Petrarca-Sonett

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Illuminierte Handschrift mit dem ersten Sonett des Canzoniere von Petrarca

Als Petrarca-Sonett oder italienisches Sonett bezeichnet man die klassische, auf Francesco Petrarca zurückgehende Form des italienischen Sonetts, insbesondere im Unterschied zum Shakespeare-Sonett. Es besteht aus zwei Quartetten (it. quartine, Vierzeilern) und zwei Terzetten (it. terzine, Dreizeilern) mit dem Reimschema

abba abba cdc dcd

mit umschließendem Reim in den Quartetten und Terzinenreim in den Terzetten oder mit Kreuzreim in den Quartetten und Dreierreim in den Terzetten

abab abab cde cde

oder ähnlich. Kennzeichnend ist, dass höchstens fünf Reime verwendet werden (im Unterschied zu Shakespeare-Sonett) und in den Terzetten kein Paarreim vorkommt (im Unterschied zum Ronsard-Sonett). Das Versmaß ist in der italienischen Dichtung meist der Endecasillabo (Elfsilbler).

Das erste Sonett in Petrarcas Canzoniere[1] lautet:

Voi ch’ascoltate in rime sparse il suono
di quei sospiri ond’io nudriva ’l core
in sul mio primo giovenile errore
quand’era in parte altr’uom da quel ch’i’ sono,

del vario stile in ch’io piango et ragiono
fra le vane speranze e ’l van dolore,
ove sia chi per prova intenda amore,
spero trovar pietà, nonché perdono.

Ma ben veggio or sì come al popol tutto
favola fui gran tempo, onde sovente
di me medesmo meco mi vergogno;

et del mio vaneggiar vergogna è ’l frutto,
e ’l pentersi, e ’l conoscer chiaramente
che quanto piace al mondo è breve sogno.

Als deutsches Beispiel für die Form das selbstbezügliche Gedicht Das Sonett von August Wilhelm Schlegel[2] (mit dem Reimschema abba abba cde dce):

Zwei Reime heiß' ich viermal kehren wieder,
Und stelle sie, getheilt, in gleiche Reihen,
Daß hier und dort zwei eingefaßt von zweien
Im Doppelchore schweben auf und nieder.

Dann schlingt des Gleichlauts Kette durch zwei Glieder
Sich freier wechselnd, jegliches von dreien.
In solcher Ordnung, solcher Zahl gedeihen
Die zartesten und stolzesten der Lieder.

Den werd' ich nie mit meinen Zeilen kränzen,
Dem eitle Spielerei mein Wesen dünket,
Und Eigensinn die künstlichen Gesetze.

Doch, wem in mir geheimer Zauber winket,
Dem leih' ich Hoheit, Füll' in engen Gränzen.
Und reines Ebenmaß der Gegensätze.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gianfranco Contini (Hrsg.): '„Il Canzoniere“ di Francesco Petrarca. Edizione Einaudi, 1964, online.
  2. August Wilhelm von Schlegel: Sämtliche Werke. Band 1, Leipzig 1846, S. 303, online.