Dewar-Benzol

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Strukturformel
Strukturformel von Dewar-Benzol
Allgemeines
Name Dewar-Benzol
Andere Namen
  • Bicyclo[2.2.0]hexa-2,5-dien
  • Dewar-Benzen
Summenformel C6H6
CAS-Nummer 5649-95-6
PubChem 98808
Eigenschaften
Molare Masse 78,11 g·mol−1
Aggregatzustand

flüssig

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
keine Einstufung verfügbar
H- und P-Sätze H: siehe oben
P: siehe oben
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Dewar-Benzol (auch Dewar-Benzen) ist der Trivialname für die Verbindung Bicyclo[2.2.0]hexa-2,5-dien, ein Valenzisomer des Benzols. Der Name beschreibt die von James Dewar vorgeschlagene Formel für C6H6, die seiner Meinung nach aber nicht Benzol darstellte. Dewar selber hielt die von August Kekulé vorgeschlagene Formel für richtig.

1962 konnte erstmals ein Derivat dieser Grundstruktur hergestellt werden, im Jahr darauf gelang die Synthese von reinem Dewar-Benzol. Es hat wegen der vieratomigen Ringe und der Doppelbindungen darin eine hohe Ringspannung und ist deshalb viel instabiler als Benzol. Außerdem ist es im Gegensatz zu Benzol nicht aromatisch und zeigt im NMR-Spektrum zwei anstatt eines Signals.

Unter Normalbedingungen isomerisiert es mit einer Halbwertszeit von 37 Stunden[2] zu Benzol. Die Umwandlung ist kinetisch gehemmt: für die konzertierte Ringöffnung verlangen die Woodward-Hoffmann-Regeln (Erhaltung der Orbitalsymmetrie) konrotatorischen Verlauf (gleicher Drehsinn der CH-Bindungen an der sich öffnenden, zentralen CC-Bindung). Dabei ist es unerheblich, ob 4 oder 6 Elektronen in die Betrachtung einbezogen werden:

Grenzorbitalanalyse zur elektocyclischen Ringöffnung von Dewar-Benzol unter Berücksichtigung von 4 bzw. 6 Elektronen

Eine konrotatorische Ringöffnung würde jedoch zu einer Benzol-Struktur mit einem endocyclischen Proton führen, was einer trans-Doppelbindung im Sechsring entspräche. Sie wird somit durch die sich aufbauende Ringspannung verhindert, woraus sich die vergleichsweise hohe Halbwertszeit des Dewar-Benzols erklärt.

Darstellung[Bearbeiten]

Es wird durch Bestrahlung von cis-1,2-Dihydrophthalsäureanhydrid und anschließender Oxidation mit Blei(IV)-acetat gewonnen.[3]

Synthese des Dewar-Benzols aus cis-1,2-Dihydrophthalsäureanhydrid

Weitere Valenzisomere des Benzols[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Diese Substanz wurde in Bezug auf ihre Gefährlichkeit entweder noch nicht eingestuft oder eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.
  2. Eintrag zu Dewar-Benzol. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 25. Dezember 2014.
  3.  E. E. van Tamelen, S. P. Pappas, K. L. Kirk: Valence bond isomers of aromatic systems. Bicyclo[2.2.0]hexa-2,5-dienes (Dewar benzenes). In: J. Am. Chem. Soc. 93, Nr. 23, 1971, S. 6092–6101, doi:10.1021/ja00752a021.