Augustusbogen (Fano)

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Der Augustusbogen in Fano
Der Augustusbogen auf einem Relief von Bernardino di Pietro da Carona aus dem Jahr 1512/13 an der Kirche San Michele in Fano

Der Augustusbogen (Arco di Augusto) in Fano ist ein dreitoriger Ehrenbogen, der im Jahr 9 n. Chr. zu Ehren von Kaiser Augustus errichtet wurde. Er stellt den Zugang der Via Flaminia zur antiken Stadt Fanum Fortunae dar. Sie wurde unter Augustus als Veteranenkolonie unter dem Namen Colonia Iulia Fanestris eingerichtet und mit einer Stadtmauer versehen, wie die Inschrift des Bogens angibt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ehrenbogen wurde im Jahr 9 n. Chr. errichtet. Wahrscheinlich im Jahre 1463 wurde das mit Fenstern zwischen Halbsäulen gegliederte und von einer Gebälkzone abgeschlossene Obergeschoss des Triumphbogens während der Belagerung von Fano durch Federico da Montefeltro zerstört. Auch die einst den Bogen flankierenden U-förmigen Türme der augusteischen Bauphase wurden in diesem Zusammenhang schwer beschädigt und in den folgenden drei Jahrzehnten abgetragen. Eine im Jahr 1512/13 und somit rund fünfzig Jahre nach Zerstörung des Bogens angefertigte Darstellung des Augustusbogens mit Obergeschoss aus der Hand des Architekten und Bildhauers Bernardino di Pietro da Carona (etwa 1470–1515) befindet sich als großformatiges Relief an der Wand der benachbarten Kirche San Michele. Für deren 1504 abgeschlossene Errichtung wurde in einem beträchtlichen Umfang auf das Baumaterial des zerstörten Bogens zurückgegriffen.[1]

Inschrift[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der stadtauswärts gelegenen Seite des Ehrenbogens war folgende Widmungsinschrift angebracht, von der aber nur noch die beiden mittleren, auf die augusteische Widmung zurückgehenden Zeilen der Frieszone und die letzte Zeile auf dem Architrav erhalten sind. Letztere zeugt von einer Umwidmung des Bogens an den bereits verstorbenen Konstantin den Großen aus der Zeit nach 337 n. Chr. Dessen Name war in einer aus Zeichnungen bekannten ersten Zeile auf dem Gebälk des Obergeschosses genannt, von der lediglich ein einzelner Inschriftenstein mit dem Titel Augusto erhalten ist. Die erstmals von Cyriacus von Ancona im Jahr 1435 überlieferte Inschrift lautete insgesamt:[2]

Divo Augusto Pio Constantino patri dominorum
Imp(erator) Caesar(is) divi f(ilius) Augustus pontifex maximus co(n)s(ul) XIII tribunicia potest(ate) XXXII
imp(erator) XXVI pater patriae murum dedit
curante L(ucio) Turcio Secundo Aproniani praef(ecti) urb(i) fil(io) Asterio v(iro) c(larissimo) corr(ectori) Flam(inicae) et Piceni

Die Epigraphische Datenbank Heidelberg gibt die Zeilen 2 und 3 der Inschrift mit

Imp(erator) Caesar Divi f(ilius) Augustus pontifex maximus co(n)s(ul) XIII tribunicia potest(ate) XXX<V>II
imp(erator) XX{V}I pater patriae murum dedit

wieder und folgt hierin Marietta Horster bezüglich der Zählungen von tribunicia potestas und Imperatorenakklamation.[3] Horster vertritt aufgrund ihrer Lesung eine Datierung der Inschrift und des Bogens in das Jahr 14 n. Chr., da Augustus nur 21-mal die Akklamation angenommen hatte, die Angaben mithin nicht stimmig und vermutlich mit einer Restaurierung des 4. Jahrhunderts zu verbinden sind. Im Rahmen dieser Maßnahmen seien die vergoldeten Buchstaben augusteischer Zeit abgenommen und mit einem falsch positionierten V wieder angebracht worden. Die Angaben seien schlüssig nur durch eine entsprechende Korrektur zu lesen und verwiesen auf das letzte Regierungsjahr des Augustus.[4]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gunnar Brands: Der Augustusbogen von Fano und der Beginn der Architekturstudiums in der Renaissance. In: Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts. Band 103, 1988, S. 489–513 (online).
  • Marietta Horster: Bauinschriften römischer Kaiser. Untersuchungen zu Inschriftenpraxis und Bautätigkeit in Städten des westlichen Imperium Romanum in der Zeit des Prinzipats (= Historia Einzelschriften. Bd. 157). Steiner, Stuttgart 2001, ISBN 3-515-07951-3, S. 308–311, Nr. VI 2, 1.
  • Sandro De Maria: Gli archi onorari di Roma e dell’Italia romana. „L’Erma“ di Bretschneider, Rom 1988, S. 242 f. Nr. 21.
  • Valeria Purcaro: Osservazioni sulla Porta Augustea di Fano. In: Atti della Accademia Nazionale dei Lincei. Rendiconti. Serie 8, Band 37, 1982, S. 141–158.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Augustusbogen (Fano) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Giuseppi Castellani: La chiesa di San Michele in Fano e gli artisti che vi lavorarono. In: Studia Picena. Band 3, 1927, S. 147–182; Gunnar Brands: Der Augustusbogen von Fano und der Beginn der Architekturstudiums in der Renaissance. In: Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts. Band 103, 1988, S. 489–513, hier: S. 507–510.
  2. CIL 11, 6218.
  3. Inschrift in der Epigraphischen Datenbank Heidelberg.
  4. Marietta Horster: Bauinschriften römischer Kaiser. Untersuchungen zu Inschriftenpraxis und Bautätigkeit in Städten des westlichen Imperium Romanum in der Zeit des Prinzipats (= Historia Einzelschriften. Bd. 157). Steiner, Stuttgart 2001, ISBN 3-515-07951-3, S. 308–311, Nr. VI 2, 1, hier: S. 309 f.

Koordinaten: 43° 50′ 35″ N, 13° 0′ 52,5″ O