Barbara-Stollen

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Dieser Artikel beschreibt das Massengrab in Slowenien. Für weitere Bedeutungen siehe Barbarastollen (Begriffsklärung).
Eingang zum Barbara-Stollen, 2009

Der Barbara-Stollen (slowenisch Barbara rov, benannt nach Barbara, Schutzpatronin der Bergleute) ist ein Bergwerksstollen neben der Ortschaft Huda jama (Gemeinde Laško) in Slowenien, in dem von 1902 bis 1942 Braunkohle abgebaut wurde und der nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zum Massengrab eines Massakers wurde. Bis Ende 2009 wurden die sterblichen Überreste von mehreren hundert Opfern gefunden. Es wird vermutet, dass das Massaker im Mai und Juni 1945 von jugoslawischen Partisanen verübt wurde.[1] Nach den Angaben der mit der Untersuchung beauftragten slowenischen Behörden gibt es bisher keine endgültigen Opferzahlen, der Verlauf des Verbrechens ist nicht bekannt und trotz bisher über 1000 Zeugenbefragungen konnten auch die Täter nicht ermittelt werden. Die Bezeichnung Huda Jama, was übersetzt Schlimme Höhle bedeutet, wird auch als Synonym für den Barbara-Stollen verwendet.

Massengrab[Bearbeiten]

Der Standort als Massengrab war Eingeweihten bekannt und wurde nach der Unabhängigkeit Sloweniens 1990 auch zum politischen Thema.

Im Sommer 2008 wurde der Stollen von der slowenischen Kriegsgräberkommission geöffnet, weil in ihm ein Massengrab des Zweiten Weltkriegs vermutet wurde. Seit 1992 untersuchte eine auf Initiative des slowenischen Dissidenten Jože Pučnik eingerichtete parlamentarische Kommission kommunistische Verbrechen, darunter auch die Vorgänge im Barbara-Stollen. 1994 wurden kriminalpolizeiliche Ermittlungen über Massaker auf slowenischen Boden aufgenommen, unter anderem zum Barbara-Stollen. Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen. Es gibt bisher keine endgültigen Opferzahlen, der Verlauf des Verbrechens ist nicht bekannt und trotz bisher über 1000 Zeugenbefragungen konnten auch die Täter nicht ermittelt werden. Allerdings wurde gegen zwei mutmaßliche Täter Anklage erhoben. Die ersten Leichen wurden im März 2009 zu Tage gebracht, nachdem auf 100 m Länge Schutt und Erde sowie eine fünfeinhalb Meter dicke Sperre aus Mauerwerk, Beton und Lehm beseitigt worden waren. Durch diesen hermetischen Abschluss waren viele Leichen mumifiziert.[1]

Bis Anfang Dezember 2009 wurden 726 Leichen aus dem Bergwerk geborgen, doch erwartet der Historiker Mitja Ferenc von der Universität Ljubljana allein in einem von zwei noch nicht untersuchten Schächten etwa 2500 Leichen.[2]

Weil die Leichen nackt aufgefunden wurden, ist ihre Identifikation sehr schwer. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass es sich nicht ausschließlich um gefangene Soldaten handelt, sondern auch um Zivilisten. So wurden bei den Skeletten auch zahlreiche Zöpfe, eine damals verbreitete Frauenhaartracht, gefunden. Auf welche Weise die Opfer umgebracht wurden, ist noch nicht geklärt. Ein großer Teil der mumifizierten Leichen weist keine Schusswunden auf, bei einigen wurden aber Verletzungen anderer Art gefunden.[3][4] Deshalb wird vermutet, dass viele der Opfer durch Erstickung umkamen.[5][6]

Ein ehemaliger Partisan sagte 1994 aus, dass er im Juni 1945 gefangene Domobranzen aus dem Lager Teharje nach Huda Jama gebracht habe. Wie bei den Gefangenen habe es sich auch bei den bewachenden Partisanen um Slowenen gehandelt. Innerhalb von fünf Tagen seien Lkws mehrmals täglich gefahren, bis der Stollen voll war.[7][8]

Politische Reaktionen[Bearbeiten]

Die slowenische Generalstaatsanwältin Barbara Brezigar besuchte das Grab als erste hohe Vertreterin des slowenischen Staates. Sie bezeichnete den Anblick als entsetzlich. Kurz darauf besuchte auch der Europaabgeordnete und ehemalige slowenische Ministerpräsident Lojze Peterle den Ort, während der slowenische Staatspräsident Danilo Türk die Grabstätte bis heute nicht besucht hat und die Angelegenheit bei einem Besuch der nahe gelegenen Stadt Trbovlje am 8. Mai 2009 als „zweitrangig“ bezeichnete.[9][10][11]. Die slowenische Verteidigungsministerin Ljubica Jelušič bezog dagegen als erste Vertreterin der slowenischen Regierung in dem Sinne Stellung, dass es keine Entschuldigung für die Massentötungen nach Kriegsende geben könne.[12]

Der slowenische Partisanenverband (Zveza združenj borcev za vrednote NOB Slovenije, kurz ZZB NOB) distanzierte sich am 6. März 2009 von den „außergerichtlichen, ungesetzlichen und verbrecherischen“ Massentötungen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Der Verbandsvorsitzende Janez Stanovnik erklärte hierzu: „Die Tötungen standen in diametralem Widerspruch zu den Werten des Volksbefreiungskampfs.“[13]

Die stellvertretende Ministerpräsidentin Kroatiens Jadranka Kosor besuchte Huda Jama gemeinsam mit dem kroatischen Innenminister Tomislav Karamarko am 9. März 2009. Der kroatische Ministerpräsident Ivo Sanader forderte am 10. März 2009 eine gemeinsame kroatisch-slowenische Untersuchung des Massengrabs.[14]

Der slowenische Historiker und Museumsdirektor Jože Dežman bezeichnete in der slowenischen Wochenzeitschrift Demokracija Anfang Dezember 2009 in einem Artikel, in dem auch eine Ausstellung des Museums für neuere Geschichte in Ljubljana zum Thema vorgestellt wird, das Massaker von Huda Jama als „schlimmstes Verbrechen aller Zeiten auf slowenischem Boden“.[3] Dieselbe Aussage ist auch auf der Website des Museums zu finden.[4]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Karl-Peter Schwarz: Das grausige Geheimnis der Partisanen, Frankfurter Allgemeine Zeitung 87/2009, 15. April 1009, S. 7
  2. Slowenische Presseagentur (STA), 7. Dezember 2009: V Hudi Jami danes nadaljujejo z deli [In Huda Jama werden heute die Arbeiten fortgesetzt]
  3. a b Demokracija, 51/2009: Artikel Huda Jama – Najhujši zločin vseh časov
  4. a b Zeitweilige Ausstellung des Museums für neuere Geschichte Sloweniens: Huda Jama
  5. Kleine Zeitung (online), 5. März 2009: Ein grausamer Fund im Bergwerk
  6. 24ur.com: V rove so jih zmetali še žive. Roman Leljak vložil ovadbo zoper domnevno odgovorne [Sie warfen sie noch lebend in die Schächte. Roman Leljak stellt Strafanzeige gegen mutmaßlich Verantwortliche]. 4. März 2009
  7. Aussage des ehemaligen Partisanen Jakob Ugovšek vor der Untersuchungskommission im Jahre 1994 (PDF; 69 kB)
  8. Slovenec, 10. Mai 1994, Seite 4. (PDF; 381 kB)
  9. Mladina, 8. März 2009: Za Türka Huda Jama danes drugorazredna tema
  10. http://24ur.com/novice/slovenija/nismo-rekli-zlocinu-zlocin.html
  11. http://www.siol.net/slovenija/novice/2009/03/peterle_o_hudi_jami.aspx
  12. http://www.sta.si/vest.php?s=s&id=1370704
  13. Kleine Zeitung (online), 6. März 2009: Partisanen verurteilen Massengrab in Slowenien
  14. Croatia calls for joint investigation of WWII-era mass grave