Bunte Kuh

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Bunte Kuh (Begriffsklärung) aufgeführt.
Bunte Kuh
Störtebeker geht von Bord der Bunten Kuh, Holzstich von 1877

Störtebeker geht von Bord der Bunten Kuh, Holzstich von 1877

p1
Schiffsdaten
Flagge HamburgHamburg Hamburg
Schiffstyp Schnigge

Die Bunte Kuh war eine vermutlich in Flandern gebaute Schnigge, die als eines der Führungsschiffe der hansischen Flotte im Jahre 1401 den Angriff auf den Seeräuber Klaus Störtebeker führte.

Geschichte[Bearbeiten]

Zur Sicherung des Seehandels mit England und Holland vor Piratenangriffen finanzierte die Stadt Hamburg den Kaufleuten Simon von Utrecht und Hermann Nyenkerken zwei Schniggen samt Waffen und Seeleuten. Das eine der Schiffe, die Bunte Kuh, wurde Hermann Nyenkerken übertragen, und das zweite, namentlich nicht überlieferte, dem aus Flandern in die Hansestadt gezogenen Simon von Utrecht. Die leichten Schniggen konnten berudert werden und eigneten sich ideal zur Jagd auf Seeräuber, da sie den großen Handelskoggen durch ihre Schnelligkeit und Wendigkeit überlegen waren.[1] Ab dem Jahr 1400 diente sie der Verfolgung und Bekämpfung der Vitalienbrüder Störtebekers und Gödeke Michels', die mit mehreren Schiffen, eines davon trug den Namen Seetiger, den Seehandel in der Nordsee bedrohten. Entgegen der Legende um Simon von Utrecht wurde die Bunte Kuh von Hermann Nyenkerken kommandiert. Die Bunte Kuh wurde begleitet von einer Flotte bewaffneter Kauffahrteischiffe, Friedeschiffe genannt, die von den Hamburger Ratsherren Nikolaus Schocke und Hermann Lange geführt wurden. Störtebeker konnte schließlich vor Helgoland gestellt werden. Die Seeräuber wurden besiegt und auf der Bunten Kuh nach Hamburg transportiert, wo Störtebeker und andere 1401 auf dem Grasbrook vor den Toren der Stadt enthauptet wurden.

Schiffstyp[Bearbeiten]

Von dem historischen Fahrzeug sind nicht mehr bekannt als Name (bunte ko), Schiffsführer sowie Kosten für Anschaffung und Unterhalt. In Hamburger Kämmererbüchern wurden über mehrere Jahre die diesbezüglichen Ausgaben der Stadt vermerkt.[2] Ihre Höhe lässt den Schluss zu, dass es sich bei dem Schiff um eine Schnigge handelte, da die Kosten für Bau und Unterhalt einer Kogge mehr als doppelt so hoch gewesen wären. Die fehlerhafte Klassifizierung der Bunten Kuh als Kogge sowie die Zuschreibung des Schiffs zu Simon von Utrecht geht vermutlich auf die im 17. Jahrhundert erneuerte Grabplatte Simons von Utrecht zurück, die mit einer fehlerhaften Lobesinschrift versehen wurde.[1]

Nachwirkungen[Bearbeiten]

Trotz fehlender zeitgenössischer Bildquellen existieren zahlreiche Modelle und Abbildungen der Bunten Kuh aus späterer Zeit. Meist wurde das Schiff als koggenähnlicher Schiffstyp dargestellt. So befinden sich Modelle der Bunten Kuh im Hamburger Ratskeller und im Museum für Hamburgische Geschichte. In Lübeck, der damaligen „Königin der Hanse“, gibt es heute einen Vorort mit dem Namen Buntekuh, über dessen Herkunft nichts bekannt ist.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Jörgen Bracker (Hrsg.): Gottes Freund – aller Welt Feind: von Seeraub und Konvoifahrt; Störtebeker und die Folgen. Museum für Hamburgische Geschichte, Hamburg 2001, ISBN 3-9805772-5-2.
  • Angus Konstam: Piracy – The Complete History. Osprey, Oxford 2008, ISBN 978-1-84603-240-0 (englisch)

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Jörgen Bracker (Hrsg.): Gottes Freund – aller Welt Feind: von Seeraub und Konvoifahrt; Störtebeker und die Folgen. Museum für Hamburgische Geschichte, Hamburg 2001, ISBN 3-9805772-5-2, S. 26–28.
  2. Karl Koppmann: Kämmereirechnungen der Stadt Hamburg, 1401-1470. Hamburg 1873 http://books.google.de/books?id=gT4OAAAAQAAJ&pg=RA1-PA2:
    1401. EXPOSITA. [...]
    Ad expediendum naves contra Hollandrenses post Pascha, que non venerunt ad mare propter prorogacionem в pacis 356 5 ß. Ad reysam dominorum Nicolai Schoken et Hinrici Ienevelt, super Weseram contra Vitalienses 230 ℔ 14 ß. Pro expensis Hollandinorum captivorum et Frisonnm et Vitaliensium sub pretorio 193 ℔ 7 ß. 42 ß Knokere ad custodiendum captivos. Braxatoribus pro braxatura cerevisie, humulo et blado emissis in Hollandiam per navem Hermanni Nyestad 280 ℔ 7 ß. Ad reysam domini Hinrici de Hachede, contra Hollandenses super Albeam 121 ℔ 4 ß. Ad reysam domini Hinrici Ienevelt de anno preterito 42 ℔. Ad reysam dominorum Hermanni Langhen et Nicolai Schoken, in Hilghelande, de anno preterito contra Vitalienses: summa 57 ℔. Ad construendum naves Symonis de Utrecht et bunte ko et pro expedicione eiusdem navis bunte ko 95 1/2 ℔ 5 ß. Pro expensis consumptis per Hollandeses cum civibus nostris 15 ℔. 150 ℔ pro 100 nobilibus auri expositis Iohanni Vlardinghe pro arrestacione bonorum suorum.
    1402. EXPOSITA. [...]
    Ad diversa: 48 ℔ Symoni de Utrecht pro labore et destructione navalium instrumentorum, quando Godeke Michahelis et alii fuerunt capti. 6 ℔ 4 ß eidem pro anchoris, lanceis et expensis carpentariorum. 67 ℔ pro 100 florenis Rynensibus propinatis comiti Hinrico Holtzacie. 32 ℔ Hermanno Nyenkerken pro labore et navalibus destructis ad usus navis buntenko dicte. 28 ß fistulatori marchgravii Misneusis. 24 ℔ Wernero de Ulsen pro eo, quod ceperunt Godeken Michahel et suos complices.“