Cranio-Sacral-Therapie

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Die Cranio-Sacral-Therapie (vom Lateinischen cranium: Schädel; sacral: das Kreuzbein (os sacrum) betreffend: „Schädel-Kreuzbein-Therapie“, auch Kraniosakraltherapie) ist eine alternativmedizinische Behandlungsform, die sich aus der Osteopathie entwickelt hat. Es ist ein manuelles Verfahren, bei dem Handgriffe vorwiegend im Bereich des Schädels, des Nackens, des Zungenbeins, des Thorax, der Wirbelsäule, des Kreuzbeins, des Zwerchfells, des Pelvis und der Füße ausgeführt werden. Es gibt nur wenige Studien zur Cranio-Sacral-Therapie. Wissenschaftlich lässt sich keine Wirksamkeit belegen. (siehe Quellen, Stand 2013)

Entstehung[Bearbeiten]

Die Cranio-Sacrale Therapie ist aus der kraniosakralen Osteopathie entstanden, die als „Osteopathy in the Cranial Field“ vom US-amerikanischen osteopathischen Arzt William Garner Sutherland D.O. begründet wurde und als kraniosakrale Osteopathie fester Bestandteil der Osteopathie wurde. Die heutige Ausprägung erhielt die Cranio-Sacrale Therapie im Wesentlichen durch den Osteopathen John E. Upledger mit dem Buch Craniosacral Therapy im Jahr 1983 [1], die deutsche Übersetzung hat den Titel Lehrbuch der Craniosacralen Therapie I [2]. Upledger berichtet in diesem Buch, daß er während einer Operation die rhythmische Bewegung der Duralmembran (Dura mater) mit einer Frequenz von ungefähr achtmal in der Minute entdeckte und erklärte diese Entdeckung mit den Grundlagen der kraniosakralen Osteopathie, die er mit dem Cranio-Sakralen System weiterentwickelte. Basis seiner Behandlungstechnik wurde die Palpation (Untersuchung durch Berührung).

Konzept[Bearbeiten]

Die Cranio-Sacral-Therapie beruht unter anderem auf der Annahme, dass sich die rhythmischen Pulsationen der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit (Liquor cerebrospinalis), der sog. Primäre Atemmechanismus PAM (oder auch Primärer respiratorischer Mechanismus – PRM), auf die äußeren Gewebe und Knochen übertragen und somit per Palpation ertasten lassen. Die Einzelknochen der Schädelkalotte werden auch bei Erwachsenen als gegeneinander beweglich angesehen.

Bei einer typischen Craniosacraltherapie-Sitzung liegen die Klienten in der Regel bekleidet in Rückenlage auf einer Behandlungsliege. Sie dauert im Schnitt etwa eine Stunde. Der Therapeut arbeitet mit seinen Handflächen oder Fingern vorwiegend mit minimalen Zug- oder Druckkräften. Er arbeitet dabei entweder in die von ihm als physiologisch sinnvoll empfundene Richtung oder er folgt der von ihm erfühlten Gewebespannung, um sie zu reduzieren. Ein wesentlicher Aspekt liegt dabei auf dem Ertasten und Verändern des kraniosakralen Rhythmus.

Kritik[Bearbeiten]

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass die Bewegungen und Drücke des zerebrospinalen Liquors dynamisch auf die Druckverhältnisse im Körper reagieren. Dadurch kommt es zu charakteristischen puls- und atemsynchronen Änderungen sowie zu Schwankungen beim Husten oder beim Valsalva-Manöver.[3] Die Existenz einer im ganzen Körper wirksamen Liquorwelle sowie die Wirksamkeit der Cranio-Sacral-Therapie konnte nicht belegt werden.[4] Studien über die Wirksamkeit (siehe medizinische Wirksamkeit) oder Wirkweise der Cranio-Sacral-Therapie wurden in internationalen medizinischen Fachblättern aufgrund methodischer Mängel bisher als mangelhaft bewertet.[5][6] Auch ein neues Review von Jäkel und Hauenschild [7] aus dem Jahre 2012 zeigt auf, dass es zwar einzelne hochwertige Studien gibt,[8][9][10]. die über eine schmerzlindernde und wohlbefindenssteigernde Wirkungen berichten, die Studienlage insgesamt aber keine verlässliche Aussage zu einer klinischen Wirksamkeit der CST erlaubt.
In den bisherigen Untersuchungen gab es keine signifikante Übereinstimmung über einen festgestellten Rhythmus zwischen zwei Therapeuten, die gleichzeitig dieselbe Person berührten.[11][12][13][14][15] Auch die durch bildgebende Verfahren im Mikrobereich festgestellte Bewegung der Schädelnähte ist so gering, dass sie das Diskriminationsvermögen der feinen Tastsensoren einer menschlichen Hand deutlich unterschreitet.[16]

Quellen[Bearbeiten]

  1. John E. Upledger, Jon D. Vredevoogd: Craniosacral Therapy. Eastland Press. 1983. ISBN 0-939616-01-7
  2. John E. Upledger, Jon D. Vredevoogd: Lehrbuch der Craniosacralen Therapie I. Karl F. Haug Verlag. Stuttgart 2003. ISBN 3-8304-7168-8
  3. Maier SE et al. „Brain and cerebrospinal fluid motion: real-time quantification with M-mode MR imaging“. Radiology. 1994 Nov;193(2):477-83. PMID 7972766 (Volltext)
  4. Hartman SE et al. „Craniosacral therapy is not medicine“. Phys Ther. 2002 Nov;82(11):1146-7. PMID 12405869
  5. Green C et al. „A systematic review of craniosacral therapy: biological plausibility, assessment reliability and clinical effectiveness“. Complement Ther Med. 1999 Dec;7(4):201-7. PMID 10709302
  6. Hartman SE. „Cranial osteopathy: its fate seems clear“. Chiropr Osteopat. 2006 Jun 8;14:10. PMID 16762070
  7. Jäkel A., von Hauenschild P. "A systematic review to evaluate the clinical benefits of craniosacral therapy". Oxford Brooks University PMID 23131379
  8. Castro-Sanchez AM, Mararan-Penarocha GA, Sanchez-Labarca N, Queseda-Rubio JM, Granero-Molina J, Moreno-Lorenzo C. "A randomized controlled trial investigating the effects of craniosacral therapy on pain and heart rate variability in fibromyalgia patients". Clinical Rehabilitation 2011;25:25-35 PMID 20702514
  9. Mataran-Penarrocha GA, Castro-Sanchez AM, Garcia GC, Moreno-Lorenzo C, Carreno TP, Zafra MD. "Influence of craniosacral therapy on anxiety, depression and quality of life in patients with fibromyalgia". Evidence-based Complementary Alternative Medicine 2009 PMID 19729492
  10. Nourbakhsh MR, Fearon FJ. The effect of oscillation-energy manual therapy on lateral epicondylitis: a randomized, placebo-control, double-blinded study. Journal of Hand Therapy: 2008;21:4-13 PMID 18215746
  11. Wirth-Pattullo V et al. „Interrater reliability of craniosacral rate measurements and their relationship with subjects' and examiners' heart and respiratory rate measurements“. Phys Ther. 1994 Oct;74(10):908-16; discussion 917-20. PMID 8090842 (Volltext)
  12. Hanten WP et al. „Craniosacral rhythm: reliability and relationships with cardiac and respiratory rates“. J Orthop Sports Phys Ther. 1998 Mar;27(3):213-8. PMID 9513867
  13. Rogers JS et al. „Simultaneous palpation of the craniosacral rate at the head and feet: intrarater and interrater reliability and rate comparisons“. Phys Ther. 1998 Nov;78(11):1175-85. PMID 9806622 (Volltext)
  14. Sommerfeld P et al. „Inter- and intraexaminer reliability in palpation of the "primary respiratory mechanism" within the "cranial concept"“. Man Ther. 2004 Feb;9(1):22-9. PMID 14723858
  15. Moran RW et al. „Intraexaminer and interexaminer reliability for palpation of the cranial rhythmic impulse at the head and sacrum“. J Manipulative Physiol Ther. 2001 Mar-Apr;24(3):183-90. PMID 11313614
  16. Deutsches Ärzteblatt 2009; 106(46): A-2325/B-1997/C-1941 Wissenschaftliche Bewertung osteopathischer Verfahren

Literatur[Bearbeiten]

  • John E. Upledger: Auf den Inneren Arzt hören - Eine Einführung in die KranioSacral-Arbeit. Basel 1994.
  • T. Liem: Praxis der Kraniosakralen Osteopathie Haug, 2010
  • D. Agustoni: Craniosacral-Rhythmus: Praxisbuch zu einer sanften Körpertherapie Kösel-Verlag 2006

Weblinks[Bearbeiten]