Alfred Dent

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Sir Alfred Dent

Sir Alfred Dent, KCMG, JP, Maharajah von Sabah und Rajah von Gaya (* 12. Dezember 1844 in London; † 23. November 1927 in London) war ein britischer Kaufmann und der Gründer der North Borneo Chartered Company.

Leben[Bearbeiten]

Alfred Dent wird am 12. Dezember 1844 im Londoner Stadtteil Paddington geboren.[1] Seine Eltern sind der wohlhabende Kaufmann Thomas Dent (1796–1872) und Sabine Ellen Robarts (1815–1881). Von den insgesamt zwölf Kindern der Familie – drei Töchter und neun Söhne – ist Alfred der viertälteste.[2]

Von Alfred Dent ist bekannt, dass er als junger Mann gerne jagte und dem Ruder- und Schießsport nachging.

Alfred Dent tritt 1858 ins Eton College ein. Er wohnt im Haus von Rev J. E. Yonge, wo schon sein älterer Bruder Lancelot seine Studentenzeit verbracht hat. Alfred Dent verlässt Eton 1862 und beginnt seine berufliche Laufbahn als Geschäftsmann.[3]

Zusammen mit seinem Bruder Alfred gründet er Dent Brothers Ltd. mit Sitz in London und Shanghai. Dazu übernimmt er das im Jahre 1876 insolvent gewordene Unternehmen Dent & Co., das sein Vater gegründet hatte.

Neben seinen Aufgaben als Chef von Dent Brothers wird er auch zeitweilig Aufsichtsratsvorsitzender der Caledonian (Ceylon) Tea Estates und der Shanghai Electric Construction Company, Direktor der London County and Westminster Bank und derRoyal Exchange Assurance Corporation.[2][4][5] Der Chartered Bank of India, Australia and China gehört er 37 Jahre lang, bis zu seinem Pensionierung im Jahre 1925, als Direktor an.[6]

1896 heiratet er Margaret, Tochter von Charles Aird. Die beiden haben einen Sohn, Leslie Alfred Dent.[2]

1898 wird er von Sir Henry Fowler in die Indische Währungskommission (Indian Silver Currency Commission) berufen.[7]

Als Friedensrichter für Sussex hat er 1908 das Amt des High Sheriff für Sussex inne.

Er starb am 23. November 1927 im Alter von 82 Jahren. Seine letzte Ruhestätte liegt auf dem Ocklynge Friedhof.[3]

North Borneo Chartered Company[Bearbeiten]

Aus heutiger Sicht war Dents Hauptverdienst, der Gründer der North Borneo Chartered Company zu sein, die de facto über einen Zeitraum von 60 Jahren die Geschicke des heutigen Sabah bestimmte.

Als die Vereinigten Staaten im Jahr 1875 signalisierten, dass sie keine weiteren Interessen an den 1865 von Konsul Charles Lee Moses[Anm. 1] auf 10 Jahre gepachteten Gebieten in Nord Borneo hatten, versuchte der Rechtsnachfolger des Pachtvertrages, ein amerikanischer Kaufmann namens Joseph William Torrey, Investoren für die anstehende Verlängerung des Pachtvertrages zu gewinnen. Zusammen mit Baron Gustav von Overbeck, dem österreichischen Generalkonsul in Hongkong, reiste er nach Brunei, um den Pachtvertrag zu erneuern. Die Verhandlungen scheiterten am Starrsinn des alten Sultans, der eine Verlängerung des Pachtvertrages rundweg ablehnte. Die beiden traten daraufhin in Verhandlungen mit dem Sohn des Sultans, Prinz Tumonggong, der den Pachtvertrag für die Summe von 1.000 Straits Dollar eigenmächtig für weitere zehn Jahre verlängerte. Overbeck war nun im Besitz eines Vertrages, der vom Sultan nicht gegengezeichnet und der deshalb nach Expertise von Sir Hugh Low, des Gouverneurs von Labuan, wertlos war. Der beabsichtigte Weiterverkauf seiner Rechte misslang und 1876 hatte Overbeck sein Kapital nahezu aufgebraucht. In dieser Situation wandte er sich hilfesuchend an Alfred und Edward Dent, die jungen Geschäftsführer von Dent Brothers, der Nachfolgefirma von Dent & Co.[8]

1877 gründet Alfred Dent zusammen mit Gustav Overbeck die Dent & Overbeck Company (auch als Overbeck & CO. beschrieben).[9]

Die beiden Brüder geben Overbeck die erwünschte finanzielle Unterstützung. Gleichwohl gelingt es Overbeck weiterhin nicht, Käufer für die Rechte an Nord Borneo zu finden und er zieht sich 1880 aus dem Geschäft zurück. Die Rechte - einschließlich der damit verbunden Titel Maharajah von Sabah und Rajah von Gaya gehen an Alfred Dent über.

Nach wie vor sucht Dent nach Möglichkeiten, aus den Rechten an Nord Borneo Gewinn zu schlagen. Dabei wird er von Sir Rutherford Alcock, Admiral Sir Henry Keppel und R. B. Martin unterstützt. Im Juli 1881 gründet Alfred Dent mit seinem Bruder die British North Borneo Provisional Association Ltd, die noch im selben Jahr durch Königlichen Chartervertrag zur North Borneo Chartered Company wird. Im Mai 1882 nimmt die Gesellschaft die Arbeit auf. Sir Rutherford Alcock wird ihr erster Präsident und Alfred Dent geschäftsführender Direktor.

Nord Borneo wurde in neun Distrikte unterteilt; einer der Distrikte wird nach Dent benannt.

In den 1890er Jahren wird Alfred Dent wegen seiner zurückhaltenden Unternehmenspolitik zunehmend im Aufsichtsrat angegriffen. Insbesondere William Clarke Cowie setzt seiner abwartenden, auf langsame Entwicklung des Landes hoffenden Haltung Forderungen nach einer schnellen Erschließung von Borneo entgegen. Obwohl die wenig durchdachten und übereilten Investitionen der Gesellschaft finanzielle Verluste einbringen, profitiert Cowie von einem Vertrauensvorschuss, den die Anteilseigner auf seiner langjährigen Erfahrung in Nord Borneo begründen. Auf dem 28. Halbjahrestreffen der Gesellschaft am 15. Dezember 1896 spottet man über Dent in aller Öffentlichkeit, dass er "über Borneo so wenig weiß, wie eine Kuh über eine Seitentasche". Alfred Dent wird als Direktor abgelöst. Erst nach dem Tod Cowies im Jahr 1910 werden seine Pionierleistungen wieder ins rechte Licht gerückt.[10]

In Anerkennung für seine Verdienste bei der Erweiterung des britischen Weltreiches wird er 1898 in den Orden vom Heiligen Michael und Georg aufgenommen, was ihm das Recht gibt, den Titel "Sir" vor seinen Namen setzen.[11]

Literatur[Bearbeiten]

  • K. G. Tregonning: "A History Of Modern Sabah (North Borneo 1881-1963)", 2. Ausgabe, University of Malaya Press, Kuala Lumpur, 1965, Reprint 1967

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Census 1861
  2. a b c Genealogische Seite der Familie Parsons
  3. a b The Times, 24. November 1927
  4. The Singapore Free Press and Mercantile Advertiser (1884-1942), 15. Oktober 1910, Seite 2
  5. The Straits Times, 26. Juni 1924, Seite 12
  6. The Straits Times, 5. Mai 1925, Seite 8
  7. Edward Walford. The county families of the United Kingdom; or, Royal manual of the titled and untitled aristocracy of England, Wales, Scotland, and Ireland (Volume 59, 1919), Seite 101, abgerufen am 30. Juni 2011
  8. Tregonning, Kapitel 1
  9. Biographie Baron Overbeck, abgerufen am 30. Juni 2011
  10. Tregonning, Seite 54
  11. The Singapore Free Press and Mercantile Advertiser (1884-1942), 18. November 1931, Seite 5

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. In der Literatur findet sich auch der Name Claude Lee Moses, im von Moses notariell bezeugten Vertrag mit dem Sultan Abdul Mumin verwendet er jedoch den Vornamen Charles.