Hakenstil

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Als Hakenstil wird in der altdeutschen Verslehre die Inkongruenz von Langzeile und syntaktische Einheit genannt, bei der häufig die Satzschlüsse mit den Ende des ersten Halbverses übereinstimmen und der Abvers mit dem Anvers der folgenden Zeile oft eine syntaktischer Einheit bildet.

Der Begriff wurde von Eduard Sievers geprägt,[1] bei Andreas Heusler wird diese Form der Verschränkung Bogenstil genannt.[2]

Hakenstil erscheint sehr oft in Beowulf, Heliand und Hildebrandslied. Ein Beispiel aus dem Heliand[3]:

managoro mundboro.' | Thô hêt ine mahtig Crist
gangan imu tegegnes. | He uuarð garu sâno,
stôp af themu stamne | endi strîdiun geng
forð te is frôian. | Thiu flôd anthabde

In der modernen Dichtung wird auch von Hakenstil gesprochen, wenn Enjambements in einem Gedicht gehäuft auftreten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Siegfried Beyschlag: Zeilen- und Hakenstil: seine künstlerische Verwendung in der Nibelungenstrophe und im Hildebrandston. In: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur. Bd. 56 (1932), S. 225–313.
  • Dieter Burdorf, Christoph Fasbender, Burkhard Moennighoff (Hrsg.): Metzler Lexikon Literatur. Begriffe und Definitionen. 3. Auflage. Metzler, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-476-01612-6, S. 301.
  • Harald Haferland: Vermündlichte Schriftlichkeit und verschriftlichte Mündlichkeit: zu Funktion und Entstehung von Hakenstil und Variation in der Stabreimdichtung, am Beispiel des „Heliand“. In: Jahrbuch des Vereins für Niederdeutsche Sprachforschung. Bd. 129 (2006), S. 7–41.
  • Dietrich Hofmann: Stabstellung, Hakenstil und Verstypenwahl in den Langzeilen des Heliand: eine metrisch-statistische Studie. In: Jahrbuch des Vereins für Niederdeutsche Sprachforschung. Bd. 117 (1994), S. 7–23.
  • Otto Paul, Ingeborg Glier: Deutsche Metrik. 9. Auflage. Hueber, München 1974, S. 35 f.
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Kröner, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-520-84601-3, S. 324.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eduard Sievers: Altgermanische Metrik. Halle/S. 1893.
  2. Andreas Heusler: Deutsche Versgeschichte. Bd. 1. Berlin 1925.
  3. Heliand. V. 2938–2941.