Österreicher

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Dieser Artikel beschreibt die Staatsbürger des Staates Österreich. Für weitere Bedeutungen, siehe Österreicher (Begriffsklärung)
Volksgruppen in Österreich und Südtirol und ihr Siedlungsgebiet
Volksgruppen in Österreich und Südtirol und ihr Siedlungsgebiet

Als Österreicher werden die Staatsbürger der Republik Österreich bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der Ursprung des Namens geht auf Ostarrichi (etwa „abgegrenztes Gebiet im Osten“) zurück; das Wort änderte sich in der Schreibweise zu Österreich. Die älteste bekannte urkundliche Erwähnung des Namens stammt aus dem Jahr 996 und war die Bezeichnung für eine Region nahe Neuhofen an der Ybbs im heutigen Niederösterreich. Historiker gehen davon aus, dass Ostarrichi die Marcha Orientalis („Mark im Osten“) der Babenberger bezeichnete (heute etwa die Bundesländer Ober- und Niederösterreich). Österreicher waren zu jener Zeit also die Bewohner dieses Landes; primär die Mitglieder des Adels und der Ritterschaft und sekundär die nichtadeligen, im feudalen System lebenden Menschen. Das Land entwickelte sich vergleichbar der Bildung der Steirer und der Tiroler im Hochmittelalter.

Im Spätmittelalter übernahm das Fürstenhaus der Habsburger das „Haus Österreich“ mit seinen Bewohnern. Im Verlauf der folgenden Jahrhunderte vergrößerten die Habsburger ihre Besitzungen zuerst um die heutige Steiermark, dann Görz (Kärnten), Krain und Tirol, bis es in etwa dem Gebiet der heutigen Republik Österreich entsprach. 1526 kamen noch die Königreiche Ungarn und Böhmen (mit Mähren, Schlesien und Lausitz) unter die Herrschaft des Habsburger Fürsten in Wien und damit zum „Haus Österreich”.

Von „den Österreichern” wird auch in den Chroniken der europäischen Kriege des 18. und 19. Jahrhunderts berichtet. Die österreichischen Armeen umfassten dabei Soldaten unterschiedlichster Nationalitäten (Volkszugehörigkeiten) aus den Ländern des Habsburger Kaisers. Zugleich stellten die Habsburger jahrhundertelang den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und dominierten, als stärkste dem Bund angehörende Macht, im 19. Jahrhundert den nachfolgenden Deutschen Bund.

Die Einwohner des Habsburgerreiches definierten sich meist, unabhängig von ihrer Sprache, über ihre Landeszugehörigkeit, also als Böhmen, Tiroler, Steirer u. a. Mit dem Zusammenwachsen des Habsburgerreiches wurde auch die Identität als Österreicher (ebenfalls unabhängig von der Sprache) stärker, vor allem bei Angehörigen der Armee und des Beamtenstandes. Um deutschsprachige Österreicher von anderssprachigen abzugrenzen, wurde auch der Begriff „Deutsche“ verwendet.

Erst infolge des Entstehens der Idee einer Nation als staatstragendes Volk nach der Französischen Revolution wuchs das Verständnis der Zugehörigkeit zu einer Nation. Das war vor allem bei der nichtdeutschsprachigen Bevölkerung der Fall, insbesondere bei den im Ausgleich übergangenen Tschechen. Die deutschsprachige Bevölkerung identifizierte sich stärker mit dem österreichischen Staat, entwickelte aber auch ein Verständnis der Zugehörigkeit zu einer „deutschen Kulturnation“.

Im 19. Jahrhundert, nach dem Ende des HRR, kam es zu Bestrebungen der verschiedenen deutschen Staaten, zu einem gemeinsamen Reich zusammenzufinden und zu Überlegungen, in welcher Form ein großdeutsches Reich realisierbar wäre, das alle deutschsprachigen Menschen Mitteleuropas (mit Ausnahme der Niederländer und Schweizer), also mithin die Österreicher, in einem Reich vereinen sollte. Es entstand 1815 der Deutsche Bund unter Führung der Habsburger. Mit dem Staatsgrundgesetz vom 21. Dezember 1867 über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger für die im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder[1] wurde die gesetzliche Grundlage der österreichischen Staatsbürgerschaft geschaffen. 1871 entstand mit der so genannten kleindeutschen Lösung der deutsche Nationalstaat, das Deutsches Reich, unter Führung Preußens und ohne Österreich. Fortan wurde unterschieden zwischen Österreichern und Reichsdeutschen (ein Sprachgebrauch, der sich bei vielen Österreichern erst nach dem Untergang des gemeinsamen nationalsozialistischen großdeutschen Reiches 1945 änderte). Österreich, als Teil eines Vielvölkerstaates (K. u. k. Monarchie), wurde während dieser Zeit weiter gefestigt und hatte mit dem Habsburger Kaiserhaus, mit Prinzen Eugen von Savoyen oder Franz Grillparzer seine „nationalen Symbolfiguren”.

Situation nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Donaumonarchie

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges im Jahr 1918, dem Zerfall der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie, entstand auf etwa einem Achtel des ehemaligen Herrschaftsgebietes der Habsburger eine neue Republik jener verbliebenen Österreicher „Cisleithaniens“. Die Gründung ging einher mit dem Wunsch „Deutschösterreich“, wie der Name von 1918 bis 1919 lautete, mit dem inzwischen republikanischen Deutschen Reich, der Weimarer Republik, zusammenzuführen, allerdings mit besonderen Vorrechten sowie Berlin und Wien im Wechsel als Hauptstädte. Fast alle politischen Parteien Österreichs, mit Ausnahme der Monarchisten und der Kommunisten, strebten nach dieser Vereinigung. Durch die Provisorische Nationalversammlung für Deutschösterreich, die sich aus den deutschösterreichischen Abgeordneten des Reichsrates konstituiert hatte, wurde am 12. November 1918 eine Verfassung für Deutsch-Österreich beschlossen, in deren Artikel 2 es hieß: Deutschösterreich ist ein Bestandteil der Deutschen Republik. Der sozialdemokratische Staatskanzler Karl Renner erklärte an diesem Tag im Parlament: „Wir sind ein Stamm und eine Schicksalsgemeinschaft.“ Der Beschluss wurde am 12. März 1919 durch die österreichische konstituierende Nationalversammlung „feierlich wiederholt, bestätigt und bekräftigt“. Von deutscher Seite wurde dieses Ziel in der Weimarer Verfassung (1919) als Staatsziel festgeschrieben, in deren Artikel 61 stand: „Deutschösterreich erhält nach seinem Anschluss an das Deutsche Reich das Recht der Teilnahme am Reichsrat mit der seiner Bevölkerung entsprechenden Stimmenzahl. Bis dahin haben die Vertreter Deutschösterreichs beratende Stimme.“

Es gab vielfältige Motive für diesen Vereinigungswunsch: deutscher Nationalgedanke, die wirtschaftliche Lage (das kleine „Restösterreich“ hielten viele für wirtschaftlich nicht überlebensfähig) oder beides. Österreich war von einer europäischen Großmacht plötzlich zu einem Kleinstaat geworden. Die Zwei-Millionen-Stadt Wien, die vorher Zentrum eines 50 Millionen Einwohner zählenden Reiches gewesen war, war plötzlich eine in einer Randlage gelegene Hauptstadt eines Landes mit 6  Millionen Einwohnern, die eine Vielzahl ihrer Funktionen verloren hatte.

Die deutsch-österreichischen Bestrebungen einen Zusammenschluss beider Länder herbeizuführen wurde von den Siegermächten unterbunden, da sie keine Stärkung der Kriegsverlierer wünschten. Der Staatsname wurde gemäß den Bestimmungen im Vertrag von Saint-Germain am 21. Oktober 1919 in „Republik Österreich“ geändert. Dadurch verlagerten sich die Anschlussbestrebungen auf Länderebene. Eine Volksabstimmung am 11. Mai 1919 in Vorarlberg hatte eine Mehrheit von über 80 Prozent für einen Anschluss an die Schweiz ergeben, der von Seiten der Schweiz jedoch nicht stattgegeben wurde, da man um das diffizile sprachliche und konfessionelle Gleichgewicht fürchtete. In Tirol stimmten bei einer Volksabstimmung am 24. April 1921 über 98,6 Prozent für den Zusammenschluss mit dem Deutschen Reich, bei einer inoffiziellen Befragung in Salzburg sogar 99,3 Prozent. Weitere Abstimmungen im Burgenland und Kärnten unterblieben auf Grund des Drucks der Siegermächte. Weite Teile der österreichischen Bevölkerung und die meisten Politiker, anfänglich auch Sozialdemokraten und Christlichsoziale, vor allem aber die Deutschnationalen und die Nationalsozialisten, wollten weiterhin den Anschluss an das Deutsche Reich.

Mit dem 1938 erfolgten Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wurden die Österreicher formal zu Reichsdeutschen. Die Begriffe „Österreich“ und „Österreicher“ wurden verboten, das annektierte Land ließ Hitler erst in „Ostmark“ und später in „Donau- und Alpenreichsgaue“ umbenennen. Umgangssprachlich gab es aber weiterhin die Österreicher.

Im nunmehr großdeutschen Reich, unter dem Eindruck der nationalsozialistischen Diktatur und des Zweiten Weltkrieges, verabschiedeten sich viele so genannte „Ostmärker“ gedanklich nach und nach von der zuvor ersehnten gemeinsamen Deutschen Nation. Allerdings wurde das von Hitler und den Nationalsozialisten in dieser Zeit besonders heroisierte „Deutschtum“ gerade auch von vielen Österreichern ideologisch stark verinnerlicht. Der prozentuale Anteil der NSDAP-Parteimitglieder war im früheren Österreich höher als im übrigen Reichsgebiet, dem „Altreich“.

Aber es gab auch Österreicher, die zivilen Ungehorsam leisteten, beispielsweise durch öffentliche Bekundungen, wie demonstrativen Applaus beim Lob Österreichs während der Aufführung von Grillparzers König Ottokars Glück und Ende im Deutschen Volkstheater, oder indem sie sich in Widerstandsgruppen organisierten. Deren Bekannteste hatte als Symbol „O5“ gewählt - wobei die „5“ den 5. Buchstaben des Alphabets („E“) bezeichnet, also „OE“ für „Ö(sterreich)“.

Nach dem Untergang des Großdeutschen Reiches und der Wiedererrichtung der Republik Österreich verlor die Bezeichnung „Deutschösterreicher” oder „deutsche Österreicher” bei den Österreichern und in den anderen Nachfolgestaaten des „Dritten Reiches“ rasch an Bedeutung.

Siehe auch: Geschichte Österreichs

Das Selbstverständnis der Österreicher nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg festigte sich das Selbstverständnis der Österreicher als Bürger einer selbständigen Nation, das noch in der Ersten Republik teils in Frage gestellt worden war, zunehmend und wird heute nur noch von deutschnationalen Gruppierungen in Frage gestellt.

Auslandsösterreicher

Hauptartikel: Auslandsösterreicher

Außerhalb Österreichs leben ständig rund 400.000 Inhaber der österreichischen Staatsbürgerschaft; dazu kommen noch einige 100.000 gebürtige Österreicher, die bereits die Staatsbürgerschaft ihrer neuen Heimat angenommen haben.

Die Mehrzahl der Auslandsösterreicher lebt und arbeitet in Deutschland (185.000) und in der Schweiz (40.000); weiters leben etwa 36.000 in Mittel- und Südamerika, 30.000 in Australien, 28.500 in den USA und 22.500 in Afrika.

Die meisten Auswanderer im 20. Jahrhundert verließen Österreich aus wirtschaftlichen Gründen, in der 1930er-Jahren und während der Zeit des „Dritten Reiches“ gingen auch viele politisch Verfolgte und Juden ins Exil.

1955 wurde in Wien als offizielle Interessenvertretung der Verein „Auslandsösterreicherwerk“ gegründet und gleichzeitig im Außenministerium eine Abteilung für Auslandsösterreicher eingerichtet.

Siehe auch

Fußnoten

  1. Staatsgrundgesetz vom 21. Dezember 1867 über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger für die im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder

Literatur

  • Karl Vocelka: Geschichte Österreichs. Kultur – Gesellschaft – Politik. Styria/Heyne. Graz, Wien, Köln, München 2004. ISBN 3453216229

Weblinks

Wiktionary
 Wiktionary: Österreicher – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik
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