Der große Coup

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Filmdaten
Deutscher Titel Der große Coup
Originaltitel Charley Varrick
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1973
Länge 111 Minuten
Altersfreigabe FSK 18 (bei Erscheinen), danach 16
Stab
Regie Don Siegel
Drehbuch John Reese (Buch)
Dean Riesner
Howard Rodman
Produktion Don Siegel
Musik Lalo Schifrin
Kamera Michael C. Butler
Schnitt Frank Morriss
Besetzung

Der große Coup ist ein Thriller von Don Siegel aus dem Jahr 1973 nach dem Roman „The Looters“ von John Reese. Der Film kam am 19. Oktober 1973 in den USA in die Kinos im Verleih der Universal Pictures. Walter Matthau wurde 1974 für diesen Film mit einem British Academy Film Award als Bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. Frank Morriss wurde 1974 für den gleichen Preis in der Kategorie Bestes Drehbuch nominiert.

Handlung[Bearbeiten]

Charley Varrick, ein ehemaliger Kunstpilot, hat sein wenig einträgliches Geschäft als selbstständiger Schädlingsbekämpfer satt. Gemeinsam mit seiner Frau Nadine und zwei weiteren Komplizen hat er deswegen schon wiederholt kleinere Banken überfallen. Da die Beute immer nur wenige tausend US-Dollar betrug, ebbte das Interesse von Sheriff und Staatsanwaltschaft an der Aufklärung der Überfälle meist schnell ab.

Als Charley und Nadine zusammen mit Al und dem etwas unbedarften Harman Sullivan eine Bank in New Mexico ausrauben, geschieht das Unvorhergesehene. Al und ein Wachmann der Bank werden erschossen, Varricks Frau erschießt zwei Polizisten, wird angeschossen und stirbt kurze Zeit später an ihren Verletzungen. Die Beute beträgt mehr als 750.000 US-Dollar. Da der Überfall in den Nachrichten kaum Erwähnung findet und zudem die Bank erklärt, die Höhe des geraubten Geldes betrage lediglich 2.000 Dollar, ahnt Varrick, dass es sich bei der Beute um Schwarzgeld der Cosa Nostra handelt, das in der kleinen Bank zwischengelagert wurde. Während er in diesem Fall zu höchster Vorsicht mahnt, unterschätzt der unbekümmerte Harman die Brisanz der Situation, in der sich beide von da an befinden: Er hat vor, das Geld mit vollen Händen auszugeben.

Der sadistische Auftragsmörder Molly wird vom Syndikat auf die Bankräuber angesetzt. Da die verantwortlichen Mafiabosse sich weigern, an „Zufälle“ zu glauben, vermuten sie einen Informanten aus den eigenen Reihen, weswegen der Unterboss Maynard Boyle in Verdacht gerät, in den Überfall verstrickt zu sein; es handelte sich um Geld aus seinem Verantwortungsbereich, das bei dem Überfall geraubt wurde. Boyle teilt dem Filialleiter Young mit, dass die Mafia beide für das Verschwinden des Geldes verantwortlich machen wird. Young, der Angst vor Folter hat, erschießt sich selbst.

Währenddessen bereitet sich Varrick darauf vor, zusammen mit Sullivan das Land zu verlassen. Er möchte bei einer Fotografin, die nebenbei eine kleine Fälscherwerkstatt betreibt, neue Pässe besorgen. Der Besitzer des Waffengeschäfts, der Charley Varrick die Adresse der Fotografin verkaufte, verkehrt aber selbst in Unterweltkreisen und wird schließlich von Molly gezwungen, sein Wissen preiszugeben. Von der Fotografin erfährt Molly dann die Kontaktadresse von Varrick, ein Wohnwagenpark. Dort erscheint Molly des Nachts auf dem Gelände. Der naive Harman hat zwar offensichtlich zunächst Bedenken, öffnet dem ihm Unbekannten aber schließlich die Wohnwagentür – entgegen Charleys vorheriger Warnungen. Molly versucht mit Folter, aus Harman das Versteck der Beute sowie den Aufenthaltsort von Charley herauszupressen; allerdings kennt Harman beides nicht. Molly prügelt ihn zu Tode und lässt ihn erschlagen im Wohnwagen zurück.

Varrick entschließt sich, weiteren Nachstellungen zuvorzukommen, und kontaktiert Boyle zwecks einer Geldrückgabe. Diese soll auf einem Schrottplatz stattfinden – dem Ort des Showdowns. Varrick – wohl wissend, dass Molly die beiden beobachten wird – stellt eine Falle. Er täuscht herzliche Umarmungen mit Boyle vor. Molly denkt daraufhin, dass Boyle ein Komplize Varricks war und tötet Boyle mit seinem Wagen. Unterdessen versucht Varrick scheinbar, mit seinem Flugzeug zu fliehen, überschlägt sich nach einer langen Verfolgungsjagd aber absichtlich und bleibt kopfüber liegen. Molly glaubt, ihn in der Hand zu haben und verspricht ihn zu befreien, wenn er ihm den Ort der Beute zeigt. Als Molly den Kofferraum eines in der Nähe abgestellten Schrottautos, das Versteck der Beute, öffnet, explodiert eine Bombe und tötet ihn. In dem Kofferraum liegt auch die entstellte Leiche von Harman; diese trägt Charleys Armbanduhr und auch seinen Ehering. Zuvor hatte Charley mit einem nächtlichen Besuch in der Praxis seines Zahnarztes und dortigem Austausch der Röntgenbilder dafür gesorgt, dass die verbrannten Überreste im Kofferraum als seine eigenen identifiziert werden würden.

Charley besteigt schließlich einen versteckt geparkten Wagen und kann unbehelligt mit der Beute fliehen.

Produktion[Bearbeiten]

Drehort für die Außenaufnahmen war Nevada, die Bank in dem Ort Genoa, der Trailerpark bei Dayton, die Kleinstadtszenen mit der Wohnung der Fotografin in Gardnerville, die Großstadtszenen in Reno. Die Schlussszene auf dem Autoschrottplatz wurde in der Nähe der „Mustang Ranch“, einem Bordell östlich Reno (der Besitzer Joe Conforte tritt in einem Cameo als er selbst auf) gedreht.[1]

Der Arbeitstitel war „The last of the Independents“ (die ironische Bezeichnung, die Varrick sich auf seinem Firmenschild verpasste).

Don Siegel hat einen kurzen Cameo-Auftritt, bei dem er mit dem asiatischen Mafiaboss Tischtennis spielt.

Hintergründe[Bearbeiten]

Das Flugzeug, das Matthau in der Schlussszene benutzte, havarierte drei Jahre später bei einem Sprüheinsatz, wobei der Pilot starb.

Andrew Robinson (hier das Opfer) spielte im ersten „Dirty Harry“ Film von Don Siegel selbst einen psychopathischen Killer.

Die Warnung von Boyle an den Bank-Filialleiter, er würde nackt ausgezogen und mit Drahtzange und Lötlampe bearbeitet („a blow torch and a pair of pliers“), wird etwas abgewandelt von Quentin Tarantino in Pulp Fiction benutzt.[2]

Kritik[Bearbeiten]

Die Chicago Tribune schreibt: Dieser Film hat einige der besten Sequenzen an schwarzem Humor und Spannung in Siegels Karriere.[3]

Ekkehard Knörer in jump-cut: Nüchtern, beinahe desinteressiert, folgt der Film Charley Varrick Schritt für Schritt, jede Annäherung ans Innenleben aber wird verweigert. Die vom Drehbuch vorgesehene Sentimentalität der Vorgeschichte erstickt sogleich in der Regungslosigkeit des echsengleichen Helden. In diesem Kontrast steckt der hauptsächliche Reiz des Films: noch die überraschendste List Varricks trifft auf äußerste Gleichmut, der Figur wie der Inszenierung.[4]

Vincent Canby in der New York Times: Es gibt eine Menge von Gewalt in Der große Coup [...] Doch die Gewalt ist keine störendes Abbild irgendeiner erkennbaren realen Welt, sondern vielmehr wesentlicher Bestandteil der Choreographie des Action-Melodrams in einer Scheinwelt.[5]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Locations auf IMDb.com
  2. Trivia auf IMDb.com
  3. Chicago Tribune vom 10. September 2000
  4. jump-cut.de
  5. New York Times vom 20. Oktober 1973