António Costa

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Politiker António Costa. Zu anderen Personen siehe Antonio Costa.
Premierminister der Portugiesischen Republik
Wappen Portugals
Wappen Portugals
Standarte des Premierministers
Standarte des Premierministers
Amtierender Premierminister
António Costa
seit dem 26. November 2015
Amtssitz Residência Oficial do
Primeiro-Ministro
Amtszeit 4 Jahre (Wiederwahl möglich)
Schaffung des Amtes 24. September 1834
Letzte Wahl 4. Oktober 2015
Anrede Seine Exzellenz
Webseite www.portugal.gov.pt
António Costa (2014)

António Luís Santos da Costa [ɐn'tɔnju ɫu'iʒ‿ʃɐ̃tuʃ kɔʃtɐ] (* 17. Juli 1961 in Lissabon, Portugal), ist ein portugiesischer Jurist und Politiker. Er ist gegenwärtig (2016) Generalsekretär der Sozialistischen Partei. Von 2007 bis 2015 war er Oberbürgermeister der portugiesischen Hauptstadt Lissabon. Bereits zuvor hatte er Ministerien in verschiedenen Regierungen geleitet, zuletzt im Kabinett des Sozialisten José Sócrates. Am 24. November 2015 wurde er von Staatspräsident Cavaco Silva mit der Regierungsbildung beauftragt.[1] Seit dem 26. November 2015 ist er als Premierminister im Amt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Familie von António Costa entstammt väterlicherseits Goa-Katholiken, zum Katholizismus übergetretenen Mitgliedern indischer Brahmanen aus der Stadt Margao im indischen Bundesstaat Goa, der während mehrerer Jahrhunderte eine Kolonie Portugals war. Der Vater von António Costa war der bekannte Schriftsteller und Politiker Orlando da Costa. António Costa ist seit seiner Jugend Mitglied in der Sozialistischen Partei (PS). Er studierte Jura an der juristischen Fakultät der Universität Lissabon. Sein Praktikum absolvierte er im Büro Jorge Sampaios, der später Staatspräsident wurde. Danach erwarb er eine Postgraduierung in europäischem Recht an der Katholischen Universität Lissabon. Von 1982 bis 1984 war er Vorsitzender der Vereinigung der Jurastudenten der Lissabonner Universität (Associação Académica da Faculdade de Direito de Lisboa, AAFDL), 1986/87 leitete er die Redaktion der Zeitung der AAFDL.[2]

Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seinem Studium war er hauptsächlich als Anwalt tätig. Nebenbei engagierte er sich in der Sozialistischen Partei. Zwischen 1982 und 1993 war er Mitglied der Lissabonner Stadtversammlung und zwischen 1991 und 1995 Mitglied des portugiesischen Parlaments (Assembleia da República). Durch sein stärkeres politischen Engagement nahm er auch weitere zusätzliche Aufgaben wahr. Zwischen 1993 und 1995 hatte António Costa das Amt eines Stadtrats in Loures inne, zwischen 1995 und 1997 war er unter der Regierung des Sozialisten Guterres Staatssekretär im Ministerium für Parlamentsangelegenheiten. Ab November 1997 übernahm er dasselbe Ministerium und war gleichzeitig verantwortlich für die Expo 98 in Lissabon. Auch im zweiten Kabinett Guterres übernahm António Costa ein Ressort: zwischen 1999 und 2002 leitete er das Justizministerium.

Nach dem Ausscheiden der Sozialisten aus der Regierung übernahm António Costa zwischen 2002 und 2004 die Aufgaben des Fraktionsvorsitzenden der Sozialistischen Partei im portugiesischen Parlament. Im Juni 2004 wechselte er als Mitglied des Europäischen Parlaments für die Sozialdemokratische Partei Europas (SPE) ins Europaparlament und wurde dort einer von 14 Vizepräsidenten.

Nach dem erneuten Sieg der Sozialisten in den Parlamentswahlen 2005 berief ihn der neu gewählte Premier José Sócrates als einen der drei Staatsminister in seine Regierung, mit Zuständigkeit für das Ressort für innere Aufgaben. Im Gegenzug schied António Costa aus dem Europaparlament aus. Hauptinhalte seines Programms waren unter anderem die Bekämpfung des Terrorismus, der im Sommer üblichen Waldbrände sowie eine Verbesserung der Situation der Immigranten und der Verkehrssicherheit.[3]

Bürgermeister von Lissabon[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da im Mai 2007 der damalige Lissabonner Bürgermeister Carmona Rodrigues aufgrund einer Korruptionsaffäre zurücktreten musste, waren vorgezogene Kommunalwahlen nötig. Die Sozialistische Partei schlug den politikerfahrenen António Costa vor, der daraufhin als Innenminister zurücktrat, um den Wahlkampf zu führen. Sein Nachfolger als Innenminister wurde Rui Pereira. In der Wahl am 15. Juli 2007 wählten die Lissabonner António Costa mit einer relativen Mehrheit von 29,54 Prozent, die Wahlbeteiligung lag bei dem Negativrekord von 37,39 Prozent. Er gewann erstmals seit 31 Jahren eine Mehrheit für die Sozialistische Partei in allen 53 Gemeinden Lissabons.[4]

Costa gelang es auch bei den regulären Lokalwahlen 2009 mit 44 Prozent[5] wiedergewählt zu werden. 2013 siegt er erneut mit einer absoluten Mehrheit von 50,9 Prozent.[6] Am 1. April 2015 trat er von seinem Amt zurück um sich voll auf seine Tätigkeit als Generalsekretär der PS zu konzentrieren.[7]

Generalsekretär des PS[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 28. September 2014 wurde Antonio Costa in einem einmaligen Mitgliedervotum zum Spitzenkandidaten für die Parlamentswahl 2015 bestimmt. Er setzte sich gegen den damals amtierenden Generalsekretär António José Seguro durch. Anschließend wurde Costa auch Generalsekretär des PS..[8]

Premierminister Portugals[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Portugals Präsident Cavaco Silva beauftragte Costa am 24. November 2015 mit der Regierungsbildung. Damit löste Costa die Mitte-Rechts-Regierung von Pedro Passos Coelho ab, die bei der Parlamentswahl am 4. Oktober ihre Mehrheit verloren hatte. Costa hatte zuvor mit dem PS die Unterstützung einer Minderheitsregierung Passos Coelhos verweigert und dessen Wiederernennung zum Premierminister durch ein Misstrauensvotum mit den Stimmen der beiden anderen linken Parteien im Parlament gestoppt.[9] Costa bildete eine Minderheitsregierung, die von den anderen linken Parteien im Parlament, dem Linksblock und dem Bündnis aus Kommunisten und Grünen, gestützt wird. Mit diesen bestehen jeweils separate Tolerierungsabkommen.[10] Am 26. November 2015 wurde Costa als Premierminister gemeinsam mit seiner Regierung vereidigt.

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

António Costa ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: António Costa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. António Costa ist Portugals neuer Regierungschef, nzz.ch, abgerufen am 24. November 2015
  2. António Costa, um político para além da cor da pele, Público Online, 24. November 2014
  3. Programm des Innenministeriums (Memento vom 27. Oktober 2007 im Internet Archive)
  4. António Costa vence eleições com 29,5 por cento dos votos, [António Costa gewinnt die Wahlen mit 29,5 Prozent], Público, 15. Juli 2007
  5. Rui Gaudêncio: António Costa vence em Lisboa, Rui Rio vence no Porto. In: Público. 11. Oktober 2009, abgerufen am 28. Mai 2014 (portugiesisch).
  6. Inês Boaventura: Costa reclama “melhores resultados alguma vez alcançados por um partido” nas autárquicas em Lisboa. In: Público. 30. September 2013, abgerufen am 28. Mai 2014 (portugiesisch).
  7. António Costa vai receber salário do PS. observador.pt. vom 1. April 2015 (pt)
  8. Portugals Sozialisten setzen auf Costa. kul-magazin.li. vom 29. September 2014
  9. António Costa ist Portugals neuer Regierungschef, nzz.ch, abgerufen am 24. November 2015
  10. Tilo Wagner: Sozialistische Regierung vereidigt. Deutschlandfunk (online), 27. November 2015, abgerufen am 5. Dezember 2015.
Vorgänger Amt Nachfolger
Pedro Passos Coelho Premierminister von Portugal
seit 26. November 2015
noch nicht bestimmt