Aznar I. Galíndez

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Aznar I. Galíndez war ein Amtsträger der Karolinger in der Spanischen Mark im frühen 9. Jahrhundert. Er ist der Stammvater der in der Grafschaft Aragón amtierenden Galíndez-Dynastie.

Die fränkischen Reichsannalen berichten, wie im Jahr 824 die Grafen Aeblus und Asinarius von Kaiser Ludwig dem Frommen an der Spitze baskischer Truppen nach Pamplona ausgesandt wurden, offenbar um dort die Autorität des Frankenreichs zu stabilisieren. Beide waren dort jedoch in einen Hinterhalt der lokalen Bergbewohner geraten, möglicherweise angeführt von Íñigo Arista, und gefangen genommen wurden. Während Aeblus als Gefangener zum Emir von Córdoba gesandt wurde, war Asinarius aufgrund seiner Verwandtschaft zu den Basken frei gelassen wurden um an den Hof des Kaisers zurückkehren zu können.[1]

Die Grafschaften der Spanischen Mark im 9. Jahrhundert.

Der also mit den Basken verwandte oder gar von ihnen abstammende Asinarius war aller Wahrscheinlichkeit nach mit dem im Codex de Roda genannten Graf von Aragón, Aznar I. Galíndez (Asnari Galindones), identisch.[2] Offenbar hatte er als Gefolgsmann der Karolinger die Funktion eines Amtsgrafen im Tal des Río Aragón mit dem Hauptort Jaca ausgeübt. Diese Grafschaft stellte den westlichsten Amtsbezirk der spanischen Mark des Frankenreichs dar, direkt im Westen an die von den unabhängig gebliebenen Basken kontrollierte Region um Pamplona angrenzend, die sich dem Herrschaftsanspruch der Frankenkönige stets erfolgreich widersetzen konnten (siehe Schlacht von Roncesvalles). Zu einem nicht näher genannten Zeitpunkt war Aznar von seinem Schwiegersohn García Galíndez „dem Bösen“ aus Aragón vertrieben wurden; sein Sohn Centulio war dabei ermordet wurden.[3]

Wie der Codex de Roda weiter berichtet, war Aznar nach diesem Verrat an den fränkischen Königshof zurückgekehrt und sei etwas später als Graf in Cerdanya und Urgell eingesetzt wurden.[4] Die Glaubwürdigkeit dieser Angabe steht allerdings in Zweifel.[5] Zum einen weil sie Karl den Großen als jenen König angibt an dessen Hof Aznar zurückgekehrt sein soll, was allerdings aus chronologischen Gründen nicht korrekt sein kann. Zum anderen weil zwischen den Jahren 820 und 840 in den Grafschaften Cerdanya und Urgell der Graf Sunifred I. amtiert hatte. Wann Aznar Galíndez gestorben war ist unbekannt. Gelegentlich wird der als identisch mit dem Graf der Gascogne, Aznar, identifiziert, der 836 im Aufstand gegen den Unterkönig Pippin I. von Aquitanien einen grausamen Tod gestorben war.[6] Eine von ihm um das Jahr 835 aufgesetzte Urkunde aus der Abtei von Pessan weist diesen jedoch als Sohn eines Sancho aus.[7]

Die Ehefrau von Aznar I. Galíndez war laut dem Codex de Roda eine Tochter des Königs García Íñiguez von Pamplona († 882), was aber aus chronologischen Gründen wohl einmal mehr eine Fehlinformation dieser Chronik darstellt. Offenbar war er hier mit seinem gleichnamigen Enkel verwechselt wurden. Seine Kinder waren:

Literatur[Bearbeiten]

  • Charles Higounet: Les Aznar: une tentative de groupement de comtés gascons et pyrénéens au IXe siècle. In: Annales du Midi. Vol. 61 (1948), S. 5–14.
  • Philippe Sénac: Estudio sobre los primeros condes Aragoneses. In: Homenaje Carmen Orcástegui Gros (1999), S. 1501–1506.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Annales regni Francorum, hrsg. von Georg Heinrich Pertz in: Monumenta Germaniae Historica, SS rer. Germ. 6 (1895), S. 166.
  2. Textos navarros del Códice de Roda, hrsg. von José María Lacarra de Miguel in: Estudios de Edad Media de la Corona de Aragón. Vol. 1 (1945), §18, S. 240.
  3. Textos navarros del Códice de Roda, hrsg. von José María Lacarra de Miguel in: Estudios de Edad Media de la Corona de Aragón. Vol. 1 (1945), §19, S. 241.
  4. Textos navarros del Códice de Roda, hrsg. von José María Lacarra de Miguel in: Estudios de Edad Media de la Corona de Aragón. Vol. 1 (1945), §20, S. 242.
  5. Vgl. Sénac (1999), S. 1503–1504.
  6. Annales Bertiniani, hrsg. von Georg Heinrich Pertz in: Monumenta Germaniae Historica, SS rer. Germ. 5 (1883), S. 12–13.
  7. Chroniques ecclésiastiques du diocèse d’Auch, hrsg. von Louis-Clément de Brugeles (1736), Preuves de la IIe partie, S. 34. Vgl. Sénac (1999), S. 1504.

Weblink[Bearbeiten]