Eremitage
Die Eremitage oder Ermitage (französisch ermitage [ɛʁmiˈtaʒ] Einsiedelei, mitunter auch als Eremo bezeichnet) ist ein Ort der Kontemplation. Eremiten, die Geistliche, Mönche oder religiöse Laien sein können und mitunter auch Waldbrüder genannt werden, trachten in einsam gelegenen Klausen und Kapellen nach Einklang mit Gott und Natur.
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Zeitgenössische Einsiedeleien [Bearbeiten]
Einsiedeleien werden auch heute noch von Einsiedlern bewohnt, zum Beispiel die 2001 geweihte Einsiedelei Unserer lieben Frau vom verschlossenen Garten in Warfhuizen (Niederlande), dem nördlichsten Marienwallfahrtsort Europas. Eine weitere Einsiedelei Klus Eddessen befindet sich bei Borgentreich im Kreis Höxter. In der Schweiz bekannt ist die Einsiedelei Sankt Verena in der Verenaschlucht bei Solothurn.
Eine besondere Eremitage, die unter Fachleuten als einmalig nördlich der Alpen gilt, ist die "Felseneremitage" in der Ortsgemeinde Bretzenheim/Nahe, eine wohl schon in der Vorzeit entstandene und ganz in den Fels eingehauene Kultstätte, die in frühchristlicher Zeit eine Umwidmung erfuhr. Eine frühe Kirche ist erstmals im Jahre 1043 erwähnt. Die heute noch begehbare Wohnung (90 m²) im Fels war zeitweise Heimstatt mehrerer Eremiten bzw. Konvent eines Felsenklosters. Die letzten Bewohner waren zwischen 1716 und 1827 Eremiten, die hier nach längerer Vakanz wieder einen weit über die Grenzen hinaus bekannten Wallfahrtsort begründet hatten. Der letzte Einsiedler starb im Jahre 1827 nach 51 Jahren eremitischen Lebens im Alter von 82 Jahren.
Höfische Gartenkunst [Bearbeiten]
Im 16. Jahrhundert wurde die Eremitage für die höfische Gartenkunst entdeckt und veränderte sich in einem solchen Fall zum Ort der weltlichen Besinnung. Seit dem 18. Jahrhundert wurden Eremitagen zumeist nur noch als optische Gestaltungselemente verwendet. Ein Phänomen des 18. und frühen 19. Jahrhunderts waren die Schmuckeremiten, professionelle Einsiedler, die während einer vertraglich festgelegten Dauer in den eigens für sie eingerichteten Eremitagen wohnten und sich zu bestimmten Tageszeiten sehen ließen, um die Eigentümer der Parks und deren Gäste mit ihrem Anblick zu unterhalten.
Damit war der Schritt vom Ort der geistigen Ruhe über den Naturpark zum Vergnügungspark erfolgt. In Englischen Gärten – wie beispielsweise dem im 18. Jahrhundert angelegten Wörlitzer Park, einem der ersten und größten deutschen Landschaftsparks nach englischem Vorbild, oder dem Bergpark Wilhelmshöhe (Kassel) – entstanden künstliche Grotten und Wasserfälle, man baute künstliche Ruinen und römische Tempel, maurische Höfe, chinesische Pagoden, Almhütten und viele weitere ungewöhnliche Zierbauten.
Mit einer 1775 errichteten kleinen Eremitage legte Katharina II. den Grundstein für die spätere berühmte Sankt Petersburger Eremitage. Die 1796 errichtete und zwischenzeitlich verfallene Einsiedelei am Potsdamer Jungfernsee wurde 2007 wieder errichtet. 1877 ließ König Ludwig II. im Ettaler Schloss Linderhof die Einsiedelei des Gurnemanz nach einem Bühnenbild aus Richard Wagners Oper Parsifal errichten, die verfiel und inzwischen im Schlosspark rekonstruiert wurde.
Bürgerliche Eremitage [Bearbeiten]
Selten wurden bürgerliche Eremitagen angelegt. Meist waren die Urheber aus dem Bildungsbürgertum. Als einziges erhaltenes Eremitenhäuschen gilt die 1760 von dem Theologen Johann Theodor Künneth erbaute Eremitage in Creußen.
Bekannte Eremitagen [Bearbeiten]
Verschiedene weitere Anlagen tragen heute den Namen Eremitage, sind aber nicht mehr von Einsiedlern bewohnt:
Deutschland
- Eremitage in Bayreuth
- Eremitage in Bretzenheim
- Eremitage in Lindlar
- Magdalenenklause im Park von Schloss Nymphenburg in München
- Eremitage Maria Reizenborn bei Riesweiler
- Wallfahrtstätte Eremitage bei Siegen
- Eremitage bei Waghäusel
Weitere
- Eremitage Blaca (Kroatien)
- Eremitage in Arlesheim (Schweiz)