Die Weihe des Hauses

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Ludwig van Beethovens Begleitmusik zu Die Weihe des Hauses ist eine Adaption seines früheren Werks Die Ruinen von Athen, op. 113.

Anlässlich der Neueröffnung des Josefstädter Theaters in Wien am 3. Oktober 1822 passte Marinekriegskommissär Karl Meisl das Festspiel Die Ruinen von Athen von August von Kotzebue an. Es entstand Die Weihe des Hauses.[1] Meisl änderte dabei den Text, sodass die bisherige Musik Beethovens nicht vollständig zum Text passte, und ergänzte den Text Wo sich die Pulse, für den Beethoven eine neue Komposition erarbeitete (WoO 98). An der übrigen Begleitmusik änderte Beethoven wenig, fügte aber einen Schlusschor mit Violinsolo und Ballett ein, überarbeitete einen Marsch (op. 114)[2] und schrieb die neue Ouvertüre (op. 124), da die ursprüngliche Ouvertüre als Nachstück nicht angemessen war.[2][3]

Es war das erste Werk Beethovens, nachdem er seine Studien von J. S. Bach und Georg Friedrich Händel abgeschlossen hatte, und ist daher stark von diesen beeinflusst. Beethoven widmete die Ouvertüre dem Fürsten Nikolaus von Galitzin.

Erstaufführung[Bearbeiten]

Beethoven leitete die Erstaufführung am 3. Oktober 1822, dem Namenstag des Kaisers Franz, im Wiener Theater der Josefstadt und saß am Klavier. Die 400 verfügbaren Plätze des Theaters waren Wochen im Voraus ausverkauft. Anton Schindler spielte die erste Geige, Kapellmeister war Franz Gläser, als Tenor sang Michael Greiner. Obwohl Beethoven zu der Zeit noch ein wenig hören konnte, befand Anton Schindler, dass Beethoven keine größeren Orchester mehr leiten könnte und die Qualität der Aufführung darunter gelitten hätte. Dennoch war das Publikum begeistert und die Aufführung wurde an den nachfolgenden drei Tagen wiederholt.[1]

Aufbau der Ouvertüre[Bearbeiten]

Eine Anekdote von Anton Schindler[1] beschreibt, dass Beethoven während eines Spazierganges an zwei Themen für die Ouvertüre arbeitete, und verweist auf die Absicht des Komponisten, eines der Themen nach der contrapunktischen Weise Händels zu formen. Beethoven wählte eine monothematische Struktur, in der eine Modulation auftaucht, in welcher das Thema jedoch ganz nach Haydn angeordnet ist, was auf einen Einfluss desselben schließen lässt.

Die Ouvertüre beginnt mit Streichern, welche den Beginn einer langsamen Introduktion im Stile Haydns ankündigen. Ein langsamer, prozeduraler, Marsch klingt aus der Ferne an. Nun übernehmen die Bläser das Thema und werden von Geigern zur Wiederholung des Marsches begleitet. In dem Moment, in welchem die imaginäre Prozession anzukommen scheint, intensiviert sich der Marsch und schließt mit Fanfaren sowie Kesselpauken. Eine Fanfare, welche den Fagottsatz begleitet, und später Geigen beginnen die Aufregung der Menge zu beschreiben; es folgt eine schnelle tutti Sektion, welche das Hauptstück der Ouvertüre anzukündigen scheint, die jedoch einer Sonata-Allegro Form den Weg bereitet. Erneut beginnen Trompeten und Pauken, sie führen zu einem Zwischenspiel, welches das Hauptstück der Ouvertüre, ein fugales Allegro (nach Schindler) einleitet. Verschiedene Instrumentengruppen steigen im Wechsel ein und schaffen eine fugale Textur. Das Thema taucht bei den ersten Geigen auf; Flöte und Oboe bilden ein Gegenthema mit zweiten Geigen und Klarinetten. Diese Sektion crescendiert geschwinde und auf die Wiederholung folgend bringt eine starke Coda die Ouvertüre zu einem brillanten Abschluss.

Sätze[Bearbeiten]

Die oben beschriebene Ouvertüre, Beethovens op.124, ist das erste Stück in nachfolgender Liste. Die anderen Züge sind Auszüge, welche Beethoven schrieb, oder von anderen seiner Werke adaptierte.

Musik zu Carl Meisls Gelegenheitsfestspiel, Hess 118 [51.19]

(Zeiten nach einer Aufnahme, zur Orientierung über die relative Länge der Sektionen)

  • Die Weihe des Hauses, Ouvertüre, op. 124 (10.52)
  • No. 1 Unsichtbarer Chor. Folge dem mächtigen Ruf der Ehre! (4.05)
  • No. 2 Duett. Ohne Verschulden Knechtschaft dulden (3.58)
  • No. 3 Chor der Derwische (2.37)
  • No. 4 Marcia alla turca (1.39)
  • [No. 5] Chor mit Sopran-Solo, WoO 98. Wo sich die Pulse jugendlich jagen. Laßt uns im Tanze (6.03)
  • No. 6 Marsch mit Chor, op. 114. Schmückt die Altäre! (6.39)
  • No. 7 Musik hinter der Szene [Melodram]. Es wandelt schon das Volk in Feierkleide (Rezitation) (1.45)
  • Rezitativ: Mit reger Freude, die nie erkaltet (1.45)
  • Chor: Wir tragen empfängliche Herzen im Busen – Arie mit Chor: Will unser Genius noch einen Wunsch (7.58)
  • No. 9 Chor: Heil unserm Kaiser! (3.57)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c  Elliot Forbes (Hrsg.): Princeton University Press, 1967, ISBN 9780691027180 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. a b Begleitmusik auf Beethoven-Haus-Bonn.de
  3. The Age of Beethoven auf Books.Google.de

Weblinks[Bearbeiten]