Sekundärbahn Erlangen–Gräfenberg

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Erlangen–Gräfenberg
Lokschuppen in Eschenau
Lokschuppen in Eschenau
Kursbuchstrecke:414f
Streckenlänge:28,1 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Strecke – geradeaus
von Bamberg (Nürnberg–Bamberg)
Bahnhof, Station
0,0 Erlangen 278 m
   
nach Nürnberg Hbf (Nürnberg–Bamberg)
   
2,4 Erlangen-Zollhaus
   
4,8 Buckenhof
   
Schwabach
   
5,6 Spardorf
   
6,7 Uttenreuth
   
8,5 Weiher
   
10,0 Dormitz
   
12,3 Neunkirchen am Brand
   
14,8 Kleinsendelbach
   
15,6 Steinbach bei Brand
   
Schwabach
   
17,4 Brand (Mittelfr)
   
von Nürnberg Nordost (Gräfenbergbahn)
Bahnhof, Station
19,0 Eschenau (Mittelfr) 340 m
   
19,4 Anst Miele-Werk
Brücke (mittel)
19,6 B 2 (seit 2008)
Bahnübergang
21,0 B 2
Haltepunkt, Haltestelle
21,4 Forth (Bf bis 1984) (324 m)
Brücke (mittel)
21,7 B 2
Haltepunkt, Haltestelle
23,6 Rüsselbach
Haltepunkt, Haltestelle
24,9 Igensdorf (Bf bis 1984) (335 m)
Haltepunkt, Haltestelle
26,5 Weißenohe
Kopfbahnhof – Streckenende
28,0 Gräfenberg (388 m)
Endbahnhof Gräfenberg, 1987

Die Sekundärbahn Erlangen–Gräfenberg verlief in Bayern von Erlangen über Neunkirchen am Brand und Eschenau nach Gräfenberg. Hiervon ist heute der Abschnitt Eschenau–Gräfenberg als Teil der Gräfenbergbahn in Betrieb.

Der in der Bevölkerung verwendete Kosename (Seku oder liebevoll Seekuh) für die Bahn erklärt sich durch folgende Anekdote: Der Maler, der an der Bahnhofswirtschaft den Schriftzug „Restauration zur Sekundärbahn“ anbringen sollte, wurde abends nicht ganz fertig und so stand über ein Wochenende „Restauration zur Seku…“ am Haus. Vorbeikommende Studenten machten sich über das Fragment lustig und sorgten für eine rasche Verbreitung des neuen Spitznamens.

Die Besonderheit der Verbindung lag in ihrer Streckenführung, die nicht wie sonst bei Vollbahnen üblich, auf eigener Trasse, sondern auf oder direkt neben der Straße erfolgte. Die Gleise führten mitten durch das Stadtgebiet von Erlangen und durch teils sehr enge Ortsdurchfahrten. Lediglich in Neunkirchen am Brand war dies wegen des eng bebauten alte Ortskern mit seiner Stadtbefestigung nicht möglich.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Gräfenberg versuchte schon seit 1873, in die Linienführung der Strecke Nürnberg–Bayreuth einbezogen zu werden, was aber wegen der Mehrkosten scheiterte. Im Jahr 1882 beschloss der bayerische Landtag das Sekundärbahngesetz, das die Voraussetzung für den Bau der Bahn schuf. Der Baubeginn erfolgte 1885. Der erste Probezug fuhr am 8. November 1886, feierliche Eröffnung war am 17. November 1886.

Der Bahnbau erfolgte aus Kostengründen größtenteils auf oder neben der Straße und führte mitten durch mehrere Orte. Eingesetzt wurden Lokomotiven der bayrischen Baureihe D VII. Die Bahn etablierte sich und erwirtschaftete in den ersten Jahren Überschüsse. Mit dem Bau der Gräfenbergbahn von Nürnberg-Nordost nach Eschenau 1908 liefen die Züge von Gräfenberg nach Nürnberg-Nordost durch, Fahrgäste von Erlangen nach Gräfenberg mussten in Eschenau umsteigen.

1932 wurden erstmals Triebwagen eingesetzt, die wieder bis Gräfenberg durchliefen. Die Fahrzeit von Erlangen nach Eschenau konnte in den 1930er Jahren zunächst von 85 auf 60 Minuten verkürzt werden. Täglich verkehrten sechs, sonntags sieben Zugpaare.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor die „Seku“ mit dem Aufkommen des Autoverkehrs an Bedeutung, nicht zuletzt da sie an Vorfahrtsstraßen anhalten musste. Nach den immer häufiger werdenden Unfällen war die Höchstgeschwindigkeit per Gerichtsbeschluss schließlich auf 15 km/h festgelegt worden.

Am 1. Mai 1961 wurde der Abschnitt von Neunkirchen am Brand nach Eschenau für den Gesamtverkehr stillgelegt. Am 17. Februar 1963 fuhr der letzte Personenzug auf der restlichen Strecke. Obwohl der Landkreis den Fortbestand gefordert hatte, hatte das Bundesverkehrsministerium die Stilllegung beschlossen. Der letzte Güterzug verkehrte am 31. Dezember 1963. Die Strecke bis Eschenau wurde bald darauf abgebaut.

Omnibusverkehr als Nachfolger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Nachfolge der „Seku“ trat eine Omnibuslinie vom Bahnhof Erlangen nach Eschenau an, wo Anschluss an die Gräfenbergbahn besteht. Die frühere Bahnbus-Verbindung wird heute vom Omnibusverkehr Franken als Linie 209 betrieben und unterliegt dem Verbundtarif des Verkehrsverbundes Großraum Nürnberg.

Spuren der „Seku“ heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute noch ist beim genaueren Hinsehen die eine oder andere Spur der früheren Sekundärbahn-Strecke ausfindig zu machen:

  • ein breiter, heute begrünter Mittelstreifen in der Werner-von-Siemens-Straße in Erlangen
  • zum Wohnhaus umgebautes, ehemaliges Bahnhofsgebäude in Uttenreuth gegenüber der Metzgerei/Gasthaus Fürsattel
  • Verbindungsstraße zwischen Uttenreuth und Weiher auf ehemaligem Bahndamm (Radweg ist die ehemalige Straße)
  • weitgehend originalgetreu restauriertes, früheres Bahnhofsgebäude in Neunkirchen am Brand
  • Radweg zwischen Neunkirchen und Kleinsendelbach auf der früheren Bahntrasse
  • ehemaliger Güterschuppen in Steinbach; heute befindet sich das „Sozialkaufhaus Erlangen-Höchstadt“ an der Stelle des früheren Haltepunkts
  • am Ortsende von Brand Richtung Eschenau ist links ein Damm zu sehen, der von der Hauptstraße abzweigt. Auf diesem Damm verließen früher die Gleise der „Seku“ die Straße und verliefen in einer Linkskurve weiter in Richtung Bahnhof Eschenau
  • der restaurierte Lokschuppen in Eschenau

Stadt-Umland-Bahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit den 1990er Jahren gibt es Planungen für eine als Stadt-Umland-Bahn Erlangen bezeichnete Stadtbahn für den Raum Erlangen. Dabei würde der Ostast der Ost-West-Strecke von Herzogenaurach nach Neunkirchen am Brand (bzw. Uttenreuth) einem Teilstück der alten Seku-Route folgen. Dieser Teil des Gesamtprojektes entfiel jedoch nach einem Bürgerentscheid des Landkreises Erlangen-Höchstadt im April 2015[1].

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Günther Klebes /Kliesch-Brandes, Friedemann, Die Seekuh. Die Geschichte der Lokalbahn von Erlangen nach Gräfenberg, Junge & Sohn, Erlangen 1989, ISBN 3-87388-014-8 (1. Auflage) bzw. ISBN 3-87388-015-6 (2., überarbeitete Auflage)
  • Günther Klebes: Die Seekuh – Sekundärbahn Erlangen–Gräfenberg, Eisenbahn-Kurier-Verlag, Freiburg 1978, ISBN 3-88255-852-0
  • Amtliches Kursbuch, Sommer 1949, Freiburg 1984 (Repr.), ISBN 3-88255-949-7

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mehrheit stellt sich gegen StUB, kommt jetzt die L-Lösung? Online Ausgabe der Erlanger Nachrichten vom 19. April 2015