Fahnlehen

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Das Fahnlehen, auch Fahnenlehen, war zur Zeit des Heiligen Römischen Reiches ein Fürstenlehen, das mittels einer Fahne als Sinnbild des Heerbanns vom Kaiser unmittelbar verliehen wurde; es war regelmäßig auch mit der Gerichtsbarkeit, dem Gerichtsbann verbunden.

Als der Letzte, der auf diese Art belehnt wurde, galt bisher Kurfürst Moritz von Sachsen. Tatsache ist jedoch, dass Kurfürst August noch 1566 in Augsburg in feierlichem Aufzug mit 13 Fahnen belehnt wurde.

Eine Nachahmung dieser Sitte war die Belehnung der Herzöge von Preußen durch den König von Polen zwischen 1525 und 1660. Der letzte derartige Akt überhaupt war die Belehnung des Großen Kurfürsten mit dem Herzogtum Preußen, die er 1641 in Warschau persönlich einholte.

Eine andere Art der symbolischen Übergabe erfolgte mit dem Helm. Ritterlehen wurden mit dem Schild vergeben und daher Schildlehen genannt. Der Brauch der Belehnung mit der Fahne reicht weit zurück. Gregor von Tours erzählt, dass König Guntchramm König Childebert vermittelst eines Speers sein ganzes Reich übergeben habe. Speer und Fahne sind aber identisch, da die Ritter ihre Fahne an den Speer gebunden zu tragen pflegten. Am Hof der Staufer war es Sitte, dass Königreiche mit dem Schwert, Provinzen mit der Fahne verliehen wurden. Kaiser Friedrich I. belehnte 1152 König Peter von Dänemark unter dem Symbol eines Schwerts. Schon lange vor dem Sachsenspiegel wurden alle geistlichen Fürsten-Lehen mit dem Zepter, alle weltlichen Fürsten-Lehen mit der Fahne vergeben. Inzwischen wurde jedoch 1180 dem Erzbischof von Köln die Herzogsgewalt in Westfalen und Engern mit der kaiserlichen Fahne verliehen. Herzog Friedrich von Lothringen wurde 1258 vom Gegenkönig Alfons mit fünf Fahnen belehnt. In späterer Zeit wurde es üblich, dass die Lehnsfahnen mit den Wappen der zu verleihenden Landschaften geschmückt waren; daneben erhielten die Fürsten eine rote Fahne des Blutbannes wegen.

Literatur[Bearbeiten]

Meyers Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890.
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