Bellona Foundation

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The Environmental Foundation Bellona
BellonaLogost.jpg
Typ Gemeinnützige Stiftung
Gründer Frederic Hauge, Rune Haaland
Gründung 16. Juni 1986
Sitz Oslo, Norwegen
Personen

Frederic Hauge (Vorsitzender), Marius Holm (Zweiter Vorsitzender), Alexander Nikitin

Aktionsraum Global
Schwerpunkt Umweltschutz
Angestellte ca. 60
Mitglieder ca. 4.000 Unterstützer
Motto From Pollution to Solution!
Website www.bellona.org

Die Bellona Foundation ist eine internationale Umweltschutzorganisation mit Hauptsitz in Oslo (Norwegen) und Büros in Brüssel (Belgien) bei der EU, Washington, D.C. (USA), Sankt Petersburg und Murmansk (beides Russland).

Hauptziele sind nach der Satzung, für eine Förderung des ökologischen Verständnisses zu arbeiten sowie für den Schutz von Natur, Umwelt und Gesundheit aktiv einzutreten.

Geschichte[Bearbeiten]

Bellona wurde am 16. Juni 1986 von Frederic Hauge und Rune Haaland gegründet und ist eine unabhängige, gemeinnützige Stiftung, die das Ziel hat, für mehr ökologisches Verständnis und den Schutz von Natur, Umwelt und Gesundheit einzutreten. Die Organisation arbeitet ohne jegliche staatliche Unterstützung. Ihr Markenzeichen ist ein ziviles Engagement, verbunden mit hoher fachlicher Kompetenz und einer langfristigen Strategie. Hauge ist bis heute Präsident der Stiftung, zweiter Vorsitzender ist Marius Holm.

In der Anfangszeit beschäftigte sich Bellona hauptsächlich mit der Untersuchung und Verfolgung von ungesetzlichen und gesundheitsschädlichen Emissionen, vergrabenen Giftfässern und ähnlichen Formen von „Umweltkriminalität“ – ein Begriff, der überhaupt erst durch Bellona in Norwegen eingeführt wurde und heute zur gängigen juristischen Terminologie Norwegens gehört.

Schnell wurden Umweltschützer in roten Schutzanzügen, die mit gewaltfreien direkten Aktionen gegen Umweltverbrecher angingen, zu Bellonas Markenzeichen. Im Laufe kurzer Zeit wurde die Stiftung Norwegens bekannteste Umweltschutzorganisation. Später wurden direkte Aktionen in steigendem Masse mit fachübergreifenden wissenschaftlichen Studien verbunden und Verbesserungen der Umweltgesetzgebung verschafften der Organisation neue Arbeitsmöglichkeiten und neue Sanktionsformen gegenüber den Tätern.

Heute arbeitet Bellona auch daran, realistische und durchführbare Lösungen für die Umwelt-, Energie- und Ressourcenprobleme zu finden, denen die Menschheit insgesamt gegenübersteht. Die wichtigsten Arbeitsbereiche der Organisation sind heute Energie (speziell erneuerbare Energien, effektivere Energieausnutzung, Handhabung von CO2, Energietransport und Wasserstofftechnologie), Fischzucht und Fischerei, Umweltverwaltung, sowie die besonderen Umweltprobleme in Russland. Die Organisation besteht unter anderem aus Atomphysikern, Journalisten, Technikern und Ingenieuren, Biologen, Wirtschaftsfachleuten und Geografen, die fachübergreifend und oft im Dialog mit Forschungsinstituten, anderen Organisationen und der Wirtschaft arbeiten um pragmatische und durchführbare Lösungen für verschiedene Umweltprobleme zu finden. Im Laufe der letzten zwanzig Jahre hat Bellona fast 200 Studien und Berichte über umweltbezogene Verhältnisse und Problemstellungen in Norwegen und international publiziert. Die Organisation veröffentlicht außerdem laufend aktuelle Umweltnachrichten und Hintergrundinformationen in norwegischer, russischer und englischer Sprache auf ihrer Website.

Zurzeit hat Bellona etwa 60 Mitarbeiter und ist mit Büros in Norwegen (Oslo), bei der Europäischen Union (Brüssel), in den Vereinigten Staaten (Washington DC) und in Russland (Sankt Petersburg und Murmansk) vertreten. Bellona repräsentiert die norwegische Umweltbewegung in der „EEB“ (einer Plattform für die Zusammenarbeit der europäischen Umweltorganisationen) sowie in der entsprechenden russischen „Sozio-Ökologischen Union“. Bellona ist außerdem, als einzige norwegische Umweltschutzorganisation, direkt beim führenden Rat des UN-Umweltprogramms UNEP akkreditiert. In Brüssel sitzt Bellona mit im Expertenrat der EU-Kommission für die Realisierung von emissionsfreien Kraftwerken und leitet außerdem eine Arbeitsgruppe in der Technologieplattform der Kommission.

Standorte[Bearbeiten]

Europäische Union[Bearbeiten]

Bellona eröffnete sein Büro in Brüssel 1994, kurz nachdem eine Mehrheit der norwegischen Bevölkerung gegen eine Mitgliedschaft Norwegens in der EU gestimmt hatte. Verunreinigungen kennen keine Landesgrenzen und unabhängig davon, ob Norwegen Mitglied der EU ist oder nicht, werden in Brüssel wichtige Entscheidungen getroffen. Darauf möchte Bellona Einfluss nehmen und in den ersten Jahren wurde viel Zeit darauf verwandt, das EU-System über die Gefahren in Verbindung mit der unsicheren Lagerung von Atomabfall in Russland zu informieren. In den späteren Jahren haben die Klimaprobleme immer mehr Bedeutung bekommen und heute betreibt Bellona Europa in erster Linie aktive Lobbyarbeit in Energie- und Klimafragen gegenüber den Beschlussorganen der EU. Jedenfalls hat Bellona inzwischen Einfluss auf das System der EU gewonnen und der Leiter von Bellona, Frederic Hauge, ist unter anderem stellvertretender Leiter der Europäischen Technologieplattform für die Handhabung und Lagerung von CO2 (ZEP).

Russland[Bearbeiten]

Bellonas Russlandarbeit begann 1989, als die Organisation zusammen mit Einwohnern von Pasvik in der Finnmark an der Grenze zur Sowjetunion gegen die Emissionen von Schwefel aus den Nickelwerken in der Stadt Nikel auf der Kolahalbinsel demonstrierte. Jahre später demonstrierte Bellona auch gegen Versuche mit atomaren Explosionen auf Nowaja Semlja und begann damit, die Quellen nuklearer Verseuchungen in Russland kartografisch zu erfassen. Diese Arbeit fand große internationale Aufmerksamkeit, ganz besonders, als Bellona 1994 auf die unsicheren Verhältnisse rund um die weltgrößte Atomanlage in Tomsk in Sibirien aufmerksam machen konnte. Im gleichen Jahr gründete Bellona sein Büro in Murmansk und erlebte danach immer neue Schwierigkeiten mit dem russischen Inlandsgeheimdienst FSB. Eine Reihe von Berichten über Atomprobleme, speziell in den nordwestlichen Teilen Russlands, wurde von Bellona veröffentlicht und Bellona organisierte mehrere Treffen mit Politikern aus Russland, von der EU, aus den USA und Norwegen zum Thema sowie Anhörungen dazu in Brüssel. Bis heute gibt es große Risiken durch ungesicherte Atomabfälle in Russland. Bellona hat heute sowohl in Murmansk als auch in Sankt Petersburg Büros, die daran arbeiten, sowie eine große Russland-Abteilung in der Zentrale in Oslo. Neben dem Problem der Atomsicherheit ist die Arbeit an erneuerbaren Energien in Russland als Alternative zu den zahlreichen gefährlichen Atomkraftwerken ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit.

Standpunkte[Bearbeiten]

Klimaveränderung[Bearbeiten]

Ein großer Teil von Bellonas heutiger Arbeit beschäftigt sich mit dem Kampf gegen Klimaveränderungen. Dabei sieht Bellona drei Lösungen für die Klimaherausforderung: Erstens die Handhabung und Lagerung von CO2, Zweitens die Verbesserung der Effektivität bei der Nutzung von Energie und Drittens erneuerbare Energien. Um mit Lösungen der Probleme voranzukommen, hat Bellona Fachleute mit einem breiten Spektrum aus Forschung, Umweltbewegung, Industrie und Wirtschaft. Bellonas Fachleute arbeiten daran, die Klimadebatte sowohl in Norwegen als auch international im Rampenlicht zu behalten.

Im Sommer 2008 richtete Bellona die Konferenz „CC8“ im Hafslund Hovedgård in Sarpsborg aus, zusammen mit Hafslund ASA und dem Club von Madrid, einer Vereinigung ehemaliger Regierungschefs. An der Konferenz nahmen einige Prominente teil, wie Lord Nicholas Stern, Kjell Magne Bondevik, Gro Harlem Brundtland und Ricardo Lagos. In Verbindung mit der Konferenz präsentierte Bellona den Bericht „How to Combat Global Warming“ (deutsch etwa „Wie die Erderwärmung zu bekämpfen ist“). In dem Bericht wird das „Bellona Szenario“ beschrieben, in dem Bellona mit allen verfügbaren Techniken für eine Verminderung der Emissionen nachweist, dass der weltweite Ausstoß an Klimagasen bis zum Jahr 2050 um 85 Prozent reduziert werden könnte.

2009 fand die zweite Konferenz („CC9“) statt. Schirmherr und Gastredner war Robert Francis Kennedy junior.

Handhabung und Lagerung von CO2[Bearbeiten]

Die Abtrennung und Lagerung von CO2 ist heute ein Teil der Klimadebatte und von vielen als eine wichtige Waffe im Klimakampf anerkannt. Bellona begann bereits 1991, den Umgang mit CO2 und entsprechende Techniken zur Sprache zu bringen, doch waren große Teile der internationalen Umweltbewegung Gegner einer Abtrennung und Lagerung von CO2 und sind es großenteils auch heute noch. Zum einen wird die Sicherheit der Lagerung in Frage gestellt und zum anderen meinen viele Umweltgruppen, dass Techniken zur CO2-Abscheidung und -Lagerung nur den Übergang in eine zukünftige Gesellschaft der erneuerbaren Energien verzögern. Bellona dagegen meint, dass es keinen anderen Weg gibt, um die Freisetzung von Klimagasen rasch genug zu verringern und so gefährliche Klimaveränderungen zu verhindern, als eben für eine Zwischenphase (bis erneuerbare Energien als einzige Energiequelle eingeführt sind) CO2 abzuscheiden und zu lagern. Noch immer werden genug fossile Brennstoffe, insbesondere Kohle, für einige hundert Jahre zur Verfügung stehen müssen, weil die Technologie für erneuerbare Energien noch nicht weit genug entwickelt ist, um den Weltenergiebedarf schnell genug abzudecken. Deshalb setzt sich Bellona nachhaltig für CO2-Lagerung ein.

Fälle[Bearbeiten]

Umweltkriminalität[Bearbeiten]

Im ersten Jahr des Bestehens sorgte Bellona dafür, Umweltschutz in Norwegen auf die Tagesordnung zu setzen, indem sie zum Beispiel direkt umweltgefährlichen Abfall ausgruben. Allzu viele Unternehmen in Norwegen und im Ausland hatten leckende Rohrleitungen und vergrabenen Giftmüll und die Spezialität von Bellona war es, mit Vertretern der Medien im Schlepptau zu unangemeldeten Inspektionen zu erscheinen. Bellona führte den Begriff der Umweltkriminalität in die norwegische Sprache ein und lieferte reihenweise Anzeigen und Beweise gegen die Kriminellen. PCB-, Dioxin- und Quecksilberskandale wurden ohne Unterbrechung aufgedeckt und einige der wichtigsten direkten Aktionen waren die gegen

Auch Anzeigen bei den Behörden brachten die Dinge oft langfristig voran – so musste zum Beispiel Borregård in Sarpsborg im Jahre 1993 ein Bußgeld von 500.000 norwegischen Kronen für die verbotene Emission von Quecksilber durch undichte Leitungen bezahlen, die von Bellona drei Jahre zuvor angezeigt worden war. Dem Bergwerksunternehmen Titania wurde durch die Behörden zur Auflage gemacht, eine Landdeponie für ihre Abraummassen zu anzulegen und so die unkontrollierte Versenkung von rund zwei Millionen Tonnen Abraum pro Jahr ins Meer zu verhindern. Heutzutage ist Umweltkriminalität nicht mehr so allgegenwärtig, aber Bellona hat weiterhin Mitarbeiter, die an Problemen im Zusammenhang mit Umweltgiften und verunreinigten Böden und Gewässern arbeiten.

Ölförderung im Norden[Bearbeiten]

Schon 1993 trat Bellona erstmals aktiv gegen die Ölförderung in der Barentssee auf, indem man sich der Shell-Plattform „Ross Rigg“ in den Weg stellte. Der Kampf gegen die mögliche Schädigung oder Zerstörung einzigartiger Meeresgebiete durch die Ölindustrie war sehr wichtig für Bellona und soll in den kommenden Jahren noch wichtiger werden. Mit StatoilHydro an der Spitze drängen verschiedene Ölgesellschaften danach, vor den Inseln der Lofoten und der Vesterålen nach Öl zu bohren. Zusammen mit örtlichen Kräften und anderen Umweltorganisationen hat Bellona eine starke Allianz gegen die Ölgesellschaften aufgebaut. Dabei gehen die Argumente gegen die Ölförderung sowohl um die Sicherheit – man fürchtet die Konsequenzen eventueller Freisetzungen von Öl in die Umwelt – als auch um die grundsätzliche Unvereinbarkeit der Ölindustrie mit den Geschäften der Fischerei, der Fischzucht und des Fremdenverkehrs.

Alexander Nikitin[Bearbeiten]

Alexander Nikitin begann 1995 für Bellona zu arbeiten und wurde am 6. Februar 1996 von russischen Sicherheitsorganen verhaftet und wegen Hochverrats und Spionage angeklagt. Die Verhaftung löste einen langen Prozess gegen den früheren russischen U-Boot-Kapitän und Mitautor der Bellona-Studie „Die russische Nordflotte – Quellen für radioaktive Verunreinigung“ aus. Die Studie wurde in Russland verboten und der Fall Nikitin wurde Gegenstand enormer internationaler Aufmerksamkeit. In den folgenden Jahren konzentrierten sich fast alle Kräfte von Bellona auf den Kampf für die Freilassung von Alexander Nikitin. Im Jahre 1999 wurde er schließlich durch das höchste russische Gericht freigesprochen. Dies war der erste Fall, in dem überhaupt jemand vor dem obersten russischen Gericht gegen die Sicherheitspolitik des FSB gewonnen hatte. Heute leitet Nikitin das Bellona-Büro für Umweltrecht in Sankt Petersburg.

Sellafield[Bearbeiten]

Als 2004 bestimmt wurde, dass alle Emissionen des radioaktiven Stoffes Technetium (Tc-99) aus der Atomanlage Sellafield zu unterbleiben haben, war dies einer von Bellonas größten Erfolgen. Die Wiederaufarbeitungsanlage im Norden Englands behandelt seit Jahrzehnten Atomabfall und hat riesige Verunreinigungen des Meeres verursacht. Ihre schlimmste Zeit war in den 1970er Jahren, aber auch die Freisetzung von Tc-99, die 1994 begann, war äußerst problematisch.

Tc-99 ist ein Stoff, der sich in einzelnen Organismen wie Tang oder Hummern anreichert. 1996 wurde der Stoff überall entlang der norwegischen Küste aufgespürt und man fand Spuren von Atomabfällen bis hinauf nach Svalbard. Zusätzlich zu den lautstarken Protesten gegen die Vergiftung norwegischer Gewässer setzten sich die Atomphysiker von Bellona daran, die Ursachen und mögliche Lösungen genauer zu untersuchen.

Auf einer Konferenz 2003 legte Bellona Berechnungen vor, die aufzeigten, dass eine Abtrennmethode praktisch möglich war und nicht nur eine Lagerung der ungereinigten Absonderungen an Land, wie britische Behörden es wünschten. Nach zehn Jahren Kampf wird nun das Technetium mit einer neuen Reinigungsmethode abgetrennt und dann separat an Land gelagert.

Der Atomreaktor in Sellafield ist inzwischen geschlossen, es wird aber noch immer Atomabfall durch die Anlage THORP (Thermal Oxides Reprocessing Plant) in Sellafield aufgearbeitet. Diese Anlage hatte zahlreiche Unfälle und unkontrollierte Freisetzungen und Bellona fordert, dass jegliche Aufarbeitung von Atomabfall in Sellafield aufhören muss.

Algenreaktor/Kohlenstoff-negative Technik[Bearbeiten]

2008 unterzeichnete Bellona einen Vertrag über eine Zusammenarbeit mit der niederländischen Gesellschaft AlgaeLink, welche eine Tankanlage für die automatisierte Produktion von Bio-Öl aus Algen entwickelt hat. Nach Angaben der Gesellschaft lässt sich damit auf der gleichen Fläche 20 Mal mehr Brennstoff aus Algen herstellen als aus Raps oder anderen Ölsaaten. Die Algen können außerdem in Gegenden gezüchtet werden, die sich für die Produktion von Nahrungsmitteln nicht eignen und die Konzeption kommt insofern nicht zwingend in Konflikt mit dem wachsenden Nahrungsbedarf. Der Algenreaktor hat eine Größe von vier mal sechs Metern, fasst 3.000 Liter und kann sowohl mit Süßwasser als auch mit Salzwasser betrieben werden. Ein Kraftwerk mit kontrolliertem CO2-Umgang, welches den Brennstoff aus diesen Algen verbrennt, könnte „Kohlenstoff-negativ“ werden, weil der CO2-Ausstoß aus biologischem Material als Ausgangspunkt ein Teil des natürlichen Kreislaufs ist. Lassen sich dann auch noch Teile dieses CO2-Ausstoßes auffangen, binden und deponieren, so würde am Ende weniger CO2 in die Atmosphäre gelangen, als wenn das Produkt aus den Algen gar nicht verbrannt würde, sondern im natürlich Kreislauf verbleibt.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Website der niederländischen Firma Algaelink (englisch)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bellona Foundation – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien