Königreich Dahomey

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Flagge von König Gézo (1818-1858)

Dahomey oder auch Dahomé war ein westafrikanisches Königreich, das für etwa 260 Jahre an der Küste der Bucht von Benin bestand.

1960 gründete sich unter Bezugnahme auf das alte Königreich der moderne Staat Dahomey, dessen Staatsgebiet sich in Teilen mit dem Gebiet des alten Königreiches deckte, in den nördlichen Teilen aber weit darüber hinausreichte. 1975 wurde dieser Staat in Volksrepublik Benin umbenannt (seit 1990 Republik Benin).

Lage[Bearbeiten]

Das Königreich Dahomey grenzte zum Ende des 19. Jahrhunderts hin im Osten an das Land der Yoruba und reichte im Westen bis zum Volta. Somit umfasste es ein Gebiet, das sich auf einer Länge von knapp 300 km vom heutigen West-Nigeria bis ins heutige Ghana erstreckte. Im Norden reichte es von der Küste aus etwa 150 km nach Norden, in etwa bis zur Nordgrenze des heutigen beninischen Départements Collines. Hauptstadt und Zentrum des Königreiches war die heute im Benin gelegene Stadt Abomey.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Königreich Dahomey wurde im 17. Jahrhundert gegründet und bestand bis Ende des 19. Jahrhunderts, als es von französischen Truppen von Senegal aus erobert und später Teil von Französisch-Westafrika wurde.

Die Ursprünge Dahomeys sind bis zu einer Gruppe von Adja aus dem Küstenkönigreich von Allada zurück verfolgbar, die ins Landesinnere zogen und sich zwischen den dort ansässigen Fon niederließen. Ab etwa 1650 dominierten die Zuwanderer die Stämme der Fon und der Wegbaja und erhoben einen aus ihren Reihen zum König. Ihre Hauptstadt Abomey wurde unter Houegbadja und seinen Nachfolgern zum Mittelpunkt eines zentralistischen Staates mit einem tief verwurzelten Königs-Kult mit sakralem Charakter. Dabei gab es auch Menschenopfer für die Vorfahren des Königshauses. Alles Land gehörte direkt dem jeweiligen König, der Steuern auf alle Feldfrüchte erhob.

Ökonomisch profitierten die Könige von Dahomey aber am meisten vom Sklavenhandel an den Küsten. Als die Könige dann eine Strategie der Expansion verfolgten, benutzten sie bereits Gewehre und andere Feuerwaffen, die sie durch den Sklavenhandel für Amerika mit den Europäern erworben hatten. Unter König Agadja (er regierte von 1708 bis 1732) eroberten sie Allada, aus dem die herrschenden Familien abstammten und erhielten somit direkten Zugriff zur Küste und zu den Anlegeplätzen europäischer Sklavenhändler. Das Nachbarreich der Oyo, Dahomeys Hauptkonkurrent im Sklavenhandel, konnte allerdings nicht erobert werden. Vielmehr gelang es Oyo um 1730, Dahomey tributpflichtig zu machen.

Trotz der Tributpflicht behielt Dahomey seine Unabhängigkeit und expandierte weiterhin durch den Handel mit Sklaven und später auch von Palmöl aus Plantagen. Weiterhin behielt der König das Monopol auf alles Land und jeglichen Handel.

Vom 17. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts verfügte Dahomey über Frauen-Regimenter in der Armee.[1]

Am 10. September 1885 schloss Portugal im Hinterland von São João Baptista d’Ajudá einen Vertrag mit dem Königreich Dahomey, durch welchen Portugal Anfang 1886 das Protektorat über dessen gesamte Küste übernahm.[2] 1892 fiel Dahomey jedoch an Frankreich. Französische Truppen, größtenteils afrikanischen Ursprungs, eroberten Dahomey zwischen 1892 und 1894 endgültig.

Kultur[Bearbeiten]

Die Amtssprache des Königreiches war Fon.

Die Königspaläste von Abomey wurden 1985 in die Unesco-Weltkulturerbe-Liste aufgenommen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Robert Cornevin: Histoire du Dahomey. Editions Berger Levrault, Paris 1962.
  • A. Le Hérissé: L'Ancien Royaume du Dahomey. H. Charles-Lavauzelle, Paris 1911.
  • Melville J. Herskovits: Dahomey, an Ancient West African Kingdom. J. J. Augustin, New York 1938.
  • James Cameron Monroe: Königreiche der Sklaverei. In: Spektrum der Wissenschaft August 2012, S. 60–66.
  • Werner Peukert: Der atlantische Sklavenhandel von Dahomey 1740-1797. Wirtschaftsanthropologie und Sozialgeschichte. (= Studien zur Kulturkunde, Bd. 40). Wiesbaden, Franz Steiner, 1978.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ulf Hagemann: Das Königreich Dahomey zwischen Sklavenhandel und französischer Kolonie Erstveröffentlichung: 1. Oktober 2002 bei geschichte.uni-hannover.de (eingesehen am 6. Februar 2010)
  2. Brockhaus´ Conversations-Lexikon, 13. Ausgabe. Supplementband, Seiten 17 (Afrika) und 602 (Portugal). Leipzig 1887