Corona radiata (ZNS)

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Als Corona radiata bezeichnet man in der Neuroanatomie verschiedenartige Projektionsbahnen. Die Namensgebung beruht auf ihrer strahlenförmigen und fächerartigen Ausbreitung und dem Auseinanderstreben im Großhirn von den Stammganglien aus gesehen. Die Basalganglien stellen eine Art von Engpass für die Projektionsbahnen auf ihrem Weg von der bzw. zur Hirnrinde dar. „Corona radiata“ ist somit eine vorwiegend morphologische Bezeichnung. Die deutsche Namensgebung lautet Stabkranz. Es werden unterschieden:

  1. Corona radiata capsulae internae
  2. Corona radiata thalami

Die Fasern der Corona radiata (zu 1.) des vorderen Schenkels der inneren Kapsel sind absteigende Projektionsbahnen und entstammen dem Frontalhirn (Tractus frontopontinus und Tractus frontothalamicus). Im Knie der inneren Kapsel liegen die für die Hirnnerven zuständigen Anteile der Pyramidenbahn, daran anschließend im hinteren Schenkel die somatotopisch gegliederten Pyramidenbahnen für die Rückenmarksnerven. Daran schließen sich nach hinten sensible (aufsteigende) Bahnen an gefolgt von der absteigenden temporooccipitalen Brückenbahn und der aufsteigenden Hör- und Sehbahn. Alle diese Projektionsbahnen werden unter dem Begriff der Corona radiata zusammengefasst.[1][2][3][4]

Der Stabkranz des Thalamus (zu 2.) ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil hier alle somatisch afferenten Projektionsbahnen einschließlich der sensorischen umgeschaltet werden. Die einzige Ausnahme hiervon bilden die sensorischen Fasern des Olfactorius. Die Radiatio thalami liegt der äußeren Thalamusfläche an und setzt sich somit im inneren Anteil der Capsula internae fort. Der Thalamus wird aber auch als Umschaltung für absteigende Bahnen genutzt, wie bereits aus dem vorstehend (zu 1.) genannten Verlauf des Tractus frontothalamicus hervorgeht. Außerdem erhält er rückläufige Verbindungen aus Rindengebieten, zu denen seine aufsteigenden Fasern ausgehen. Es wird somit ein thalamocorticaler Neuronenkreis geschlossen, der nach Art eines Reflexbogens im Rückenmark arbeitet. Man kann ihn wegen der durch die Großhirnrinde vermittelten Bewusstseinsqualitäten auch als „psychischen Reflexbogen“ bezeichnen, durch den bestimmte Wahrnehmungen mit psychischen Qualitäten ausgezeichnet und belegt werden.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Johannes Sobotta und H. Becher: Atlas der Anatomie des Menschen. 3. Teil: Zentralnervensystem u.a. Urban & Schwarzenberg, München 1962, Fig. 299, 300, S. 331f.
  2. Herrman Voss, Robert Herrlinger: Taschenbuch der Anatomie. Band III: Nervensystem, Sinnessystem, Hautsystem, Inkretsystem. Fischer, Jena 1964, S. 62f.
  3. Peter Duus: Neurologisch-topische Diagnostik. Anatomie, Physiologie, Klinik. Thieme, Stuttgart 1990, ISBN 3-13-535805-4, S. 41, 43, 358, 360
  4. Helmut Ferner: Anatomie des Nervensystems und der Sinnesorgane des Menschen. Reinhardt, München 1964, S. 142ff.
  5. Alfred Benninghoff, Kurt Goerttler: Lehrbuch der Anatomie des Menschen. Dargestellt unter Bevorzugung funktioneller Zusammenhänge. 3. Band. Nervensystem, Haut und Sinnesorgane. Urban und Schwarzenberg, München 1964, S. 224ff.

Weblinks[Bearbeiten]