Schliff (Schneide)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Wate)
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Skalpellklinge mit sichtbarer Fase

Der Schliff ist die durch Schleifen bzw. Nachschärfen erzeugte Form der Schneide einer Klinge bzw. eines Schneidteils. Der Schliff bestimmt wesentlich die Schneideigenschaften der Schneide.[1]

Die verschiedenen Teile der Klinge werden im fachlichen Fachgebrauch nicht einheitlich benannt. So werden für die geschliffene Fläche die Begriffe Schneide, Fase, Facette und Wate oft synonym verwendet.[2][3][4]

Eine Schneide umfasst aufeinander zulaufende Flächen die sich an der Schneidekante treffen. Geschliffene Flächen werden dabei Fasen genannt. Die Schneidkante kann dabei das Zusammentreffen zweier Fasen (beidseitiger Schliff) oder einer Fase mit der Klingenrückseite (einseitiger Schliff) sein. Die Formen der Fasen sind dabei flach bzw. gerade, hohl bzw. konkav oder ballig bzw. konvex.[3][5][2][6] Pro Seite kann es auch mehrere Fasen mit unterschiedlichen Winkeln geben so z. B. Primär- und Sekundärfase. Vielfach ist die sekundäre Fase sehr schmal und wird daher Mikrofase genannt.[6][7] Dadurch verliert die Schneide etwas an Schärfe, nutzt sich aber nicht so schnell ab.[8] Es muss nicht viel Material zum Schärfen abgetragen werden, aber es ist schwierig ohne Werkzeug den korrekten Winkel der Mikrofase nachzuschärfen.[9]

Die meisten Schneidteile von Zerspanungswerkzeugen sind asymmetrisch, z. b. das Hobeleisen. Das Schneidteil wir in der Regel schräg zum Werkstück geführt. [10] Auch manche Messer haben eine asymmetrische Schneide. Die zwei unterschiedlichen Seiten der Schneide bieten dem Schneidgut unterschiedlichen Widerstand. Gegenüber symmetrischen Messern ergibt sich dabei ein Nachteil, da das Messer zur einen Seite zieht, was es schwieriger macht einen geraden Schnitt zu machen.[11]

Messer und Werkzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grinds.png
  • Symmetrisch
  1. Beidseitiger voller Flachschliff, auch Keilschliff bzw. konischer Schliff genannt,[12] mit Sekundärfase: Der Schliff beginnt am Rücken der Klinge oder kurz unterhalb davon und führt in einem flachen Winkel bis zur Sekundärfase. Vielfach verwendet bei Küchen- oder Jagdmessern.[13]
  2. Beidseitiger hoher Flachschliff mit Sekundärfase, auch Säbelschliff genannt: Ähnlich wie der volle Flachschliff, im Unterschied setzt der hohe Flachschliff etwa im ersten Drittel der Klingenbreite ein.[13] Dadurch ist das Material am Klingenrücken breiter, was die Klinge schwerer und verwindungssteifer macht.[11]
  3. Skandinavischer Schliff: Wie beidseitiger voller und hoher Flachschliff, setzt aber noch tiefer an, etwas im letzten Drittel der Klinge.[13] Außerdem hat der skandinavischer Schliff keine Sekundärfase. Er kann deshalb leicht geschärft werden, da die große Primärfase flach auf Schleifstein zu legen ist und so der Winkel einfacher beibehalten wird.[11]
  4. Hohlschliff: Der Hohlschliff hat eine sehr schmale Schneide. Vorteil ist die extrem scharfe Schneide, welche sich auch relativ einfach nachschärfen lässt. Nachteil ist eine geringe Stabilität der Klinge; diesem wirkt oft ein breiter Klingenrücken entgegen. Der Schliff ist nur für Klingen zum Schneiden geeignet denn beim Hacken oder Hebeln kann die dünne Schneide zerstört werden.[12]
  5. Ballenschliff: Der Ballenschliff ist sehr widerstandsfähig und wird deshalb für Äxte, Beile und Haumesser verwendet.[12]
  • Asymmetrisch
  1. Einseitiger Flachschliff bzw. Meißelschliff: Nur auf einer Seite geschliffen, dadurch wird eine hohe Schärfe erreicht.[14]
  2. Eine Seite konvex, andere Seite flachschliff: Kombiniert die Haltbarkeit des konvexen Schliffs, mit der Einfachheit des Nachschärfens des Flachschliffs.[8]
  3. Asymmetrischer Flachschliff: Beständiger als Meißelschliff, jedoch nicht so scharf.[8]
  4. Eine Seite konkav (Hohlschliff), andere Seite flachschliff: Verwendet bei japanischen Küchenmessern.[8]

Trennzangen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schneide ohne und mit Wate

Bei Trennzangen wie Seitenschneider erhöht ein beidseitiger Schliff, in der Regel ein asymmetrischer Flachschliff mit einer Mikrofase, die Haltbarkeit und damit die Lebensdauer der Schneide.[15]

Watenfreie Seitenschneider können nur für relativ dünne und weiche Objekte verwendet werden, erzeugen dafür aber auf der watenfreien Seite einen geraden Schnitt. Sie sind vor allem in Bereichen beliebt, in denen ein Schnitt ohne Krafteinwirkung auf das Schneidobjekt gewünscht ist, z. B.:[16][17]

  • für das Abschneiden von Bauteilanschlüssen in Lötverbindungen. So wird verhindert, dass die weiche Lötverbindung beschädigt und zur kalten Lötstelle wird.
  • für Hautzangen. So wird vermieden, dass Haut an der Schnittkante verdrängt wird.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ron Hock: Handbuch Schärfen: Grundlagen, Ausrüstung, Anwendung, Verlag HolzWerken, 2018 ISBN 9783866305304, S. 9 [1]
  2. a b Hans Stüdemann: Entwicklung eines Verfahrens zur zahlenmäßigen Bestimmung der Schneideigenschaften von Messerklingen, Springer-Verlag, 1956, ISBN 9783663048046, S. 6–8 [2]
  3. a b Drew Langsner: Das große Buch vom Stuhlbau: Ein Kompendium des Holzhandwerks; Verlag HolzWerken, 2006; ISBN 9783878705758, S. 38–39 [3]
  4. Maria Mulisch, Ulrich Welsch (Hrsg.): Romeis - Mikroskopische Technik , Ausgabe 18, Springer Spektrum, 2010, ISBN 9783827422545, S. 121[4]
  5. Georg Eisner: Augenchirurgie: Einführung in die operative Technik, Springer-Verlag, 2013, 9783642964138 S. 23 [5]
  6. a b Vic Tesolin: Einfach Holzwerken!: Die wichtigsten Handwerkzeuge und clevere Projekte für die kleine Werkstatt, Verlag HolzWerken, 2017, ISBN, 9783866305434 S. 46 [6]
  7. W. Ferdinand Klingelnberg: Klingelnberg Technisches Hilfsbuch, Springer-Verlag, 1967, ISBN 9783642883675, S. 58 [7]
  8. a b c d Mitch Mitchell: "The Razor’s Edge: The secret of a supersharp hunting knife" in: "African Expedition Magazine, Volume 4 Issue 4", 2012, S. 11 [8]
  9. Joe O'Leary: Wilderness Survival Guide: The Practical Skills You Need For The Great Outdoors, Verlag Duncan Baird Publishers, 2012, ISBN 9781780282350, S. 48–49 [9]
  10. Christian Gottlöber: Zerspanung von Holz und Holzwerkstoffen: Grundlagen – Systematik – Modellierung – Prozessgestaltung, Verlag Carl Hanser Verlag GmbH Co KG, 2014, ISBN 9783446440036, S. 35–38 [10]
  11. a b c Roger Eckstine: Shooter's Bible Guide to Knives, Verlag Skyhorse Publishing, 2017, ISBN 9781510711297, S. 63–64 [11]
  12. a b c Dietmar Pohl: Taktische Einsatzmesser, Motorbuch Verlag, 2. durchgesehene Auflage, 2003, ISBN 3613021498, S. 146–147
  13. a b c Böker: Flachschliff
  14. Böker: Meißelschliff
  15. Hinkel-Elektronik: Schneidenform und Schneidleistung
  16. Florian Schäffer: Lizenz zum Löten in Make:, Sonderheft 2017, S. 81 [12]
  17. Knipex: Schneidenform