Schilder- und Lichtreklamehersteller

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Schilder- und Lichtreklamehersteller auch mit dem Zusatz Werbetechniker [1] fertigen mit Hilfe von speziellen Folien und Farben verschiedenste Arten von Beschriftungen, seien es Schilder, Transparente, Schaufenster, Autos oder große Sattelauflieger. Die Hauptarbeitsmittel sind Rakel, Andrückwalze, Cutter (Messer) und Zollstock. Schilder- und Lichtreklamehersteller müssen nicht nur einen guten Sinn für Farben und Formen haben, auch Computerkenntnisse und Fingerfertigkeit sind gefragt. Sie müssen auch schwindelfrei sein, da sie oft in luftiger Höhe auf Leitern und Gerüsten arbeiten. Schilder- und Lichtreklamehersteller arbeiten in Werkstätten der Schilder- und Lichtreklamehersteller oder auch im Messebau.

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ausbildung zum Schilder- und Lichtreklamehersteller dauert drei Jahre, die Ausbildung findet in Berufsschule und Betrieb statt. Die Gesellenprüfung wird von der jeweils zuständigen Handwerkskammer abgenommen. Der Schulunterricht findet im Blockunterricht oder aber (je nach Bundesland) ein- bis zweimal wöchentlich neben der Ausbildung im Betrieb statt. Die Ausbildung ist vielfältig: Neben der Arbeit mit dem Computer (Gestaltung mit CorelDraw) lernen die Auszubildenden auch traditionelle Arbeitsweisen (vergolden, manuelle Erstellung von Schriften und Folienschnitten etc.) sowie Grundbegriffe des technischen Zeichnens und Material- und Farbkunde. Zu den Hauptfächern zählen u.a. Gestaltung (Typografie/Schriftenlehre, Satz und Layout), Physik/Elektrotechnik sowie Chemie (Farben, Lacke). Ebenso wird Unterricht in Baustilkunde erteilt.

Weiterbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Später besteht die Möglichkeit, die Meisterprüfung als Schilder- und Lichtreklamehersteller abzulegen oder eine Weiterbildung im Bereich des Messebaus zu machen. Die Weiterbildung dauert im Vollzeitunterricht zum Meister zwei Semester, vier Semester zum Techniker. Anstelle der Meisterprüfung besteht auch die Möglichkeit, eine Weiterbildung zum Medienfachwirt zu absolvieren. Diese i.d.R. berufsbegleitende Fortbildung dauert (je nach Bildungsträger) zwischen 1,5 und 3 Jahre. Dieses Seminar richtet sich an diejenigen, die nach Bestehen der IHK-Prüfung zum Produktionsleiter, überwiegend in größeren Werbetechnikunternehmen, aufsteigen wollen.

Entwicklungsmöglichkeiten: Angefangen als Schilder- und Lichtreklamehersteller kann man zum Spezialist für Auto- und Schaufensterbeschriftungen, Firmentafeln und Schilder, Baugrafik und Lichtreklamen aufsteigen, oder in anderen Bereiche zum Atelierchef, Theater- und Bühnenmaler bis hin zum Meister.

Selbständigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Selbständigkeit ist im Schilder- und Lichtreklamehandwerk seit dem 28. Mai 2003 aufgrund des Beschlusses der Bundesregierung auch ohne Meisterprüfung möglich. Im Zuge der Novelle der Handwerksordnung ist der Meisterzwang neben 53 Handwerksberufen auch im Schilder- und Lichtreklameherstellerhandwerk gefallen. Somit ist es ein zulassungsfreies Handwerk, das jeder auch ohne spezielle handwerkliche Ausbildung ausüben darf. Eine Voraussetzung dafür ist die Mitgliedschaft bei der örtlichen Handwerkskammer, für die jährliche Zwangsgebühren anfallen.

Arbeitsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Beruf des Schilder- und Lichtreklameherstellers ist sehr vielseitig und vereint viele verschiedene Arbeitsweisen und Techniken.

Folienverklebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schilder und Lichtreklamehersteller verwenden in erster Linie spezielle Klebefolien, aus denen sie mit einem Tisch- bzw. Rollenplotter die verschiedensten Schriften und Motive ausschneiden. Die Motive und Schriften werden mit einem speziellen Übertragungsfilm oder -papier dem sogenannten Tape stabilisiert, um sie später auf den vorgesehenen Untergrund aufbringen zu können. Dabei ist wichtig, dass dieser Untergrund fett- und staubfrei ist, da die Folie sonst nicht richtig oder lange an der Oberfläche haften bleiben würde. Man unterscheidet hier grundsätzlich zwischen Nass- und Trockenverklebung. Je nach Folie, Größe und Beschaffenheit des Untergrundes braucht man einen Gleitfilm meist aus Wasser mit Netzmittel, der den Kleber während der Positionierung vom Untergrund trennt. Bei der Trockenverklebung werden die Folien auf dem zu beschriftenden Untergrund eingerichtet (mit Gliedermaßstab oder Maßband gerade und gleichmäßig eingemessen und positioniert), dann werden sie mit Hilfe von Klebeband vorfixiert und mit einer speziellen Andrückwalze oder auch mit einem Rakel auf dem Untergrund angedrückt. Anschließend wird der Übertragungsfilm bzw. das Übertragungspapier (Tape) von der Folie wieder abgezogen.

Digitaldruck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den zunehmenden Einzug der Digitalisierung in das Werbetechniker-Handwerk verfügen immer mehr Firmen über ein Digitaldruckgerät. Somit besteht die Möglichkeit, Fotomotive auf die üblichen beschriftbaren Flächen aufzubringen (Fahrzeuge, Schilder, Schaufenster usw.). Außerdem besteht die Möglichkeit verschiedenste Medien zu bedrucken. So können neben Standard- und Carwrapping-Folien z.B. PVC-Planentücher oder verschiedenste Papiere und Folien bedruckt werden. Ein weiterer großer Vorteil ist die Zeitersparnis beim Einsatz des Druckers, da z.B. bei einem mehrfarbigen Logo oder Schriftzug nicht jede Farbe separat geschnitten, entgittert, getaped und beschriftet werden muss. Des Weiteren lassen sich kleinste Schriftgrößen für ein Werbemittel visualisieren. Schriften aus Folie (als Einzelbuchstaben-Plot) mit einer Höhe von unter 8 Millimetern bereiten oft Schwierigkeiten bereits beim Schneiden und auch später bei der Weiterverarbeitung. In den meisten Fällen werden die Digitaldrucke mit einem UV-Schutzlaminat versehen, um den Digitaldruck vor Ausbleichen durch Sonneneinstrahlung oder Beschädigungen durch Reinigung einer Werbefläche zu schützen. Die meisten Drucker sind für das 4-Farbsystem CMYK (cyan, magenta, yellow, black) ausgelegt. Aus diesem Grund ist äußerste Vorsicht beim Anlegen oder Verwendung gestellter Druckdaten geboten. Besonders beim Druck von original Fotodateien ist zu beachten, dass 99,9 % der Fotos mit dem RGB-Farbsystem erzeugt werden. das hat zur Folge, dass beim Umwandeln in CMYK Farbabweichungen auftreten können. Schwarz/Weiß-Fotos neigen zum Beispiel zu Grünschattierungen.

Planenbeschriftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Planen, beispielsweise von großen LKW-Aufliegern, können auch mit einer speziellen Folie beklebt werden; sie reagieren mit den in der Plane enthaltenen Weichmachern und verbinden sich dauerhaft mit dem PVC. Die Haltbarkeit liegt derzeit bei etwa 4 Jahren. Alternativ werden Schablonen aus spezieller Schablonenfolie mit dem Plotter ausgeschnitten und auf die Plane aufgebracht. Diese werden gut angedrückt, eventuell noch mit einem Heißluftfön erwärmt und die Kanten nochmal angedrückt, damit dort später keine Farbe unterläuft. Anschließend bestreicht man die aus der Folie ausgeschnittenen Flächen mit Hilfe einer feinen Lackierwalze mit spezieller Planen- oder PVC-Farbe, die dauerhaft auf der Plane hält. Bei der Verarbeitung sollte für ausreichende Belüftung gesorgt bzw. Atemschutzmasken getragen werden, da die Farben lösemittelhaltig sind und stark ausdünsten. Nach der Trocknung wird die Schablonenfolie wieder entfernt, zurück bleibt die Farbe und somit die fertige Beschriftung. Andererseits können neue LKW-Planen, die noch nicht mit Ösen, Schlaufen, Schnallen, Gurten etc. versehen und noch nicht am LKW angebracht sind, auch im Digitaldruck mit wesentlich aufwendigeren Motiven wie auch Fotos bedruckt werden.

Fassadenbeschriftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch die Beschriftung und Gestaltung von Fassaden als Werbeflächen gehört zur Arbeit eines Schilder- und Lichtreklameherstellers. Hierbei gibt es verschiedene Möglichkeiten die gewünschte Vorlage auf die Fassade zu bringen, z. B. durch projizieren mit einem Tageslichtprojektor oder Episkop, durch einfaches Aufzeichnen (bei kleineren Flächen) oder durch Rädeln der Vorlage, die anschließend mit einem Pausbeutel, der entweder mit Asche (für helle Untergründe) oder Talkum (für dunkle Untergründe) befüllt ist. Schließlich wird das Motiv mit Fassadenfarbe, Pinseln und Walzen auf den Untergrund aufgebracht.

Autovollverklebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dieser Methode kann ein Auto ganz ohne Lackierung in einer anderen Farbe erstrahlen. Moderne Folien, die sich knitter- und blasenfrei aufziehen und beliebig oft abziehen lassen, bevor sie endgültig verklebt werden, erleichtern diese Arbeit zwar, dennoch erfordert sie viel Geschick und Genauigkeit. Heutzutage sind beispielsweise weitestgehend alle Taxen mit Folie in ihrem typischen Gelbton beklebt. Darunter befinden sich meist schwarze oder silberne Autos, da sich diese einfacher weiterverkaufen lassen. Hat ein Taxi ausgedient, lässt sich die Folie rückstandslos wieder abziehen und der eigentlich darunter befindliche z. B. schwarze Wagen kommt wieder zum Vorschein. Dazu ist der Lack wie neu, da er durch die Folie geschützt war.

Lichtreklame (Leuchtreklame)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von einfachen mit Strahlern beleuchteten Schildern über Leuchttransparente bis hin zu Anlagen mit Leuchtstoffröhren und LEDs reicht das Spektrum der Leuchtreklame.

Hochspannungs-Leuchtstoffröhren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch das Fertigen von Anlagen mit Hochspannungs-Leuchtstoffröhren gehört zum Berufsbild. Diese Gasentladungsröhren werden mit einer Spannung von 990 V bis 8000 v betrieben. Wobei spezielle Formen von Hochspannungs-Leuchtstoffröhren oder sogenannte Nurglas-Schriften von speziell ausgebildeten Leuchtröhrenglasbläsern gefertigt werden.

Leitsysteme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nicht immer werden nur einzelne Hinweisschilder gefertigt und angebracht, oft übernimmt der Schilder- und Lichtreklamehersteller auch die komplexe Planung und Erstellung ganzer Wegeleitsysteme, z. B. für Messen oder große Firmengelände bzw. -gebäude.

Montage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom kleinen Türschild bis zur meterhohen Leuchtwerbung an ebenso großen Fassaden, ist der Schilder- und Lichtreklamehersteller auch für die Anbringung zuständig, und somit ist er, wenn er nicht gerade in einem großen Betrieb mit separat ausgebildeten Monteuren arbeitet, auch für die Anbringung seiner Werbung in manchmal großer Höhe zuständig.

Diaplexversiegelung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein anderes Verfahren zur Herstellung hochwertiger Schilderherstellung ist die Diaplex-Versiegelung. Hierbei werden hochauflösende FineArt Prints hinter Acrylglas kaschiert. Mithilfe von Laminat oder mit Spezialsilikon werden diese kaschiert. Anschließend wird das Foto rückseitig mit einer Aluminiumverbundplatte versehen. Diese hochwertigen und besonders teuren Platten findet man oft bei Künstlern und in Galerien.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zentralverband Werbetechnik