Fatigue-Syndrom

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Dieser Artikel erläutert das Fatigue-Syndrom; zu anderen Bedeutungen siehe Erschöpfung.
Klassifikation nach ICD-10
F48.0 Neurasthenie
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Die Bezeichnungen Fatigue-Syndrom (FS), Erschöpfungs-Syndrom oder oft auch verkürzt Fatigue (französisch für Müdigkeit, übersetzt Erschöpfung) werden in der Medizin in unterschiedlichen Zusammenhängen verwendet. Fatigue ist ein Symptom, das verschiedene chronische Erkrankungen begleitet; es kann aber nach heutiger internationaler Auffassung auch eine selbstständige Krankheit darstellen. Das ICD-10 bietet hierfür die Diagnose "Neurasthenie".

Bezeichnung[Bearbeiten]

Während medizinische Standardwörterbücher den Ausdruck Fatigue entweder gar nicht verzeichnen, z. B. der Pschyrembel, oder lediglich mit „Erschöpfung“ übersetzen, wird FS in Deutschland oftmals als Bezeichnung für ein krebsbedingtes Syndrom genutzt. Das Wort wird von diesen deutschen Medizinern vorrangig bei der Behandlung von Krebspatienten in der Onkologie und der Palliativmedizin gebraucht. In der englischsprachigen Fachliteratur ist für diese spezielle Ursache hingegen der Ausdruck Cancer-Fatigue üblich.

Im Gegensatz dazu wird Fatigue von anderen Ärzten als eine allgemeine Erschöpfungssymptomatik, als Folge schwerer chronischer Herz- und Lungenerkrankungen oder bei anderen chronischen Krankheiten wie Sarkoidose, Rheuma, Vaskulitis, Multipler Sklerose, Muskeldystrophien, AIDS, Lupus erythematodes, Morbus Crohn, Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) und Pulmonaler Hypertonie verwendet. Die Fibromyalgie kann in einer schweren Form zur Fatigue führen.

Davon abgegrenzt wird: Chronisches Erschöpfungssyndrom oder Chronic Fatigue Syndrome (CFS, ICD-10 G93.3), das einen ähnlichen Beschwerdekomplex aufweist, jedoch als ein eigenständiges Krankheitsbild, zurzeit noch relativ unklarer Ursache, aufgefasst wird. Sie wird ausführlich im Bezugsartikel dargestellt.[1]

Unter Fatigue fallen weiterhin nicht das Burn-out-Syndrom (Z73.0) oder andere unspezifische Erschöpfungszustände, die als Unwohlsein und Ermüdung (R53) klassifiziert werden.

Die englische Wikipedia äußert sich in eigenen Artikeln über das chronische Erschöpfungssyndrom CFS sowohl zu den (aus historischen Gründen) sehr unterschiedlichen Krankheiten und ihren Namen, die nach heutigem Wissensstand zur Fatigue im internationalen Sinne gehören, als auch zur Geschichte ihrer Erforschung.

Pathogenese bei Krebs[Bearbeiten]

Die Pathogenese des Fatigue-Syndroms bei Krebs ist bislang nicht eindeutig geklärt. Überwiegend wird von einer multifaktoriellen Genese ausgegangen, an der bei Krebskranken auch psychologische Faktoren, Blutbildveränderungen und Ernährungseinflüsse beteiligt sind. Bei ihnen wird die Fatigue durch die Erkrankung selbst oder im Zusammenhang mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung ausgelöst. Sie hält meist Wochen bis Monate über den Behandlungszeitraum hinaus an und beeinträchtigt die Lebensqualität oft erheblich. Typische Merkmale sind eine anhaltende Schwäche und Abgeschlagenheit trotz ausreichender Schlafphasen, eine Überforderung bereits bei geringen Belastungen und eine deutliche Aktivitätsabnahme im privaten und beruflichen Umfeld.

Eine Studie der Universität Iowa zeigte einen Zusammenhang zwischen Schmerzen und Fatigue auf, der erklären könnte, warum mehr Frauen als Männer unter chronischen Schmerzerkrankungen leiden. Durch ein Experiment mit Mäusen fand man heraus, dass männliche Tiere durch ein Zusammenspiel von Testosteron und dem Protein ASIC3 vor Muskelschmerzen und Fatigue geschützt sind.[2]

Therapie bei Krebs[Bearbeiten]

Therapeutisch wird in der Onkologie in erster Linie zu einem Ausgleich einer evtl. bestehenden Blutarmut (Anämie) ggf. auch durch Bluttransfusionen und zu einem vorsichtig dosierten körperlichen Ausdauertraining geraten.

Leitlinien[Bearbeiten]

S3-Leitlinie Fibromyalgiesyndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie der Deutschen Interdisziplinäre Vereinigung für Schmerztherapie (DIVS). In: AWMF online (Stand 2012)

Literatur[Bearbeiten]

  • Die Zs. Annals of Internal Medicine, Hg. American College of Physicians, in den USA führt eine ständige Fachdebatte über viele Aspekte der selbständigen Krankheit in Theorie und medizinischer Praxis und fasst die Ergebnisse zusammen. In Englisch: Print ISSN 0003-4819, Online ISSN 1539-3704 (Online seit 2007, Abstracts frei, ganze Art. kostenpflichtig). Die Website der Fachgesellschaft stellt darüber hinaus ältere wichtige Artikel unter gleichen Bedingungen zur Verfügung, z. B.:
  • Keiji Fukuda u. a. (Studiengruppe): Diagnosis and Treatment. The Chronic Fatigue Syndrome: A Comprehensive Approach to Its Definition and Study. 15. Dez. 1994, Jg. 21, H. 112 Abstract gesamter Artikel, frei (PDF; 1,3 MB)
  • Fatigue: Biomedicine, Health & Behavior [1]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. neuere Untersuchungen (2010) deuten auf einen Zusammenhang etlicher Erkrankungen dieses Typs mit Morbus Pfeiffer, siehe Weblinks: Bundesverband Chronisches Erschöpfungssyndrom, Tagung Sept. 2010
  2. Burnes LA, Kolker SJ, Danielson JF, Walder RY, Sluka KA: Enhanced muscle fatigue occurs in male but not female ASIC3-/- mice. PMID 18305024
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