Crocodile
Beim Crocodile handelt es sich um ein 1872 in Nordfrankreich eingeführtes Zugsicherungssystem. Es wird heute als sehr unsicher angesehen und durch weitere Systeme, z. B. KVB ergänzt. Das Gerät wird heute in Frankreich, Luxemburg und Belgien benutzt, soll aber langfristig durch ETCS-Ausrüstung ersetzt werden. In Belgien und Luxemburg wird es unter dem Namen Memor benutzt.
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[Bearbeiten] Verwendung
Ein Crocodile wird üblicherweise an allen Signalen mit Vorsignalfunktion (d. h. bei reinen Vorsignalen, kombinierten Haupt-/Vorsignalen und der Disque) angebracht. Ebenso sind diverse Langsamfahrsignale mit Crocodile ausgerüstet. Wird es von einer Lok passiert, ertönt auf dem Führerstand eine Hupe. Der Triebfahrzeugführer hat 5 Sekunden Zeit die Beeinflussung zu quittieren, sonst wird eine Zwangsbremsung ausgelöst. Eine weitere Bremskurve wird nicht überwacht, das System überprüft also nur, ob der Triebfahrzeugführer das Signal wahrgenommen hat. Daneben wird das Crocodile an reinen Hauptsignalen angebracht, auch wenn es keine unmittelbare Zwangsbremsung bei unzulässiger Vorbeifahrt auslösen kann. Eine solche Funktion fehlt dem Crocodile. Man geht im Fall der unzulässigen Vorbeifahrt am haltzeigenden Signal davon aus, dass ein Lokführer, dem dies unbeabsichtigt passiert, nicht damit rechnet, eine Beeinflussung zu erhalten, diese daher auch nicht quittiert und somit in Folge eine Zwangsbremsung nach dem Ablauf der Prüfzeit erfolgt.
[Bearbeiten] Aufbau
Zwischen den Schienen ist ein Stahlsteg - das Crocodile - angebracht. Ist die Disque sichtbar (Halt erwarten), liegt am Crocodile eine Spannung von +20 V gegenüber Erde bzw. den Schienen an. Am Triebfahrzeug ist eine Bürste angebracht, die diese Spannung zum Empfangsgerät überträgt. Das System wurde zur Zeit der Dampflokomotiven eingeführt und hat mechanisch eine Pfeife aktiviert, die vom Triebfahrzeugführer zurückgesetzt werden musste. Die Funktion der Zwangsbremsung kam erst später hinzu. Auf dem Fahrtenschreiber wurde sowohl die Beeinflussung, als auch die Quittierung durch senkrechte Striche vermerkt. Um Fahrtenschreiber besser analysieren zu können, wurde später eine Spannung von −20 V angelegt, wenn das Signal einen Fahrtbegriff zeigte, also signaltechnisch unbedeutend war. Diese Spannung beeinflusste die alten Empfangsgeräte nicht, wird aber auf dem Fahrtenschreiber dokumentiert.
[Bearbeiten] Führerstandseinrichtung
Bei einer Beeinflussung ertönt die Hupe und eine gelbe Lampe blinkt. Wird die Beeinflussung bestätigt, leuchtet die gelbe Lampe bis zum nächsten Hauptsignal.
[Bearbeiten] Memor II+
Nach drei tragischen Unfällen in Luxemburg (1997) wurde das System dort zu Memor II+ ergänzt. Memor II überprüft eine Bremskurve, so dass 800 m nach der Beeinflussung eine Geschwindigkeit von 60 km/h erreicht werden muss, sonst wird eine Zwangsbremsung eingeleitet. Problematisch ist dabei immer noch die fehlende Zwangsbremsung bei Halt zeigendem Hauptsignal. Daher werden bei Memor II+ zwei Crocodiles in höchstens 11 Meter Abstand hintereinander an einem Hauptsignal platziert. Haben diese beiden Crocodiles gleichzeitig ein positives Potential, wird bei entsprechender Fahrzeugausrüstung eine Zwangsbremsung eingeleitet.
[Bearbeiten] Weblinks
- Contrôle de vitesse par balises et répétition du signal en cabine type SNCF
- An introduction to French cab signals and speed recorders
ATB (Niederlande) | ATC (Schweden) | ASFA (Spanien) | AWS (Großbritannien) | GW ATP (Großbritannien) | TPWS (Großbritannien) | Crocodile/Memor (Belgien, Frankreich, Luxemburg) | EVM 120 (Ungarn) | Indusi, PZB (Deutschland, Österreich) | LZB (Deutschland, Österreich, Spanien, ehemals Schweiz) | Integra-Signum (Schweiz) | KVB | TVM (Frankreich) | LS90 (Tschechien) | Mirel (Osteuropa) | SHP (Polen) | RS4 Codici, SCMT, BACC (Italien) | TBL (Belgien) | ZUB 121 (Schweiz, Spanien) | SELCAB (Spanien) | ZUB 122 (Deutschland, für Neigetechnik-Züge) | ZUB 123 (Dänemark) | ALSN (ehemalige UdSSR) | EBICAB (Schweden, Norwegen, Portugal, Bulgarien)
ETCS (europäisches Zugsicherungssystem)