Bandschlinge

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Bandschlinge in einer „Sanduhr

Die Bandschlinge ist ein Hilfsmittel für die Absturzsicherung und Höhenrettung sowie eine Zusatzgerätschaft bei der persönlichen Ausrüstung von Feuerwehrangehörigen. Es handelt sich dabei um eine einfache Schlinge aus besonders belastungsfähigen Kunstfasern, die eine Tragkraft von mehreren Tonnen haben kann.

Material[Bearbeiten]

Schlauchband am Schnitt verschmolzen und geöffnet

Bandschlingen, die beim Klettern verwendet werden, sind aus Polyamid oder Polyethylen. Bandschlingen und Gurte für Hebezeug sind aus Polyester, oft mit einem Kantenschutz aus Aramid. Billige Gurte aus dem Baumarkt sind meist aus Polypropylen und haben verglichen mit professionellen Bandschlingen eine sehr geringe Festigkeit.

Reißfestigkeit[Bearbeiten]

Die Reißfestigkeit ist bei manchen Gurten mit einem längs eingewebten durchgehenden farbigen Strich gekennzeichnet. Dabei bedeutet jeder Strich eine Reißfestigkeit von 500 daN. Bei DIN-geprüften vernähten Bandschlingen ist in die Naht ein Schild eingenäht, auf dem die geprüfte Reißfestigkeit vermerkt ist.

Schlauchband[Bearbeiten]

Neben flach gewebten Gurten werden auch rund gewebte Schlauchbänder verwendet.

Beim Klettern[Bearbeiten]

Die Bandschlinge wird bei der Selbst- und Fremdsicherung am Stand, an Fixpunkten und als Zwischensicherung verwendet. Als Zwischensicherung beim Klettern wird sie meist als Köpfel- oder Zackenschlinge über oder um hervorstehende Felsköpfe oder -platten gelegt oder durch Sanduhren geführt. Bandschlingen werden auch als Verlängerung zwischen Haken und Karabiner verwendet.

Bandschlingen sind häufig mit Längsstreifen farblich gekennzeichnet, je ein Streifen für 500 daN zulässiger Arbeitslast. Drei Streifen bedeuten also mindestens garantierte 1500 daN Arbeitslast. Sie werden meist fertig als Endlosschlinge vernäht in unterschiedlichen Längen geliefert (typisch sind 60 und 120 cm). Aus Schlauchband genähte Bandschlingen sind bei gleicher Bruchlast wesentlich schmaler.

Selbstgeknotete Bandschlinge[Bearbeiten]

Bandschlingenknoten

Von der lange Zeit praktizierten Methode, Bandschlingen aus von der Rolle gekauftem Bandmaterial mittels Bandschlingenknoten selbst zu verknoten, wird inzwischen dringend abgeraten. Der Bandschlingenknoten kann sich, wenn er an einem kleinen Zacken hängen bleibt, leicht selbst öffnen und lässt sich daraufhin bereits bei sehr geringer Belastung ganz lösen.[1] Aus diesem Grund wird er in der alpinen Sicherheitsliteratur mittlerweile auch als „Todesknoten“[2] bezeichnet.

Sicherer als der Bandschlingenknoten (= Sackstich in Ringform) ist der Achterknoten in Ringform.

Bandschlingen, vor allem deren Nähte, sind anfällig gegen Abrieb, Quetschung, Kanten- und Sturzbelastung sowie Hitze und Chemikalien.

Anschlagmittel

Als Anschlagsmittel[Bearbeiten]

Stropp als Anschlagspunkt an einem Dreckbock

Bandschlingen werden in der industriellen Hebetechnik als Anschlagmittel verwendet. Damit werden Lasten von mehreren Tonnen gehoben. Hier spielen die Scher- und Kantenfestigkeit eine besondere Rolle. Anschlagmittel unterliegen besonderen Sicherheits- und Prüfnormen. Beschläge werden immer mit speziellen Sicherheitsnähten fest eingenäht. An dieser Stelle ist auch ein Stoffstreifen mit aufgedruckten Prüfmerkmalen (Material, Reißfestigkeit, Prüfnorm) eingenäht. In diesem Bereich wird auch öfter der nautische Begriff Stropp für die Schlinge verwendet. Wird die Schlinge aus einem Seil gebildet, wird diese als Leinenstropp bezeichnet.[3]

Zur Arbeitssicherung[Bearbeiten]

In vielen Sicherheits- und handwerklichen Berufen wird die Bandschlinge auch für die Arbeitssicherung verwendet. Bandschlingen und andere textile Arbeitssicherheitsmittel müssen jährlich geprüft und nach maximal acht Jahren ausgesondert werden (Ablegereife).

Bei der Feuerwehr[Bearbeiten]

Bandschlinge der Feuerwehr

Bei der Feuerwehr kann die Bandschlinge für eine Vielzahl von Aufgaben eingesetzt werden. Das Mitführen einer Bandschlinge beim Brandeinsatz im Innenangriff ist bei den Feuerwehren in Deutschland keine Pflicht, wird aber empfohlen und an vielen Orten praktiziert.

Mit der Schlinge kann sich ein Trupp gegenseitig verbinden, um in verrauchten Objekten Kontakt zu halten. Auch das Absuchen von Räumen kann mit bestimmten Suchtechniken mit einer Bandschlinge verbessert werden. Außerdem kann damit eine Tür durch Herunterziehen der Türklinke aus der Deckung geöffnet werden.

Bandschlinge zur Rettung

Ist bei einer Crashrettung aufgrund von Zeitdruck, fehlendem Material oder drohender Gefahr keine Rettung durch eine Trage oder Rettungstuch möglich, kann eine verunfallte Person auch mit der Bandschlinge gerettet werden. Hierzu wird die Schlinge auseinandergezogen und unter den Armen um den Körper der verunfallten Person gelegt. Hinter dem Kopf wird die Schlinge über Kreuz gelegt, um den Kopf zu stabilisieren. Die Länge der Schlaufe sollte dafür mindestens 1,50 m betragen. Ist die verunfallte Person ein Atemschutzgeräteträger, kann die Schlinge durch die Begurtung des Pressluftatmers geführt und die Person gezogen werden.

Hinweis: Die gängigen Bandschlingen für die Feuerwehr und das Technische Hilfswerk (THW) sind teilweise nicht als Klettergerät zugelassen!

Quellen[Bearbeiten]

  1.  Pit Schubert: Sicherheit und Risiko in Fels und Eis. Band 1. 6. Auflage. Rother, München 2001, S. 170 f.
  2.  Walter Siebert: Warten wir noch ein paar Tote ab. In: Deutscher Alpenverein, Österreichischer Alpenverein, Schweizer Alpen-Club (Hrsg.): Bergundsteigen. Nr. 2/2007, Innsbruck 2007, S. 38–45 (PDF, 220 kB, abgerufen am 5. März 2008).
  3. http://thwiki.org/t=Leinenstropp

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]