Lokschuppen (Fürth)

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Der Lokschuppen mit Wohnanbau (links) im November 2015, von Süden gesehen

Der Lokschuppen in Fürth liegt in der Nähe der U-Bahn-Haltestelle Stadtgrenze und steht unter Denkmalschutz. Er ist das älteste Denkmal der Eisenbahngeschichte Mittelfrankens und einer der ältesten noch erhaltenen Lokschuppen Deutschlands.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorderseite des Lokschuppens 2007
Lokschuppen und Anbau (Hintergrund links mit Giebelseite zum Betrachter) 2007

Der Lokschuppen wurde um 1860 mit der Bahnstrecke Nürnberg–Würzburg oder eventuell – jedoch aufgrund des Abstandes zur Trasse weniger wahrscheinlich – schon 1844 ff. im Zuge der Ludwig-Süd-Nord-Bahn und im Zusammenhang mit der sogenannten „Fürther Kreuzung“ erbaut. Er wurde für das Unterstellen von Rangierlokomotiven der Staatseisenbahn genutzt und eventuell für die LEG – Phoenix und Adler II der Ludwigseisenbahn. Die Rangierlokomotiven dienten zunächst vermutlich für den Austausch von Wagen zwischen der Staatseisenbahn und der privaten Ludwigseisenbahn. Auf den beiden Gleisen konnten bis zu vier Rangierlokomotiven untergestellt werden. Jedes der Gleise war mit einer Grube für Wartungsarbeiten versehen. Es gab einen (teilweise noch heute erhaltenen) Wasserspeicher im Dachgeschoss, um die Loks mit Wasser versorgen zu können.[1]

Im Jahre 1911 wurden an der Kopfseite des Schuppens ein Wohn- und Werkstättenanbau und in der Nähe der Anfahrtseite eine Remise (Schuppen oder Feldschmiede) errichtet. Alle drei Gebäudeteile stehen unter der Aktennummer D-5-63-000-1595 unter Denkmalschutz, die amtliche Adresse lautet Karolinenstraße 91.[2][3]

Die Deutsche Bahn nutzte die Gebäude bis Ende der 1980er Jahre. Danach kam es zum Verfall, der laut der Unteren Denkmalschutzbehörde bei der Stadt Fürth auf die „jahrelange Vernachlässigung notwendiger Mindestmaßnahmen eines sachgerechten Bauunterhaltes“ zurückzuführen ist. Mitte der 1990er Jahre wurden die beiden Gleise, die zum Schuppen führten, abgebaut. 2002 ging der Lokschuppen in den Besitz des Immobilienentwicklers Aurelis über, der sich gegen jede Bestandssicherung des Gebäudes (auch gerichtlich) wehrte.[4]

Seit dem 12. Dezember 2010 fährt in unmittelbarer Nähe die S-Bahn Nürnberg (S 1) auf neu errichteten Gleisen vorbei.[5] 2012 erklärte sich das DB Museum Nürnberg bereit, den Lokschuppen nach einer Translozierung auf ihrem Freigelände aufzustellen, rückte jedoch 2014 von dieser Zusage wieder ab. Ende des Jahres 2015 verkaufte Aurelis den Lokschuppen an den Fürther Investor P & P,[4][6] der eine Nutzung und damit den Erhalt in Aussicht stellt.[7] Der Vorbesitzer Aurelis – vermutlich ist der Übergang notariell noch nicht abgeschlossen – stellte jedoch einen Abrissantrag, der im April 2016 zur Verhandlung kam und zunächst vertagt wurde.[8] Im November 2016 sagte der Firmenchef von P&P, Michael Peter, wiederum eine Sicherung und Sanierung des Gebäudes einschließlich der Remise zu, die Klage werde zurückgenommen.[9][10]

Bausubstanz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenraum mit beschädigtem Dach

Der Lokschuppen wurde aus Sandsteinblöcken mit zwei Gleisen, Wartungseinrichtungen für Dampflokomotiven und mit einem mit Bitumen gedeckten Dach mit Holzdachstuhl (Satteldach) errichtet.

Die beiden später ergänzten Gebäude (Wohngebäude und Remise) wurden in Ziegelbauweise ausgeführt und verputzt. Sie erhielten ein gedecktes Dach mit einem Dachstuhl aus Holz. Das Dach des Wohngebäudes wurde als Schopfwalmdach ausgeführt.[11]

Vor 2004 wurde das Dach des Lokschuppens durch einen Brand schwer beschädigt. Das Gebäude ist vom Abriss oder Abgang bedroht.[4]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lokschuppen (Fürth) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alexander Mayer: Zu Wasser, zu Lande und in der Luft. Sutton, Erfurt 2010, ISBN 978-3-86680-594-1, S. 59 ff.
  • Fürther Geschichtswerkstatt (Jörg Schäfer, Werner Schmidt, Lothar Berthold): Eisenbahnstadt Fürth. Fürth 2007. ISBN 3-927347-66-3. S. 16 f., 22.
  • Wolfgang Mück: Deutschlands erste Eisenbahn mit Dampfkraft. Die königlich private Ludwigs-Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth. Hrsg.: Verein für Heimatforschung "Alt-Fürth" (= Fürther Beiträge zur Geschichts- und Heimatkunde. Band 3). Spindler und Verein, Nürnberg und Fürth 1985, DNB 860658317, S. 210 ff.
  • Hans-Peter Schäfer: Die Anfänge der fränkischen Eisenbahn. Würzburg 1985, ISBN 3-8003-0257-8, S. 41 ff.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mayer: Zu Wasser, zu Lande und in der Luft. 2010. S. 63.
  2. Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege: Baudenkmäler in Fürth auf geodaten.bayern.de, abgerufen am 3. Dezember 2015
  3. Nordbayern.de vom 12. März 2011: Einzigartiges Bahndenkmal verfällt.
  4. a b c Alexander Mayer: Wie die Rettung des Lokschuppens versemmelt wurde. In: Fürther Freiheit vom 6. November 2015.
  5. Nahverkehr-franken.de, Abruf 24. November 2015.
  6. Nordbayern.de vom 12. März 2011: Einzigartiges Bahndenkmal verfällt
  7. Nordbayern.de vom 5. Dezember 2015: Stadt Fürth will mit P & P riesige Brachfläche entwickeln.
  8. Fürth: Tauziehen um historischen Lokschuppen vor Gericht. Nordbayern.de vom 5. Mai 2016
  9. Johannes Alles: Bahn frei: der Lokschuppen wird gerettet. In: Fürther Nachrichten vom 12. November 2016, S. 33 und Nordbayern.de vom 14. November 2016 (gleicher Text).
  10. Johannes Alles: Aurelis nimmt Klage zurück. In: Fürther Nachrichten vom 12. November 2016, S. 33.
  11. Eintrag im bayerischen Denkmalatlas.

Koordinaten: 49° 27′ 56,3″ N, 11° 0′ 34,3″ O