Einwohnerwert
Der Einwohnerwert (EW) ist der in der Wasserwirtschaft gebräuchliche Vergleichswert für die in Abwässern enthaltenen Schmutzfrachten. Mit Hilfe des Einwohnerwertes lässt sich die Belastung einer Kläranlage abschätzen. Er entspricht der Summe aus Einwohnerzahl und Einwohnergleichwert.[1]
Inhaltsverzeichnis |
Sauerstoffbedarf (BSB) [Bearbeiten]
Zum Abbau der organischen Verschmutzungen im Abwasser wird Sauerstoff benötigt. Als eine Möglichkeit zur Kennzeichnung des Verschmutzungsgrades eines Abwassers ermittelt man den biochemischen Sauerstoffbedarf in 5 Tagen (BSB5) nach einem genau festgelegten Verfahren.
Das durch Duschen, Baden, Wäschewaschen, Geschirrspülen, Benutzung der Toilette usw. täglich entstehende häusliche Abwasser eines einzelnen Einwohners – etwa 150 Liter am Tag – verursacht im Mittel einen biochemischen Sauerstoffbedarf von 60 Gramm je Tag (60 g/d).
Seitdem die Bestimmung des CSB (mit Betriebsmethoden) immer einfacher und besser wurde, hat der BSB 5 seine Bedeutung in der Praxis immer mehr verloren. Dieses lag auch an den vielen möglichen Fehlerquellen der BSB 5 Bestimmung und dem Aufwand und der Dauer der Untersuchung. So steht ein CSB Wert schon nach sehr kurzer Zeit zur Verfügung. (1-3 Std CSB / 5 Tage BSB 5)
(Hier gibt es inzwischen Betriebsmethoden, die sehr zuverlässig und sehr schnell aussagekräftige Ergebnisse bringen). Auch sind die Betriebsmethoden in den Jahren sehr genau geworden und können mit dem DIN – Verfahren gut mit halten.
Seit Einführung von Schnellanalysen mit gutem Erfolg.
So sieht Baden- Württemberg seit der Eigenkontroll- Verordnung vom 31. März 2001 für Kläranlagen keine routinemäßigen Messungen des BSB 5 mehr vor. Dadurch ist die Datendichte eines Einzugsgebiet durch den CSB inzwischen sehr viel höher präziser und aussagekräftiger. (Da inzwischen die meisten Kläranlagen messen gar kein BSB 5 mehr messen liegen auch kaum mehr Daten vor). Vor dem Neubau einer Kläranlage wäre es theoretisch denkbar BSB 5 Messreihen zur Bestimmung der Ausbaugröße durchführen zulassen. Dieses wird aber in Deutschland heute kaum der Fall sein, da wir eine nahezu flächendeckende Abwasserreinigung und damit Messdaten vorliegen haben. Aber auch hier spricht dann sehr viel für eine CSB Frachtermittlung.
Kritik am CSB besteht hinsichtlich der Gesundheitsschädlichkeit der Methode. Weshalb es immer wieder Bestrebungen gab den CSB durch den TOC zu ersetzen, dieses scheitert aber letztlich immer an der praktischen Vergleichbarkeit der TOC Werte, bezogen z.B. auf EGW.
Auch sind Stoffe die im CSB (BSB) erfasst werden im TOC nicht abgebildet, hier sind BSB und CSB einfach praxisnäher.
Da das Verhältnis BSB zu CSB ziemlich genau 1 zu 2 ist, wird nun ein EGW mit 120 Gramm je Tag (120 g/d) angegeben.
Einwohnerzahl (EZ) [Bearbeiten]
Als Maß für die Schmutzfracht, die mit häuslichem Abwasser in eine Kläranlage gelangt, dient die Einwohnerzahl - abgekürzt EZ. Sie entspricht der Anzahl der natürlichen Personen, der tatsächlichen Einwohner, die an eine Kläranlage angeschlossen sind.
Einwohnergleichwert (EGW) [Bearbeiten]
Als Maß für die Schmutzfracht, die mit gewerblichem Abwasser in eine Kläranlage gelangt, dient der Einwohnergleichwert. Er vergleicht die Schmutzfracht eines gewerblichen Abwassers - zum Beispiel das Abwasser einer Brauerei, einer Wäscherei, einer Molkerei usw. - mit der Schmutzfracht im häuslichen Abwassers eines einzelnen tatsächlichen Einwohners. Wird zur Ermittlung des EGW der Biochemischer Sauerstoffbedarf (BSB) herangezogen, teilt man die mittlere tägliche Schmutzfracht im gewerblichen Abwasser eines Betriebes durch die 60 g/d, die ein Einwohner verursacht.
Beispiel: Das Abwasser einer mittleren Brauerei mit einem Bierausstoß von 100.000 Hektoliter pro Jahr entspricht etwa 50.000 EGW. Die gleiche Schmutzfracht ist im häuslichen Abwasser einer Stadt mit 50.000 Einwohnern enthalten.
Zur Ermittlung des Einwohnergleichwertes können auch noch andere Parameter, wie der Chemische Sauerstoffbedarf 120g E*d (CSB), die Stickstofffracht 11g E*d, die Phosphorfracht 1,8g E*d, die Fracht an organisch gebundenem Kohlenstoff (TOC), die Schwebstofffracht oder auch der Wasserverbrauch 200L E*d herangezogen werden.
Ermittlung des Einwohnerwertes (EW) [Bearbeiten]
Die Summe aus Einwohnerzahl (EZ) und Einwohnergleichwerten (EGW) ergibt den Einwohnerwert EW.
Es gilt: EW = EZ + EGW.[1] Die Einheit für den Einwohnerwert, die Einwohnerzahl und dem Einwohnergleichwert ist [E] (Einwohner).
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ a b M. Bahadir, H. Parlar, M. Spiteller: Springer Umweltlexikon. 2. Auflage, Seite 359, Springer, Berlin 2000, ISBN 3-540-63561-0 (online)