudentische Bräuche und Lieder auf den Fußballsport an. Die zumeist bürgerlichen Anhänger des aus England importierten Modesports distanzierten sich aber vom klassischen Verbindungsbetrieb.[1][2]

Definition[Bearbeiten]

In Deutschland gibt es keine einheitliche Regelung wann ein Fußballer zu den Alten Herren gehört. Im Sport allgemein werden männliche Spieler, die über 30 Jahre alt sind, als „Alte Herren“ apostrophiert. Die Alten Herren spielen in eigenen Ligen oder sie tragen nur noch Freundschaftsspiele aus. Im Vordergrund steht bei ihnen der Spaß und die Freude am Fußballsport. Gespielt wird nach den offiziellen Fußballregeln, allerdings werden einige Ausnahmen gemacht, so ist die Spielzeit in der Regel verkürzt. Die Anzahl der Auswechselspieler ist nicht begrenzt. Es darf auch „fliegend“ gewechselt werden. Das bedeutet, dass keine Spielunterbrechung abgewartet werden muss, um einen Spieler auszuwechseln. Auch darf ein Spieler, der ausgewechselt wurde, wieder eingewechselt werden.

Altersstufen[Bearbeiten]

Die Definition, ab welcher Altersstufe der Altherren-Fußball beginnt, ist in Deutschland unterschiedlich. In Baden-Württemberg und Rheinland Pfalz beginnt das Altherren-Fußballalter bereits mit 30 Jahren, in den meisten anderen Bundesländern fängt das Altherren-Fußballerdasein mit 32 Jahren an, in den Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg Vorpommern zählt man erst ab 35 Jahren zu den Altherren. Mittlerweile hat man auch die Alten Herren, ähnlich wie die Jugendmannschaften in Altersgruppen/-klassen eingeteilt. So gibt es Ü-32-Oldies, die in Bayern auch als A-Senioren geführt werden, Ü-35-Oldies, Ü-40-Oldies, in Bayern auch als C-Senioren im Spielbetrieb, Ü-45-Oldies, Ü-50-Oldies, in Bayern unter dem Pseudonym Ehrenliga im Spielbetrieb und Ü-55 und im Osten der Republik und da besonders in Berlin Ü-60-Senioren. Zudem gibt es in Hessen SoMa-Teams (Sondermannschaften), in der Altherren-Fußballer ab dem 32. Lebensjahr, ebenso wie jüngere Akteure spielen, die allerdings nicht jünger als 18 Jahre sein sollten. In diesen SoMas spielen meistens Akteure, die noch zu jung für die Alte Herren sind, oder die keine Lust mehr haben zwei- bis dreimal die Woche bei der ersten oder zweiten Mannschaft zu trainieren. Weiterhin können hier auch Spieler eingesetzt werden, die noch in der ersten und zweiten Mannschaft spielen, die aber für Pflichtspiele, durch einen Vereinswechsel noch nicht frei sind, aber für Freundschaftsspiele eingesetzt werden können.

Grund für die Altersstufen im Altherren-Fußball[Bearbeiten]

Das Leistungsvermögen der Ü-60-, Ü-50- und Ü-40-jährigen Spieler nimmt gegenüber den jüngeren Ü-30/Ü-32 deutlich ab. Vor allem körperlich lassen die Spieler nach. Schnelligkeit und Robustheit sinken. Aus diesem Grund ist es gerade für die Vereine interessant, ihren alten, aber auch neuen Mitgliedern möglichst gleichaltrige Konkurrenzen zu ermöglichen. Das oft gefürchtete „Hineingrätschen“ in Zweikämpfen ist untersagt. Feststehende Regeln gibt es jedoch nicht. Vielmehr sind die Regeln im Allgemeinen modifizierbar und befinden sich in einem laufenden Prozess der immer besser werdenden Anpassung. Auch in der Ü-40 kann daher guter Fußball gespielt werden, oft auf verkleinerten Spielfeldern. Das Interesse an dieser Altersklasse ist daher in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Für die Vereine birgt dies den Vorteil, dass eine Altersklasse, die in der Vergangenheit oft schwer für Sport zu motivieren war, dem Verein verbunden bleibt und gleichzeitig selber davon profitiert. Gespielt werden vornehmlich Turniere, der Ligabetrieb dagegen fällt weg, damit zugleich auch die regelmäßige Verpflichtung. Bei einer Altersklasse, die mitten im Beruf steht und zumeist Familie hat, wird dies als großer Vorteil wahrgenommen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Geschichte des Altherren-Fußballs in Deutschland begann kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Spieler, die aufgrund ihres Alters nicht mehr in den aktiven Mannschaften ihrer Vereine spielten, suchten sich ein neues sportliches Betätigungsfeld. Die Sportart wollten die meisten von ihnen nicht wechseln, also entschlossen sie sich zur Gründung von Altherren-Teams. TSV 1860 München, Kickers Offenbach, VfR Mannheim, RW Frankfurt, FK Pirmasens, Wuppertaler SV, SV 08 Laufenburg, SSV 05 Troisdorf und SC Arminia Ochtrup gehörten zu den Pionieren der Altherrenteams. Aus zunächst wenigen Oldieteams, die sich aus Spielern, die älter als 30 Jahre waren, rekrutierten, wurden im Laufe der Jahre gut organisierte Mannschaften. Zwar gab und gibt es auch heute noch in verschiedenen Landesverbänden des Deutschen Fußballbundes keinen organisierten Spielbetrieb in Form von Punktspielrunden, doch haben die meisten Teams einen Spielplan mit Freundschaftsspielen sowie Hallen- und Feldturnieren, der sich über das gesamte Jahr erstreckt.

1948 wurde erstmals in Bad Münster am Stein vom VfL Bad Münster am Stein das mittlerweile schon legendäre Altherren-Fußballturnier um den Rheingrafenschild ausgetragen. Altherren-Mannschaften aus dem gesamten Bundesgebiet trafen und treffen sich noch heute am zweiten Wochenende im Mai an der Nahe, um den Rheingrafenschild–Champion für Ü-32- und seit 1998 auch für Ü-50-Oldies zu ermitteln. Auch in den Regional- und Landesverbänden des DFBs wurde man sich der Bedeutung des Altherren-Fußballs immer bewusster, so dass bereits in allen Fußballverbänden Meisterschaften für Altherren-Mannschaften durchgeführt werden.

1971 startete der Württembergische Fußballverband die erste Senioren-Fußballmeisterschaft, einen Wettbewerb für Spieler über 30 Jahre. Dieser Wettbewerb hat sich – allerdings mit einer Pause zwischen 1977 und 1986, ausgelöst durch einen drastischen Rückgang der Teilnehmerzahlen - bis zum heutigen Zeitpunkt etabliert.

Regionale Meisterschaften oder Ausscheidungsturniere, wie der Wieninger Cup für Ü-32- und Ü-38-Teams im oberbayrischen Inn-Salzach Kreis, der Auer-Bräu-AH-Cup in der Region Rosenheim-Chiemgau, der Unertl-Cup im Kreis Mühldorf, der Regio-Cup Ü-35 und Ü-40 - ein sogar grenzübergreifendes AH Turnier, das Bruno Sahner, der Vorsitzende des Verbandsausschusses für Freizeit- und Breitensport des Südbadischen Fußballverbandes ins Leben gerufen hat und das der elsässische und südbadische Fußballverband gemeinsam ausrichten, der Pott’s Cup im Fußballkreis Warendorf in Westfalen sowie etliche andere AH- und Traditionsmannschaftsturniere, wie der das Traditionsmannschaftsturnier des FC Augsburg und viele andere Wettbewerbe dieser Art komplettieren diese Aktivitäten. Zudem gibt es in den Landesverbänden Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Niedersachsen, Hessen, Saarland, Südwest/Pfalz, Württemberg und Bayern bereits organisierten Spielbetrieb in Form von AH-Ligen.

Alte Damen[Bearbeiten]

Analog zu den Alten Herren werden ältere Fußballspielerinnen als Alte Damen, kurz AD, bezeichnet.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Christiane Eisenberg: Fußball in Deutschland 1890-1914. Ein Gesellschaftsspiel für bürgerliche Mittelschichten. In: Geschichte und Gesellschaft, 20. Jg., Heft 2/1994, S. 184ff
  2. Mit falschem Bart halbrechts Als sich das unverkrampfte Bürgertum im Abseits siezte: O wonnevolles Fußballspiel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. Juni 1994, Nr. 142, S. N5 Geisteswissenschaften

Weblinks[Bearbeiten]