Bunte Kuh

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Bunte Kuh (Begriffsklärung) aufgeführt.
Bunte Kuh
Störtebeker geht von Bord der Bunten Kuh, Holzstich von 1877

Störtebeker geht von Bord der Bunten Kuh, Holzstich von 1877

p1
Schiffsdaten
Flagge HamburgHamburg Hamburg
Schiffstyp Schnigge

Die Bunte Kuh war eine vermutlich in Flandern gebaute Schnigge, die als eines der Führungsschiffe der hansischen Flotte im Jahre 1401 den Angriff auf den Seeräuber Klaus Störtebeker führte.

Geschichte[Bearbeiten]

Zur Sicherung des Seehandels mit England und Holland vor Piratenangriffen finanzierte die Stadt Hamburg den Kaufleuten Simon von Utrecht und Hermann Nyenkerken zwei damals moderne Schniggen samt Waffen und Seeleuten. Das eine der Schiffe, die Bunte Kuh, wurde Hermann Nyenkerken übertragen, und das zweite, namentlich nicht überlieferte, dem aus Flandern in die Hansestadt gezogenen Simon von Utrecht. Die leichten Schniggen konnten berudert werden und eigneten sich ideal zur Jagd auf Seeräuber, da sie den großen Handelskoggen durch ihre Schnelligkeit und Wendigkeit überlegen waren.[1] Ab dem Jahr 1400 diente sie der Verfolgung und Bekämpfung Störtebekers und Gödeke Michels, die mit mehreren Schiffen, eines davon trug den Namen Seetiger, den Seehandel in der Nordsee bedrohten. Entgegen der Legende um Simon von Utrecht wurde die Bunte Kuh von Hermann Nienkerken kommandiert. Die Bunte Kuh wurde begleitet von einer Flotte bewaffneter Kauffahrteischiffe, Friedeschiffe genannt, die von den Hamburger Ratsherren Nikolaus Schocke und Hermann Lange geführt wurden. Störtebeker konnte schließlich vor Helgoland gestellt werden. Die Seeräuber wurden besiegt und auf der Bunten Kuh nach Hamburg transportiert, wo Störtebeker und andere 1401 auf dem Grasbrook vor den Toren der Stadt enthauptet wurden.

Schiffstyp[Bearbeiten]

Von dem historischen Fahrzeug ist nicht mehr bekannt als dessen Name, Schiffsführer sowie Kosten für Anschaffung und Unterhalt. In Hamburger Kämmererbüchern wurden über mehrere Jahre die Ausgaben der Stadt für den Unterhalt der Bunten Kuh vermerkt. Die Höhe der für die Bunten Kuh aufgezeichneten Kosten lassen den Schluss zu, dass es sich bei dem Schiff um eine Schnigge handelte, da die Kosten für Bau und Unterhalt einer Kogge mehr als doppelt so hoch gewesen wären. Die fehlerhafte Klassifizierung der Bunten Kuh als Kogge sowie die Zuschreibung des Schiffs zu Simon von Utrecht geht vermutlich auf die im 17. Jahrhundert erneuerte Grabplatte Simons von Utrecht zurück, die mit einer fehlerhaften Lobesinschrift versehen wurde.[1]

Nachwirkungen[Bearbeiten]

Trotz fehlender zeitgenössischer Bildquellen existieren zahlreiche Modelle und Abbildungen der Bunten Kuh aus späterer Zeit. Meist wurde das Schiff als koggenähnlicher Schiffstyp dargestellt. So befinden sich Modelle der Bunten Kuh im Hamburger Ratskeller und im Museum für Hamburgische Geschichte. In Lübeck, der damaligen „Königin der Hanse“, gibt es einen Stadtteil mit dem Namen Buntekuh, dessen Name mit dem Schiff aber nicht in Zusammenhang steht.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Jörgen Bracker (Hrsg.): Gottes Freund – aller Welt Feind: von Seeraub und Konvoifahrt; Störtebeker und die Folgen. Museum für Hamburgische Geschichte, Hamburg 2001, ISBN 3-9805772-5-2.
  • Angus Konstam: Piracy – The Complete History. Osprey, Oxford 2008, ISBN 978-1-84603-240-0 (englisch)

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Jörgen Bracker (Hrsg.): Gottes Freund – aller Welt Feind: von Seeraub und Konvoifahrt; Störtebeker und die Folgen. Museum für Hamburgische Geschichte, Hamburg 2001, ISBN 3-9805772-5-2, S. 26–28.