Der wilde Alexander

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Der wilde Alexander - Darstellung aus dem Codex Manesse

Der wilde Alexander (auch Meister Alexander, schrieb Mitte/Ende 13. Jahrhundert) war ein Minnesänger. Seine Lieder gehören zur Sangspruchdichtung.

Leben[Bearbeiten]

Der vielleicht aus Alemannien oder der Schweiz stammende Dichter ist nicht nur im Codex Manesse, wo er als wilder Reiter im roten Gewand dargestellt wird, mit Liedern vertreten, sondern auch in der Jenaer Liederhandschrift. Er dichtete gegen Ende des 13. Jahrhunderts (erstmals in Dokumenten erwähnt 1247, letztmals 1288). Die Forschung ist sich nicht einig, ob Alexander zum niederen Adel gehörte, nimmt aber überwiegend an, dass er ein fahrender Sänger war.[1]

Werk[Bearbeiten]

Lieder[Bearbeiten]

Von Alexander sind vier Lieder vollständig erhalten, eines fragmentarisch. Er verwendet eher schwer auflösbare Bilder[2], was auf einen hohen Bildungsgrad des Verfassers schließen lässt.[3] Alexander schrieb ein Weihnachtsgedicht, einen Minneleich, der vom Wesen Amors handelt und die Zerstörung Trojas erwähnt, und das Gedicht Hie vor dô wir kinder wâren, eine der wenigen Darstellungen von Kindheit in der zeitgenössischen Lyrik.

Liedbeispiel[Bearbeiten]

Owe daz nach liebe gat (die beiden ersten Strophen)
Owe daz nach liebe gat
leit so man ez tribe
nu wil mynne und ist ir rat
daz ich da von scribe
Sie sprach selle wider mich
scrib daz leyt ob allem leyde.
swa sich lieb von libe scheide
trurich und unendelich
Miner frowen unde mir
wil ich dis leit schrieben
si lebet mir so leb ich ir
unde kunnen vertriben
ouch mit iamer unser klage
minne wil unde kan gebieten
daz wir uns dur si genieten
kurzer fröide unde langer tage[4]

O weh, dass uns Liebe Leid bringt, wenn wir ihrer pflegen! Nun will die Minne, dass ich über sie schreibe. Sie sagte: Schreib vom allerhöchsten Leid, wenn sich Liebende trennen, traurig und für immer. // Für meine Dame und mich will ich dies Lied schreiben. Sie lebt durch mich und ich durch sie. Unsere Klage lindern wir, indem wir gemeinsam klagen: Minne wird und kann uns gebieten, dass wir durch sie kurze Freude und lange Tage erleben.

Werke[Bearbeiten]

  • Ein wunder in der werlde vert
  • Hie vor dô wir kinder wâren
  • Mín trûclîchez klagen (Minneleich)
  • Owê daz nach liebe gât
  • Sîôn trûre

Literatur[Bearbeiten]

  • Jürgen Biel: Der wilde Alexander. Untersuchungen zur literarischen Technik eines Autors im 13. Jahrhundert. Hamburg 1970.
  • Ulrich Müller: Untersuchungen zur politischen Lyrik des deutschen Mittelalters. Göppingen 1974. (Zu Meister Alexander siehe S. 155–158.)
  • Sabine Schmolinsky: Der wilde Alexander. In: Walther Killy (Hrsg.): Literaturlexikon. Band 12. Gütersloh 1992, S. 328.
  • Peter Kern: Meister Alexanders Lied ‚Owê, Minne’. Kritik der Konjekturalkritik. In: Heimo Reinitzer (Hrsg.): Textkritik und Interpretation. Festschrift für Karl K. Polheim. Bern 1987, S. 83–95.
  • Wilhelm WilmannsAlexander der Wilde. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 1, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 337.
  • Hellmut Rosenfeld: Alexander, der Wilde. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 195 (Digitalisat).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.answers.com/topic/der-wilde-alexander
  2. Weblink auskommentiert, die Seite verursacht derzeit Malware-Warnung, 12. Febr. 2011
  3. http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg848/0819
  4. Weblink auskommentiert, die Seite verursacht derzeit Malware-Warnung, 12. Febr. 2011

Weblinks[Bearbeiten]